Alia

All Rights Reserved ©

Summary

Eine Omega ist wertvoll und sehr selten. Daher gehört sie immer dem gesamten Rudel. Doch meine Eltern wollten mir ein freies Leben außerhalb des goldenen Käfigs ermöglichen und so bezahlte meine Mutter den ultimativen Preis für meine Freiheit. Ich sollte mich von den Männchen fern halten, doch das ist leichter gesagt als getan. Der erste Beta des Youngster-Rudels Ace hat mich regelrecht als Ziehschwester adoptiert und die Drillings-Alphas der nächsten Generation würden mich vom Fleck weg als Gefährtin und Luna markieren, käme mein Geheimnis je heraus. Und da ist noch der Alpha des Nachbar-Rudels, der sich als ein sadistisches Arschgesicht entpuppt. An dem Tag, an dem meine Tarnung versagt bin ich so was von geliefert! Aber ... hey! Noch ist nicht aller Tage Abend und wenn meine Wölfin erwacht, wird sie um unserer beider Freiheit kämpfen! Wäre da nur nicht das Schnurren der Blackford-Drillinge ... jepp... SO WAS VON GELIEFERT! - ALIA

Status
Complete
Chapters
5
Rating
5.0 58 reviews
Age Rating
18+

Chapter 1

LESEPROBE



Prolog

Die Stille der warmen Sommernacht wurde vom Donnern eines heftigen Gewitterszerrissen. Die Wildtiere zogen sich in ihre Unterschlüpfe zurück, um den Sturmauszusitzen. Die Schwärze wurde von gewaltigen Blitzkaskaden taghell erleuchtet– und dann kam der Regen. Vom starken Wind gepeitscht, fiel er beinahewaagerecht und durchnässte jede arme Seele, die leichtsinnig oder verzweifeltgenug war, dem Unwetter zu trotzen.

Die Scheinwerfer eines Wagens blitzten auf dem schlammigen Waldweg gegen dierasch einsetzende Dunkelheit. Es war ein kleines Gefährt, das sich tapfer undim Schneckentempo über abgerissene Zweige und durch tiefe Pfützen kämpfte. AmSteuer saß ein junger Mann; neben ihm eine zierliche Frau mit sehr hellem, fastschon weißen Haar, das in einem unordentlichen Messybun im Nackenzusammengenommen war – fast so, als wäre ihr Aufbruch gehetzt und planlosgewesen. Bei einem besonders lauten Krachen zuckte die Frau zusammen undflüsterte:

„Göttin … Ich hoffe nur, Alia hat keine zu große Angst. Sie kommt mit lautenGeräuschen doch nicht so gut klar!“

Der Mann, den Blick fest auf den langsam versinkenden Weg gerichtet, wagtees nicht, eine Hand vom Lenkrad zu nehmen, um seine Liebste zu trösten – dasWägelchen drohte bei jeder Unebenheit auszubrechen. Alia, oder kurz Lia – ihreTochter - war schon immer geräuschempfindlich gewesen und hatte eine blühendeFantasie. Irgendwann hatte ihr einer der jungen Wandler des Ruhrgebiet-Rudels –das unter der Führung von Alpha Warren Blackford stand – eine Geschichte überDämonen erzählt, die in den Wolken schliefen und jedes Mal, wenn sie sichbewegten, Donner verursachten. Seitdem war das Mädchen alles andere als ein Fanvon Gewittern und schlief meist mit Nachtlicht, nur um ganz sicher zu gehen,dass die Ungeheuer der Dunkelheit auch genau dort blieben – in der Dunkelheit. Sicherist schließlich sicher, auch wenn Alia heute nicht mehr daran glaubte, dass dieUngeheuer im Himmel erwachen und auf den Blitzen zur Erde herabfahren würden,um sie zu fressen!

„Darla, Liebste … sie ist bei meiner Mutter in Sicherheit. Mach dir keineSorgen – Mama weiß doch, was Lia braucht, wenn es gewittert.“

Nämlich ein übergroßes Kuschelkissen, einen beinahe ebenso großen EimerSchokoladeneis und die schnulzigste Seifenoper, die das Fernsehen in dem Momentzu bieten hatte. Und das alles selbstverständlich bei heruntergelassenenRollläden.

Seufzend fuhr sich Darla mit einer Hand über das Gesicht. Natürlich wusstesie, dass die Mutter ihres Gefährten mehr als fähig war, auf ihren Welpenaufzupassen. Dennoch war sie in ständiger Sorge – nicht ganz zu Unrecht, dasich ihr süßes Kind nun endgültig als Omega präsentiert hatte. Das war auch derGrund für diesen verzweifelten Ausflug: Der verfluchte Ältestenrat hatte seineAugen und Ohren nahezu überall. Und sollten diese alten Steifköpfe Wind von denEreignissen der letzten Stunden bekommen, würden sie den Alpha zum Handelnzwingen …

Darla schüttelte sich vor Furcht. Nicht, dass Warren Blackford ein böser undgewissenloser Anführer war – beileibe nicht. Aber Gesetze waren nun malGesetze. Und was der Ältestenrat beschloss, wurde umgesetzt. Basta!

Ihr Seelengefährte seufzte leise und fragte:

„Sind wir uns denn sicher, dass wir das wirklich durchziehen wollen? DieseHexe hat nicht unbedingt den besten Ruf.“

Das war maßlos untertrieben, aber die hellhaarige Frau schüttelte vehementden Kopf und zischte:

„Diese Bedenken kommen ein paar Jahre zu spät! Du weißt so gut wie ich, dasswir Alia bereits nach dem ersten Test dem Rudel hätten übergeben müssen. Da wiruns damals dagegen entschieden haben, gibt es jetzt kein Zurück mehr. Duglaubst doch nicht im Ernst, dass uns der Rat Gnade gewähren wird. Wir habendem Rudel einen Omega vorenthalten – das wird Konsequenzen haben. Und ich willauf gar keinen Fall, dass Alia zu einem verwöhnten kleinen Prinzesschen wird,dem alles hinterhergetragen wird und das keine eigenen Entscheidungen treffendarf! Sie würde rund um die Uhr eine Wächtergarde aus Gammas um sich haben. Manwürde ihr vorschreiben, was sie zu tragen hat, was sie essen darf, mit wem sieverpartnert wird und wie viele Welpen sie für das Rudel gebären soll. Ichmöchte, dass Lia eine starke, selbstbewusste und unabhängige junge Frau wird,ihren eigenen Weg bestimmt und selbst entscheidet, wie ihre Zukunft aussehensoll – und wen sie als Gefährten wählt. Nein, Gregor … es gibt keine andereWahl. Die gab es für uns nie. Und da ist mir vollkommen gleich, was dieseKräuterhexe für einen Preis verlangt. Wir werden ihn zahlen. Unsere Hoffnungauf das königliche Rudel zu setzen, wird nichts nützen. Unser amtierender Königbereitet sich auf seinen Ruhestand vor und hat keine Lust, sich jetzt noch mitdem Rat anzulegen. Vielleicht wird Prinz Nikolai eine Revolution bringen … aberdafür muss er erst mal seine Omega finden. Nein, Liebster … ich fürchte, unsereOptionen sind leider recht beschränkt.“

Der junge Mann atmete tief ein und nickte. Sein Wolf knurrte zustimmend. DasSeelentier war extrem fuchsig und in Halbachtstellung, seit vor gut vierStunden Alias Omegaduft zum ersten Mal hervorgebrochen war und das gesamte Hausdurchzogen hatte – dieser süße Geruch nach butterigen, gezuckerten Mandeln, derso charakteristisch für diese unfassbar seltene Wolfsart war. Stöhnend riebGregor sich mit der Faust über die Brust. Die Unruhe seines Wolfes ließ seinHerz in einem schmerzhaften Stakkato schlagen.

Krachend fuhr ein Blitz in eine mächtige Fichte zu ihrer Rechten undspaltete den Baum. Dank des starken Regens erstickten die Flammen zwarsogleich, doch Darla zuckte heftig zusammen und wäre am liebsten ihremGefährten auf den Schoß gekrabbelt. Tröstend schmiegte sich ihre Wölfin an dieSeele der Frau und gab ihr genügend Stärke, sich wieder zusammenzureißen.

„Mist, das war nahe …”, murmelte Gregor besorgt und gab vorsichtig mehr Gas.Je eher sie das Haus der Hexe erreichten, desto eher konnten sie zusehen, dasssie wieder zurück zu ihrem Kind kamen.

Die Zeit schien sich ins Endlose zu dehnen – und dann, auf einmal, herrschteeine nahezu gespenstische Stille. Der Wind legte sich, und aus den peitschendenRegenböen wurde ein leichtes Nieseln. Die beiden Wandler sahen sich unsicheran. Dann beschleunigte Gregor, um die kurze Atempause zu nutzen.

Die Göttin schien mit ihnen zu sein, denn nur wenig später mündete derWaldweg in einen alten Steinbruch, an dessen Eingang sich eine Hütte schmiegte.Gregor drehte den Zündschlüssel und schaltete den Motor aus. Unbehaglich saßenDarla und Gregor da und zögerten das Kommende hinaus …

Irgendetwas sagte ihnen, dass dieser Tag – der bereits mit einerniederschmetternden Nachricht begonnen hatte – mit einer noch schlimmeren endenwürde.

Schließlich schüttelte die junge Frau unwillig den Kopf und streckte sichschweren Herzens nach dem Türgriff aus.

„Warte …!“

Gregor legte eine Hand in ihren Nacken, zog sie zu sich und küsste sievoller verzweifelter Leidenschaft.

„Was auch immer gleich geschehen wird – wisse, dass ich dich und Alia mehrliebe als alle Sterne am Himmel.“

In Darlas Augen schimmerten Tränen. Dann flüsterte sie:

„Was auch immer geschieht … wir werden uns wiederfinden!“

Beiden war klar, dass es ein Abschied für immer sein konnte. Die KräuterhexeLydia hatte einen grauenhaften Ruf. Sie war unvorstellbar talentiert, keineFrage – und darüber hinaus eines der wenigen Wesen dieser Welt, die unterbestimmten Umständen aktive Magie wirken konnten. Aber sie hasste Wandler austiefstem Herzen. Und wenn sie einmal bereit war zu helfen, so war der Preis fürihre Hilfe stets entsetzlich hoch.