Library of Love

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Summary

Aiden Sky – ist ein schüchterner Bibliothekar, der in seiner Freizeit all seine Traumata an einem Boxsack auslässt. Victoria Morton – ist die Tochter eines erfolgreichen Millionärs, die ein großes Geheimnis hinter ihrer professionellen Maske verbirgt. Als diese zwei Welten kollidieren, kommt es zu sinnlichen Explosionen von physischen und emotionalen Ereignissen.

Status
Ongoing
Chapters
16
Rating
4.9 7 reviews
Age Rating
18+

1. Aiden

Es war Dienstag. 15:29 Uhr. Ein heißer Sommertag in Phoenix. Jeden Moment würde sie durch die Tür kommen. Sie kam jede Woche, am gleichen Tag, zur gleichen Zeit und sie faszinierte mich jedes Mal aufs Neue. Ich kannte ihren Namen nur von der Mitgliedskarte der Bibliothek. Victoria Morton.

Ich starrte zwischen der Tür und der digitalen Uhr auf meinem Computerbildschirm hin und her. 15:30 Uhr. Die Tür öffnete sich und mit einem Blick über ihre Schulter trat sie ein. Sie tat das jedes Mal. Es wirkte, als würde sie überprüfen, dass ihr niemand gefolgt war.

„Guten Tag, Aiden.“ Ich nickte ihr zu und legte ihr das Buch vor mir auf den Tresen, dass sie die Woche zuvor bereits angefangen hatte zu lesen. „Hey.“ Ich wagte nicht ihren Namen auszusprechen. Das tat ich nie. Sie war äußerst charmant und elegant, aber auch auf eine beunruhigende Art und Weise, mächtig und beängstigend. Sie war immer freundlich zu mir und doch strahlte sie eine gewisse Dominanz aus.

Sie ging an den gleichen Tisch wie jede Woche und setzte sich auch auf den gleichen Stuhl, wie sie es immer tat. Ich schaute ihr nachdenklich hinterher. Ihre schulterlangen braunen Haare hatte sie zu einem aufwendigen Knoten gebunden und sie trug ein enges weißes Kleid, schlicht wie elegant. Ich fragte mich jedes Mal wieder, wie sie in so hohen Schuhen überhaupt laufen konnte, doch die mindestens zwölf Zentimeter hohen Absätze schmeichelten durchaus ihren langen, schlanken Beinen.

In dieser Bibliothek war nie allzu viel los, weshalb ich ihre routinemäßigen Besuche genoss. Sie blieb, wie immer, genau eine Stunde und las in einem Buch, während ich sie die gesamte Zeit über beobachtete. Etwas an dieser Frau zog mich in ihren Bann und hypnotisierte mich.

„Bis nächste Woche, Aiden.“ Sie legte mir das Buch auf den Tresen und ich lächelte sie freundlich an. Irgendetwas war anders, an diesem Tag. Ich wollte nicht, dass sie schon ging. Ich wollte wenigstens einmal mit dieser beeindruckenden Frau gesprochen haben.

„Darf ich Sie mal etwas fragen?“ Entgeistert hob sie die Augenbrauen und drehte sich noch einmal zu mir um, doch als sie mich ansah, lächelte sie wieder. „Natürlich, Sie dürfen mich fragen, was immer sie möchten.“

„Warum nehmen Sie das Buch nicht einfach mit? Es muss doch furchtbar quälend sein, jedes Mal eine Woche warten zu müssen, um herauszufinden, wie es weitergeht. Also ich könnte das nicht.“ Ich schob mir die Brille auf der Nase nach oben und schrieb das aktuelle Datum in den Umschlag unter den Bibliotheksstempel. Dann legte ich ihr das Buch wieder auf den Tresen. Sie lächelte verlegen und griff danach.

„Ja, Sie haben recht, Aiden. Es ist sehr quälend, aber ich habe leider sonst überhaupt keine Zeit zum Lesen.“

„Versuchen Sie einfach mal jeden Abend vor dem Schlafengehen eine halbe Stunde zu lesen. Das funktioniert sicher.“ Sie steckte das Buch in ihre Handtasche und nickte mir charmant, wie immer, zu. „Ich werde es versuchen. Vielen Dank und bis nächste Woche.“

Zwei Stunden später schaltete ich meinen Rechner und die Lichter aus und schloss die Tür der Bibliothek hinter mir zu. Es war verdammt heiß in diesen letzten Juliwochen, ich blinzelte der Sonne entgegen und krempelte die Ärmel meines Pullovers nach oben. Dann warf ich mir meine Sporttasche über die Schulter und machte mich auf den Weg zu meinem zweitliebsten Zeitvertreib. Nach außen hin wirkte ich vermutlich wie ein Streber. Meine kinnlangen braunen Haare fielen mir oft ins Gesicht, die Brille war eigentlich nur Dekoration, aber ich fand, dass ich damit gut aussah und um den Schein aufrechtzuerhalten, trug ich jeden Tag egal, wie warm es war, einen Pullover, damit man meine viel zu trainierten Muskeln nicht sehen konnte, die mir schlichtweg einfach nicht gefielen. Als ich mit dem Boxen angefangen hatte, war es lediglich zu meinem eigenen Schutz. Doch inzwischen, sah ich darin, eine Möglichkeit, meinen Stress abzubauen und meinen Kopf freizubekommen. Es war wie eine Art Therapie für mich und um der nachgehen zu können musste ich auch akzeptieren, dass mein Körper sich dementsprechend veränderte.

Ich trat durch die Tür des Boxstudios und begrüßte meinen Trainer Roy mit einem Handschlag. „Was hast du heute für mich geplant?“ Er grinste frech und fuhr sich durch die schweißgebadeten Haare. „Heute können wir nur eine halbe Stunde machen, meine Tochter kommt nachher zum Essen vorbei. Was hältst du davon, heute mal nur den Boxsack zu Brei zu schlagen und Marcus mal eine Pause zu gönnen?“ Ich schaute zu dem Muskelprotz, der gerade vor einem der Wandspiegel posierte und Bilder von sich machte. Ich verdrehte die Augen. „Scheint so, als bräuchte unsere Prinzessin wirklich mal eine Auszeit.“ Roy lachte trocken und schob mich dann zu den Umkleiden. Ich mochte Roy wirklich gerne. Er war schon etwas älter und suchte bereits nach einem Nachfolger, der das Studio übernehmen konnte, doch solange wie er noch da sein würde, wollte ich die Zeit, die ich in seiner amüsanten Gesellschaft hatte, genießen.

Nachdem ich mich ausgiebig an dem Ledersack ausgelassen hatte, trat ich den Heimweg an. Wir hatten zwar auch bei den Umkleiden, Duschen, doch ich konnte es nicht leiden, von allen Seiten angestarrt zu werden. Eine kalte Dusche, klang nach dem Training jedes Mal unfassbar verlockend, doch die musste warten, bis ich in meiner Wohnung war.

Zu Hause angekommen, schälte ich mich aus meinen verschwitzten Sportsachen und ging unter die Dusche. Das kalte Wasser brannte auf den langgezogenen Narben, die meinen gesamten Rücken zierten. Ich versuchte mich abzulenken, um nicht wieder in meiner Vergangenheit abzudriften. Victoria Morton. Die mysteriöse Frau von der meine Gedanken besessen waren seit sie, vor vier Monaten, zum ersten Mal durch die Tür der Bibliothek getreten war. Irgendetwas an ihr faszinierte mich so sehr, dass ich sie nicht mehr aus dem Kopf bekam. Was sie wohl beruflich machte? Sie war immer elegant gekleidet und hatte leichtes Make-up aufgelegt. Auch ihre Haare sahen stets aus, als wäre sie gerade beim Friseur gewesen. Perfekt gestylt. Ich wurde aus ihr einfach nicht schlau.

Ich stieg aus der Dusche und stellte das Wasser ab. Auf dem Weg zu meinem Schlafzimmer, griff ich nach meinem Handy, das ich eigentlich nur besaß, um erreichbar zu sein und um zu telefonieren. Von Internet und sozialen Medien hatte ich noch nie viel gehalten. Ich las lieber ein Buch, um mich zu unterhalten. Ich besaß auch keinen Fernseher, aber das lag einfach daran, dass ich mir keinen leisten konnte. In meinem Schlafzimmer angekommen, steckte ich das Telefon an ein Ladekabel und schlüpfte in meine Jogginghose. Anschließend griff ich nach dem Buch auf meinem Nachttisch und kroch unter meine Bettdecke. Ein Klassiker von Stephen King. Meistens schlief ich beim Lesen sowieso ein, weshalb ich das große Deckenlicht fast nie einschaltete, sondern nur eine kleine Stehlampe neben meinem Bett, die den Raum in ein schummriges Licht warf.

Die folgenden Tage verbrachte ich damit, zur Arbeit und zum Boxtraining zu gehen, einzukaufen und mit Lesen natürlich. Alles war wie immer, bis endlich wieder der lang ersehnte Dienstag vor der Tür stand. Es war 15:25 Uhr als plötzlich mein Kollege Jonah einen Stapel neue Bücher neben mir auf den Tisch warf.

„Räumst du die bitte gleich ein, Aiden. Ich bin hinten in der Historik-Abteilung, wenn du mich suchst. Ich habe hinten im Lager noch zwei Kisten für dich, die eingeräumt werden müssen, also gib Bescheid, wenn du fertig bist.“ Seufzend erhob ich mich aus meinem Drehstuhl. Normalerweise wurden neue Bücher immer montags geliefert, doch durch die Regenschauer die sich seit Sonntagabend andauernd über Phoenix erstreckten, gab es unzählige Überflutungen. Wen wunderte es auch, so trocken wie der Boden bei der stetigen Hitze war, konnte das Wasser wohl kaum einsickern.

„Geht klar, Jonah. Ich sag’ dir dann Bescheid.“ Ein letztes Mal warf ich einen Blick aus dem Fenster, vor dem es unaufhörlich regnete, und fragte mich ob Victoria heute überhaupt kommen würde. Ich nahm den Stapel Bücher und lief dann in die zweite Etage. Zwischen den Regalen versteckt, konzentrierte ich mich darauf, die neuen Bücher in korrekter alphabetischer Reihenfolge zwischen die anderen zu ordnen.

„Hallo, Aiden.“ Vor Schreck ließ ich ein paar der Bücher fallen, als ich ihre sanfte Stimmte hinter mir hörte. „Ich habe Sie gesucht. Ich wollte mich bei Ihnen bedanken. Ich habe es tatsächlich geschafft, das ganze Buch zu lesen.“ Ich ging in die Knie, um die Bücher aufzuheben, als ich plötzlich klischeehaft ihre Hand berührte, weil sie sich ebenfalls hingehockt hatte, um mir zu helfen.

„Das freut mich wirklich sehr, Victoria. Hat es Ihnen denn gefallen?“ Wie aus dem Nichts, fing sie plötzlich an zu kichern. Sie setzte sich auf den Boden neben mich und hielt mir zwei der Bücher entgegen, die mir heruntergefallen waren.

„Sie sind wirklich süß, Aiden. Sie haben gerade das erste Mal meinen Namen gesagt.“ Ich hob langsam meinen Blick und lächelte sie nervös an. Mir fiel auf, dass sie ziemlich durchnässt war. Unter ihrer weißen Bluse blitzte mir ein schwarzer BH aus Spitze entgegen und ihre Haare hingen klitschnass an ihrem Gesicht herunter.

„Ähm, ja mag sein. Sie wirken nun mal sehr einschüchternd und Sie haben mich immer so skeptisch angeschaut.“ Einen Moment lang musterte sie mich. „Sie kennen mich tatsächlich nicht, oder?“ Ich schüttelte langsam mit dem Kopf und hob eine Augenbraue. „Nein, warum? Sollte ich Sie kennen?“ Wieder fing sie an zu lachen und erhob sich schließlich. Sie nahm sich vier Bücher von meinem Stapel und begann sie mit mir einzuräumen.

„Ich bin ziemlich berühmt, Aiden. Wie kann es sein, dass Sie mich nicht kennen?“ Das Schmunzeln auf ihrem Gesicht schien nicht mehr verschwinden zu wollen. „Nun ja, ich habe keinen Fernseher zu Hause, von Sozialen Medien habe ich noch nie viel gehalten und Internet brauche ich nicht wirklich, ich arbeite schließlich in einer Bibliothek. Beantwortet das Ihre Frage?“ Ich musterte sie noch einmal von oben bis unten und bemerkte, dass sie in ihren nassen Sachen und der klimatisiert kühlen Luft langsam begann zu zittern. „Kommen Sie“, sagte ich und nahm ihr das letzte Buch aus der Hand, das sie noch nicht eingeräumt hatte. Sie folgte mir ohne ein weiteres Wort. In meiner Sporttasche hatte ich immer einen frischen Pullover und sie konnte ihn im Moment eindeutig mehr gebrauchen als ich. Also griff ich unter den Tisch am Tresen und hielt ihr den Pullover vor die Nase.

„Danke.“ Sie schlüpfte schnell hinein und lächelte mich verlegen an. „Sie sind wirklich etwas Besonderes, Aiden.“ Mir fiel das Buch auf, das sie bereits auf den Tisch gelegt haben musste.

„Hat es Ihnen gefallen?“ Verwirrt folgte sie meinem Blick, dann nickte sie. „Ja, es war wirklich gut. Können sie mir vielleicht ein neues Buch empfehlen?“ Ich überlegte einen Moment, dann nickte ich und ging wieder hinauf in die zweite Etage. Ich lief ein langes Regal mit Romanen entlang und griff dann ein Buch, was ich selbst vor Kurzem erst gelesen hatte. Es war ziemlich düster geschrieben und auch sehr anzüglich, doch wenn ich mich nach Victorias bisheriger Auswahl richtete, würde es ihr mit Sicherheit gefallen.

„Hier.“ Sie las den Einband und hob eine Augenbraue. „Das klingt auf jeden Fall interessant. Kann ich Sie noch etwas anderes fragen, Aiden?“ Ich nickte und steckte die Hände in meine Hosentaschen. „Sicher.“

„Wie lange arbeiten Sie heute?“ Ihre Frage überraschte mich. Worauf wollte sie hinaus?

„Oh, ich arbeite immer bis halb 7 und danach gehe ich meistens noch ein wenig Sport machen. Wieso?“ Verlegen zupfte sie mit einer Hand am Saumen des Pullovers. „Hätten Sie etwas dagegen, wenn ich Ihnen heute ein wenig Gesellschaft leiste? Wie schon gesagt, bin ich ziemlich bekannt und gerade bei so einem Wetter, verfolgen mich die Paparazzi umso mehr, um ein peinliches Foto von mir zu bekommen. Normalerweise bin ich auch nie allein unterwegs, also hatte ich die Hoffnung, dass ich Sie heute vielleicht etwas näher kennenlernen könnte. Ich habe nicht wirklich viele Freunde und ich glaube, wir würden uns gut verstehen, Aiden.“ Erstaunt riss ich bei ihren Worten die Augen auf. Es dauerte ein wenig, ehe ich begriffen hatte, dass sie mich gerade tatsächlich gefragt hatte, ob sie den Abend mit mir verbringen könnte. „Wenn du aufhörst, mich zu siezen und mir versprichst, mich nicht umzubringen, habe ich kein Problem damit.“ Dankbar lächelte sie und schaute auf das Buch in ihrer Hand. „Das freut mich wirklich. Dann werde ich mal etwas lesen. Sag mir, wenn du fertig bist mit der Arbeit.“ Ich nickte und schaute ihr noch eine Weile nach, wie sie sich an den Tisch setzte, an dem sie immer saß. Dann fing ich meine Gedanken wieder ein und lief mit einem dämlichen Grinsen zu Jonah, um ihm Bescheid zu sagen, dass er mir mehr Bücher zum Einräumen geben konnte.

Kurz nach halb 7 ging ich zu Victoria und schob das Buch vor ihr ein wenig nach unten. Sie war fast schon darin versunken und hatte so ziemlich das halbe Buch schon gelesen.

„Wir können gehen.“ Sie blinzelte mich irritiert an, doch fand schnell ihre Fassung wieder. „Ist es schon so spät? Oh, ich habe ja schon fast die Hälfte von dem Buch durch, das ist wirklich verdammt fesselnd.“ Sie lächelte mich liebevoll an. Sie wirkte plötzlich ganz anders auf mich als sonst, irgendwie zerbrechlich. Ihre Wangen waren leicht gerötet, vermutlich von den ziemlich detaillierten Nackt-Szenen in dem Buch. Ich musste ein Grinsen unterdrücken, als sie sich schwer atmend durch die Haare fuhr.

„Na dann. Wo geht es denn hin?“ Sie steckte das Buch in ihre Handtasche und folgte mir zur Tür. Ich schloss hinter uns ab und wir zogen uns beide die Kapuzen über den Kopf. „An einen Ort, den du mir vermutlich nicht zutrauen würdest.“ Sie lächelte nur erstaunt und folgte mir dann.

Wenige Minuten später hielt ich ihr die Tür zum Boxstudio auf und ihr Blick verriet mir alles. „Du boxt?“

Ich zuckte nur mit den Schultern und amüsierte mich leise über ihre Kinnlade, die in dem Moment heruntergeklappt war, als wir das Studio betreten hatten.

„Hey, Aiden. Heute in Begleitung?“ Roy begrüßte mich mit einem Handschlag und hielt dann Victoria die Hand hin. Sie begrüßte ihn ebenfalls. „Ich bin Victoria.“ Roy riss plötzlich die Augen auf und schaute Victoria genauer ins Gesicht, das sie tief in der Kapuze zu vergraben versucht hatte. „Victoria Morton?“ Sie nickte schüchtern und schaute mich Hilfe suchend an.

„Du kannst dich dort vorne hinsetzen, neben den Ring. Ich gehe mich schnell umziehen. Marcus wird heute sicherlich hoch motiviert sein, verhauen zu werden, oder Prinzessin?“ Frech grinsend, schwang ich mir meine Sporttasche über die Schulter und lief an Marcus vorbei, der mir boshaft grinsend einen Blick über die Schulter zuwarf. In der Umkleide warf ich mir schnell mein weißes Tanktop über und schlüpfte in meine kurzen Shorts, ich wollte so schnell wie möglich wieder in Victorias Nähe sein, sie hatte sich offensichtlich sehr unwohl gefühlt, als ich kurz weggehen wollte. Ich griff nach meiner Trinkflasche, legte meine Brille auf meine Klamotten in den Spind und ging dann zurück zum Ring.