Kapitel 1: Die gespaltene Welt
Ich bat ihn: "Lass uns noch schnell die Sternschnuppen ansehen!" "Also gut!", gab Sowjet Union nun endlich nach. Ich wusste genau, dass er hundemüde war und eigentlich nur weiter schlafen wollte. Ich wollte es diese Nacht endlich wagen. Ich wollte ihm endlich sagen, was ich für ihn fühle. Ich hoffte er würde mich nicht deswegen verlassen, aber er konnte mich nicht in verlassen, wenn ich durch ihn schwanger geworden war oder? Er stand langsam auf und wanderte kurz noch zum Schrank. Sowjet nahm sich eine lockere Hose heraus, die er relativ schnell anzog. Darauf ging er zu mir und blickte mit einem müden, aber dennoch wunderschönen Lächeln auf mich herunter.
Ich nahm ihn am Ärmel und zog ihn aus unserem Zimmer. Wir sahen noch einmal zu unseren friedlich schlafenden Kindern, die in ihrem Zimmer waren. Sowjet nahm mich vorsichtig an meiner linken Hand und ging mit mir darauf nach unten und aus meinem Haus. Gemeinsam wanderten wir den Berg weiter nach oben zu einer kleinen Blumenwiese. Es war fast windstill in dieser Nacht. Ich blickte hinauf zum sternenklaren Nachthimmel über uns. Die Sterne verbreiteten gemeinsam ihr Licht in der Welt, die von Dunkelheit umhüllt war. Ich fragte Sowjet: "Ist das nicht schön?" Ich wollte wissen was er darüber dachte.
"Ja, es ist wirklich schön!", stimmte er mir zu. Ich konnte klar und deutlich seine Freude hören. Ich blickte zu ihm, doch er sah schnell weg, genau wie ich. Hat er vielleicht mit diesem Satz mich gemeint? Wir betrachteten gemeinsam den Nachthimmel und beobachteten die Sternschnuppen, die über den Himmel flogen. "Reich ich muss dir etwas wichtiges sagen!", informierte Sowjet Union mich, worauf ich zu ihm sehe, bevor er fortsetzte, "Ich kann auch nachdem, was du mir schon seit einiger Zeit klarmachen willst verstehen, dass wir danach keine Freunde mehr sind." "Was ist es?", fragte ich neugierig. Was wollte mir Sowjet Union sagen? Er drehte sich näher zu mir.
Ich sah in seine leuchtend goldenen Augen, die heller als jeder Stern am Himmel schienen. Sowjet nahm noch einen tiefen Atemzug, bevor er etwas leiser von sich gab: "Reich i-ich bin in dich verliebt!" Was? Hatte ich gerade richtig gehört? Ich war nicht der einzige von uns beiden? Ich war unglaublich glücklich darüber. Er liebte mich doch! Ich dachte nie, dass das gerade wirklich passieren könnte. Sowjet sah darauf unsicher zu Boden, bevor er sich umdrehte und langsam einen Fuß vor den anderen setzte. Er machte mit jedem Fuß ungefähr fünf Schritte, bevor ich ihn zum Stehen brachte: "Sowjet komm auf der Stelle wieder zurück, ich bin noch nicht fertig mit dir!"
Er sollte gefälligst wieder zu mir kommen, da ich ihm noch nicht meine Gefühle für ihn preisgegeben hatte. Sowjet Union drehte sich langsam zu mir um. Ich war leicht wütend auf ihn, da er einfach weggegangen war. Zögerlich kam er zu mir zurück. Als er vor mir stehen blieb, fragte ich ihn: "Hast du es wirklich so gemeint?" Ich wollte mich vergewissern, dass er es ernst meinte. "Ja!", flüsterte er leicht unsicher. Ich packte ihn am Kragen seines Oberteils, wovon er seine Augen schloss. Ich zog ihn auf meine Höhe. Jetzt oder nie! Ich legte meine Lippen zärtlich und leicht an seine. Ich schloss ebenfalls meine Augen und versank in den Moment.
Diese Freude und dieses Glück, dass meinen ganzen Körper und besonders mein Herz durchströmten waren unbeschreiblich. Küsste ich hier gerade wirklich Sowjet Union?! War es richtig? Es fühlte sich unglaublich gut an. Machte ich einen Fehler? Ich löste meine Lippen wieder von seinen und sah zur Seite, es war mir sehr unangenehm. Warum hatte ich ihn nur geküsst? Ich spürte an meiner rechten Wange eine große und warme Hand. Ich sah zu Sowjet Union, der mich liebevoll anlächelte. Ich bin etwas nervös. "Ich bin wohl nicht der einzige Verliebte.", kam von meinem Gegenüber, der kurz darauf seinen Kopf näher zu mir streckte und seine Lippen auf meine legte.
Ich kuschelte mich nach dem länger andauernden Kuss an seine warme Brust. Ich fühlte mich so sicher, geschützt und geliebt wie noch nie zuvor in meinem Leben.
"Schwesterchen ließt du schon wieder dieses Buch, dass Mama geschrieben hat?", höre ich von meinem kleinen Bruder. Ich antworte meinem vier einhalb Jahre jüngeren Bruder: "Ja! Ich mag das Buch, dass Mama für Papa geschrieben hat eben sehr." "Das ist so gut wie das einzige Buch, dass wir haben und ich verstehe es immer noch nicht. Wie kann es dann so gut sein?", schimpft Libertasland. Ich meine: "Du bist eben zu jung dafür. Du bist erst vier und ich bin neun Jahre alt." "Können wir denn nicht mehr Bücher besorgen?", quengelt er. Ich erinnere ihn daran: "Hast du vergessen, dass wir kein Geld oder einen Ausweis haben?" Er senkt seinen Kopf und sieht beleidigt weg von mir. "Wie währe es, wenn ich in die Stadt reise und dir einen Apfel mitbringe?", biete ich ihm an, damit er aufhört beleidigt zu sein.
Sofort freut er sich: "Ja!" Ich kündige an: "Gut dann verkleide ich mich und mache mich auf den Weg. Ich muss sowieso neues Essen besorgen." Ich stehe auf und gehe zu den Kleidungsstücken, die ich mir vor ein paar Jahren zusammengesammelt habe. "Kann ich mitkommen?", fragt mich mein kleiner Bruder. Ich antworte: "Heute nicht, aber vielleicht demnächst wieder, wenn du dich benimmst." "Ich benehme mich doch immer! Dann bis nachher Schwester!", ruft Libertasland. "Bis dann kleiner Bruder!", verabschiede ich mich, bevor ich aus unserer kleinen Höhle herauskrieche mit der Kleidung. Ich ziehe mir die Kleidung an und mache mich auf den Weg zur Straße. Es währe schöner, wenn ich meine Flügel dafür verwenden könnte, doch das wäre viel zu auffällig.
An der Straße angekommen wandere ich die Straße entlang und hoffe, dass niemand meine Hautfarbe erkennen kann. Ich scheine nicht aufzufallen. Langsam trotte ich zur Zugstation. Ich gehe an die linke Seite des Gebäudes und quetsche mich durch eine kleine Öffnung im Zaun. Der Zug steht schon da. Ich gehe zu den anderen Leuten und mische mich unter die Menge. Ich schleiche mich dadurch in den Zug. Da der Zug in der nächsten Station anhält muss ich mich nicht verstecken. Ich setze mich auf einen der Sitzplätze und warte. Kurz darauf fährt der Zug los. Ich bleibe in genau der gleichen Position sitzen, da es dafür sorgt, dass ich entweder nicht auffalle oder positiv auffalle. Mitten in der Zugfahrt höre ich: "Da ist der ohne Fahrkarte!"
Verflixt! Ich sehe nach oben und der eine kommt näher zu mir. Soll ich flüchten? Ich habe eine viel bessere Idee. Ich warte ab. Er kommt wirklich zu mir. "Wo ist deine Fahrkarte?", fragt mich der Mann. "Meine Mutter hat sie. Sie ist ein Waggon hinter diesem.", behaupte ich, um weg zu kommen. Er geht in die Richtung, die ich ihm angegeben habe. Ich stehe auf und damit die Leute keinen Verdacht schöpfen, gehe ich nach hinten, doch sobald ich aus dem Waggon bin, klettere ich die Leiter dort nach oben auf das Dach. Jetzt habe ich meine Ruhe. Der Wind prallt gegen mein Gesicht, während ich mich festkralle. Nach einigen Minuten sehe ich die Stadt schon vor mir.
Als der Zug hineinfährt sehe ich mir die beeindruckenden Gebäude an. Mitten in der Stadt ist der Bahnhof. Kurze Zeit bevor der Zug stehen bleibt, klettere ich nach unten zwischen die zwei Waggons. Als der Zug stehen bleibt und die Leute aussteigen steige ich ab und mische mich wieder unter die Menge. Ich verlasse das große Gebäude und gehe den Weg an der Straße entlang, da ich zur Straßenbahn muss. Ich sehe die Straßenbahn und steige schnell auf. Ich sitze mich hinein. Glücklicherweise sieht hier niemand nach deinem Pass. An der kommenden Station geht ein großer Mann in das Abteil und setzt sich etwas gegenüber von mir hin. Der Mann ist sehr groß.
Er hat eine Uniform, von der ich erkennen kann, dass er für Britannien persönlich arbeitet. Er hat einen finsteren Gesichtsausdruck und lange haselnussbraune Haare, die sich irgendwie unecht bewegen. Sein Vollbart sieht auch sehr unecht aus. Er hat auch einen Schnauzbart, der die selbe Farbe als seine Haare hat. Seine Hautfarbe wirkt an manchen Stellen leicht rötlich, als hätte er seine Gesichtsfarbe mit irgendetwas überdeckt. Und seine Nase passt nicht zu seinem rundlich wirkenden Gesicht. Seine Augen sind so golden, wie es kein normaler Mensch hat. Der Mann hat außerdem eine Narbe an seinem Kinn. Irgendwie muss ich anhand seiner Augen und seiner Größe wieder an Papa denken.
Ich frage mich was aus ihm und allen anderen geworden ist. Mama ist im Meer verschwunden, doch alle anderen waren beim Haus, außer Oma, sie ist einfach ohne Grund verschwunden, nicht einmal bei Mama war sie. Papa, meine Geschwister und Amerika waren beim Haus, aber als ich angekommen bin, waren sie weg. Ich stehe auf, da ich bei der Station heraus muss. Ich darf auf gar keinen Fall auffällig werden. Ich steige vom Zug ab und gehe einige Straßen entlang als ich endlich in der gesuchten Gasse ankomme. Ich nehme meinen Schal und meinen Hut ab, als ich den kleinen Laden betrete. "Hallo Rosi!", rufe ich. Ich höre hinter ein paar Regalen: "Guten Tag GEAU!" Rosi kommt zu mir und freut sich, dass ich da bin. "Wie geht es deinem Bruder?", fragt sie mich. "Ihm geht es gut und beschwert sich immer noch ständig über alles.", informiere ich sie.
"Das ist doch normal für jemanden in seinem Alter, wenn man es so sieht, dass er so schnell älter wird wie du. Im Vergleich zu Menschen bist du mindestens 16 Jahre alt.", erzählt sie. "Hast du zwei Äpfel, ein Brot und zwei Birnen für uns?", frage ich sie. "Ich habe kalte Tomatensuppe, drei Äpfel, ein Brot, zwei Birnen und ein paar Erbsen für euch.", meint sie und geht kurz weg um alles zu besorgen. Rosi ist zum Glück da und gibt uns seit drei einhalb Jahren unser Essen. Sie kommt mit einem Korb mit allem zu mir zurück und hat über den Inhalt ein Tuch gelegt. Rosi informiert mich darauf: "Ich habe auch noch ein paar Überraschungen für dich und deinen Bruder eingepackt."
"Vielen lieben Dank!", rufe ich und umarme sie, als Zeichen meiner Dankbarkeit. "Gern geschehen und komm gut Heim!", kommt von ihr und umarmt mich leicht. Als ich sie loslasse, mache ich mich auf den Weg zu meinem Bruder. Ich würde gerne sagen, dass ich nach Hause fahre, aber ein Zuhause ist es nicht, da es nicht einmal ein Haus ist. Ich gehe wieder zurück und warte auf die Straßenbahn, die einige Minuten später kommt. Ich steige ein und setze mich mit dem Korb hin. Der Mann von vorhin sitzt immer noch dort. Die ganze Fahrt über bin ich nervös, wegen dem Mann, doch ich versuche es mir nicht ansehen zu lassen. Warum wirkt er so unecht und kommt mir gleichzeitig so bekannt vor?