Aller Anfang
Nola
Krach! Kawumm! Krach!
Die Böden vibrierten, die Wände erzitterten, die wenigen Möbel, die bereits herumstanden, wackelten und die Lampe über mir schwankte an ihrem Kabel, das an der Decke ins Nirgendwo verschwand, hin und her. Eine Unwissende hätte sich jetzt zwischen den nächsten Türrahmen gestellt oder wäre unter dem soliden, alten und zerkratzten Schreibtisch verschwunden um das Erdbeben mit laut schlagendem Herzen auszusitzen und auf Rettung zu warten in Form eines sexy aussehenden Feuerwehrmannes oder eines süßen Rettungshundes. Hätte ich auch getan, denn hey, wer steht nicht auf süße Hunde und Männer in Uniform. Jedoch war ich nicht unwissend. Vielmehr sass ich an einem eben erwähnten soliden, alten und zerkratzen Möbelstück und blickte dem Kugelschreiber nach, der über die hölzerne Tischoberfläche rollte und mit jedem weiteren Beben unweigerlich seinem eigenen persönlichen Abgrund näher kam. Mit einem leisen Kling, dass neben all dem Lärm kaum zu hören war, schlug er auf dem harten Holzboden auf. Mit jedem neuen Krach, der einen Schlag eines Vorschlaghammers verkündete, der noch vor ein paar Minuten hier in diesem Zimmer in der linken vorderen Ecke neben der Türe gestanden hatte, rollte der Kugelschreiber weiter vom Tisch weg.
Vorsichtig legte ich die Hand auf den Laptop, der auf der Mitte des Tisches lag, um ihn davor zu bewahren, den gleichen Weg wie den Kugelschreiber zu nehmen. Die andere Hand legte ich auf einen Papierstapel, den ich erst wieder in seine Reihenfolge gebracht hatte.
Was sollte ich jetzt bloß tun? Hier konnte ich mich nicht konzentrieren, und selbst wenn ich es konnte, war an vernünftiges Arbeiten nicht zu denken, wenn bei jedem Tastenanschlag die Tischoberfläche bebte. Und dass nur wegen all dem Papierkram der in analoger, lateinischer Schrift auf weissem FSC ausgezeichnetem Papier und in digitaler Form von Nullen und Einsen auf dem Laptop darauf wartete, bearbeitet zu werden.
„Wir haben noch nicht einmal offen! Und schon wollen Sie unser Geld! VERDAMMTE SCHEISSE!“, hatte Roana geschrien und wütend auf den Laptop und den Papierstapel daneben gezeigt. Dabei hatte sie ihrem Namen alle Ehre gemacht, indem ihre Wangen zornesrot angelaufen waren. Doch bevor ihre pochende Ader, die sich mitten durch ihre Stirn zog, explodieren konnte, hatte sie den Papierstapel vom Tisch gewischt und den Vorschlaghammer gepackt. Seit diesem Zeitpunkt fabrizierte sie nun ihr eigenes persönliches Erdbeben untermalt mit der derbsten Rock- und Heavy Metal Musik, die es auf diesem Planeten gab.
In den Filmen in Fernsehen und Kino sah es immer so einfach aus, ein Geschäft zu gründen.
Da hatte die starke Frau die Hammeridee und am nächsten Tag war das Geschäft gegründet. Dann werden noch ein paar Notlügen von sich gegeben damit das Geschäft lief und nebenbei wurde dann noch die große und ewige Liebe gefunden. Die Bürokratie, die man neben dem eigentlichen Job den man liebte, noch machen musste, wurde in eben diesen Filmen gar nicht erwähnt. Dass man Nerven wie Drahtseile brauchte, wurde eisern verschwiegen.
Man musste schon eine kaufmännische Ausbildung hinter sich haben, oder Betriebswissenschaften studiert, um hier irgendwie durchzublicken. Da half auch kein Kurs, in dem man innerhalb von einer Woche alles in den Schädel rein gepresst kriegte.
Ich musste Roana aufhalten. Sie konnte hier nicht alles zu Staub zerschlagen, wenn morgen die ersten Castings stattfanden. Was machte das für einen Eindruck, wenn die Location wie eine Baustelle aussah und nicht wie ein schöner Ort, an dem man sich lange und gerne aufhielt?
Zur Not musste ich sie zu Ylvie schicken, sollte sie bei ihr ihre Wut ablassen und ein paar Mauern nieder reißen.
Ich verschob meine Hände vom Laptop und Papierstapel weg zur Tischkante und stemmte mich aus dem alten, abgesessenen, dunkelroten Ledersessel hoch, um dem Lärm zu folgen.
Vor einem Monat hatte Roana über gefühlt siebenhundertecken und Enden eine Wirtschaft geerbt. Und statt lange nachzudenken, wie sie es sonst immer tat, hatte sie das Erbe angenommen, mich mit tausenden Textnachrichten bombardiert, um mich an einen Traum zu erinnern, der schon einige Jahre verstaubt in einer dunklen Ecke meines Gehirns lag.
Als junge Erwachsene hatten wir so manche Male Revue Show und Strippershow besucht. Dabei war uns vollkommen egal, was die Gesellschaft, unsere Freunde und Familie und unser teilweise prüdes und rückständiges Heimatland von uns dachte. Wir genossen die Zeit, den Spaß und die heißen durchtrainierten Männerkörper, die wir zu sehen kriegten. In diesem Punkt waren wir einer Meinung. Wenn Männer Stripshows besuchen durften, durften das Frauen auch. Wenn Männer sich besoffen, durften das Frauen auch und wenn Männer Spaß hatten, durften wir Frauen es auch. Hoch zehn natürlich.
Die Zeit war verdammt nochmal legendär gewesen.
Jetzt versuchten wir wieder an diese legendäre Zeit anzuknüpfen. Schienen jedoch mit jedem fortlaufenden Tag ein bisschen mehr zu scheitern. Vielleicht sollte man gewisse Dinge mit dreissig nicht mehr machen, weil man einfach zu alt dazu war. Doch wenn ich an JLo dachte, die mit fünfzig noch die Sau auf der Bühne rausließ und dabei noch Hammer aussah, warum sollten wir nicht mit dreissig immer noch die Sau rauslassen?
Mein Blick fiel über meine Schulter zurück in unser gemeinsames Büro. Das war der Grund. Der Papierkram. Wir wollten Verantwortung übernehmen, für uns und für die Wirtschaft, die sich immer mehr unter unseren Händen in den Ladys Club verwandelte, den wir uns vorstellten. Wenn alles so lief, wie wir uns das vorstellten, waren es nicht nur wir, die auf uns vertrauten und sich auf uns verlassen konnten, sondern später auch die Tänzer, die jeden Monat ihre Kohle wollten.
Da blieb nicht mehr viel Zeit für die Sau, die rausgelassen werden wollte.
Wenn wir doch nur genügend Geld für einen persönlichen Assistenten hätten, der sich um das alles kümmern könnte, damit für uns beide das übrig blieb, das Spaß machte. Ein leiser Seufzer entwich meinen Lippen als ich die Treppe umrundete, die nach oben in vier Wohnungen führte, von denen die Hälfte noch im Rohbau war. War wohl langsam an der Zeit, endgültig erwachsen zu werden. Mit drei letzten ausgreifenden Schritten war ich im Gastraum angelangt. Zum Glück hatten wir noch keine Möbel bestellt, den der ganze Gastraumboden war mit einer dicken Baustaubschicht bedeckt. Roana ebenfalls.
„GEHT’S BESSER!“, schrie ich aus vollem Halse, um das Schlagzeugsolo des aktuellen Liedes und ihr Vorschlaghammersolo zu unterbrechen. Roana erstarrte, den Hammer für den nächsten Schlag hoch über dem Kopf aufgezogen. Ich sah knapp, wie sie unter ihrer staubigen Schutzbrille mehrere Male blinzelte. Sie schien aus einer anderen Welt zuerst wieder hierher zurückkehren zu müssen, erst dann ließ sie denn Hammer zu Boden sinken, schob sich die Brille auf die Stirn und die Atemschutzmaske über ihr Kinn, sodass sie ihr um den Hals baumelte. Vor meinen Augen griff sie in ihre rechte Hosentasche und zog ihr Smartphone hervor. Ohne hinzusehen, tippte sie auf der Oberfläche herum, dann erstarb die Musik.
Sie sah absolut schräg aus. Ihr schwarzer Hoodie, ihre dunkelblonden Haare und ihre Bluejeans hatten all ihre Farbe verloren. Ihr Gesicht war grau-weiß bepudert, als hätte sie in einen Mehlsack geniest. Mit den Aussparungen der Schutzbrille sah sie aus wie ein umgekehrter Panda, und das teilte ich ihr auch mit.
„Ich habe noch immer den Vorschlaghammer in der Hand“, entgegnete sie mir in einem Ton, den ich nicht genau einordnen konnte. Hatte ich ihrer Wut gerade noch mehr Zündstoff gegeben? Drohte sie mir? War es Gleichgültigkeit oder wollte sie mich verarschen? Ich beschloss, nicht darauf einzugehen, sondern schlug einen anderen Weg ein.
„Wir haben Morgen die ersten Castings.“
„Ja, das ist mir bewusst. Bis Morgen werde ich hier auch aufgeräumt haben. Keine Sorge.“
„Dann ist ja gut.“
„Und dir ist bewusst, dass wir heute Abend ein Termin bei der örtlichen Rabenbrauerei haben?“
Ich merkte, wie mein Gesicht versteinerte, und bereute sofort meine Reaktion.
„Klar habe ich das noch auf dem Schirm.“ Doch ich sah, wie Roana die Augen zusammenkniff und ihr Kopf ein wenig senkte und mich über ihren oberen Brillenrand skeptisch anschaute. Sie hatte meine Lüge durchschaut.
„Gut, dann gehe ich jetzt nach oben duschen.“ Sie ließ den Hammerstiel los, sodass dieser an Ort und Stelle zu Boden knallte. Die Maske segelte einen Arm weit daneben zu Boden und die Schutzbrille hängte sie an eine aus der Mauer herausragende Armierungseisenstange.
„Sag mal, bist du sicher, dass du diese Wand einreissen kannst?“ Roana blickte mich fragend an, dann das Stück Eisen, dann fiel ihr Blick wieder zurück auf mich. „Ja“, antworte sie mit voller Überzeugung, doch leider ein paar Augenblicke zu spät für mich. Sie hatte sich die Wand einfach vorgenommen um ihre Wut loszuwerden, egal, ob sie tragend war oder nicht. „Könntest du bitte eine oder zwei dieser Stangen unterstellen die man auf jeder Baustelle sieht?“
Wieder schwankte ihr Blick zwischen mir und der abgebrochenen Wand. „Ich habe aber keine solchen Stangen, aber wenn du willst, kann ich ja Ylvie fragen.“
„Mach das“, antwortete ich und nickte dabei eifrig. „Dann kannst du Ylvie zu der Bierprobe mitnehmen. Und ich bleibe hier und beschäftige mich mit dem Papierkram.“
„Bist du sicher? Wir wollten alles zusammen entscheiden?“
„Du hast auch alleine entschieden, diese Wand einzureißen.“
„Oh ja, dass… äh.“
„Bevor dein Hirn zermarterst, es ist schon okay. Geh du Bier trinken mit Ylvie und ich kann dafür hier was leisten. Sie trinkt lieber Bier als wir beide zusammen. Sie wird schon was Gutes für uns heraussuchen.“ Ich wartete, bis sie ihr Handy hervorgezogen hatte und sich mit einem Lächeln bei Ylvie meldete. „Hey, du indischer Giftzwerg!“, schrie sie in ihr Gerät. Und genauso laut wurde zurückgeschrien, sodass es auch ich, die einige Schritte entfernt stand, es hören konnte. „Hey du käsebleiches Edelweißchen!“ Erst dann drehte ich mich auf der Stelle um und schritt wieder zurück ins Büro. Das mit den beiden war schon eine merkwürdige Sache. Das hatte mir Roana in einer Alkohol geschwängerten Stunde, in der sie zu oft an ihrem Selbstgebrannten genippt hatte, Mal versucht zu erklären. Sie hatte kurz bevor sie sich bei mir gemeldet hatte, nach einem fähigen Handwerker umgeschaut. Einem der die Kohle auch Wert war, die er für die Arbeit wollte. Einer, mit dem man auch diskutieren konnte, ohne das er beleidigt war und einer, der genügend Verbindungen hatte, um einen Kollegen zu empfehlen, wenn er selber nicht mehr weiter wusste. Schnell merkte sie, dass wenn sie alle diese Fähigkeiten wollte, sie eigentlich drei Handwerker einstellen musste. Bis ihr Ylvie in Form eines Handzettels vor die Füße geflogen war. Pingelig wie Roana war, hatte sie den Klüngel aufgehoben und wollte ihn wegwerfen. Irgendeinem komischen Bauchgefühl folgend hatte sie ihn aufgefaltet und die Erfüllung ihre Wünsche in den Händen. Ylvie und Roana, das war Liebe auf den ersten Blick. Die Sorte Liebe, die nicht romantisch war. Aber trotzdem intensiv. Das Schicksal hatte die beiden zusammen geführt, sagte Roana. Kali, war es gewesen, meinte Ylvie.
Die beiden waren wie Zwillinge. Auch wenn sie nicht gleich aussahen. Ihr Verhalten, ihre Meinungen, ihre Einstellung, sahen aus wie aus einem Ei. Gleichzeitig waren sie so unterschiedlich, wie zwei Menschen nur sein konnten, wie halt ein braunes und ein weisses Ei. Schon nur, dass sie aus zwei unterschiedlichen Kulturkreisen kamen, barg riesiges Konfliktpotenzial. Das Roana Atheistin war und Ylvie Hindi, trug nicht viel zu ihrer Liebe bei. Die liebevollen Schimpfworte, die sich die beiden stündlich an den Kopf warfen, wogen jedoch einiges wieder auf.
Summa summarum: Die beiden stellten ein Kombi dar, die nicht einmal in einer Hollywoodkomödie Platz hatte. Aber Roana und Ylvie waren wie der Plus- und der Minuspol eines Magnets. Das absolute Gegenteil voneinander und doch untrennbar vereint auf einer Batterie.
„Ich hasse sie“, hatte sie zum Ende ihrer Ausführung gelispelt. „Aber ich würde ihr einer meiner Nieren spenden, wenn sie eine bräuchte“ für einen kurzen Moment wurde ich als langjährige Freundin eifersüchtig auf ihre Beziehung. Aber wirklich nur ganz kurz. Denn sie tippte auf meine Schulter, um meine Aufmerksamkeit zu kriegen. „Dir natürlich die Hälfte meiner Leber, oder einen Lungenflügel, meinetwegen auch mein ganzer imperfekter Körper, sollte ich mal den Kopf verlieren“, dann schlief sie mit der Stirn auf dem Rand des Tresens ein, über den wir gerade vorhin noch gerichtet hatten, ob er einen Platz in unserem Lokal bekam oder nicht.
Ob sie jedoch noch wusste, dass sie mir das einmal erzählt hatte, konnte ich nicht erahnen. Zumindest ließ sie sich es nicht anmerken.
Zufrieden, dass das Erdbeben endlich vorbei war, ließ ich mich in den abgewetzten Sessel fallen und klappte den Laptop wieder auf um mit der Bearbeitung uns unliebsamer Dinge zu beginnen. Doch sobald ich meine Konzentration hatte, rumpelte und krachte es wieder gewaltig.
„Hey, Edelweisschen!“
„Giftzwerg!“, schrie Roana aus vollem Halse. Hier wirkten wirklich Kräfte, die man nicht verstehen konnte, deswegen blieb wirklich nur die Akzeptanz. Sonst war Roana nämlich immer sehr zurückhaltend, manchmal bis zum geht nicht mehr. Erst wenn sie eine Person richtig kannte, war sie auch bereit, ihre Gefühle auf einer offenen Basis zu zeigen. Doch bei Ylvie war sie jemand anderes, als ich sonst kannte. Total Crazy und abgedreht. Oder vielleicht war sie mit Ylvie einfach nur sich selbst. Was auf irgendeine Art und Weise traurig wäre. Denn das hieß für mich, dass sie sich nur ihr öffnen konnte, mir aber nicht. Ich schluckte einmal leer.
Was machte ich mir nur für idiotische Gedanken? Ich musste nur an die langen Nächte zurückdenken, wo wir beide unterwegs waren. Oder an den einen oder anderen Abend, an dem sie den Seelenkotzer hatte. Sie gab mir keinen einzigen Grund, eifersüchtig auf ihren Giftzwerg zu sein. Und am Ende war ich einfach froh, dass sie nach all dem Debakel mit ihrem Ex und unserem ehemaligen besten Freund Pete wieder jemanden gefunden hatte, der half die Löcher zu füllen, die Pete in ihr hinterlassen hatten und die ich bestimmt nicht alleine füllen konnte. Jetzt musste sie nur noch jemanden finden, der die Löcher füllte, die ihr Ex-Freund gerissen hatte.
„Wir sind dann gegangen!“, schrie Roana den Flur entlang.
Ich nickte nur und dass erst, als die Türe zuknallte.
Reglos blieb ich im Sessel sitzen. Und wartete auf die Lust, die Konzentration oder den Arbeitseifer. Doch keines von den drei Gefühlen wollte sich einstellen.
Motivationslos klickte ich mich durch den Laptop und startete den Musikplayer. Mein Kopf und mein rechter Fuß bangten und klopften mit dem Takt der die Bassdrum schlug mit. Doch auch die Musik konnte meine Motivation aus ihrem tiefen Kellerverlies in meinem Kopf hervorlocken.
Also loggte ich mich via Internetbrowser auf unserer Instagramseite ein. Ein paar Follower waren dazugekommen. Zehn, um genau zu sein. Jetzt waren wir bei 345. Was in der digitalen Währung einem Fliegenschiss glich.
Als wir das erste Mal zusammengesessen hatten, um über unsere gemeinsame Zukunft zu diskutieren, waren wir übereingekommen, dass jede von uns alles machen und wissen sollte. Damit wir auch bei einem Krankheitsfall abgesichert waren. Trotzdem kristallisierte sich mit der Zeit heraus, wer von uns beiden in gewissen Dingen einfach besser war.
Roana und Ylvie bauten um. Ich machte die Fotos vom Umbau, bearbeitete sie und stellte sie auf unsere Seiten. Gleichzeitig machte ich Werbung für unser Casting und fragte Models, Schauspieler und Tänzer über ihre Kontaktdaten an. Roana hin und wieder von komischen Mutanfällen ergriffen, stellte sich vor Fitness- und Tanzstudios oder in eine Fußgängerzone und sprach die Männer direkt und offensiv an, tat dann aber trotzdem unbewusst schüchtern und wickelte sie damit um den Finger. Noch ehe sich die Männer versahen, hatten sie dann auch schon einen Flyer vom Bad Behavior in der Hand.
Den Papierkram jedoch machten wir beide nicht gern und schoben es uns gegenseitig immer wieder zu. Und beim Konzept waren wir uns immer noch uneinig.
Ich war für Schwarz, Pink, Gold oder Weiss, wie man es sich von diesen Shows gewöhnt war und weil es einfach passte. Sie wollte einfach eine andere Farbe als die bekannten Mädchenfarben, welche war ihr schnurzpiepegal. Auf gar keinen Fall durfte es pink sein. Sie hatte mir schon mit einer Beichte bei einem erzkonservativen, katholischen Priester gedroht, wenn ich nur einen Tropfen pinke Farbe ins Gebäude brachte. Unsicher waren wir beim Thema Angestellte.
Sollen wir schon jemanden einstellen und ihn oder sie mit unseren eisernen Reserven bezahlen? Sollen wir warten bis wir die Tänzer casten und hoffen, dass ein oder zwei Multitalente darunter waren? Sollen wir eröffnen und wenn wir Erfolg haben jemanden suchen, der uns half? Das war wohl eine Entscheidung, die das Schicksal traf, oder meinetwegen auch der Zufall.
Beinahe mühsam holte ich mich aus dem teigigen Dasein meiner Gedanken und starrte auf den Bildschirm und das, was ich geistesabwesend auf dem Laptop getippt hatte.
Ein braunhaariger Mann mit akkurat gestutztem Bart blickte mir mit bernsteinfarbenen Augen entgegen. Und genau diesem Mann hatte ich anscheinend via Instagram eine Nachricht geschickt. Was habe ich bloß getan?
Du wirbst ein Tänzer einer anderen Male Revue Show ab, zischte die teuflische Venus auf meiner rechten Schulter befriedigt.