Du & ich

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Summary

Zweiter Teil von "Die WG". Mija und Ben sind zusammen und glücklich. Die Schwierigkeiten sind alle aus dem Weg geschafft. Zumindest scheint es so. Doch dann werden den beiden ein Stein nach dem anderen in den Weg gelegt. Zuerst funktioniert die Renovierung nicht so, wie sich Ben das vorstellte. Dann muss er Mija zu oft alleine lassen. Sie selbst verrennt sich in ihre Arbeit und dann taucht noch jemand auf, der alles durcheinanderbringt. Mehr kann doch nicht schief gehen. Oder doch? Cover by NancyBieler

Status
Complete
Chapters
24
Rating
5.0 17 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1

Die Matratze senkte sich und Mija lächelte verschlafen, als sie an einen harten Männerkörper gedrückt wurde.

„Du bist schon da?“, murmelte sie verschlafen und spürte Bens Lippen, die ihren Nacken küssten.

„Ich habe mich beeilt und der Wettergott hatte ein Einsehen mit mir. Na ja, nicht mit allen Sportlern, aber mit den Mutigen.“

Mija drehte sich mit geschlossenen Augen zu Ben und schmiegte ihre Stirn an seine Brust.

„Ich habe gesehen, dass alles abgesagt wurde. Es hat wohl niemand mit diesem Sturm gerechnet, hm?“

Er schüttelte den Kopf.

„Nein. Es war schwierig, noch einen Flug zu bekommen.“

So langsam drangen seine Worte in ihr verschlafenes Hirn.

Hatten sie im Fernsehen nicht gesagt, dass dieser Schneesturm so stark war, dass man befürchtete, tagelang den Veranstaltungsort nicht verlassen zu können.

Sie richtete sich abrupt auf.

„Wieso bist du hier, Bente Brenner? Ich habe die Berichte im Fernsehen gesehen.“

Eigentlich hatte sie das ganze Internet durchstöbert, um Ben wenigstens eine kurze Zeit zu sehen und seine Stimme zu hören. Nur deswegen war sie über den Sturm informiert.

Ben hatte sogar den Nerv zu lächeln.

Dieser Mann machte sie wirklich wahnsinnig, wenn er so tollkühn war.

Wenn sie ihn nicht so lieben würde, wäre er schon einige Male unter der Erde gelandet, weil er sie in Angst und Schrecken versetzte. Also manchmal zumindest.

„Ole und ich haben einen Jeep geschnappt und sind vor der Ankunft des Blizzards verschwunden. Dann haben wir den nächsten Flughafen angesteuert und es gab noch eine Maschine, die nach Europa flog. Und wie es der Zufall so will, gab es sogar zwei Plätze.“

Sie schnaubte leise.

„Ole. War mir klar, dass er dabei ist.“

Es war ein halbes Jahr vergangen, seit Ben und sie ein Paar wurden. Wie er ihr versprochen hatte, nahm er sie oft auf seine Geschäftsreisen mit und sie hatte mehrere Sportveranstaltungen besucht, die Ben kommentierte. Jetzt war der Winter angebrochen und Anders, Bens Zwillingsbruder, drohte damit, seinen Bruder zu verprügeln, wenn er Mija jedes Mal mitnahm.

Da Anders nun öfters in Norwegen bei Iva war, übernahm Mija zusammen mit Joke die Leitung der deutschen Agentur und sie waren damit erfolgreich.

Ben schmiegte sich noch enger an Mija. Sein Bart, den er sich wieder wachsen ließ, kratzte leicht an ihrer Haut und sie musste zugeben, dass sie es vermisst hatte, so geweckt zu werden.

Zuerst küsste er sie sanft, doch dann wurde er immer fordernder, was ihr ein leises Schnurren entlockte.

Oh ja. Sie hatte Ben wirklich vermisst und wollte keinen Gedanken mehr daran verschwenden, dass er sich eigentlich in Gefahr gebracht hatte, um zu ihr zu gelangen. Das war dumm, aber irgendwie auch romantisch.

Sie legte ihre Arme um seinen Nacken und legte ein Bein über seine Hüfte, während er sich an ihrer Unterwäsche zu schaffen machte.

In dem Moment hörten sie, wie die Tür zur Toilette aufgestoßen wurde. Jemand setzte sich auf die Toilettenschüssel und ließ einen Furz fahren, was dann von einem wohligen Stöhnen begleitet wurde.

Bens Schultern sackten nach unten und er schloss einen Moment die Augen. Mija ging es nicht anders. Das, was so schön begonnen hatte, war durch ein stinkendes kleines Lüftchen zerstört worden.

„Wann sind die Handwerker endlich mit dem Boden fertig? Ich will dich endlich alleine für mich haben.“, fragte er genervt.

Sie zuckte mit den Schultern, denn das war eine ganz andere Sache.

Wie Ben versprochen hatte, wurde die Wohnung über ihnen renoviert. Eigentlich sollte sie schon längst fertig sein, aber mit jeder Diele und jedem Stück der altmodischen Tapete, welche die Handwerker entfernten, kamen scheinbar neue Schwierigkeiten zu Tage. Zuerst war es eine kaputte Wasserleitung gewesen. Ben konnte nur froh sein, dass man das Wasser in dem Stockwerk abgestellt hatte, denn sonst wäre der Schaden weitaus größer gewesen, als er jetzt war. Die Elektronik war Schrott und laut dem Elektriker, der zu Rate gezogen wurde, könnte die Wohnung jederzeit in Flammen aufgehen, wenn man nicht alles erneuerte. Unter dem Holzboden, den man eigentlich nur abziehen und neu versiegeln wollte, entdeckte man morsche Balken, die auch ersetzt werden mussten.

Lange Rede, kurzer Sinn ... es dauerte scheinbar ewig, bis Ben und Mija in die obere Wohnung einziehen konnten.

„Der Boden ist gemacht.“

Sein Gesicht begann auf einmal zu strahlen, aber Mija musste seiner Hoffnung einen Dämpfer verpassen.

„Die Badewanne muss raus. Sie ist am Abfluss völlig verrostet.“

Darum tat es Mija besonders leid, denn es war eine alte Badewanne mit Klauenfüßen gewesen, die nun einer modernen Wanne weichen musste.

„Der Sanitärfachmann hat einige Vorschläge gemacht und du sollst entscheiden, welche Wanne du haben willst.“

Er stöhnte und warf sich auf den Rücken, ehe er seinen Unterarm über seine Augen legte.

„Die wollen mich doch verarschen! Ich dachte, wir klatschen eine neue Tapete an die Wand und schrubben etwas den Boden und dann könnte ich endlich mit dir alleine leben. Aber irgendwer im Universum scheint etwas dagegen zu haben.“

Das war nicht einmal ein unsinniger Gedanke, denn nachdem die ersten Schwierigkeiten auftraten, ließ Ben auch die anderen Wohnungen kontrollieren, doch keine war so renovierungsbedürftig wie eben ihr neues Zuhause.

Sie legte eine Hand auf seine Brust.

„Wir müssen eben noch etwas Geduld haben.“

Er schnaubte.

„Geduld? Min kjære, ich wollte schon längst weiter sein.“

Sie küsste ihn sanft auf das stoppelige Kinn.

„Du wirst sehen, dass es nun schnell vorangeht. Die Handwerker sind alle sehr zuversichtlich und meinten, sie wären bald fertig mit allem.“

Nun, der Trost der hartgesottenen Handwerker konnte auch Mitleid sein, denn Mija hatte sich nach der letzten Hiobsbotschaft, auf den Boden zusammengekauert und geschluchzt. Das hilflose Tätscheln ihrer Schulter war ein Zeichen dafür gewesen, dass auch die Männer mit ihren Nerven am Ende waren.

Eine schrottige Bude war noch okay, aber eine weinende Frau? Nein, das ging gar nicht.

Ben versteifte sich einen kurzen Moment.

„Das meinte ich nicht damit. Ich wollte dich eigentlich ...“

„Hey Ben. Bist du da?“

Ben drehte sich stöhnend auf den Bauch und brüllte gedämpft in sein Kissen. Dann hob er den Kopf und wischte sich in einer verzweifelten Geste über das Gesicht.

„Ja. Ich bin da, Tim. Was gibt es?“

Mija bewunderte Ben, dass er so ruhig antwortete.

„Nichts. Stefanie macht gerade Frühstück und ich dachte mir, ich frage, ob du auch etwas Essen willst.“

Im Hintergrund hörte man Tims Freundin kreischen, ob Tim blöd geworden sei, Mija und Ben zu stören.

Früher hätte Mija gekichert, aber mittlerweile ging es ihr auch auf die Nerven.

Sie war nun dreiunddreißig Jahre alt. Ben war sogar schon sechsunddreißig. Sie wollten beide ein ruhiges Leben zusammen ohne Mitbewohner, die zwar wirklich lieb waren, aber eben jung und in manchen Dingen zu unbekümmert. Manchmal hatte Mija das Gefühl, sie lebte in einer Kommune oder einem Kindergarten. Vor allem, wenn Ben nicht da war und Felix in ihr gemeinsames Zimmer kam und er einschlief.

„Ich sage dir mal was, Ben. Wenn die Wohnung nicht bald fertig ist, werde ich uns ein Hotel buchen. Ich werde deinen Bruder um eine Gehaltserhöhung fragen und dich dann entführen.“

Er grinste und legte sich dann auf sie.

Er hauchte kleine Küsse auf ihr Gesicht und biss ihr dann zart in die Schulter.

„Das würde mir gefallen. Aber im Moment lohnt es sich eigentlich nicht. So lange die Wintersaison ist, bin ich immer unterwegs.“

Das stimmte allerdings und Mija war es leid, immer alleine zu sein. Also ohne Ben. Doch sie wusste ja, auf was sie sich einließ, wenn sie mit einem Sportreporter zusammen war, der auch als Experte für den Wintersport fungierte.

„Was ist nun mit dem Frühstück?“

Ben knurrte.

„Ich bringe ihn um. Ehrlich.“, flüsterte er. Dann richtete er sich etwas auf.

„Ja. Wir wollen auch Frühstück. Nachdem wir gevögelt haben. Wenn du also keinen Porno hören willst, solltest du verschwinden.“

Nun erschallte Lachen von verschiedenen Ecken und wieder rief Stefanie, dass sie Ben nicht daran hindern würde, wenn er Tim verprügelt.

Tim schien in die Küche gegangen zu sein, aber dafür ging wieder jemand auf die Toilette und dieses Mal war es nicht nur ein Furz, der durch die Rohre geschossen wurde.

Ben stöhnte.

„Behalte die Idee mit dem Hotel im Hinterkopf. Irgendwann fliehen wir von hier.“



„Hast du schlechte Laune?“

Joke saß Mija in Anders Büro gegenüber, dass sie beide gemeinsam nutzten, wenn ihr Boss nicht hier war.

Mija knurrte.

„Ben ist wieder hier.“

Joke hob eine Augenbraue.

„Das ist doch schön, oder?“

Mija lehnte sich in das Polster und schloss die Augen.

„Wie man es nimmt. Die Wohnung ist immer noch nicht fertig. Heute Morgen kam er in aller Frühe und wir wollten... du weißt schon.“

Joke nickte ernst. Mija kannte ihn nun schon über ein Jahr, aber sie hatte ihn wirklich noch nie Lachen gesehen. Nicht einmal ein Grinsen formten seine Lippen.

„Erst hörten wir, wie Niklas auf sie Toilette ging. Dann nervte uns Tim, weil er unbedingt wissen wollte, ob wir am Frühstück dabei sind. Und als wir ihn endlich loswurden, kam Kevin, unser neuer Mitbewohner auf die Toilette und ich schwöre dir, er schiss sich die Eingeweide aus. Ich habe keine Ahnung von Verdauung oder so, aber Kevin hat definitiv eine ausgezeichnete.“

Kevin bewohnte seit einigen Monaten ihr ehemaliges Zimmer. Er war, wie Niklas, ein angehender Architekt, allerdings auch ein Gesundheitsfreak. Jeden Trend machte er mit, sei es Kokoswasser, Chiasamen oder irgendwelche Beeren, die dem Körper guttun sollten. Dazu trieb er immer Sport.

Zurzeit trank er jeden Tag so eine grüne Plörre, die scheußlich roch und in seinem Darm etwas anstellte, was den Nasen der anderen nicht gerade guttat.

Ansonsten war er ein angenehmer Mitbewohner, der seine Miete pünktlich bezahlte und den Einkauf immer gerne übernahm.

Joke stöhnte leise.

„Auch wenn ich es cool finde, seid ihr zu alt für eine WG mit lauter Studenten.“

Sie nickte.

„Auf jeden Fall. Wir haben kaum mehr Zeit für uns alleine, weil immer jemand in der Wohnung ist. Ich habe Ben heute Morgen angedroht, dass ich ihn in ein Hotel entführe und ihn da so lange festhalte, bis die Wohnung endlich fertig ist.“

Joke zuckte mit den Schultern.

„Das ist vielleicht nicht nötig. Ganz ehrlich, ich kann es nicht ertragen, wie frustriert du bist, und ich habe mir etwas überlegt.“

Er ging zum Schreibtisch und kramte einen Schlüssel aus seiner Jackentasche.

„Meine Eltern haben eine kleine Ferienwohnung am Bodensee. Es ist nichts Besonderes, aber im Moment steht sie leer. Macht es euch am Wochenende dort gemütlich. Du kannst am Montag später kommen. Dann habt ihr wenigstens mal zwei Tage, in denen euch die Flatulenzen von Kevin nicht stören.“

Er warf ihr den Schlüssel zu und Mija starrte einen Augenblick darauf, als ob sie den Heiligen Gral in den Händen hielt.

Dann sprang sie auf und fiel Joke um den Hals.

„Du bist der Beste, Joke.“

Er nickte.

„Im Moment kannst du jederzeit das Wochenende dort verbringen. Meine Eltern haben nur noch Stammgäste und die erscheinen erst wieder ab dem Frühjahr.“

Mija drückte gerührt den Schlüssel an ihre Brust.

„Erst einmal reicht mir nur ein Wochenende, das ich alleine mit Ben verbringen kann. Du kannst dir nicht denken, was du uns für einen Gefallen damit machst.“

Er schüttelte den Kopf.

„Nein, es völlig eigennützig. Nicht, dass du dich entschließt, mit Ben nach Norwegen abzuhauen, so wie Anders. Ich brauche dich hier noch. Außerdem steht bald die Gala an und ich hoffe, dass wir dieses Jahr wieder den Preis als beste Agentur absahnen werden.“

Mija nickte.

Die Weihnachtsgala, die jedes Jahr veranstaltet wurde, um die die besten Webdesigner, PR-Manager und Agenturen auszuzeichnen, war allen enorm wichtig.

Sogar Anders würde wieder in Deutschland auftauchen, wenn auch nur für kurze Zeit.

Es war ein offenes Geheimnis, dass Anders sich aus Deutschland zurückziehen wollte, um mit Iva eine Familie zu gründen. Auch wenn er noch vorher nicht daran dachte, so hatte ihm die Geschichte seines Zwillingsbruders gezeigt, dass man seine Liebe urplötzlich verlieren konnte. Deswegen wollte er die Agentur schleichend an Joke übergeben und sich irgendwann komplett zurückziehen. Angefangen hatte er schon, denn seine Eigentumswohnung war schon verkauft. Wenn er hier in Deutschland war, übernachtete er in Hotels oder in der Agentur selbst.

Mija sollte Joke noch unterstützen, so lange sie wollte, aber Anders hatte ihr auch das Angebot gemacht, dass sie irgendwann auch bei ihm in Oslo arbeiten konnte.

Doch nun stand erst einmal diese Gala an.

„Ich muss mir noch ein Kleid kaufen. Und ich muss Ben überreden, einen Smoking zu tragen.“

Sie stöhnte leise.

„Ich weiß nicht einmal, ob er einen Smoking hat. Ich bin so eine schlechte Freundin. Ich weiß nichts über den Mann, den ich liebe.“

Joke kam zu ihr und hielt sie an den Schultern fest.

„Beruhige dich, Mija. Was ist denn los?“

Sie seufzte.

„Ich habe Ben wirklich vermisst und ich musste ihm schon wieder eine schlechte Nachricht überbringen, dass sich die Renovierung hinauszögert. Ich sehe ihn seltener als damals, wo ich ihn noch für Anders hielt.“

Joke tippte leicht ihr Kinn an.

„Mach heute früher Feierabend und fahre mit ihm an den Bodensee. Das wird euch guttun.“

Mija nickte und seufzte leise.

Das hoffte sie wirklich.