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Ich bin an die Blicke gewöhnt. Die Blicke von Leuten, die verzweifelt auf Sex aus sind. Blicke von Neidern, die eifersüchtig auf das sind, was sie selbst nicht haben. Sogar Blicke von Menschen, die in glücklichen Beziehungen stecken.
Während ich über den Campus der Bangtan University laufe, ernte ich diese Blicke an jeder Ecke. In der Highschool war das natürlich genauso, ich kenne das also schon.
Damals galt ich als Fuckboy, wenn man es denn so nennen will. Ich bin einfach sehr erfahren, was Sex angeht. Aber obwohl ich viel rumgehurt habe, war ich ziemlich beliebt. Sogar die Mädels, die ich nur einmal gefickt und dann stehengelassen habe, liebten mich. Wenn überhaupt, haben sie sich danach nur noch mehr um mich bemüht.
Beziehungen waren noch nie mein Ding. Ich mag den Gedanken nicht, an jemanden gebunden zu sein. Ich will niemandem wie ein Hund hinterherlaufen oder mich einschränken lassen, wenn sich andere Gelegenheiten bieten. Mit Gelegenheiten meine ich natürlich andere Frauen, aber ja: Bindung ist für mich ein absolutes No-Go.
Ich hoffe, dass sich mein Leben an der Uni nicht großartig ändert. Ich mochte es, wie es in der Highschool lief. Sport, Lernen, Sex, Schlafen. Das war meine Routine, und die will ich auch im College beibehalten. Meine Noten waren gut, mein Körper auch, und mein Sexleben war spitze. Mir hat es gefallen.
Die Orientierungswoche habe ich schon hinter mir. Heute ist der Tag, an dem ich meine Fraternity finde – die Jungs, mit denen ich die meiste Zeit verbringen werde. Wahrscheinlich werde ich mit dieser Verbindung mein ganzes Studium durchziehen.
Es gibt drei Dinge, die mir bei der Wahl wichtig sind. Privatsphäre, keine Sperrstunde und Sex im Haus muss erlaubt sein.
Zwei Verbindungen habe ich mir schon angesehen, aber beide waren irgendwie schräg. Die einen waren total laut und nervig, die anderen streberhaft und verklemmt. Mittlerweile schaue ich mir einfach an, was noch übrig ist.
In einer Fraternity zu wohnen bedeutet weniger Kosten. Außerdem komme ich so weg von meinen dämlichen Eltern, denen ich sowieso völlig egal bin.
Ich werfe einen Blick auf den Campusplan und schaue dann hoch zu dem Haus vor mir. „Das muss es sein“, murmele ich vor mich hin und gehe auf die Tür zu. Von außen sieht der Laden ordentlich und gepflegt aus. Über diese Verbindung weiß ich rein gar nichts. Aber wie gesagt, ich bin mittlerweile verzweifelt.
Ich drücke auf die Klingel und fast im selben Moment fliegt die Tür auf. Vor mir steht ein lachender Junge mit pinken Haaren, der ein Stück kleiner ist als ich.
Sehr gewagt. Offensichtlich schwul. Wo bin ich da bloß gelandet?
Fast muss ich über den Gedanken schmunzeln, aber die Stimme des Jungen unterbricht mich. „Hi“, lächelt er. „Wie kann ich dir helfen?“
Ich rümpfe die Nase und schaue nochmal auf meinen Plan. „Das hier ist – ich bin doch bei der richtigen Verbindung, oder?“
Er zieht eine Augenbraue hoch und mustert mich von Kopf bis Fuß. „Ja, bist du“, betont er jedes Wort, während er mich immer noch abscannt.
Ich schüttle den Kopf, lache kurz auf und sehe weg. Wo bin ich da bloß gelandet?
Der Junge zieht mich ins Haus. Ich stolpere über meine eigenen Füße und keuche kurz auf.
„Hier ist noch einer! Er sieht sogar vielversprechend aus!“, schreit der Junge ins Haus hinein. Er sieht mich an und grinst. „Wir haben hier strengere Regeln als die meisten anderen Verbindungen. Das hast du dir sicher schon gedacht.“
„Naja, eigentlich nicht –“, fange ich an zu erklären, dass ich null Ahnung von ihnen habe. Aber eine tiefere Stimme fällt mir ins Wort.
„Ah, du willst also beitreten.“ Ein großer Blonder streckt mir die Hand entgegen. Ich schüttle sie kurz.
Fester Händedruck. Tiefe Stimme. Einschüchternd. Nicht schwul. Definitiv nicht schwul.
„Naja, ich will es mir erst mal ansehen“, lache ich. „Ich brauche zumindest für das erste Jahr eine Bleibe, vielleicht auch länger. Ich muss die Kosten niedrig halten, mein Einkommen ist gerade nicht besonders hoch.“
Ein noch größerer Junge mit braunen Haaren kommt auf mich zu. Er packt mich am Kinn und dreht meinen Kopf von einer Seite zur anderen. Er begutachtet kurz mein Gesicht, lächelt dann und lässt mich wieder los. „Weißt du, mit deinen Gesichtszügen könntest du als Stricher verdammt viel Kohle machen.“
Der Modegeschmack von dem Typen ist perfekt, und man sieht sofort, dass er viel Wert auf seine Hautpflege legt. Dazu noch seine Ausdrucksweise. Super schwul. Mega schwul. Absolut schwul.
„Danke, schätze ich“, antworte ich lachend.
„Hm“, höre ich jemanden hinter den anderen Jungs brummen. Ein Neuer kommt zum Vorschein und starrt mich spöttisch an. „Er sieht nicht so aus, als hätte er das Zeug dazu, hier zu sein.“
Heilige Scheiße, hat der eine tiefe Stimme. Ich habe richtig gespürt, wie mein Inneres vibriert hat. Bei dem kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass er schwul ist – aber ich wünschte es mir fast. Ich meine, Gott verdammt.
Ich sagte „fast“.
„Zweifelst du an mir?“, frage ich.
Er lacht leise und tritt einen Schritt näher. „Du wärst mir nicht gewachsen, Schätzchen.“
Was zur Hölle soll das denn bedeuten?
Er lacht wieder, dreht sich um und stellt sich zurück zu den anderen.
Ich sehe jetzt, dass sechs Jungs vor mir stehen. Einige wirken schwul wie sonst was, manche sehen total hetero aus, und andere wirken einfach nur dauergeil, was auch immer das heißen mag.
Der Blonde lächelt und legt den Kopf schief, während er mich ansieht. „Er ist aber echt süß. Besser als die anderen, die wir heute hier hatten.“
„Ja, er gefällt mir“, sagt der Pinkhaarige und beißt sich auf die Lippe.
Was zur Hölle habe ich mir da nur eingebrockt?
Der Typ mit der Stimme so tief wie der Ozean meldet sich wieder zu Wort. „Ich weiß nicht, Leute. Suchen wir nicht eher jemanden, der... keine Ahnung... mehr Richtung Regenbogen geht?“
Ich wusste es. Schwul. Aber anstatt abzuhauen und mir eine andere Verbindung zu suchen, fixiert sich mein blödes Hirn nur darauf, dass dieser Vollpfosten an mir zweifelt. Ich hasse es, wenn man mich unterschätzt.
„Was muss ich tun?“ Ich verschränke die Arme und ziehe eine Augenbraue hoch. Ich habe in meinem Leben noch nie eine Herausforderung abgelehnt, und ich fange sicher nicht heute damit an.
Der große Blonde tritt vor und grinst dreckig. „Weißt du überhaupt, wer wir sind?“
„Ähm“, ich halte inne und runzle die Stirn.
Der mit den pinken Haaren antwortet: „Wir nennen unser Haus das Sex House.“ Er starrt mich an, als würde er darauf warten, dass ich einen Rückzieher mache. Als ich nichts sage, redet er weiter. „Wir nennen es aus einem bestimmten Grund so.“
Ich ziehe eine Augenbraue hoch. Das könnte interessant werden.
„Meine Frage steht noch. Was soll ich tun?“, frage ich mit einem arroganten Lächeln.
„Wenn du es schaffst, innerhalb von 24 Stunden jemanden flachzulegen, darfst du hier bleiben“, antwortet Pinky.
Der Junge sieht gut aus, das muss man ihm lassen. Offensichtlich suchen sie sich nur die hübschesten Kerle für ihre Verbindung aus. Ich nehme mal an, dieser Test soll beweisen, dass ich Eier in der Hose habe. Und die habe ich. Das sollte also kein Problem sein.
Ich nicke. „Alles klar. Kinderspiel.“ Ich drehe mich um, um zu gehen, aber ein starker Arm zieht mich zurück. Es ist der große Blonde von vorhin. Er hat hier ganz klar das Sagen.
„Du weißt noch gar nicht, was es bedeutet, hier zu wohnen.“
Ich zucke mit den Schultern. „Okay, wie sehen die Bedingungen aus?“
Der Blonde beißt sich auf die Lippe. „Alle in diesem Haus stehen sich sehr nah“, betont er das letzte Wort. Er will offensichtlich auf etwas Bestimmtes hinaus.
Ich sehe ihn verwirrt an. „Und?“
„Er steht ein bisschen auf der Leitung, oder?“, lacht Pinky.
Ich funkle ihn böse an und sehe dann wieder den Blonden an. „Sag einfach direkt, was Sache ist.“
Der große Blonde lacht leise. „Damit du hier wohnen bleiben darfst, musst du jede Woche mit einem von uns Sex haben“, sagt er mit einem Grinsen.
Meine Augen werden groß. „Das ist ein Scherz, oder?“
Der Blonde lacht nur. „Ich mache keine Scherze.“
„Ich hab doch gesagt, dass er keinen Bock darauf hat“, wirft der Typ mit der tiefen Stimme ein.
Ich knirsche mit den Zähnen. „Ich habe nie gesagt, dass ich keinen Bock habe.“
Der Pinkhaarige hüpft auf und ab und klatscht fröhlich in die Hände. „Yay! Ich kann es kaum erwarten, dich in die Finger zu kriegen.“
Ich ziehe eine Augenbraue hoch. So schlimm kann es nicht sein. Es wird genau so sein, wie mit einem Mädchen im Bett zu landen.
Genauso wie mit einem Mädchen.
Oder?
„Okay, also ich kriege jemanden ins Bett und dann bin ich dabei?“, frage ich.
Der Blonde grinst und nickt. „Normalerweise würden wir das nicht so schnell entscheiden. Aber du hast echt das perfekte Gesicht für unsere Truppe.“
Ich lache kurz auf. „Ich weiß selbst, dass ich gut aussehe. Den Test bestehe ich mit links. Wartet es nur ab“, sage ich herablassend.
„Das glaube ich erst, wenn ich es sehe“, lacht der Typ mit der tiefen Stimme.
„Wo wir gerade dabei sind: Wir brauchen einen Beweis“, sagt Blondie.
Ich nicke. „Kein Problem.“ Mit einem Grinsen im Gesicht drehe ich mich um, um zu gehen.
Gott verdammt, wenn ich nicht so verzweifelt wäre, hätte ich denen den Vogel gezeigt.
Ganz sicher sogar.
Aber ich muss gewinnen.
Es geht nicht nur darum, dass ich eine Unterkunft brauche. Es geht darum, dass diese Idioten glauben, ich schaffe es nicht.
Den werde ich es zeigen. Das wird ein Klacks.
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