Alcohol
Das Geräusch des Telefons, das zu seinen Ohren drang, war in diesem Moment das am meisten irritierende Geräusch, das er sich vorstellen konnte. Dabi blickte auf das leuchtende Display, denn eigentlich hatte er vorgehabt die Verbindung zu trennen und somit den unerwünschten Anrufer abzuwimmeln.
Doch als er sah, wer ihn zu dieser späten Stunde anrief, entschied er sich doch dazu dran zu gehen.
»Was willst du, Spatzenhirn? Bist du des Lebens müde geworden?«, fragte er in seinem für ihn typischen, emotionslosen Ton.
»Ins Hotel, jetzt sofort«, meldete sich der andere durch das Telefon.
Dabi wusste zu genau, welchen Ort sein Gesprächspartner meinte, schließlich war es nicht das erste Mal, dass Hawks ihn mit genau dieser Nachricht anrief und genau das zu ihm sagte.
»Sieh an, hat sich mein Vögelchen etwa nach mir gesehnt?«, spottete er und kicherte leise.
»Reg mich bloß nicht auf, komm einfach hierhin«, knurrte Hawks gereizt, während Dabi das Geräusch von umfallenden Flaschen durch den Hörer vernahm, vermutlich vom Alkohol, mit dem der Held seine Probleme hatte. Alle Anschein nach hatte der Job als ›guter Held‹ nicht nur Positives an sich, es musste ziemlich stressig sein, mehr als man glaubte.
»Bin gleich da, verrecke mir nicht, bevor ich nicht da bin, sonst wird es unschön.«
»Ich warte«, antwortete der Held und legte auf. Nachdem das Geräusch ertönte, das verkündete, dass das Gespräch beendet wurde, stand Dabi auf.
Gleich danach zog er sich wieder an, packte alles ein und warf sich seinen schwarzen Mantel über. Leise, nur um keine Aufmerksamkeit zu erregen, schlich er sich aus der Basis heraus und begab sich zu dem verlassenen Hotel, in einer der heruntergekommenen Gegend, wo der Held auf ihn wartete.
***
Es dauerte etwas, bis der Schurke sein Ziel erreicht hatte und so schlich er sich leise in das langsam zerfallende Gebäude, das ihm und Hawks nicht nur einmal als Treffpunkt gedient hatte. Er sagte nicht, dass er angekommen war. Aus dem Badezimmer ertönte ein Geräusch, das an sein Ohr drang, es war eindeutig das leise Fluchen des Helden.
Dabi trat ein und bemerkte den Blonden. Hawks stand vor dem Spiegel, seine Hände lehnten an dem Waschbecken und sein Blick fixierte sein Abbild, das sich vor ihm spiegelte. Die Flügel hatte er an seinen Körper gepresst und es wirkte so, als würden sie schwer auf seinem Rücken lasten.
Auf seinen Wangen, man konnte es nur erahnen, ein paar Überbleibsel seiner Tränen, die längst getrocknet waren. Dabi kam auf ihn zu, stellte sich hinter ihn und schlang seine Arme um den Körper des Kleineren. Dabei schmiegte er sich an die weichen, roten Federn des Helden, die bei der Berührung leicht erzitterten.
Der Schurke streifte mit seiner Nase den Nacken des Blonden, glitt langsam zu seinem Ohr und flüsterte in einem schnurrenden Ton direkt hinein: »Bin da, Vögelchen. Was begehrt dein Herz?« Mit Genugtuung betrachtete er die roten Federn, die beim Klang seiner Stimme bebten, und so trat er ein Stück zurück. Er liebte diese Reaktion. Im Grunde … nicht nur diese.
»Dabi … Du weißt doch ganz genau, wieso ich wollte, dass du hierher kommst«, murmelte der Held.
»Aber ich will es von dir hören«, summte Dabi und schob seine Hand entlang der Brust des Helden hinauf zu seinem Hals, nur um ihn gleich darauf zu sich zu ziehen, so dass er gezwungen war sich an den Schwarzhaarigen zu lehnen.
Es war ein Wunder, dass Hawks sein Stöhnen unterdrücken konnte, das drohte aus seiner Kehle zu entfliehen. Sein Körper erzitterte heftig, als Dabi ihn plötzlich zu sich umdrehte und ihn am Hintern packte, nur um den Helden gleich darauf auf das Waschbecken zu setzen. Die Lippen des Schurken suchten ihresgleichen und so presste er sie auf die des Jüngeren.
Es war kein liebevoller oder zärtlicher Kuss, er war verlangend und gierig. Dieses Mal konnte Hawks seinen Laut nicht unterdrücken und stöhnte gegen die Lippen des Schwarzhaarigen, es war eben unwiderstehlich. Dabi krallte seine Finger in die Hüfte des Anderen, vertiefte den Kuss nur noch mehr. Ungeduldig, aber vor allem sehnsüchtig. Immerhin hatten sie sich eine lange Zeit nicht gesehen und er hatte nun mal seine Bedürfnisse.
Dabi unterbrach den Kuss, wanderte tiefer und legte seine Lippen an den Hals des Blonden.
»Ich hatte nicht einmal die Zeit, um dir zu antworten«, lachte Hawks leise und legte seine Arme um den Nacken des Schwarzhaarigen. Für diesen Kommentar biss Dabi ihm mehr als unsanft in den Hals, wodurch er leise knurrte.
»Und ich habe mich entschieden, dass es keinerlei Antwort bedarf«, antwortete er und hob Hawks sogleich an, wodurch er einen hohen, erschrockenen Laut von sich gab und seine Beine um den Schurken schlang. Er grinste den Blonden an und trug ihn in das Schlafzimmer, dabei wich er gekonnt den auf dem Boden liegenden Flaschen aus.
Im Zimmer angekommen, warf er den Helden auf das Bett, entledigte sich seines Mantels und kam sogleich zu ihm. Über den Blonden hängend, legte er seine Hände auf den Oberkörper des unter ihm liegenden und schob sie unter dessen T- Shirt.
Mit heißen, nein geradewegs brennenden Fingern glitt er den Oberkörper entlang, wanderte höher, bis er schlussendlich an seiner Brustwarze ankam und diese mit dem Zeigefinger und Daumen zusammen drückte. Die andere Hand legte Dabi auf den Schritt des Helden und packte fest zu. Hawks stöhnte auf, doch offensichtlich nicht vor Schmerz, weshalb Dabi leise kicherte.
»Du bist ein verfickter Masochist, Hawks.«
»Nur noch nicht gefickt, weil du die ganze Zeit spielst«, knurrte der Held, worauf Dabi erneut lachen musste, er beugte sich vor und schenkte dem Blonden ein filigranes Lächeln.
»Hübsch, wie das Vögelchen heute singt.«
»Du kannst ja dafür sorgen, dass ich noch mehr singe.« Belustigt über die Aussage, rollte Dabi mit den Augen und begann sogleich den Helden zu entkleiden. Es war gar nicht so einfach sein Shirt auszuziehen, wo sich die Flügel und Federn ständig in dem Stoff verfingen.
Als er es endlich geschafft hatte, warf er das Kleidungsstück hinter sich und machte sich an die Hose zu schaffen, immerhin war das deutlich einfacher. Nachdem er den Helden seiner Kleider entledigt hatte, zog auch er sich aus und warf die Sachen irgendwo achtlos auf den Boden. Die betrunkenen Augen des Helden glitzerten und es wirkte so, als würden sie das Feuer, das in Dabi loderte, zurückwerfen und dadurch erstrahlen. Und Dabi liebte es, es gefiel ihm so sehr.
Er beugte sich erneut zu ihm und legte seine heißen Lippen an den Hals des Mannes. Beißend und küssend, hinterließ er seine feurigen Spuren auf dessen Haut. Seine Hände irrten über die Hüfte des Helden, hinterließen dabei brennende Fingerabdrücke auf ihr.
Bestimmt schmerzte es, ziemlich sicher sogar, trotzdem murrte der Blonde nicht ein einziges Mal, während Dabi eine Spur von Verbrennungen auf seiner Haut hinterließ und immer weiter zu seinem Bauch wanderte. Ein Beben ging lediglich durch seinen Körper und er lehnte seinen Kopf zurück.
War es vielleicht durch den Alkohol, der ihn unempfindlicher machte? Oder lag es doch viel mehr daran, dass es ihn einfach nur erregte? Vermutlich eine Mischung aus beidem. Dabi währenddessen wanderte tiefer, küsste sich hinab, immer weiter zu dem Brustbein des Helden und als er dort ankam, fuhr er mit seiner erhitzten Zunge über sie.
Mit Genugtuung betrachtete er Hawks, wie er sich ungeduldig unter ihm wandte und es nicht mehr aushielt.
»Dabi … bitte«, entfloh ihm und Dabi hielt kurz inne.
»Worum bittest du mich?«, fragte er, obwohl er es bereits wusste. Hawks biss sich auf die Unterlippe, es fiel ihm schwer, die Verlegenheit hinunter zu schlucken.
Obwohl … Eigentlich sollte diese ganze Situation keinerlei Schamgefühl bei ihm auslösen, jedenfalls nicht mehr.
»Du weißt ganz genau, worum ich dich bitte, also tu es endlich«, befahl Hawks und warf Dabi einen ungeduldigen und dezent gereizten Blick zu.
Ein neckisches Grinsen erschien auf den Lippen des Schurken und gleich darauf presste er erneut seine Lippen auf die des Jüngeren. Blind tastete er nach der kleinen Tasche, die noch wenige Minuten zuvor an seinem Gürtel befestigt und irgendwo auf dem Bett gelandet war, und holte dort das sich dem Ende neigende Gleitgel hervor.
Wie durch ein Wunder schaffte er es, den Verschluss zu öffnen, ohne dabei hinzusehen, viel zu beschäftigt war er mit seiner Tätigkeit. Er goss einen Teil des Inhaltes auf seine Finger, verteilte ihn und begab sich sogleich zwischen die Beine des Mannes. Mit der Fingerspitze zog er leichte, wenn auch heiße, Kreise um den Eingang des Helden, bis er kurz darauf und ohne Vorwarnung in ihn eintauchte.
Hawks atmete scharf ein, füllte seine Lunge mit reichlich Luft, während sein Körper sich leicht anspannte. Er erzitterte dezent, konnte es nicht erwarten bis Dabi endlich aufhörte, ihn zu ärgern und zu spielen, doch dieser wollte sich nicht beeilen, vor allem nicht heute. Pedantisch und schmerzhaft langsam, bereitete er den Helden vor, bis dieser anfing, ihn anzubetteln und nach mehr zu flehen.
Erst als Hawks ihn erneut anflehte, zog er seine Finger aus ihm heraus und richtete sich auf. Die goldenen Augen folgten jeder Bewegung des Schurken, achtsam und aufmerksam, aber ohne jegliches Misstrauen. Dabi beachtete ihn nicht, während er das Kondom über seinen Penis zog und das Gleitgel großzügig darauf verteilte, dennoch konnte er den intensiven und ungeduldigen Blick auf sich spüren.
»Du bist ungeduldig«, kommentierte er das Verhalten des Anderen, packte ihn an der Hüfte, brachte ihn in Position und zog ihn etwas weiter zu sich. Ohne weiter abzuwarten platzierte er seinen Penis an Hawks Eingang und schob sich in einer fließenden Bewegung in ihn hinein. Der Held konnte gar nicht mehr antworten, ihm entfloh ein gedämpfter Schrei und er drückte sein Rücken zu einem leichten Hohlkreuz durch.
Sein Atem beschleunigte sich, wurde abgehackter, stockender. Dieses Mal entschied Dabi, dass er nicht länger abwarten würde, denn auch er gierte nach mehr. Er begann seine Hüfte zu bewegen, schnell und rhythmisch, während seine Finger sich unsanft in die Haut des Helden gruben.
Das Stöhnen des Blonden stachelte ihn nur noch mehr an, seine Hand wanderte höher und blieb am Hals des Helden stehen. Er drückte zu, was Hawks mit einem begeisterten Murren zuließ und die Augen genießerisch schloss. Seine zweite Hand legte Dabi an der Erregung des Blonden und umfasste diese bestimmend, was ihm nur noch mehr zum stöhnen brachte.
Die Laute des Helden stachelten ihn regelrecht an, seine Bewegungen wurden noch etwas schneller und kräftiger. Hawks krallte sich in das Laken unter sich, auf seiner Stirn glänzten die Schweißperlen und verklebten seine wirren Haare.
Dabi ließ von ihm ab, gab den Blonden einen Klaps auf den Oberschenkel und hinterließ erneut eine Spur der Verbrennung. Gleich darauf lehnte er sich weiter vor, vergrub die Hand in den weichen Federn, während seine Finger sich fester um Hawks Hals schlossen. Dabi konnte sich nicht mehr beherrschen. Ihm war klar, wie empfindlich das Vögelchen eigentlich war und was die Berührungen des Schurken mit ihm machten.
Ein erstickender Seufzer entfloh dem Helden, denn Dabi mache es ihm schwer zu atmen. Ein heftiges Beben ging durch den Körper des Blonden, er konnte es spüren, sein Höhepunkt kam näher.
»Dabi … ich …«, entfloh ihm, wobei seine Stimme immer wieder brach.
Dabi grinste und stieß weiter hart zu, was den Anderen kraftlos wimmern ließ.
»Dabi … sag, dass du mich liebst!« Verwundert über die Aussage, verharrte der Schwarzhaarige für einen Moment gänzlich in seiner Position und starrte den Blonden ungläubig an.
»Hawks … was zum?«
»Lüg mich an, sag, dass du mich liebst«, flehte Hawks und erwiderte den Blick des Schurken. »Ich will sie hören, diese wunderschöne und süße Lüge, nichts anderes zählt für mich.« Dabi biss sich auf die Lippe und verhakte seine Finger, mit denen des Blonden.
Er haderte mit sich selbst und drückte die Hand des Helden noch etwas fester, dann beugte er sich zu ihm, nah an sein Ohr, so dass Hawks den warmen Atem spüren konnte. Die Augen hatte der Held fest zusammengekniffen, erwiderte den Druck an seiner Hand und keuchte, als Dabi sich erneut zu bewegen begann, dieses Mal deutlich langsamer.
So sehr er sich nach diesen Worten sehnte und sie hören wollte, genauso sehr wusste er, dass es nichts war, was der Schurke einfach so aussprechen würde.
»Hawks …«, flüsterte Dabi, küsste den Helden am Hals, ehe er fortfuhr, »ich liebe dich.« Hawks erzitterte, als Dabi die Worte aussprach und mit ihnen die Bewegungen härter wurden.
Hawks lehnte sich weiter zurück und drückte den Rücken durch, eine einsame Träne bahnte sich einen Weg über seine Wange. Seine Schwingen breiteten sich zu beiden Seiten aus und er stöhnte laut und melodisch auf. Ließ sich vom Gefühl seines Höhepunktes treiben.
Das Bild, das Hawks den Schurken darbot, Dabi könnte es sich einrahmen und aufhängen, und trotzdem würde er sich nie daran satt sehen können. Egal wie oft er ihn so sah und wie oft er den Blonden an seine Grenzen, seinen Höhepunkt trieb, es faszinierte ihn immer wieder aufs Neue. Die Laute, sein schneller Atem, das Beben und Zittern seines Körpers, seiner Muskeln, all das wollte er für sich. Nur für sich.
Er ballte seine Hände zu Fäusten, Flammen tanzten zwischen seinen Haarsträhnen und an seinen Armen entlang. Sie tauchten die feuchten Körper der beiden Männer in ein sanftes Blau und erhitzten die Luft zwischen ihnen nur noch mehr. Ihr beschleunigter Atmen vermischte sich miteinander. Die Erregung hing schwer über ihnen, wie ein dichter Schleier, während die Schuld zwischen ihren Körpern ruhte.
Dabi war der Erste, der wagte, sich zu bewegen. Langsam schob er sich aus dem Helden heraus, zog das benutzte Kondom ab und warf es in den kleinen Eimer, der unweit des Bettes stand. Hawks beobachtete jede seiner Bewegungen, ohne sich auch nur zu wagen, eine Bewegung zu tätigen, aus Angst, er könnte den Schurken verschrecken.
Er wollte nicht, dass Dabi ihn erneut allein ließ. Sie hatten eine Vereinbarung. Keine gemeinsamen Nächte, kein Vertrauen und keine süßen Worte. Doch wie man sah, hatten sie einen Teil ihrer Vereinbarung an diesem Tag bereits gebrochen.
»Hawks … du weißt doch …«
»Nur eine Nacht, bitte Dabi.« Angesprochener sah Hawks an und wusste bereits, es gab kein zurück. Er war ertrunken, in dem endlosen Meer aus Gold. Seufzend legte er sich neben den Helden, der sich sogleich an ihn kuschelte, an seinen warmen Körper.
Er wollte ihm sagen, was er fühlte, dass er Dabi liebte … Jedoch hielt er es zurück. Wissend, dass es Dabi verärgern könnte und dieser ihn allein zurücklassen würde, das wollte er nicht. Hawks wollte nicht allein sein. Doch Dabi wiederum sehnte sich nach diesen warmen Worten, Worte die er nur zu gerne aus dem Mund des einschlafenden Helden hören wollte.
***
Am nächsten Morgen, als Hawks erwachte und die ihn umhüllende Decke auf der Haut spürte, war Dabi längst nicht mehr da. Der Held erhob sich in den Sitz und sah abwesend durch den Raum. Die Kälte hervorgerufen durch das Fehlen des Schwarzhaarigen, kroch über seinen Körper. Sein Herz schmerzte furchtbar, es sehnte sich nach der Wärme der blauen Flammen und seines Nutzers.
Er griff nach der Flasche, die auf dem Nachttisch stand, und leerte den Inhalt. Doch plötzlich öffnete sich die Tür und gab einen Blick auf den Schurken frei, der ihn mit erhobener Braue musterte.
»Du solltest so früh am Morgen keinen Alkohol trinken, am Ende übergibst du dich noch«, sagte Dabi, der einen Becher mit Kaffee in der einen Hand hielt und in der anderen eine Tüte vom Bäcker. Erstaunt sah der Blonde zu Dabi, so als würde er nicht glauben können, wen er dort sah.
»Ich dachte, du hättest mich verlassen …«
»Niemals würde ich dich verlassen. Erinnerst du dich? Du gehörst zu mir und ich zu dir. Und jetzt isst dein Frühstück, zieh dich an und flieg zur Arbeit, bevor sie dich anfangen zu suchen.« Hawks lächelte und nickte, nahm das mitgebrachte dankend an und genoss die restliche Zeit, die er mit dem Schurken noch verbringen konnte, ehe er sich auf den Weg machen musste.