Eins – Aria
Mein Körper zuckte zusammen, als sie einen Schrank zuknallten. Ich starrte stur geradeaus.
„Wo ist er?“, herrschte mich der ältere Mann an.
„Ich weiß es nicht“, sagte ich bestimmt. Ich weigerte mich, ihn anzusehen.
„Sie wissen nicht, wo Ihr Ehemann ist?“
„Waren Sie schon bei seiner Arbeit?“, fragte ich. Endlich blickte ich zu dem ergrauten Mann auf.
„Ja, und da ist er nicht“, antwortete er. Man hörte die Wut in seiner Stimme.
„Dann weiß ich auch nicht, wo mein Mann steckt“, sagte ich und zuckte mit den Schultern. Mein Blick wanderte zurück zum ausgeschalteten Fernseher. Er wandte sich ab und durchwühlte einige Schubladen im Flur. Ich streckte meine Arme beim Aufstehen und rief ihm etwas zu, bevor ich in die Küche ging.
„Möchten Sie noch einen Kaffee, Detective?!“
„Nein danke, Aria“, gluckste er. Ich drängelte mich an den Beamten vorbei, die gerade meine Küche zerlegten, und schaltete die Kaffeemaschine ein. Es war viel zu spät am Abend für Kaffee. Aber ich hatte das ungute Gefühl, dass sie noch eine Weile in meinem Haus bleiben würden. Ich tat, was man mir gesagt hatte. Ich spielte die nette Gastgeberin, hielt aber schön den Mund. Das war bestimmt schon das sechste Mal diesen Monat, dass sie meine Bude auf den Kopf stellten. Wonach suchten die überhaupt? Wer weiß das schon verdammt noch mal.
„Hat Ihr Mann Waffen?“ Ich seufzte und sah den jungen Polizisten an. Dabei fuhr ich mir mit den Fingern durch mein kurzes, rötlich-dunkles Haar. Es war von Natur aus wellig, brauchte aber dringend mal eine Wäsche.
„Nö“, sagte ich knapp und drehte mich wieder zum Kaffee um.
„Drogen?“, hakte er nach.
„Nö“, antwortete ich und goss die heiße Flüssigkeit in meine Tasse. Eigentlich hätte ich Lust auf einen Cappuccino gehabt. Aber wegen meiner italienischen Wurzeln gab es nur einen Espresso.
„Wir werden sie finden“, sagte der Polizist hinter mir. Ich wünschte mir echt, der Typ würde endlich seine verdammte Fresse halten.
„Gibt nichts zu finden“, meinte ich schulterzuckend und kippte den halben Kaffee runter. Mein Kopf fing an zu dröhnen. Ein Teil von mir wollte sich einfach schlafen legen und sie allein machen lassen.
„Wir sind bald fertig hier“, sagte der erste Detective und lächelte mich an.
„Wäre schön, ich will nämlich ins Bett“, lachte ich und lehnte mich gegen die Küchenzeile.
„Wenn Sie mit uns reden, geht es schneller“, erwiderte er achselzuckend.
„Worüber denn?“ Ich verzog das Gesicht. Dachten die ernsthaft, ich wäre so verdammt blöd?
„Über die Geschäfte Ihres Mannes“, sagte er langsam.
„Er arbeitet auf dem Bau, da gibt es nicht viel zu erzählen“, gähnte ich. Er gab auf und verließ seufzend die Küche. Ich sah zu, wie die anderen den Laden auf links drehten. Schubladen wurden aufgerissen und Papiere flogen überall herum. Ich war stinksauer. Ich wusste genau, dass ich diesen ganzen Scheiß später aufräumen musste. Wo Giovanni steckte, wusste ich beim besten Willen nicht. Er war seit etwa vier Tagen weg, was eigentlich eine echte Erleichterung war. Sicher vögelte er gerade irgendwo eine Neunzehnjährige, aber das war mir mittlerweile scheißegal. Es war ja nicht so, als könnte ich ihn höflich bitten, damit aufzuhören. Und ich konnte auch nicht einfach die Scheidung verlangen. Ich saß hier fest. Ich war die ewig treusorgende Mafia-Ehefrau.









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I agree with Beenie! I like it so far!
What a great start for a story, wonderful grabber.