New melody

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Summary

Das vergangene Jahr war schwierig für Max. Aber er ist gestärkt daraus hervorgangen und voller guter Vorsätze für das neue Jahr, mehr noch : für seine Zukunft! Doch natürlich schwingt auch bei ihm die Angst mit, sich neuen Herausforderungen zu stellen. Hoffnung haben ist nicht immer leicht, das hat er schmerzlich gelernt. Am Neujahrsmorgen hört er beim Joggen, einen Song der ihm durch uns durch geht. Noch mehr tut es der Interpret. Noah. Der Außenseiter seiner Stufe. Still. Introvertiert. Einzelgänger. Doch im Park, mit der Gitarre, ist Noah plötzlich ein anderer. Kraftvoll. Ausdrucksstark. Laut. Ergreifend. Ihre Augen begegnen einander, halten einander und es wird klar: Manchmal kann ein Song alles verändern! ************************************ Cover: Gitarre : rainbow guitar by Boedies on DeviantArt Noten: <a href="https://de.freepik.com/vektoren-kostenlos/moderne-noten-hintergrund_837488.htm#query=Musiknoten%20rainbow&position=1&from_view=search&track=ais&uuid=e028d5d3-0ead-4e60-a2c6-f631d19a2417">Bild von kjpargeter</a> auf Freepik

Genre
Romance/Other
Author
Zwenja
Status
Complete
Chapters
2
Rating
n/a
Age Rating
16+

New Melody- Prélude

Vor meinem Gesicht steigen kleine weiße Wölkchen auf, weil mein Atem gefühlt gefriert. Dabei ist mir warm. Richtig warm. Denn ich jogge! Hipphipphurra für mich!


Nun gut es ist auch keine Riesenleistung seine Neujahrsvorsätze am ersten Januar einzuhalten. Aber hey, Motivation ist alles! Positive Bestätigung nennt man das. Noch ein guter Vorsatz von mir : positiv bleiben! Letztes Jahr war ich einige Male verdammt negativ und ein ums andere Mal, hat dies alles noch schlimmer gemacht.


Zum Glück hat meine Mutter mir stets die Löffel langezogen, sonst wäre ich vielleicht nicht mehr hier. Klingt dramatisch? Weiß ich selbst. War es auch. Gerade als alle Welt dachte, die Pandemie sei vorbei, bekam ich Covid. Und zwar so richtig. Mit Intensivstation und allem drum und dran. Doch die Zeit danach war noch schlimmer. Diese elende Erschöpfung! Meine Lungenfunktion war schlecht und ein trockener Husten schüttelte mich täglich.


Erst im Herbst ging es mir besser. Bis dahin hatte ich allerdings soviel vom wichtigen Abijahr verpasst, dass meine Mutter, meine Lehrer und ich entschieden es wäre besser die 12. Klasse zu wiederholen. In meiner Schule macht man nach 13 Schuljahren Abitur. Somit sind meine ehemaligen Schulkameraden alle im letzten Jahr, gehen jetzt in die heiße Phase vor dem Abitur im Sommer.


Ich bin tatsächlich nicht allzu traurig über meine Rückstufung. Ich kann entspannter an den Schulstoff heran gehen, mich daran gewöhnen wieder in einem vollen Klasseraum zu lernen. Zudem muss ich mich nicht total anstrengen schulisch mitzukommen, wenn ich doch genug damit zu tun habe, meinen Körper wieder fit zu bekommen.


Außerdem weiß ich noch garnicht so richtig, was ich nach der Schule machen möchte. Alte Träume sind letztes Jahr gestorben und irgendwie mangelt es mir an neuen.


Vor Covid habe ich Handball gespielt. Bin gern Rad gefahren oder schwimmen gegangen. Post Covid war nicht nur die Kraft weg, sondern auch jedwede Motivation. Aber damit ist jetzt Schluss! Ich hab in den letzten zwei Monaten richtig Fortschritte beim Muskelaufbau gemacht und auch die Ausdauer ist besser geworden. Darum jetzt das Joggen. Ich werde das durchziehen! Mein Leben gehört wieder mir!


'Bis das nächste Unkontrollierbare passiert!' , flüstert die kleine, nervige Pessimistenstimme in mir. Schnauze! , denke ich nur.


Zarte Gitarrenlaute, jedoch intensiv und irgendwie kraftvoll, lassen mich inne halten. Wer hört denn so früh am Tage, laut Musik in einem Park? Noch dazu bei den winterlichen Temperaturen?


Ich blicke umher und erblicke eine Gruppe Menschen, die um einen Straßenmusiker herum stehen. Na der muss ja ein ganz harter Kerl sein, bei den Temperaturen draußen Musik zu machen! Die Melodie die er spielt wird eindringlicher, geht mir durch und durch. Magisch angezogen vergesse ich also meinen Lauf und trete in die Menschengruppe hinein.


Der Gitarrist kann kaum älter als ich sein. Seine Hände stecken in fingerlosen schwarzen Lederhandschuhen, er trägt abgewetzte, doch stylische, schwarze Skinny Jeans mit Ketten die vom Gürtel baumeln und unter einer mit Teddyfell gefütterten Lederjacke hervorblitzen. Fast weiß blondes Hasr schaut unter einer schwarzen Beanie Mütze hervor und ein dicker, offenbar handgestrickter, Schal mit bunten Peace-Symbolen schützt seinen Hals vor der Kälte.


Geschickt tanzen seine Finger über die Saiten, verknüpfen Töne zu kraftvoller Musik.


Seine leicht raue, erstaunlich tiefe, Stimme jagt Schauer über meine Haut. Er singt davon wie er sein Leben lebt, allein die Dinge regelt. Niemand seinen Weg bestimmt, doch auch niemand Anteil nimmt. Er singt davon wie ein Mensch das ändern kann und man gemeinsam das Leben begehen kann, ohne sich selbst zu verlieren.


Als er zum Refrain kommt, bin ich schon ganz in seinem Bann. Er schaut auf, unsere Augen treffen sich. Wie ein Blitz durchfährt mich die Erkenntnis. Ich kenne ihn! Noah! Der Außenseiter meiner neuen Stufe, fast schon der gesamten Schule. Ich kenne seinen Namen nur, weil er in meinem Englisch LK ist. Seine Stimme kenne ich nur wenn er gezwungen ist, eine Antwort zu geben oder Hausaufgaben vorzulesen. Dann spricht er stets leise. Ich dachte er sei einfach schüchtern und eben einer dieser Einzelgänger. Immer in schlabbrigen Hoodies eingeigelt. Immer irgendwie unauffällig.


Doch jetzt steht hier eine Art Rockstar. Selbstbewusst, mit starker Stimme, sich nicht verbergend.


Ich spiel mein Lied allein,

entscheide wohin ich geh.

Doch will nicht einsam sein,

wenn ich dich dort seh'.


Komm mit!

Wir schreiben eine Melodie,

Du und ich in Harmonie.


Manchmal laut, manchmal leise,

zusammen - doch jeder auf seine Weise.


Mein Lied wird dein Lied

Und deins wird meins.

Einzigartig ist sie,

diese neue Melodie....


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(Anmerkung: Ich bin wahrlich kein  Songwriter ;-) Aber ich brauchte ein Stück eigenen Text!) (13)


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Applaus brandet auf und blinzelnd wache ich aus meiner Verzauberung auf. Wie? Schon zu Ende? Er soll weiter singen! Bitte?! Ob ich einfach stürmisch klatschen, auf- und abhüpfen und 'Zugabe' skandieren soll? Da dies oberpeinlich wäre, entscheide ich mich dagegen. Wir sind hier schließlich nicht auf einem BTS Konzert. Nicht das ich für die überhaupt ausrasten würde. Nicht meine Musik.


Noah unterhält sich mit einigen der Zuschauer, verteilt Flyer an sie. Ich erhasche einen Blick. Werbung für einen Talentwettbewerb des Jugendzentrums 'Traumwerkstatt'. Na wenn er da mitmacht, hat sonst niemand eine Chance. Sage ich jetzt mal ohne überhaupt die anderen Talente zu kennen. 


Plötzlich wird es leise, das Gemurele und die Stimmen um mich herum sind weg.


,,Du solltest nicht so lange in der Kälte stehen, Max!" Überrascht sehe ich ihn an. ,,Du bist noch nicht so lange wieder auf dem aufsteigendem Ast, oder?" ,,Nein." Ich sehe zu wie er seine Gitarre sicher in ihrem Kasten verstaut und diesen dann über den Rücken schwingt.


,,Meine Tante gehört das Café hier um die Ecke. Lust auf Frühstück?" Total baff starre ich ihn an. Mir wird bewusst, dass er hier wie der nächste Bryan Adams steht, während ich wie Rocky für Arme in Trainingskleidung vor ihm stehe. ,,Ich...", unbestimmt schwinge ich den linken Arm vor und zurück. "...hab meine Runde noch nicht..." ,,Neujahrsvorsatz?", unterbricht er mich. Ich nicke, immer noch wie festgefroren. ,,Weißt du, verrat's keinem : aber morgen ist das neue Jahr auch noch da!"


Er zwinkert, tritt leicht zurück und macht eine einladende Geste. ,,Komm' mit! Ist arschkalt, schneit bestimmt gleich wieder und wegen der Klamotten brauchst du nicht zweimal nachdenken, viele holen sich bei Tante Ellie einen Kaffee oder böse Kalorien nach dem Training!" Ich stehe immer noch fest an meinem Platz und er sieht plötzlich etwas mehr wie der Noah aus der Schule aus. Leicht scheuer Blick. Schultern etwas angelegt. ,,Du musst natürlich nicht..." ,,Gibt's Waffeln?", schießt es mir heraus. ,,Hab nur einen Müsliriegel gegessen heut' morgen!" , erkläre ich eilig meine Frage.


,Ts! Das aber nicht der richtige Weg, wenn du trainieren willst. Das weißt du oder?" Er schaut ernst, während ich endlich neben ihm her laufe. ,,Und ja es gibt Waffeln in diversen Varianten. Ich ess am liebsten herzhafte mit Bacon, getrockneten Tomaten und zerlaufenem Käse!" ,,Was? Waffeln müssen süß sein! Mit Syrup und Früchten und am allerbesten noch mit Schokosauce!" 


,,Wart es ab! Du probierst bei mir und dann werden wir ja sehen!" Herausforderung funkelt in seinen braunen, mit grünen Schattierungen betupften,  Augen. Warum ist mir nie aufgefallen wie schön die sind?


,,Okay! Aber sei dir bewusst, dass ich nun große Erwartungen habe!" Er grinst und öffnet mir die Tür dem schnuckeligen Eck-Café. Wir werden von einer attraktiven Frau, die Noah als seine Tante Ellie vorstellt, begrüßt.


,,Ich bekomme herzhafte Waffeln...", stellt Noah gleich klar nachdem er seine Jacke und den Schal abgenommen hat. Dann ist er ganz zuvorkommend und hilft mir, mich aus den mehreren Schichten Laufkleidung zu schälen bis ich im langärmeligen Shirt da stehe.  ,,Wie immer also...", lacht die Dame Noah an und klärt dann schnell mit mir das ich Waffeln mit karamelliesierten Apfelspalten, Walnüssen und dunkler Schokosauce bekomme. Zudem bekommen wir beide gleich darauf riesige Becher mit Milchkaffee vorgesetzt.


,,Hmmm....das tut gut!", seufzt er nach dem ersten Schluck und zieht nun auch die Handschuhe aus. Ich nehme einen Schluck und muss auch wohlig seufzen. ,,Da! Ich hab dich gerettet!" Er zeigt raus, wo gerade wieder dicke Schneeflocken tanzen. "Fuck!" , entfährt es mir und ich angele hektisch nach meinem Handy. "Muss meiner Mom schreiben das ich im Warmen bin, sonst dreht sie durch!"


,,Verständlich nachdem was du durch hast!" Ich bin nicht überrascht darüber dass er es weiß. Die ganze Schule weiß, dass ich einer der Beweise bin das Covid auch junge gesunde Menschen richtig hart treffen kann. , Ja. Wahrscheinlich." ,,Entschuldige. Es reicht dir wahrscheinlich mit den dauernden Fragen und der gefakten Pseudoanteilnahme." ,,Also ist deine Anteilnahme gefakt?" ,,Nein! Gar nicht, ich..."


Noah verstummt weil ich kichere. ,,Blödmann!" Lachend wirft er mir eine zum Ball geknüllte Papierserviette an den Kopf.


,,NOAH GABRIEL STURM!" Die Stimme seiner Tante erklingt nun grollend. ,,DAS HAST DU JETZT NICHT GETAN?! HAB ICH DICH SO ERZOGEN?" Noah zuckt schuldbewusst zusammen. , Sorry Ellie!" ,,Entschuldige dich nicht bei mir, du Dummkopf!" Sie gibt ihm einen leichten Klaps auf den Hinterkopf. "Bei deinem Date musst du dich entschuldigen!" Sie sieht mich  an mit einem Seufzen, während sie nun unser Essen abstellt. ,,Verzeih' ihm, er ist noch nicht erfahren bei Verabredungen!"


,,ELLIE! Das ist kein...wir sind nicht auf einem Date! Max geht in meine Stufe! Wir haben uns zufällig getroffen, da er Joggen war, als ich die Werbeflyer verteilt habe."


,,Aha? Werbeflyer? Sag' bitte nicht du hast wieder im Park gespielt?" Seine Tante seufzt, weil Noah nur die Schultern zuckt. ,,Noah du weißt das du dafür eine Erlaubnis brauchst! Man darf nicht einfach so im Park Musik machen! Du bist 18!" Dann wuschelt sie ihm liebevoll durch die blonden Haare. ,,Du gehörst auf die Bühne und nicht zu Sozialstunden verdonnert, okay?" Dann grinst sie. ,,Und Max ist der erste Schulkamerad den du mitbringst, also schon eine Art Date!"


Noah streift mit der Hand über sein Gesicht, dann durch sein Haar, während sie uns wieder allein an dem kleinen Tisch lässt. ,,Sorry!" ,,Sie hat dich erzogen?" , ist alles was mir über die Lippen kommt. Höflich kann ich! Nicht!


,,Ja. Meine Mutter ist an Krebs gestorben als ich 5 Jahre alt war. Meinen Vater kenne ich nicht. Ellie hat mich aufgezogen, obwohl sie selbst gerade mal 20 Jahre alt war. Für mich ist sie ist meine Mutter, aber besteht darauf das ich sie Ellie nenne." ,,Verstehe!" Ich juchze begeistert nach dem ersten Bissen. ,,Boah! Köstlich! Warum zur Hölle war ich hier noch nie?"


Noah zuckt die Schultern, beschäftigt sich mit seiner Waffel, blickt auf seinen Teller dabei. Verwirrt sehe ich zu, wie er die kleinen gerösteten Tomaten mit der Gabel hin und her kullern lässt. ,,Was ist los? Noah?" Ich lehne mich zu ihn und berühre seine Hand die auf dem Tisch liegt. Hastig sieht er auf. ,,Alles okay? Falscher Käse?" , versuche ich einen dummen Witz.


,,Wa-was? Nein. Nein. Alles gut! Iss so lange die Waffel warm ist!" ,,Noah, ich kenn dich zwar nicht wirklich, aber ich merk doch dir ist etwas unangenehm genehm. Was ist los?"  ,,Ich...", nachdenklich nimmt er einen Schluck Kaffee, sieht mich dabei forschen an. Ich blicke stumm zurück,  kaue dabei meine Waffel und warte. ,,Du...", er stellt die Tasse ab, ,,...tut mir echt leid, dass meine Tante glaubt dies hier ist ein Date. Sie wartet nur schon ewig drauf, dass ich jemanden date! Und da denkt sie beim ersten hübschen Jungen den ich jemals vorstelle natürlich gleich..."


,,Woa! Stop!" Ich unterbreche seine wasserfallartigen Worte, indem ich eine Hand hebe. ,,Überfordere mich nicht mit Infos!" Seine linke Braue wölbt sich auf diese beneidenswert sexy Art und einen Moment starre ich ihn nur fasziniert an. Wie blind können wir Menschen sein? Nur weil er sich unauffällig kleidet in der Schule, habe ich ihn total übersehen!


,,Erstens : die Liebe deiner Tante sollte dir nicht peinlich sein! Zweitens : ich raste nicht aus, weil sie glaubt ich sei dein Date. Meine Mutter würde genau so reagieren...", ich halte inne, beobachte ihn wie der Groschen bei ihm fällt. Er kann ein erfreutes Grinsen nicht verbergen. Dieses Grinsen ist wie eine kleine Flamme, das auch in mir ein Licht entfacht. ,,Drittens : ich betrachte dies hier gern als Date, denn schließlich hast du mich eingeladen mit dir zu kommen, mich vorgestellt, mir aus den furchtbaren Laufoberteilen geholfen. So erwarte ich es von meinem Date, ich steh auf Gentlemen mit Rockerattitüde! Und viertens : ich bin hübsch?"


Ein leichtes Rosa überzieht Noahs Wangen und seine Augen leuchten intensiv hinter den langen Wimpern, als er sie leicht niederschlägt.


Ein Lächeln ziert sein Gesicht, als er mir schließlich eine Gabel gefüllt mit seiner herzhaften Waffelvariante hinhält. ,,Okay. Ich erwarte von meinem Date, alles zu probieren!" Er zwinkert mir zu. Ich zwinkere zurück und nehme die Gabel in den Mund.