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Heart of Ageia - Flucht

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Summary

Acht Jahre. Solange ist es her, dass Emilys Vater sie und ihre Mutter verlassen hat, doch sein Verlust liegt wie ein Schatten über ihrem Leben. Der Umzug in eine fremde Stadt sollte ein Neuanfang sein, bringt aber vor allem neue Probleme und viel Streit. Als ein mysteriöser Junge auftaucht, der immer wie zufällig am richtigen Ort ist, beginnt ihre Welt aus den Fugen zu geraten. Was als scheinbar harmloser Zufall beginnt, entwickelt sich bald zu einem gefährlichen Abenteuer und sie muss alles hinter sich lassen - ihre Mutter, ihr Zuhause, ihr vertrautes Leben. Auf ihrer Flucht wird sie in eine magische Welt gerissen, in der nichts so ist, wie es scheint. Doch mit den Wundern wachsen auch die Bedrohungen, bis die Grenzen zwischen Wahrheit und Schein verschwimmen.

Genre
Fantasy
Author
MrsDuden
Status
Complete
Chapters
51
Rating
5.0 6 reviews
Age Rating
16+

Albtraum

Tropf. Tropf. Tropf ...

Die kleine Zelle, in die nur das Geräusch des von der Decke tropfenden Wassers drang.

Die kahle Wand, die das Einzige war, was man hier anschauen konnte und die Risse in ihr, die im flackernden Licht der Fackeln tanzten, ewig tanzten.

Tropf. Tropf. Tropf ...

Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Wochen. Alles bedeutungslos, alles dasselbe. Wie lange diese Qual schon dauerte, war nicht mehr zu erfassen. Jegliches Gefühl für Raum und Zeit war längst verloren und das Weiterleben ein einziges ewiges Tropfen. Tropfen. Tropfen ...

Doch dann: Schritte.

Tapp. Tapp. Tapp ...

Seit langer Zeit waren da keine Schritte mehr gewesen. Immer nur Tropfen. Tropfen. Tropfen. Aber jetzt Schritte und Rascheln. Wie Stoff, der über Steinboden schleift. Jemand kam. Warum?

Eine grauenvoll vertraute Stimme begann zu sprechen:

„Ich habe sie endlich gefunden. Du wolltest sie verstecken, doch nun kriege ich das Mädchen!” Schrilles Lachen, dessen Echo nach all der Leere etwas Neues zurücklässt:

Verzweiflung. Angst. Ohnmacht. Einen pochenden Schmerz.

Poch. Poch. Poch.

POCH! POCH! POCH!

Schweißgebadet fuhr Emily aus dem Schlaf und brauchte ein paar Sekunden, um zu verstehen, dass es nur wieder einer ihrer Träume gewesen war. Hastig blickte sie sich in ihrem Zimmer um, um sich zu vergewissern, wo sie war und die Panik zu stoppen, die ihr den Hals zuschnüren wollte: Ihre weißen Möbel auf dem roten Teppich, die in dem kleinen Raum viel zu groß wirkten. Die Kleidung vom Vortag, die zerknüllt auf dem Boden lag. Die weißen Wände. Mit zitternden Fingern griff sie nach ihrem Handy - Neun Uhr morgens. Ihr Herz schlug wie wild. Ihr Atem ging stoßweise. Ihre langen blonden Haare klebten verfilzt in ihrem Gesicht und an ihrem Rücken.

POCH! POCH! POCH!

Das Klopfen war real.

„Mach doch endlich auf!“, zeterte ihre Mutter Vivian und hämmerte an die verschlossene Zimmertür. Stimmt. Wir haben uns gestern gestritten und dann habe ich abgeschlossen, fiel es ihr wieder ein.

„Jaha! Ich mach schon“, grummelte Emily und schleppte sich aus ihrem Bett in Richtung Tür, um den Schlüssel umzudrehen.

„Nur weil Sommerferien sind, kannst du doch nicht den ganzen Tag verschlafen! Ich brauche deine Hilfe, um die letzten Kisten auszupacken.“ Nörgelnd verschwand ihre Mutter, noch bevor Emily die Tür überhaupt geöffnet hatte. Augenrollend schnappte sie sich Unterwäsche, schwarze Shorts, ein ebenso schwarzes Trägertop und ihr schwarz-weiß kariertes Lieblingsflanellhemd aus dem Kleiderschrank und trippelte durch den schmalen Flur ins gegenüberliegende Badezimmer. Aus dem Wohnzimmer hörte sie ihre Mutter in Umzugskartons kramen.

Das warme Wasser der Dusche löste ihre verspannten Muskeln und der vertraute Kokosduft ihres Lieblingsshampoos beruhigte sie zusätzlich. Sie versuchte angestrengt, sich an den Traum zu erinnern, der sie so unruhig hatte schlafen und schließlich so unsanft hatte aufwachen lassen. Vergeblich. Wie immer konnte sie es nicht.

Sie schob ihre Unterlippe vor, so wie sie es immer tat, wenn sie nachdachte, aber sie kam zu dem Schluss, dass es sowieso unwichtig war.

Es war ja nur ein Traum, versuchte sie sich selbst in Gedanken zu überzeugen.

Fertig geduscht band sie sich ein großes, flauschiges Handtuch um, wickelte ein zweites zu einem Turban auf ihrem Kopf und betrachtete sich im Spiegel. Die unruhige Nacht hatte ihre Spuren hinterlassen. Durch ihre helle Haut schimmerten bläuliche Ränder unter ihren hellgrauen Augen und ihre Lippen waren blass und konturlos. Sie zuckte die Achseln und streckte sich selbst die Zunge raus. Emily war nicht sonderlich eitel, obwohl sie oft von Fremden angeflirtet wurde. Sie hatte zu früh lernen müssen, Avancen von Jungen und auch erwachsenen Männern zu entgehen oder ihnen vehement zu begegnen. Sie hasste es.

Halbwegs trocken, schlüpfte sie in ihre Kleidung und inhalierte dabei den Duft des Waschmittels. Ihre Mutter hatte schon immer die gleiche Marke benutzt, sodass dieser Geruch ihr ein gewisses Gefühl von Behaglichkeit gab und sie an früher erinnerte, genau wie das Flanellhemd, das sie jetzt trug. Es war das Lieblingshemd ihres Vaters gewesen. Doch als er abhaute - sie war gerade acht Jahre alt gewesen, als das geschehen war, mittlerweile war sie fast sechzehn - hatte sie dieses Hemd als Erinnerung vor den wütenden und verzweifelten, alles von ihm wegwerfenden Fingern ihrer Mutter bewahrt. Seitdem trug sie es ständig.

Emily merkte, dass ihre Augen feucht wurden, doch sie wollte nicht weinen, also schüttelte sie den Kopf und schloss die Lider für einen Moment. Sie griff nach dem grünen Anhänger, den sie an einer silbernen Kette um den Hals trug, und atmete tief durch. Ihr Vater hatte ihn ihr geschenkt, als sie noch klein war, und Emily trug ihn seit dem Umzug immer bei sich. Früher hatte er in ihrer Schatzkiste auf dem Dachboden gelegen. Doch in der fremden Stadt wollte sie etwas Vertrautes bei sich haben. Es war ein massiver, etwa walnussgroßer grüner Edelstein, der in feines Silber eingefasst war. Sie hatte einmal im Internet recherchiert, um herauszufinden, was es für ein Stein war, doch nichts in Erfahrung bringen können. Er war transparent mit Wirbeln und Einschlüssen wie ein Bernstein, aber grün und außergewöhnlich leicht. Sie betrachtete den Anhänger noch eine Weile, bevor sie ihn im Ausschnitt ihres Tops verschwinden ließ. Ein tröstendes Gefühl erfüllte Emilys Brust, bei dem vertrauten Gewicht um ihren Hals.

Dann ging sie in die Küche, füllte eine Müslischale mit Cornflakes und Milch und tappte den Flur entlang in ihr Zimmer zurück. Dort schaltete sie ihren kleinen Fernseher ein, setzte sich im Schneidersitz auf ihr Bett und zappte durch die Kanäle. Bei einem erträglichen Sender angekommen, legte sie die Fernbedienung weg, begann die Schale leerzulöffeln und beobachtete auf dem Bildschirm Alice dabei, wie sie im Kaninchenbau verschwand.

“Hast du etwa Tomaten auf den Ohren?” Ihre Mutter stand neben Emilys Bett. Emily ließ den Löffel in die Schale sinken und sah sie fragend an.

„Erstens sollst du in der Küche essen und zweitens brauche ich deine Hilfe im Wohnzimmer!“ Genervt seufzend fixierte Vivian ihre Tochter mit ihren stahlgrauen Augen, wobei die tiefen Falten deutlich wurden, die sich unbarmherzig in ihr eigentlich junges Gesicht gegraben hatten, seit ihr Mann die Familie verlassen hatte. Auch die grauen Strähnen in ihrem hellbraunen Haar zeugten davon, dass sie vor ihrer Zeit gealtert war.

“Ist ja gut. Lass mir doch einfach eine Kiste übrig und ich mache das später”, sagte Emily, da sie gerade nicht unnötig darüber diskutieren wollte, dass Vivian selbst ständig vor dem Fernseher im Wohnzimmer aß und setzte sich auf. Es war jetzt kurz vor zehn Uhr. Kopfschüttelnd verließ ihre Mutter das Zimmer und Emily stand auf, um ihre Müslischale in die Küche zu bringen.

Sie holte tief Luft. Die Wohnung erschien ihr auf einmal zu klein.

„Ich geh raus”, rief sie ihrer Mutter kurzentschlossen zu und stieg in ihre dunkelgrünen, ausgelatschten Springerstiefel, die sie selbst jetzt im Sommer trug.

„Nimm den Müll mit!“, schallte es ihr hinterher, doch Emily ignorierte die Stimme aus dem Wohnzimmer, nahm ihren Hausschlüssel und verließ ohne ein weiteres Wort die Wohnung. Falls ihre Mutter sich darüber aufregte, bekam Emily nichts davon mit.

Ihr Weg Weg führte sie ein Stückchen durch die Stadt, hinunter zum Hafen und zu einem bestimmten Strandstück, das sie am ersten Tag nach ihrem Umzug in die Stadt entdeckt und seitdem jeden Tag aufgesucht hatte. Emily setzte sich in den Sand, den Rücken an einen großen schwarzen Felsen hinter sich gelehnt und sah aufs Meer hinaus. Sie liebte das Treiben der Wellen und es war, als würde das Meer nur für sie rauschen und ihr eine Geschichte erzählen, die zwischendurch vom Kreischen einer Möwe untermalt wurde. Es war die dritte Woche der Sommerferien, Ende Juli, und die Sonne begann bereits unbarmherzig vom Himmel herunterzubrennen. Doch der Wind zauste ihr durch das Haar, wehte ihr eine kühle Meeresbrise entgegen und machte es erträglich.

Sie schloss die Augen und genoss die Helligkeit, die durch ihre Lider drang. Eine Erinnerung drängte sich ungebeten in ihre Gedanken. An eine der Urlaubsreisen ans Meer, die sie mit ihren Eltern früher erlebt hatte. Ihr Vater war immer mit ihr am Strand entlanggegangen und hatte ihr verschiedene Geschichten erzählt. Entweder Märchen über Feen oder auch über sich selbst. Er sei ein Spion gewesen, ein Wissenschaftler, ein Widerstandskämpfer, ein Zauberer und alles mögliche dazwischen. Oder sie hatten zusammen mit ihrer Mutter ganze Städte aus Sand gebaut und den ganzen Tag am Wasser verbracht.

Die Schierlings waren eine glückliche Familie gewesen, damals. Doch dann war Lian nach einem Streit mit Vivian einfach verschwunden. Seitdem hatte er sich nie wieder gemeldet und Emilys Mutter war zu verletzt und wütend, um ihn durch die Polizei suchen zu lassen.

Plötzlich verdunkelte etwas die Sonne und sie öffnete die Augen. Vor ihr stand ein Junge, der etwa in ihrem Alter sein musste. Vielleicht siebzehn. Emily musterte ihn abschätzig. Er trug Flip-Flops, karierte Bermudashorts und ein grünes T-Shirt. Ihr Blick wanderte weiter nach oben zu einem sonnengebräunten Gesicht mit grünen Augen. Seine blonden, etwas längeren Haare wurden vom Wind zerzaust.

Der Junge grinste fröhlich und sie wollte absolut nichts mit ihm zu tun haben.

Sie hatte attraktiven Jungen noch nie getraut, doch so gut gelaunt zu sein, war einfach verabscheuungswürdig.

“Schönes Wetter heute, nicht?” Er spricht wirklich über das Wetter. Emily verdrehte die Augen und sah schweigend zum Meer. “Ah, das Meer. Ja, das ist auch schön, ich bin Levin”, fuhr er unbeirrt fort. Emily schwieg.

“Und was machst du sonst so, außer am Meer zu sitzen?”

Emily schwieg weiter. Irgendwann wird er mich hoffentlich in Ruhe lassen.

“Wohl nicht sehr gesprächig, was?”

Genervt zog Emily die Augenbrauen zusammen, doch Levin schien es als eine verdrehte Art von Zustimmung oder Aufforderung aufzufassen, denn er setzte sich neben sie in den Sand. Empörte Hitze flutete ihren Körper und schoss ihr in die Wangen. Sie rückte demonstrativ ein Stück von ihm weg. Was bildet sich dieser Typ eigentlich ein?

“Bist du neu hier? Ich hab dich hier vorher noch nie gesehen.” Sein Plauderton war fürchterlich unbekümmert.

“Merkst du nicht, dass du mir auf die Nerven gehst?“, fuhr sie ihn giftig an.

“Oho, temperamentvoll und mysteriös. Das gefällt mir”, erwiderte er lachend und sah sie mit einem Zahnpastawerbunglächeln an. Was ist denn bitte mit dem falsch? Angeekelt starrte sie ihm in sein widerwärtig fröhliches Gesicht.

“Hau einfach ab! Was willst du von mir?“, sie schrie jetzt fast. Wieso lässt der mich nicht in Ruhe? Sie hasste aufdringliche Leute. Vor allem solche Sunnyboys, die glauben, sie können jedes Mädchen haben, nur weil sie ja so gut aussehen.

“Die Frage ist wohl, was willst du von mir?” Sein Tonfall wurde jetzt zweideutig. Als Emily ihn mit einem wütenden Blick durchbohrte, sah sie, dass er sie mit einem anzüglichen Grinsen anschaute und dabei eine Augenbraue hob.

“Ich will gar nichts von dir. Ich will, dass du verschwindest und mich in Ruhe lässt!“, fauchte sie ihn an. Soll er doch ein Mädchen suchen, das sich für ihn interessiert. Bei seinem Aussehen würde er sicherlich fündig werden. Woanders.

“Also willst du doch etwas von mir”, antwortete er mit hörbarer Genugtuung in der Stimme und hob triumphierend einen langen Zeigefinger.

“Was? Nein!” Emily war verwirrt. Hab ich mich undeutlich ausgedrückt? Gerade wollte sie zu einer patzigen Erwiderung ansetzen, als er weitersprach.

“Doch, du willst, dass ich verschwinde und dich in Ruhe lasse. Das sind sogar direkt zwei Dinge”, erläuterte er neunmalklug und lachte. Mit einem Wutschrei sprang Emily auf und stapfte durch den Sand davon, ohne sich noch einmal umzusehen.

“Okay, bis dann”, rief ihr Levin hinterher, als hätten sie sich gerade total nett unterhalten. Wer ist dieser Typ und was fällt ihm ein? Hoffentlich würde er jetzt nicht ständig an ihrem Felsen auftauchen. Sie schob den Gedanken an Levin bei Seite und ging weiter in Richtung Stadt.

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Good Writing

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Great Character

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Strong Dialog

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typisch Teenager! 🤣

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ist halt auch schwer mit den Hormonen

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