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Bloodwhite - Weiß wie Schnee. Rot wie Blut. Schwarz wie Ebenholz.

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Zusammenfassung

[🖤Slow Burn Dark Romance🖤] Weiß wie Schnee, rot wie Blut und schwarz wie die Dunkelheit, die sie verschlingen will: Snow hat auf den Straßen gelernt, dass Nähe tödlich sein kann und Vertrauen noch gefährlicher ist. Doch als ihre Vergangenheit sie einholt, fällt sie ausgerechnet Raven in die Hände - einem Mann, über den die Stadt nur im Flüsterton spricht. Raven ist kein Retter. Er ist die Dunkelheit in Menschengestalt: beherrscht, grausam und von Geheimnissen umgeben. Und trotzdem ist er der Einzige, bei dem Snow für einen Moment vergisst, wegzulaufen. Während alte Feinde Jagd auf sie machen und zwischen ihnen ein gefährliches Verlangen wächst, gerät Snow immer tiefer in ein Spiel aus Macht, Gewalt und Verrat. Denn in Ravens Welt ist nichts umsonst. Und ein Herz kann tödlicher sein als jede Waffe.

Status:
Abgeschlossen
Kapitel:
60
Rating
5.0 (1 Bewertung)
Altersfreigabe
18+

Prolog

Da! Eine Schneeflocke!

Ich fange sie mit meiner Hand. Wie eine weiße Blume liegt sie für eine Sekunde in meiner Hand, dann schmilzt sie. Zurück bleibt eine Pfütze.

„Neve!” ruft eine Stimme aus dem Haus. Meine Mama. „Komm bitte gleich zum Abendessen!”

Ich fange eine weitere Schneeflocke und sehe ihr beim Schmelzen zu.

„Neve”, höre ich meine Mama erneut. Ich drehe mich zu ihr um. Sie steht im Türrahmen und lächelt. Sie sieht genauso schön aus wie die Schneeflocken. Sie ist die schönste Frau der Welt.

„Mama!” rufe ich und laufe zu ihr. Sie nimmt mich auf den Arm und trägt mich nach drinnen. Eigentlich bin ich schon zu groß dafür. Ich bin schließlich schon sechs. Aber meine Mama ist so stark, dass sie mich trotzdem noch tragen kann.

„Mein Schatz”, sagt sie leise und gibt mir einen Kuss auf die Stirn. Er fühlt sich warm und nass an. Schnell wische ich die Spucke von meiner Stirn.

Wir setzen uns zusammen mit Papa an den Tisch. Er sitzt auf dem Sofa, das gleichzeitig das Sofa und eine Sitzbank für den Tisch ist. Er strubbelt mir durch die Haare, als ich mich auf meinen Stuhl setze.

Meine Mama gibt mir einen Teller voll mit Kartoffeleintopf. Das gibt es oft. Ich mag es eigentlich nicht so gerne, aber entweder ich esse das oder nichts. Also das.

Plötzlich höre ich ein Brummen vor der Vordertür. Es hört sich an wie sich das große Auto von unserem Nachbarn angehört hat, als er noch gelebt hat. „Mama was ist das?” frage ich.

Mama und Papa schauen sich kurz an. Vielleicht können sie in ihrem Kopf miteinander reden. Manchmal stelle ich mir vor, dass ich das könnte. Das wäre so praktisch.

Da werde ich von meiner Mama so schnell hochgehoben, dass ich quieke. Sie rennt hinten hinaus, wo ich gerade Schneeflocken gesammelt habe. „Mama, was ist los?” rufe ich. Es fühlt sich gar nicht mehr gut an gerade. Irgendwas ist mit Mama los. Aber ich weiß nicht was. Sie fühlt sich so an wie der Hase in meinem Bilderbuch, der vor dem Fuchs weggelaufen ist.

Aber vor was läuft Mama weg?

Sie setzt mich auf dem Boden vor unserem Holzschuppen ab. „Neve”, flüstert sie. Es klingt wichtig. „Du musst jetzt genau das machen, was ich dir sage.” Ich nicke. Sie macht mir Angst und ich weiß nicht warum. „Du musst dich im Holzsschuppen verstecken und mucksmäuschenstill sein, ja? Und du darfst erst rauskommen, wenn ich es dir sage. Auf keinen Fall vorher.”

Sie öffnet die Schuppentür und schiebt mich hinein. „Mama” flüstere ich. Mein Hals fühlt sich nach Tränen an. Aber sie kommen nicht. Ich darf jetzt nicht weinen. Ich muss jetzt stark sein. Für Mama.

„Neve”, sagt meine Mama, als sie die Tür zumachen will. „Vergiss nie, dass ich dich liebe, ja? Und Papa auch. Egal was passiert, wir sind immer bei dir und lieben dich. Und wir sind so stolz auf dich.”

Ich strecke die Hand nach ihr aus. „Mama, was...” sage ich, doch sie schließt nur die Tür.

„Ich liebe dich, Neve”, flüstert sie von draußen. Dann höre ich ihre Schritte wegstapfen.

Plötzlich sind im Haus laute Stimmen. Mein Papa ist dabei. Und meine Mama. Und Stimmen die ich nicht kenne. Ich verstehe nicht, was sie sagen, aber sie klingen laut und böse. Die fremden Stimmen hören sich an wie Hundegebell. Was passiert da?

Ich will nachsehen gehen. Aber Mama hat gesagt, ich muss still sein und im Holzschuppen bleiben. Ich muss tun, was sie gesagt hat. Ich weiß nicht, warum ich mich verstecken soll, aber es klang ganz ganz wichtig.

Ich höre einen Schrei. „Nein!” Das ist Mama. Sie klingt so verzweifelt. „Bitte tut es nicht!” Ihre Stimme kommt näher. Plötzlich höre ich Schritte im Schnee knirschen. So nah, dass sie im Hinterhof sein müssen.

Ich sehe ein kleines Loch im Holz und spähe hinaus. Ich sehe nicht viel. Drei Männer mit schwarzen Stiefeln und schwarzen, glänzenden Jacken. Und Mama und Papa. Papa läuft nicht. Der eine Mann schubst ihn.

„Bitte nicht!” ruft Mama. „Wir geben euch das Geld. Nur eben nicht jetzt!” Geld? Was für Geld? Wir haben doch kein Geld. Ich will Mama sagen, dass wir kein Geld haben, was wir geben können. Aber kein Ton kommt raus. Ich muss mucksmäuschenstill sein. Das habe ich Mama versprochen.

„Das interessiert Glaz nicht”, sagt der eine Mann. Seine Stimme klingt so schrecklich böse, dass ich mir die Ohren zuhalten muss.

Ich sehe weiter zu. Ich kann nicht weg sehen. Papa wird von dem einen Mann festgehalten. Vor ihm steht ein weiterer. Er hat ein schwarzes Ding in der Hand. Ich habe sowas schon mal gesehen. Unten in der Stadt. Es ist schrecklich laut und dann fallen die Menschen um, die davor standen. „Nein!” dringt Mamas Schrei an meine Ohren. „Er hat eine Familie! Eine Tochter! Tut es nicht!” Ihre Stimme zerreißt mir fast den Kopf, sodass ich meine Hände noch fester auf meine Ohren drücke. Ich will das nicht hören.

„Weg da, Frau!“, bellt der eine Mann. „Sonst töten wir dich mit!”

Töten? Was ist töten?

Papas Lippen bewegen sich, aber ich höre ihn nicht. Mama schüttelt dolle den Kopf. Sie stellt sich vor ihn und streckt die Arme aus. „Nein!” ruft sie.

Plötzlich knallt es so laut wie ein Donner. Ich zucke zusammen und meine Hände rutschen von den Ohren. Mama fällt mit einem komischen Geräusch um. Rote Flüssigkeit landet im Schnee. Es sieht so aus wie wenn ich mich geschnitten habe. Aber viel zu dolle.

Ich sehe, wie Papa auf die Knie fällt. Er sieht schrecklich aus. Sein Blick ist starr zu Mama gerichtet.

Doch plötzlich schaut er zu mir. Seine Lippen bewegen sich. Er sagt nichts. Aber ich verstehe es trotzdem. Ich habe diese Lippenbewegung schon so oft gesehen. Er formt meinen Namen. Neve.

Dann donnert es nochmal ganz laut und Papa fällt neben Mama in den Schnee.

Für ein paar Sekunden ist es totenstill. Kein Knirschen im Schnee. Kein Wind. Keine Geräusche von der Straße. Alles still.

Dann steckt der Mann das schwarze Ding zurück in seine schwarze Jacke. „Was ist mit dem Kind?” fragt er laut. Er ist der mit der bellenden Stimme. „Suchen und töten?”

Ein anderer Mann schüttelt den Kopf. „Was soll so ein dummes Blag schon machen... Ein Kind. Das interessiert Glaz nicht.”

„Das Mädchen überlebt eh keine drei Tage”, lacht der dritte Mann. Er klingt kalt. „Sie wird ein paar mal unter den Männern auf den Straßen rumgereicht und dann sterben. Genau wie ihre Eltern.” Er spuckt auf den Boden.

Dann gehen die Männer. Ich bleibe im Schuppen. Es ist ganz still. Ich höre nur meinen Atem. Mama hat gesagt, ich darf nicht raus. Erst wenn sie sagt, ich darf. Sie wird bestimmt gleich aufstehen und mich hier rausholen. Sie hat gesagt, ich muss leise sein. Sie hat gesagt, sie liebt mich. Egal was passiert.

Ich kann mich nicht bewegen. Alles ist kalt. Also sitze ich einfach nur da. Ich weiß nicht wie lange. Es fühlt sich an wie hundert Jahre.

Vielleicht steht Mama erst auf, wenn sie mich sieht. Vielleicht muss ich raus, um ihr zu zeigen, dass es mir gut geht.

Ich öffne die Schuppentür. Ganz langsam, damit sie nicht quietscht. Der Schnee glitzert in der Abendsonne. Kurz sieht es so schön aus wie vorhin, als ich Schneeflocken gesammelt habe.

Dann sehe ich Mama und Papa. Sie liegen beide im Schnee und rühren sich nicht. Mamas schwarze Haare liegen aufgefächert im Schnee. Wie Engelsflügel. Um sie herum ist so viel rot. Als hätte jemand einen Eimer Farbe ausgeschüttet.

Ich bleibe stehen. Meine Beine wollen nicht mehr weiter gehen. „Mama?” flüstere ich. „Mama du kannst jetzt aufstehen. Die Männer sind weg. Ich war ganz leise im Schuppen, sie haben mich gar nicht gesehen. Ich war ganz stark, wie du es mir gesagt hast.”

Ich warte darauf, dass sie die Augen öffnet und sagt ‚Neve, alles ist gut. Lass uns essen.′ Aber nichts passiert. Mama steht nicht auf. Papa steht nicht auf. Kein anderer Erwachsener kommt und hilft mir.

Da ist nur die Stille, der weiße Schnee, das ganze Rot und das Schwarz der Nacht, die langsam kommt.

Und ich. Und niemand sonst. Allein.

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