Masturbate, Pray, Repeat! [BxB]

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Summary

Eine kurze Geschichte über Jona, seinen Glauben, sein erstes Mal und wie er wirklich zu sich fand.

Genre
Romance
Author
Elena <3
Status
Complete
Chapters
10
Rating
5.0 4 reviews
Age Rating
18+

1 - Schwäche

Ich setzte mich zusammen mit meiner Mum und meiner jüngeren Schwester Sara auf unsere Stammplätze. Jeden Sonntag wählten wir die gleichen Stühle aus. So wie auch die meisten der anderen über 150 aktiven Mitglieder unserer Kirche.

Ich sah mich um. Viele der Anwesenden standen noch in Grüppchen zusammen und unterhielten sich flüsternd. Durch das monotone Murmeln entstand ein angenehmes Surren im Raum. Unser Gemeindesaal war ziemlich groß, mit hohen Decken und modernen Buntglasfenstern.

Vorne im Saal war eine Bühne, dort standen das Rednerpult und der Flügel. Dahinter hing ein riesiges Kreuz an der Wand. Die Leinwand, auf die der Beamer gleich die Liedtexte zum gemeinsamen Singen werfen würde, war ebenfalls schon ausgefahren.

Dann fiel mein Blick auf Samuel beziehungsweise Sam, wie ihn alle nannten. Er war gerade dabei, etwas mit seinem Vater zu besprechen. Als Pastorensohn wurde Sam schon immer viel mit in den Gottesdienst einbezogen.

Wie immer war Sam schick angezogen. Das weiße Hemd steckte in der hellgrauen Anzughose. Der dunkelgraue Gürtel passte perfekt zu den Anzugschuhen im gleichen Farbton. Sogar das Band seiner Armbanduhr war darauf abgestimmt, bemerkte ich. Der braunhaarige 20-Jährige schaute nach oben zum Beamer und drückte auf eine Fernbedienung. Skeptisch kniff er die Augen zusammen. Vermutlich wollte die Technik mal wieder nicht - so wie gefühlt jeden Sonntag.

Doch dann erschien auf der Leinwand das blaue Logo des Beamers. Mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht legte Sam die Fernbedienung an ihren Platz beim Rednerpult. Sein Vater klopfte ihm auf die Schulter und schien sich bei ihm zu bedanken. Ich saß zu weit weg, um sie verstehen zu können. Dann trat unser Pastor an das Pult.

“Liebe Gemeinde, ich bitte euch, zur Ruhe zu kommen.”

Das gleichmäßige Surren verstummte und auch die letzten Personen fanden zu ihrem Platz.

Sam saß inzwischen am Flügel. Die Noten des ersten Liedes ertönten und die Gemeindeglieder erhoben sich von ihren Plätzen. Den Blick auf die Leinwand gerichtet, sang ich die Sätze, die ich schon hunderte Male gesungen hatte und trotzdem immer noch nicht auswendig konnte. Im Gegensatz zu meiner Schwester, die mit geschlossenen Augen und voller Inbrunst das christliche Lied mitsang.

Nach einem Gebet und einem weiteren Lied teilten sich die Menschen in dem großen Saal in die Gesprächsgruppen ein. Bei uns in der Kirche war es üblich, dass sich die Gemeindeglieder über die Woche zu einem vorgegebenen Bibel-Thema vorbereiteten und sich dann während dem Gottesdienst in einer Gesprächsrunde dazu austauschten. Ziel sollte es sein, dass sich jeder privat mit der Bibel beschäftigte, aber dann auch von den Erfahrungen der anderen profitierte.

Während sich die Erwachsenen im Saal eine Gruppe suchten, gingen Sara und ich zu dem Raum unserer Jugendgruppe. Die Kinder- und Jugendgruppen waren nach Alter sortiert, damit die Themen dort altersgerecht bearbeitet werden konnten.

Gerade als ich unseren Raum betreten wollte, legte jemand seine Hand auf meine Schulter und hielt mich auf.

“Oh, hallo Sam”, meinte ich schüchtern, als ich in die braunen Augen schaute.

“Hey Jona, na alles gut?” Ich nickte. “Ich hab mich gefragt: Du wirst doch nächsten Monat 18, oder? Ab dann kommst du zu uns in die Gruppe. Wir fangen allerdings heute ein neues Thema an, mit dem wir uns die nächsten Wochen beschäftigen werden. Es wäre deshalb sinnvoll, wenn du heute schon zu uns kommen würdest.”

Unsicher schaute ich ihn an und dann in meinen Gruppenraum. Sara hatte sich schon neben ihre Freundin gesetzt und plauderte.

“Geht das denn einfach so?“, fragte ich ihn.

Seine braunen Augen funkelten und er grinste mich an. “Na klar”, und ohne meine Antwort abzuwarten, rief er in den Raum: “Beate?” Meine bisherige Gruppenleiterin drehte sich um und strahlte, als sie Sam entdeckte. “Ich würde Jona heute schon mit in unsere Gruppe nehmen. Wir fangen ein neues Thema an.”

“Ja, gut, macht das ihr Lieben”, war ihre Antwort und dann wandte sie sich wieder ihren Vorbereitungen zu.

Sam legte seinen Arm um meine Schultern und schob mich in Richtung des Raums für die 18- bis 21-Jährigen. Ich grinste und fand es ziemlich cool, dass ich nun bei den Älteren dabei war. Die waren dort ja schon so gut wie erwachsen. Trotzdem war ich auch aufgeregt, und Sams Arm, der ein ungewohntes Kribbeln in mir auslöste, machte die Sache nicht besser.

Ich wurde vom Rest der Gruppe freundlich aufgenommen. “Nice, dass du jetzt auch hier bist”, grinste Noah, der schon vor ein paar Monaten achtzehn geworden war. Ich konnte Noah gut leiden, wobei meine engsten Kumpels nicht in der Gemeinde waren.

Wir setzten uns alle in den Stuhlkreis. Sam sprach ein kurzes Gebet und leitete dann das neue Thema ein. Es ging um Josef, Jakobs Sohn. Ich kannte die Bibelgeschichte schon seit meiner Kindheit in- und auswendig. Und anstatt zuzuhören, musterte ich lieber Sam.

Ich beneidete ihn. Für sein gutes Aussehen und für seine extrovertierte Art, mit der er bei allen gut ankam. Dafür, dass jeder ihn kannte und er immer im Mittelpunkt stand, sobald er einen Raum betrat. Und dabei wirkte er nicht mal arrogant oder überheblich. Er strahlte immer eine gewisse Wärme aus und gab einem allein mit seinen Blicken und seinen Worten immer das Gefühl, etwas Besonderes zu sein.

Und ich beneidete ihn für seine Familie. Seine Eltern wirkten immer so harmonisch miteinander und mit seinen Geschwistern schien er nie zu streiten.

Das war bei uns zu Hause ganz anders. Sara und ich waren einfach so unterschiedlich und überhaupt nicht auf einer Wellenlänge und meine Eltern waren da nicht anders. Seit meine Mum sich vor ungefähr 15 Jahren dafür entschieden hatte, bibeltreue Christin zu werden, hatten sie sich auseinandergelebt. Sie waren oft unterschiedlicher Meinung und während meine Mum dabei immer lauter wurde, zog sich mein Dad meistens zurück, da er es leid war ständig zu diskutieren.

Ich beneidete Sam für sein Leben und gleichzeitig mochte ich ihn und war glücklich, dass er nun mein neuer Gruppenleiter war.

Abends lag ich im Bett und konnte nicht einschlafen. In mir tobte ein Kampf, wie jeden Abend. Und wie jeden Abend verlor ich ihn. Ich nahm mein Smartphone in die Hand, ging in den Browser und stellte den geheimen Modus ein, um kurz darauf durch verschiedene Pornoseiten zu scrollen.

Mir war bewusst, dass Pornografie Sünde war, genau wie Masturbation, was unweigerlich gleich folgen würde und trotzdem konnte ich mich keinen Abend beherrschen. Ob das schon als Sucht zählte? Egal. Ich scrollte weiter, bis ich auf ein Video stieß, das mich ansprach. Darin vergnügte sich eine Frau mit zwei Männern.

Doch anders als erwartet, fingen plötzlich auch die Männer damit an, sich anzufassen und zu küssen. Obwohl ich das als falsch empfand, schaffte ich es nicht, meinen Blick von den beiden abzuwenden. Und zu allem Überfluss erregte es mich auch noch. Ich schob die innere Stimme, die mich davor warnte, beiseite und dann meine Hand in meine Boxershorts.

Es dauerte nicht lange, bis ich kurz vorm Höhepunkt war. Ich lehnte mich zurück und schloss meine Augen, während die drei Pornodarsteller*innen aus meinem Smartphone immer noch stöhnten. Ich mochte es, mir am Ende mich selbst vorzustellen, wie ich die Frau aus dem Video vögelte.

Doch heute war es anders. Ich sah mich selbst in der passiven Rolle und einen der Typen aus dem Video über mir. Und dann, ohne dass ich es wirklich kontrollieren konnte, sah der Mann über mir auf einmal Sam ganz schön ähnlich. Ich wusste, dass das falsch war und trotzdem ließ ich die Fantasie zu.

Ich biss mir auf die Unterlippe und unterdrückte ein leises Stöhnen, als sich alles in mir zusammenzog und ich mit diesem herrlich befriedigenden Gefühl kam. Doch das Hochgefühl hielt nicht lange an.

Sofort kam meine innere Stimme zurück, die mich für diese Untat verurteilte. Plötzlich von mir selbst angewidert, stand ich auf und zog die eingesauten Boxershorts aus, nahm ein Taschentuch und versuchte mich sauberzumachen.

Ich war genervt und traurig. Warum war ich jedes Mal so schwach, immer wieder aufs Neue und jedes Mal hatte ich ein schlechtes Gewissen. Schlimm genug, dass ich Pornos schaute und dabei masturbierte, aber warum zum Geier stellte ich mir dabei auch noch Sam vor?

Nachdem ich mir frische Unterwäsche angezogen hatte, kniete ich mich vor mein Bett, faltete die Hände und schloss die Augen.

“Lieber Gott”, begann ich zu flüstern, “danke, dass du mich hörst, obwohl ich ein Sünder bin. Es tut mir leid, dass ich schon wieder so schwach war. Bitte verzeih mir und bitte hilf mir endlich davon loszukommen. Ich will das doch gar nicht, aber ich habe einfach nicht genug Kraft. Bitte gibt mir die Kraft zu widerstehen, oder nimm dieses Verlangen von mir.

Und bitte ...“, ich stockte, weil es mir schwerfiel, das Folgende auszusprechen, “und bitte verzeih mir, dass ich mir Sam dabei vorgestellt habe. Ich weiß, dass das in deinen Augen falsch ist und ich mich durch solche Gedanken versündige und mich von dir entferne. Bitte, bitte befreie mich davon!”

Tränen rannen über meine Wangen. Ich wusste, Gott würde mir verzeihen, aber warum gab er mir nicht die Kraft, es einfach direkt zu lassen? Irgendwann hatte ich mal in einer Predigt gehört, dass wir Menschen alle schwache Sünder wären, aber sobald wir Gott ernsthaft darum bitten würden, würde er uns die Kraft geben, der Sünde zu widerstehen. Aber warum war ich dann doch jeden Abend so schwach und musste dann vor ihn kriechen und um Verzeihung bitten? Ich flehte ihn doch ernsthaft an. Warum half er mir dann nicht?

Immer noch verzweifelt und wütend, legte ich mich in mein Bett und zog mir die Decke über den Kopf.