Kapitel 1: Centauri-Blut
Die Menschen in New York liefen durch die Straßen, ohne die leiseste Ahnung davon, dass das Übernatürliche existierte. Seit hunderten von Jahrhunderten streiften Werwölfe durch diese Lande, ohne jemals entdeckt zu werden. Sie versteckten sich direkt vor den Augen der Menschen als normale Geschäftsleute, Anwälte, Ärzte, Polizisten oder sogar Drogendealer. In dieser Geheimgesellschaft der Werwölfe gab es eine Hierarchie, und egal, wohin man auf diesem Planeten ging, Hierarchien bedeuteten immer Ärger. Diese Gesellschaft wurde von den stärksten Alphas geführt, und ihre speziellen Rudel folgten ihnen schon seit Anbeginn ihrer Zeit.
Damit dieses System jedoch reibungslos funktionierte, mussten sich alle Alphas an einen Kodex halten, der von ihren Vorfahren erschaffen worden war. Und niemand wusste das besser als der Centauri-Clan. Sie waren die letzte ursprüngliche Familie mit dem reinen Blut des ersten Werwolfs, der jemals von Maya, der Mondgöttin, erschaffen wurde. Sie war die Gottheit, zu der alle Werwölfe – ob gut oder böse – beteten und die sie verehrten. Wenn man sich jemals gefragt hat, warum ein Wolf den einsamen Mond anheulte, dann deshalb, weil dieses wunderschöne Tier wusste, dass Maya seine Gebete immer hören würde.
Die Centauri-Familie war ein starkes Vorbild, dem alle Werwölfe nacheiferten. Gabriel Centauri war der älteste Sohn und der rücksichtsloseste Alpha. Er hatte seine Geschwister eigenhändig dazu erzogen, nicht nur ehrenhafte Krieger und gerechte Beschützer zu sein, sondern auch selbst große Anführer. Ihr Territorium war das sicherste und größte; Frauen konnten nachts alleine spazieren gehen und Kinder konnten frei spielen, ohne sich ständig umsehen zu müssen. Die fünf Geschwister hielten zusammen, weil sie einander vertrauten und, was noch wichtiger war, einander liebten – mehr sogar als ihren eigenen Vater.
Doch hinter diesem prestigeträchtigen Namen verbargen sich viele Geheimnisse und vergossenes Blut.
Die Außenwelt bewunderte die Centauri-Familie dafür, dass sie so stark blieb und sich gegenseitig unterstützte, egal was passierte. Jeder lobte Lord Robert Centauri dafür, dass er solch bemerkenswerte Kinder großgezogen hatte, die nicht nur die stärksten Rudelführer waren, sondern auch milliardenschwere Geschäftsleute, Philanthropen und quasi die Golden Boys dieser Zeit. Was jedoch niemand wusste, war, dass ihre Zeit ablief. Sie hatten eine tickende Uhr, die sie dazu zwang, bald einen Partner zu finden. Das war jedoch leichter gesagt als getan. Einen Partner zu finden war für diese Geschwister fast unmöglich, da jeder seine Augen auf sie gerichtet hatte – und das nicht unbedingt aus den besten Gründen.
Die fünf Erben des Centauri-Clans sollten besser den Partner finden, den die Mondgöttin für sie bestimmt hatte. Andernfalls war es nur eine Frage der Zeit, bis sie sich von dieser prestigeträchtigen Blutlinie verabschieden konnten, die sie so stolz beschützten.
-Manhattan-
Hunter Centauri bog in die Gasse ein und mied die Hauptstraße, da man am besten im Dunkeln jagte. Sein wendiger Körper bewegte sich geschmeidig und kontrolliert durch die Straßen; nichts brachte ihn aus der Fassung, wenn er einen Auftrag erhielt. Sein älterer Bruder hatte diesen speziellen Job Hunter übertragen, weil der Alpha wusste, dass nur Hunter es mit der Gefahr alleine aufnehmen konnte. Hunter war ein kräftiger, wilder Mann und überragte jeden, aber wenn er verschwinden musste, hüllte ihn die Dunkelheit wie ein Kokon ein.
Hunter überquerte die leere Gasse, wo eine Straßenlaterne flackerte und tanzend ihr Licht über die Pfützen des gestrigen Sturms warf. Normalerweise liebte Hunter den Geruch von feuchter Erde und Kiefern nach einem Gewitter, aber diese Gasse roch nicht im Entferntesten wie sein Zuhause. Der Gestank von Alkohol und Müll verdarb seine Laune und die seines Wolfes noch mehr.
Hunter näherte sich der Hintertür eines verlassenen Gebäudes, in dem sich der Mann versteckte, den er suchte. Quinton Fuller war das Letzte vom Letzten; er verkaufte Drogen an Minderjährige und missbrauchte Prostituierte. Er und seine Geschwister hätten diesen Abschaum der menschlichen Polizei überlassen, aber Quinton war ein Werwolf, der letztes Jahr versehentlich verwandelt worden war. Und seitdem stand er auf Gabriel Centauris Abschussliste.
Hunter hätte Quinton schon vor einem Jahr einsperren können, aber dieses Stück Scheiße war in ein Loch gekrochen und hatte keinen Ärger gemacht – bis jetzt. Quinton glaubte, er sei sicher; er hatte sieben Minderjährige und drei junge College-Studentinnen mit Drogen gefügig gemacht und sie an Menschenhändler verkauft, nur um sie abschlachten zu lassen.
Gabriels Intuition hatte ihn nicht getäuscht; er wusste, dass Quinton Ärger bedeutete, und er verspürte den Hunger, Quintons Leben selbst zu beenden, besonders nach dem, was er diesen Kindern angetan hatte. Die Jüngste, Nora Fielding, war auf ihrem Grundstück aufgewachsen, bevor sie fürs College wegzog. Aber das hieß nicht, dass sie den Schutz der Centauris verwirkt hatte. „Einmal Familie, immer Familie.“ Das war der Kodex, dem Hunter folgte, und als sie Noras Leiche fanden, wussten alle, was zu tun war. Quinton Fuller sollte für seine Verbrechen gegen den Centauri-Clan bezahlen. Hunter würde dafür sorgen.
Hunters Handy vibrierte, aber es gab keinen Ton von sich. Er zog es heraus, sah Gabriels Foto und ging sofort ran.
„Hunter“, eine tiefe, befehlende Stimme drang aus dem Lautsprecher. Sofort wurden Hunter und sein Wolf hellwach. „Ich muss dir sicher nicht sagen, dass du vorsichtig sein sollst.“
Hunter wollte nicht riskieren, dass Quinton abhaute, also antwortete er seinem Bruder nicht. Er konnte sich jedoch ein Grinsen über den bissigen Kommentar seines Alphas nicht verkneifen.
„Bring dieses Stück Scheiße in die Pit“, befahl Gabriel. „Tot.“ Er legte auf, und Hunter war nur zu froh, den Wunsch seines Bruders zu erfüllen. Hunter juckte es in den Fingern, heute Nacht jemanden mit bloßen Händen zu töten, und Quinton Fuller war die perfekte Beute.
Hunter trat aus dem Schatten und schlüpfte mühelos an der verbarrikadierten Tür vorbei. Sobald er das Gebäude betrat, schlug ihm der Gestank von Kokain und billigem Alkohol entgegen. Hunter untersuchte den kahlen Betonboden und die dicken Zementpfeiler; es war dunkel und kalt, und niemand war hier. Aber Hunter wusste, dass Quinton im zweiten Stock war. Hunter stieg die Treppe hoch und sah, dass die ganze Etage vom Licht eines Feuers erhellt wurde. Quinton Fuller saß vollkommen nüchtern und hellwach auf einem Stuhl, was Hunter freute, denn er wollte, dass Quinton jeden Schmerz spürte, bevor Hunter ihm das Genick brach.
Hunter mochte finster dreinblicken, aber sein Wolf war voller Vorfreude. Hunter würde sich in diesem Kampf allerdings nicht verwandeln, da er es nicht für nötig hielt, was seinem Wolf gegen den Strich ging.
„Quinton Fuller“, rief er mit bitterem Zorn und Hass.
Der schmierige, hinfällige Mann fuhr hoch. „W-was – wie hast du mich gefunden?“
Hunter verdrehte die Augen, weil jeder, den er jagte, diese lächerliche Frage stellte. „Mein Name ist Hunter Centauri, du Arschloch“, verkündete er und breitete seine starken Arme aus, während er Quinton herausforderte. „Ich bin hier, um dich für die Verbrechen gegen den Centauri-Clan büßen zu lassen.“
Quinton stolperte zurück und fiel auf die Knie. „Bitte“, bettelte er. „Ich wusste nicht, dass das Kind zu eurem Clan gehörte.“
Hunter spottete. „Meine Familie war schon vor diesem Vorfall hinter dir her“, sagte Hunter, während er um Quintons Körper schlich. „Du hast einfach das verdammte Pech, dass du dir ein Welpe meines Clans ausgesucht hast und damit dein eigenes fucking Schicksal besiegelt hast.“ Hunter zögerte nicht. Er rammte seinen Stiefelabsatz mit voller Wucht gegen Quintons Brustkorb; das Arschloch kippte nach hinten und hustete Blut. Hunter umkreiste den schlaffen Körper und stupste Quinton an, bis dieser reagierte.
„Töt mich nicht“, schluchzte er. „Bitte!“
Hunters Geduldsfaden war heute ohnehin schon gerissen, also war er nicht in der Stimmung für das Schluchzen und Betteln. Hunter packte Quinton am schmutzigen Kragen und zerrte das Arschloch auf die Knie. „Das ist für all die Leute, die du fucking zerstört hast“, knurrte Hunter, was Quinton einen Schauer über den Rücken jagte. „Und für die Centauri-Familie.“ Hunters kräftige Hände zitterten nicht, bevor er den Hals mit einem Ruck brach. Quintons Kopf fiel schlaff nach vorne, da alle Knochen zertrümmert waren. Hunter ging ein Stück zurück und verspürte weder Reue noch Schuldgefühle; das tat er nie. Leute wie Quinton Fuller verdienten keinen ehrenvollen oder sanften Tod.
„Hunter“, klang eine Stimme hinter ihm.
Hunter wusste, dass sein Cousin Elliot zusammen mit seiner Zwillingsschwester Eve am Tatort eingetroffen war. „Ich habe euch vor einer Stunde gerufen.“
„Wir haben kurz beim Hotdog-Stand angehalten“, sagte Elliot locker. „Und wir wussten, dass du das alleine erledigen kannst.“
Elliot und Eve Goodman waren Privatdetektive, die eng mit seiner Familie zusammenarbeiteten. Sie hatten sich als fähige Ermittler erwiesen und waren noch besser darin, aufzuräumen, nachdem die Centauris ihre Ziele gejagt hatten.
„Außerdem brauchen wir dich erst, wenn du deine Arbeit erledigt hast“, bemerkte Eve.
Hunter seufzte, da es keinen Sinn hatte, mit den cleveren Zwillingen zu streiten, und nahm die Limonade aus Elliots Hand. „Der Bastard hat hier drüben nur etwas Blut vergossen, ansonsten ist der Müll ganz eure Sache“, sagte er zu ihnen, und Eve machte sich sofort an die Arbeit. Hunter trank die kalte Sprite mit Genuss; selbst er hatte jetzt Lust auf das fettige Streetfood.
„Ihr habt alles im Griff, oder?“, fragte Hunter. „Ich muss zu einer Ratssitzung.“
„Geh nur, Beta“, sagte Elliot mit einer Zuversicht, die sein bescheidenes Gesicht maskierte. „Wir erledigen das.“
Hunter zweifelte nicht an seinen Cousins und fühlte sich immer sicher, selbst wenn er sie mit einer Leiche zurückließ. Aber seine Cousins waren klug und zuverlässig; das mussten sie auch sein, zumal sie für den Alpha Gabriel Centauri arbeiteten.
Wieder eine Nacht, die für Hunter mit einem Sieg endete, und ihr Territorium war wieder einmal gesäubert.
-Centauri Institute-
Hunter schritt aus dem Centauri Institute und ging über den leeren Parkplatz, auf dem nur sein Auto stand. Er wusste, dass alle sicher zu Hause schliefen, und so sollte es auch sein, denn seine Familie arbeitete hart daran, dass es so blieb. Seine Familie hielt seit Jahrzehnten Ordnung und Gleichgewicht, und jeder wusste, dass man sich auf ihrem Territorium besser nicht mit ihnen anlegte.
Hunter überquerte den Parkplatz und sein Auto entriegelte sich von selbst. Gabriel hatte ihn angewiesen, in seinem Namen zur Ratssitzung zu gehen, da er zu beschäftigt damit war, den Deal mit dem Waldorf-Clan abzuschließen, einem ihrer wenigen Rivalen. Sein älterer Bruder war der Alpha, aber Hunter war der Beta, was bedeutete, dass Hunter Gabriels rechte Hand war – derjenige, dem er vertrauen und auf den er zählen konnte. Und egal, was passierte, Hunter sorgte dafür, dass er dieses Versprechen einhielt.
Schon als Kind hatte Hunter kein Blatt vor den Mund genommen, und Befehle nahm er von niemandem außer seinem Bruder an, weil Gabriel nicht nur rücksichtslos war, wenn er wütend wurde, sondern Hunter und die anderen mit all seiner Kraft großgezogen hatte. Gabriel ließ keinen von ihnen den Verlust ihrer beiden Eltern spüren, auch wenn einer von ihnen zwar nicht tot war, aber es sich definitiv so anfühlte.
Hunter startete den Motor, und sofort lief die Klimaanlage auf Hochtouren, genau wie er es mochte – heute brauchte er sie mehr als sonst. Hunters Blut kochte, und er verstand nicht, warum sein Körper so heftig reagierte. Sein Wolf war unruhig, aber Hunters Wolf war sowieso immer angespannt, also bekam er keine verwirrenden Signale. Heute Nacht war es jedoch ein wenig anders.
Der Mond strahlte hell und goss sein herrliches Licht auf das Centauri-Territorium, wie er es immer tat. Es war fast so, als würde Maya ihn anflehen, sich in seine Bestienform zu verwandeln und frei herumzulaufen, aber er tat es nicht, weil er seine Familie in der Firma treffen musste; er wusste, dass sie alle auf ihn warteten.
Hunter trat aufs Gaspedal, als ihn etwas dazu brachte, noch einen Moment zu verweilen. Ein ungutes Gefühl hielt ihn zurück und zwang ihn, wachsam zu bleiben. Das bedeutete normalerweise, dass Ärger im Anmarsch war. Sein Wolf knurrte, als wäre er bereit für die Jagd, und Hunter war es auch.
Hunters geschulte Augen scannten die Umgebung. Er sah zwei Frauen, die vor dem Eingang des Instituts standen. Sein Blick glitt kurz über die ältere, strenge Frau mit den schwarzen Haaren und Augen – es war Mrs. Leon Bates. Hunter wusste, dass diese Frau eine Lehrerin am Institut war, die junge Welpen auf das Rudelleben vorbereitete. Dann jedoch wandten sich seine Augen der anderen Frau zu, die ihm den Rücken zukehrte. Er konnte nicht erkennen, wer sie war, aber er sah eine kurvige Figur, die ziemlich üppig war. Ihm gefiel, dass die junge Frau nicht nur aus Haut und Knochen bestand. Er spürte, wie sein Körper aus einem tiefen Schlummer erwachte, den er sonst nur während der Jagd kannte. Dieses mysteriöse Mädchen hatte dichtes, glänzendes, rötliches Haar, das zu einem komplizierten Zopf geflochten war, was ihn nervte, weil er mit seinen Fingern durch die schwere Masse fahren wollte, aber es stellte seinen Wolf zufrieden, weil es dick genug zum Festhalten war. Hunters Augen ließen das Mädchen nicht los. Er sah, wie sie ihr Gewicht von einem Bein auf das andere verlagerte und wie der verdammte Bleistiftrock ihre Kurven so köstlich betonte, dass er sich ihre Figur perfekt vorstellen konnte.
Hunters Handy klingelte und zerstörte seine Konzentration. Das Telefon schrillte so nervtötend, dass er denjenigen, der ihn anrief, am liebsten getötet hätte. Doch als er auf den Bildschirm sah, war es seine kleine Schwester Viola.
„Hallo“, antwortete er.
„Alle fragen, wie lange du noch brauchst“, fragte sie ihn.
„Ich bin auf dem Weg“, antwortete er knapp und legte auf, noch bevor sie es tat.
Hunter schaute zurück zu den Stufen vor dem Gebäude, aber die rothaarige Frau war weg, ebenso wie Leon. Sein Griff am Lenkrad verstärkte sich, und er setzte zurück, um seine Geschwister bei Centauri Enterprise zu treffen.









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I read the serie about the Centauri Clan and I saved the story that I read. Do you know why this story is unsaved? Can it be a software matter?
Going with the flow for now. It is always interesting to see where the author is leading the readers throughout the story.
I have only one question. What is the Moon Goddess called Maya in this world? Is there any mythology behind it?