Flashlight Love by Fingerfertig at Inkitt
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Flashlight Love

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Summary

In den Straßen Berlins, wo das Licht der Öffentlichkeit niemals ganz erlischt, entfaltet sich eine verbotene Liebe, die beide Seiten der Kamera herausfordert. Sam Green, ein charismatischer Stadtführer mit einer Leidenschaft für Geschichte, glaubt nicht an Märchen - bis er David Hill trifft, einen gefeierten britischen Schauspieler auf dem Höhepunkt seines Ruhms. David, der unter dem ständigen Blitzlichtgewitter der Paparazzi lebt, sucht nach Authentizität fernab des Rampenlichts. Bei Sam findet er nicht nur einen Führer durch die faszinierende Metropole, sondern auch einen Verbündeten in der einsamen Welt des Ruhms. Als aus einer zufälligen Begegnung eine tiefere Verbindung wird, finden sich beide Männer in einem Strudel der Gefühle wieder, der durch jede neue Enthüllung intensiviert wird. "Flashlight Love" ist eine Geschichte über das Finden der Liebe an den unwahrscheinlichsten Orten und das Kämpfen für diese Liebe gegen alle Widrigkeiten. Während Sam und David ihre Beziehung vor der Welt und vor sich selbst verteidigen, müssen sie entscheiden, wie viel sie zu opfern bereit sind - für die Chance auf ein Leben zusammen.

Status
Complete
Chapters
34
Rating
5.0 6 reviews
Age Rating
18+

Prolog


Die Lobby des Hotels war fast schon unerträglich beige. Alles war so hell. Helle Polstermöbel, heller Marmor, helles Holz und alte dicke Teppiche. Das Luxushotel Ritz Carlton am Berliner Potsdamer Platz, war definitiv kein Ort, an dem er normalerweise verkehren würde. Sam fühlte sich fehl am Platz in seinem schwarzen Hoodie und der abgetragenen Jeans – ein starker Kontrast zu den luxuriösen, fast steril wirkenden Einrichtungen. Er war überrascht, dass niemand ihn beim Eintritt aufgehalten hatte. Draußen herrschte typisches deutsches Oktoberwetter - Nieselregen, sechs Grad und kalter Wind. Sam starrte immer wieder in Richtung Rezeption, von wo aus ihn der Concierge ansah, als wäre er ein Obdachloser. Schnell wandte Sam den Blick ab und sah zur Seite nur um sein eigenes Spiegelbild in einem alten Spiegel mit Goldrahmen zu erblicken. So schlimm sah er nun auch nicht aus. Dunkle, kurze, zugegeben etwas struppige Haare, helle Haut, bernsteinfarbene Augen und ein Anflug von leichten Sommersprossen. Sicher er wirkte jünger als 27, aber durchaus alt genug, um sich hier aufzuhalten. Es war ja nicht so, dass er aus Vergnügen hier war. Er wartete hier auf irgend so einen Hollywoodschnösel, um diesem Berlin zu zeigen. Nach seinem Anglistik- und Geschichtsstudium hatte Sam einfach keine Arbeit gefunden. Durch Zufall war er in einem Club auf Achim gestoßen. Dieser leitete ein sogenanntes Stadtbilderklärer-Unternehmen. Schlicht gesagt, er beschäftigte Stadtführer:Innen, die an verschiedensten Stellen eingesetzt wurden. Entweder führten sie aufgedrehte englische Jugendliche an der ehemaligen innerdeutschen Grenze entlang, wobei diese eigentlich nur fragten, wo Hitler jetzt wohne und wie man ins Berghain käme oder sie erklärte auf den zahlreichen Dampfern, bayrischen Trachtengruppen, was über Preußen, während irgendein Helmut oder Klaus es ohnehin besser wusste. Achims Unternehmen hatte sich aber einen Namen gemacht und so wurde er häufig auch für rein private Führungen angefragt. Sam, welcher nicht nur fließend Englisch sprach, sondern auch der mit Abstand Jüngste im Team war, hatte so oft das Vergnügen wahlweise stinkreiche Russen, desinteressierte arabische Ehefrauen oder eben hin und wieder einen Promi durch die Stadt zu führen. Nicht, dass er sich beschwerte, denn diese Jobs brachten meist mehr Trinkgeld als das Alltagsgeschäft, in dem es meist bei wenigen Münzen blieb oder auch mal einem fünfer, von einem Bernd mit dem gönnerhaften Satz: »Haste subber gemacht, Kleener«. Der Job war sicher nicht Sams Zukunft, aber es reichte, um die Miete zu zahlen und sich währenddessen nach etwas Vernünftigen umzusehen. Er sah auf die Uhr. Sein Termin war bereits fünf Minuten überfällig. Sam rollte mit den Augen und blickte noch mal auf den Zettel, den ihm Achim gegeben hatte. David Hill, Lobby Ritz Carlton, 14 Uhr, Tisch im Borchards um 19 Uhr, versau es nicht. Der letzte Satz war unnötig. Sam hatte es noch nie versaut. Selbst dann nicht, als ein französischer Designer ihm ungeniert an den Arsch gefasst und in sein Hotelzimmer eingeladen hatte. Noch jetzt könnte Sam sich dafür ohrfeigen, dass er dem Typen gesteckt hatte, dass er schwul sei. Er hatte dann dankend abgelehnt und behauptet, einen Freund zu haben. Die 100 Euro Trinkgeld durfte er trotzdem behalten. Nun saß er also hier und wartet auf David Hill. Im ersten Moment hatte ihm der Name zwar, was gesagt aber einordnen konnte er ihn nicht. Eine schnelle Google-Recherche und schon beim ersten Bild wusste er wieder, mit wem er es zu tun hatte. David Hill war 31 Jahre alt, Schauspieler und gelinde gesagt ein Megastar. Er hatte bereits einen Oskar und spielte regelmäßig in Blockbustern die Hauptrolle. Er war gebürtiger Engländer und sah verdammt noch mal aus, wie der Fucking James Bond persönlich – 1,90 groß, schwarze Haare, blaue Augen und ein Körper wie aus Stein gemeißelt. Sam war nicht einfach nur beeindruckt, er war absolut eingeschüchtert. Er hatte keinen der Filme von David wirklich gesehen, aber nach seiner Recherche nahm er an, dass dieser genauso abgehoben und arrogant war, wie alle die er bisher aus dieser Branche kennengelernt hatte. Seufzend steckte er sein Smartphone weg und sah wieder zur Rezeption, wo ihn der Concierge energisch zu sich winkte. Schnell stand Sam auf, strich den Mantel glatt und eilte zur Rezeption.

»Mr. Hill kommt«, sagte der Mann knapp und wies zur großen Freitreppe, ehe er sich wieder seinem Computer zuwandte. Sam folgte seinem Wink und tatsächlich kamen gerade zwei Männer die Treppe hinab. Der eine war eindeutig nicht der Schauspieler. Er war sicher zwei Meter groß, bullig, hatte eine Glatze und trug einen kleinen Hörer im Ohr. Hinter ihm kam ein weiterer Mann und diesmal war es David Hill. Sofort war Sam ein wenig sprachlos. Der andere trug eine enge schwarze Jeans, ein weißes Hemd und darüber einen grauen engen Pullover. Er hatte ein schwarzes Basecap auf dem Kopf und lächelte Sam zu. Dieser spürte seinen Puls kurz stolpern, ehe er die Hand ausstreckte.

»Äh … Mr. Hill? Sam Green. Nett Sie kennenzulernen. Ich bin Ihr Guide für heute Nachmittag«, sagte er in seinem perfekten Oxfordenglisch und versuchte seine Nervosität, zu überspielen. Dass der Mann vor ihm ein Weltstar war, war Sam relativ egal, aber nicht, dass dieser aussah wie ein Supermodel. David griff nach Sams Hand und drückte sie.

»Sam Green? Bist du etwa Brite?«, wollte er wissen und grinste schief, was Sam kurz aus der Fassung brachte.

»N-Nein nicht direkt, also mein Vater ist Brite, meine Mutter Deutsche«, sagte er schnell.

»Cool. Also wollen wir?«, fragte David dann und Sam nickte. Er sah schnell zu dem Hünen, der sie die gesamte Zeit musterte.

»Ach ja, das ist Ben. Keine Sorge er beißt nur selten«, sagte David und lachte. Ben lachte nicht, er zeigte nur kurz seine Zähne und Sam wich etwas zurück.

»Ben. Lass das. So dann los. Ich bin nur noch heute hier und will was sehen«, sagte David dann und ging voran. Sam sah zu Ben, dann folgte er etwas überfordert David nach draußen. Es nieselte noch immer leicht und ehe Sam etwas tun konnte, hatte bereits Ben einen Schirm aufgespannt und hielt ihn über ihn und auch David, der neben ihm stand.

»Also dann …«, kam es von diesem und Sam nickte.

»Äh ja, also nach meiner Information würden sie gerne laufen, soweit es geht.«

»Ja, das stimmt. Ich muss mich bewegen.«

»Gut, dann … ja lassen Sie uns gehen. Wir schauen uns zuerst das Mahnmal an die ermordeten Juden Europas an«, sagte Sam dann und lief los. David setzte sich ebenfalls in Bewegung, so wie Ben. Verunsichert sah Sam noch mal zu diesem.

»Ben wird uns begleiten. Nicht das ich Angst hätte, aber er kann … sagen wir ein paar der Fans ganz gut auf Abstand halten. Keine Ahnung, ob das hier überhaupt nötig ist. Bisher war mein Aufenthalt hier sehr angenehm«, erklärte David dann, während sie nebeneinander das kurze Stück zum Mahnmal liefen. Sam lachte leise. Verwundert sah ihn David an. Der junge Mann räusperte sich.

»Nun Sir, die Berliner machen sich nicht wirklich was aus … also aus Prominenten. Keine Ahnung, warum das so ist. Vielleicht weil wir uns selbst nicht so wichtig nehmen und dann gestehen wir das auch niemand anderem zu. Oder es liegt daran, dass Promis hier nichts Besonderes sind«, erklärte er.

»Mhm … sind sie in L.A. auch nicht und doch … Aber danke für die Erklärung und ehe wir weitermachen …«, David blieb stehen. Sie standen nun direkt vor dem Mahnmal und Sam sah den Mann fragend an.

»Ich bin David. Nicht Sir oder Mister. Ich hoffe, das ist in Ordnung?«, sagte dieser. Sam nickte zögernd.

»Sicher. Also dann Sam«, sagte er und David nickte ebenfalls zustimmend.

»Gut, als das hier ist das Holocaust Mahnmal oder wie schon gesagt das Mahnmal an die ermordeten Juden Europas. Es wurde im Jahr 2005 eröffnet und besteht aus 2.711 Betonstelen, die unterschiedlich hoch sind und ein wellenartiges Muster auf einer Fläche von etwa 19.000 Quadratmetern bilden. Dieses Stelenfeld soll die Besucher auf eine ganz persönliche und unmittelbare Weise mit dem Gefühl der Isolation und der Orientierungslosigkeit konfrontieren, das ein zentrales Element der Erfahrung der Opfer des Holocausts war. Die Architektur des Denkmals, entworfen von Peter Eisenman, lädt zum Nachdenken und Gedenken ein, indem sie bewusst auf traditionelle Symbole verzichtet und stattdessen auf die Wirkung des Raumes selbst setzt. Unter den Stelen befindet sich ein Ort der Information, der die Schicksale von Millionen von Juden dokumentiert, die während des Holocaust ermordet wurden. Jede der Stelen könnte als Symbol für ein verlorenes Leben gesehen werden, und das Gesamtkunstwerk erinnert uns daran, dass wir nie vergessen dürfen, was hier passiert ist«, während Sam sprach, wanderte Davids Blick immer wieder zu den grauen Stelen. Er wirkte nachdenklich, dachte Sam, als sie langsam durch die Gänge der unterschiedlich hohen steinernen Säulen schlenderten. David hörte zu, fragte nicht nach und sah sich alles genau an. Irgendwann hielt Sam etwas Abstand, lediglich Ben folgte seinem Boss. Der Regen hatte nachgelassen und so nahm dieser den Schirm herunter. Sam lehnte sich an eine der Stelen und wartete. Er war heilfroh, dass weder Ferien waren, noch ein Feiertag bevorstand. Dazu war das Wetter schrecklich und so waren kaum Touristen hier. Es dauerte nicht lange, da kamen David und Ben bereits zurück.

»Das ist beeindruckend«, sagte David und Sam nickte.

»Ja ist es. Wollen Sie … äh möchtest du noch ins Haus der Erinnerung?«, fragte Sam dann und wies auf das Gebäude zu ihrer Linken.

»Klar gern«, sagte David und Sam ging wieder voran. In dem Haus, das zum Gedenken und zur Aufarbeitung der Geschichte der Juden hier errichtet wurde, waren schon mehr Menschen. Ben blieb am Eingang stehen und so lag der Fokus auch nicht auf David, was dazu führte, dass ihn offenbar niemand erkannte. David hörte gebannt Sams Erklärungen zu und betrachtete dann die vielen Bilder, die hier an die Opfer erinnerten. Sie hielten sich eine gute halbe Stunde in dem Haus auf, ehe sie wieder nach draußen traten. Das Wetter hatte gehalten. Lediglich graue Wolken zogen über den Himmel und der Wind blies ihnen die gelben Blätter um die Füße. Sie schlenderten weiter in Richtung Brandenburger Tor. Sam referierte über dessen Erbauung und die Bedeutung des Tores während der deutsch-deutschen Teilung.

»Und wer ist das genau?«, fragte David und wies zu der Statue, die mit vier Pferden oben auf dem Tor thronte.

»Das ist die Quadriga, eine Statue von der Göttin des Sieges, Victoria, die einen Streitwagen mit vier Pferden lenkt«, erklärte Sam.

»Die Quadriga wurde ursprünglich von Johann Gottfried Schadow entworfen und 1793 oben auf dem Tor installiert. Während der Geschichte Berlins hat die Quadriga einige bedeutende Ereignisse erlebt. Nach der Niederlage Preußens durch Napoleon im Jahr 1806 wurde die Statue nach Paris verschleppt, aber nach dem Sieg über Napoleon zurückgebracht und 1814 wieder auf das Tor gesetzt. Seitdem steht sie als Symbol des Sieges und der Einheit dort oben. Während der deutschen Teilung war das Brandenburger Tor und die Quadriga direkt an der Grenze zwischen Ost- und Westberlin und wurde zu einem starken Symbol der Teilung Deutschlands, aber auch der Hoffnung auf Wiedervereinigung«, David nickte, beeindruckt von der tiefen historischen Bedeutung. Sam hatte gerade zu Ende erzählt, als er neben sich eine schnelle Bewegung wahrnahm. Er blickte sich um und sah, wie Ben blitzschnell zwei junge Frauen wegdrängte.

»David!!«, riefen diese. Sam sah überfordert zu dem Schauspieler, dieser aber lächelte und machte Ben ein Zeichen. Der ließ die beiden zu ihm.

»Hey Girls«, sagte David und die beiden Mädchen, die sicher kaum zwanzig waren, kicherten und fragten in immerhin perfektem Englisch nach einem Foto. David machte es gern. Plauderte locker mit den beiden und erklärte, dass er gerade auf einer Stadtbesichtigung war. Sam sah sich immer wieder verstohlen um. Nicht, dass noch mehr auf David aufmerksam wurden, aber keiner der anderen Passanten nahm weiter Notiz von ihnen.

»Entschuldige«, hörte Sam irgendwann David sagen und wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem Mann zu. Die Mädchen waren verschwunden.

»Oh … klar kein Problem. Dann gehen wir weiter zum Reichstag«, sagte er und wies den Weg. Wenige Minuten später standen sie vor dem Sandsteingebäude.

»Also der Reichstag wurde ursprünglich 1894 fertiggestellt und war der Sitz des deutschen Kaiserreichs«, begann Sam seine Erklärung, als sie das beeindruckende Gebäude betrachteten.

»Er ist ein wichtiges Symbol der deutschen Geschichte und hat viele Epochen überdauert, vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und das Dritte Reich bis hin zur heutigen Bundesrepublik Deutschland. Besonders bemerkenswert ist die Kuppel des Reichstags, die von dem Architekten Norman Foster entworfen und 1999 nach der Wiedervereinigung Deutschlands hinzugefügt wurde. Die gläserne Kuppel steht symbolisch für Transparenz und Offenheit der Politik, denn sie ermöglicht es Besuchern, den Politikern im Parlament buchstäblich ‚aufs Dach zu schauen‘ und den parlamentarischen Betrieb zu beobachten. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Reichstag schwer beschädigt und erst nach langen Debatten und umfangreichen Renovierungsarbeiten wieder als Parlamentssitz in Gebrauch genommen. Seit 1999 tagt hier der Deutsche Bundestag.«

»Und das da?«, fragend zeigte David auf das Kanzleramt auf der gegenüberliegenden Seite des Reichstages.

»Das ist das Bundeskanzleramt. Ist eines der größten Regierungshauptquartiere der Welt und dient als Amtssitz des Bundeskanzlers«, erklärte Sam weiter, während sie auf das imposante Gebäude blickten.

»Es wurde im Jahr 2001 fertiggestellt und ist bekannt für seine moderne Architektur, die eine Mischung aus Glas und Beton verwendet und durch ihre Transparenz und Offenheit besticht. Das Design soll die Zugänglichkeit und die Verbindung der Regierung mit dem Volk symbolisieren. Es beherbergt nicht nur das Büro des Bundeskanzlers, sondern auch die Büros der Hauptmitarbeiter und mehrere Konferenzräume, die für die Koordination der deutschen Politik zentral sind. Außerdem gibt es eine beeindruckende Dachterrasse, die einen weiten Blick über das Spreebogenareal bietet, wo es steht. Dort drüben siehst du außerdem das Paul-Löbe-Haus. Hier sitzen und arbeiten die Abgeordneten des Deutschen Bundestages.«

»Das Zentrum der Macht also?«, sagte David und lächelte. Sam schluckte schwer und nickte. Wenn der Typ nicht bald aufhörte, so zu lächeln, müsste er wohl oder übel hier und jetzt sterben. Sie liefen dann wieder zurück zum Brandenburger Tor, bogen nach links ab und liefen vorbei am Hotel Adlon die Straße Unter den Linden hinunter.

»Das ist wunderschön«, sagte David und wies auf die gelb-rot verfärbten Bäume der Straße. Sam nickte.

»Ja, Berlin ist und war schon immer eine sehr grüne Stadt. Hier gibt es über 2500 öffentliche Grünflächen und Parks und der Größte ist der hinter uns liegende Tiergarten. Nach dem Zweiten Weltkrieg brauchten die Menschen allerdings Feuerholz und fällten beinahe alle Bäume. Aber schon in den frühen 50er Jahren fing man mit der Aufforstung an. Dazu kommen rund um und in Berlin noch über 80 Seen und die Flüsse Spree und Havel. Berlin hat mehr Brücken als Venedig, genauer gesagt über 1700, was die Stadt zu einem echten Netzwerk aus Wasserwegen macht«, erklärte Sam mit leuchtenden Augen. David betrachtete ihn lächelnd von der Seite.

»Du liebst die Stadt, das merkt man«, sagte er und Sam fühlte sich ertappt.

»Äh, ja ich … na ja ich kenn auch eigentlich nichts anders. Aber ja, ich mag es hier«, sagte er. Inzwischen standen sie bereits vor der Humboldt-Universität und blickten in der Ferne auf den Dom und die ersten Gebäude der Museumsinsel.

»Ja, das merkt man. Es ist aber auch beeindruckend hier«, sagte David und betrachte die Umgebung. Sam lächelte leicht, während er anfing, über die Humboldt-Universität zu sprechen.

»Die Humboldt-Universität zu Berlin, gegründet 1810, ist eine der ältesten Universitäten Berlins und ein Ort, an dem Geschichte und Innovation Hand in Hand gehen. Berühmte Denker wie Marx und Engels, Planck und Einstein haben hier studiert oder gelehrt. Sein Hauptgebäude ist ein prächtiges Beispiel preußischer Architektur«, während sie weitergingen und der Berliner Dom in Sicht kam, setzte Sam seine Erklärung fort.

»Und dort vorne siehst du den Berliner Dom, eine der größten evangelischen Kirchen Deutschlands. Mit seiner imposanten Kuppel, die majestätisch über die Museumsinsel thront, ist der Dom nicht nur ein Ort der Andacht, sondern auch eine Schatzkammer religiöser Kunst. Die Kuppel bietet zudem eine unglaubliche Aussicht über die Stadt, besonders zum Sonnenuntergang. Und hier, die Staatsoper Unter den Linden, ein Juwel barocker Architektur, erbaut unter Friedrich dem Großen. Seit ihrer Eröffnung 1742 hat sie sich als eine der führenden Bühnen Europas etabliert. Die Aufführungen hier sind von weltweiter Bedeutung«, schwärmte er und David lächelte.

»Geschichte ist dein Ding, oder?«, wollte er wissen und Sam nickte wieder ertappt.

»Ja, also ich hab es studiert und Museen sind mein ... keine Ahnung ich liebe es einfach«, sagte er und nun bogen sie auf die Museumsinsel ein.

»Sind das alles Museen?«, David wies auf die Gebäude in der Ferne.

»Ja, fast alles. Du siehst hier das Ensemble der Museumsinsel, das zu den weltweit bedeutendsten Museumskomplexen zählt«, begann Sam zu erklären, während sie den Weg über die Insel fortsetzten.

»Die Insel umfasst fünf herausragende Museen, die unter UNESCO-Weltkulturerbe stehen. Jedes Gebäude hier hat seinen eigenen Charakter und beherbergt unterschiedliche Sammlungen, die von der Antike bis zur Kunst des 19. Jahrhunderts reichen. Zuerst haben wir das Alte Museum, das im klassizistischen Stil erbaut wurde und vor allem klassische Antiquitäten ausstellt. Direkt gegenüber liegt das Neue Museum, das wieder aufgebaut wurde, nachdem es im Krieg stark beschädigt wurde. Es beherbergt die ägyptische Sammlung und die berühmte Büste der Nofretete. Dann gibt es die Alte Nationalgalerie, die wie ein griechischer Tempel aussieht und hauptsächlich Kunst des 19. Jahrhunderts zeigt«, Sam deutete auf ein weiteres beeindruckendes Gebäude.

»Weiter hinten befindet sich das Bode-Museum am nördlichen Ende der Insel. Es hat eine vielfältige Sammlung von Skulpturen, byzantinischer Kunst und Münzen. Und schließlich das Pergamonmuseum – es ist bekannt für seine monumentalen Bauwerke wie das Pergamonaltar und das Ischtar-Tor aus Babylon. Dreh dich mal um«, bat Sam dann und David tat es. Er zeigte in die Ferne auf die Seite gegenüber des Doms.

»Das da ist das Humboldt Forum ist eine relativ neue Ergänzung hier«, fuhr er fort, während sie einen Blick auf das beeindruckende Gebäude warfen.

»Es wurde auf dem rekonstruierten Gelände des ehemaligen Berliner Schlosses erbaut und eröffnete teilweise Ende 2020. Das Humboldt Forum ist als ein Zentrum für Kunst, Kultur und Wissenschaft konzipiert und verbindet die europäischen und außereuropäischen Kulturen. Im Inneren findest du Ausstellungen, die sich mit globalen Kulturen und Geschichte befassen, inspiriert von den Brüdern Wilhelm und Alexander von Humboldt. Die Ausstellungsbereiche bieten Einblicke in Kunst und Kultur aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien. Architektonisch ist das Humboldt Forum eine Mischung aus modernen und historischen Elementen, wobei Teile der Fassade des Berliner Schlosses originalgetreu nachgebildet wurden«, referierte er. David nickte. Sam kratzte sich nervös den Nacken.

»Ich hoffe, ich langweile dich nicht«, sagte er verlegen. David schüttelte sofort den Kopf.

»Natürlich nicht. Ich finde das wahnsinnig interessant. Keine Ahnung, wie es mit Ben ist, aber ich bin froh, mich für so eine Tour entschieden zu haben«, sagte er und sah zu Ben, der recht unbeteiligt am Rand stand und nur nickte.

»O-Okay, also dann weiter?«, wollte Sam noch immer unsicher wissen. Er wusste einfach nicht, warum ihn David so nervös machte. Es lag sicher nicht daran, dass er ein Superstar war, denn Sam hatte auch schon Adele und Megan Fox durch die Stadt geführt. Gut, vielleicht lag es daran, dass David einfach wahnsinnig attraktiv und dazu auch noch unverschämt sympathisch war und Sam selbst– stockschwul und sehr anfällig für Männer, die nett zu ihm waren. Leider hatten nur die wenigsten in seiner Vergangenheit Gutes im Sinn und so war Sam mit den Jahren vorsichtig geworden.

Sie liefen eine Weile schweigend in Richtung Hackescher Markt. Dabei passierten sie das Bode Museum und standen schon bald im herbstlichen Monbijoupark.

»Das hier ist der Monbijoupark«, nahm Sam das Gespräch wieder auf, während sie durch die farbenfrohen herbstlichen Blätter schlenderten.

»Ursprünglich war hier das Monbijou-Schloss, ein prächtiges Barockschloss, das leider im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde und dessen Überreste in den Nachkriegsjahren abgetragen wurden. Heute ist der Park ein beliebter Treffpunkt für Einheimische und Besucher gleichermaßen. Im Sommer gibt es hier Open-Air-Theater und Tanzveranstaltungen. Der Park bietet auch einen wunderschönen Blick auf die Museumsinsel, besonders am Abend, wenn die Museen beleuchtet sind«, Sam machte eine kleine Pause, um den Blick auf die Spree und das gegenüberliegende Ufer zu genießen.

»Im Sommer kann man hier außerdem abends sitzen und Cocktails trinken«, sagte er dann und wies auf den nun verwaisten Platz direkt am Ufer.

»Das hört sich auf jeden Fall nach Spaß an«, sagte David und grinste Sam frech an. Dieser wusste schon wieder nicht, was er sagen sollte, und nickte nur zum gefühlten tausendsten Mal an diesem Tag. Sie liefen weiter und erreichten den Hackeschen Markt. Sie passierten die S-Bahn Station und Sam wies auf die alten Gebäude zu ihren Füßen.

»Das sind die Hackeschen Höfe, ein wirklich faszinierendes Ensemble von acht miteinander verbundenen Innenhöfen, die um die Wende zum 20. Jahrhundert erbaut wurden«, erklärte er weiter.

»Sie sind das größte geschlossene Hofareal Deutschlands und ein wunderschönes Beispiel für die Berliner Hofkultur. Ursprünglich waren diese Höfe Wohn- und Gewerbegebiete, und diese Mischung prägt sie bis heute. Nach umfangreichen Restaurierungen in den 1990er Jahren sind die Höfe heute ein lebendiger Ort mit Geschäften, Galerien, Restaurants und Kinos. Die Architektur hier ist wirklich einzigartig – besonders die kunstvoll gestalteten Fassaden, die schönen Mosaiken und die filigranen Eisenarbeiten, die die Höfe zieren«, Sam führte David durch die engen Gassen, vorbei an leuchtenden Schaufenstern und kleinen Cafés, die auch außerhalb der Touristensaison ihren eigenen Charme behalten hatten.

»Im Sommer, wie auch im Winter, ist dieser Ort ein Magnet für Menschen, die das besondere Berliner Lebensgefühl suchen«, erklärte er, als sie vor einem Café standen.

»Das erinnert mich ein bisschen an den Camden Market in London«, sagte David nachdenklich, während sie weitergingen.

»Camden hat auch diese Mischung aus alten und neuen Elementen, eine tolle Atmosphäre und jede Menge ungewöhnliche Geschäfte und Stände. Es gibt dort eine ähnliche Vielfalt an Kunst und Handwerk, Essen aus aller Welt und eine ständige Flut von Menschen, die die einzigartige Kultur dort erleben wollen«, er blickte um sich, während sie an einem kleinen, lebhaft dekorierten Laden vorbeigingen.

»Es ist interessant zu sehen, wie Städte tausende Kilometer voneinander entfernt ähnliche Konzepte entwickeln können, die Menschen anziehen und begeistern.«

»Ja, das stimmt wohl«, sagte Sam und lächelte. Sie schwiegen, als sie weiterliefen. Sie sahen bereits den Alexanderplatz, als wieder David-Rufe erklangen. Diesmal war es eine größere Gruppe an jungen Erwachsenen, die aber gekonnt von Ben in Schach gehalten wurden.

»Hast du was dagegen?«, wollte David an Sam gewandt wissen und dieser hob abwehrend die Hände.

»Nein, natürlich nicht. Mach nur«, sagte er und David gab Ben ein Zeichen. Die Touristengruppe kam offenbar aus England, dass erkannte Sam am Dialekt. David plauderte locker mit ihnen, machte Fotos und gab Autogramme. Sam verstand akustisch nicht alles, aber irgendwann wies der Schauspieler auch auf ihn und die jungen Leute nickte aufgeregt, ehe sie sich langsam in die andere Richtung entfernten. Allmählich dämmerte es auch. Sie liefen bereits seit vier Stunden durch die Gegend und Sam fröstelte. Sie hätten jetzt noch eine gute Stunde, dann müssten sie im Borchardts sein.

»So, dann ... tut mir leid. Wir können dann weiter«, sagte David munter. Sam nickte.

»Hast du denn noch Lust?«, wollte er wissen.

»Sicher, wenn noch Zeit ist.«

»Ja, wir haben noch eine Stunde. Ich schlage vor, wir lassen den Alexanderplatz aus und machen uns auf den Weg zum Nikolaiviertel«, schlug Sam vor und David machte eine ausladende Handbewegung.

»Nach dir«, sagte er grinsend und Sam lachte.

»Na dann mal los du Superstar«, feixte er und hätte sich am liebsten geohrfeigt. Sie waren ja nun wirklich nicht befreundet, aber David lachte ebenfalls und folgte Sam. Sie passierten die St. Marienkirche und den Neptunbrunnen und Sam warf ein paar kurze Fakten ein.

»Der Brunnen wurde 1891 errichtet und ist einer der größten Brunnen Berlins. Die Figur in der Mitte stellt Neptun, den Gott des Meeres, dar, umgeben von vier Frauenfiguren, die die wichtigsten Flüsse Preußens – Rhein, Weichsel, Elbe und Oder – symbolisieren«, es dauerte nicht lange, da standen sie im alten Herzen von Berlin - dem Nikolaiviertel.

»Das Nikolaiviertel ist wirklich etwas Besonderes. Es wird oft als die Wiege Berlins bezeichnet, denn hier wurden die ersten Siedlungen gegründet, die später zur Stadt Berlin wurden«, erklärte Sam. Sie erreichten die Nikolaikirche, ein architektonisches Juwel, das sorgfältig restauriert worden war, um sein mittelalterliches Aussehen zu bewahren.

»Diese Kirche hier ist das Herzstück des Viertels und eine der ältesten noch bestehenden Strukturen in Berlin«, referierte Sam weiter.

»Obwohl sie im Zweiten Weltkrieg beschädigt wurde, hat man sie liebevoll restauriert. Heute dient sie nicht nur als Museum, sondern auch als Veranstaltungsort für Konzerte und andere kulturelle Ereignisse«, während sie weiter durch das Viertel gingen, wies Sam auf die zahlreichen kleinen Läden und Cafés hin, die traditionelle deutsche Küche und Handwerkskunst anboten.

»Viele dieser Geschäfte hier sind familiengeführt und bieten einzigartige Produkte an, von handgemachten Schmuckstücken bis zu lokalen Spezialitäten«, David schien beeindruckt von der Mischung aus historischem Charme und lebendiger Kultur, die das Nikolaiviertel bot. Die Zeit verging schnell, während sie das Viertel erkundeten, und bald drängte Sam zum Aufbruch. Ben, der mit etwas Abstand auf einer Bank gesessen hatte, kam nun wieder zu ihnen.

»Wir sollten los. Das Restaurant wartet«, sagte Sam und David nickte.

»Gut. Langsam werde ich auch fußlahm.«

»Das tut mir leid, sollen wir ein Taxi ...«

»Nein, alles okay. Wir laufen. Ich will mir nichts entgehen lassen«, fiel David ihm sofort ins Wort. Sam lächelte und ging nun wieder voran. Auch er wurde langsam müde, aber auf keinen Fall wollte er, dass der Tag so schnell endete. Sie liefen nun auf direktem Weg zum Restaurant »Borchardts«. Vom Nikolaiviertel aus führte ihre Route sie entlang des Spreekanals. Sie kamen dabei an der Rückseite des beeindruckenden Humboldt Forums vorbei.

»Das hier ist die moderne Ergänzung zum Berliner Schloss, das wir vorhin gesehen haben«, erklärte Sam, während sie die Spree entlangschlenderten. Weiter ging es vorbei am Auswärtigen Amt, einem modernen Gebäudekomplex, der die deutsche Außenpolitik beherbergt.

»Das Auswärtige Amt hier ist zentral für die diplomatischen Beziehungen Deutschlands und spielt eine wichtige Rolle in der internationalen Politik«, kommentierte Sam, als sie an den klaren Glasfassaden vorbeizogen. Der Weg führte sie schließlich zum Gendarmenmarkt, einem der schönsten Plätze Berlins. Hier erhaschten sie einen Blick auf den Französischen Dom. Sam teilte seine Begeisterung:

»Der Französische Dom ist eigentlich das Gebäude mit der Kuppel, die du dort siehst. Er wurde zusammen mit dem Deutschen Dom als Teil eines Dreiecks um den Konzerthausplatz herum erbaut. Der Französische Dom wurde ursprünglich von Hugenotten, französischen Glaubensflüchtlingen, genutzt. Der Platz selbst und die umgebenden Gebäude sind ein perfektes Beispiel für die prächtige Architektur Berlins und ein beliebter Ort für Veranstaltungen und Märkte«, während sie den Gendarmenmarkt verließen und sich ihrem Ziel näherten, verlangsamte Sam das Tempo ein wenig, sodass sie die belebte Atmosphäre Berlins noch ein letztes Mal aufsaugen konnten, bevor sie im »Borchardts« ankamen, einem Ort, der für seine klassische Küche und historische Bedeutung in der Berliner Gastronomieszene bekannt ist.

»So, das ‚Borchardts‘ ist seit über 100 Jahren ein Treffpunkt für Künstler, Politiker und Schriftsteller – ein perfekter Ort, um unseren Tag abzuschließen«, sagte Sam, während sie die Tür des eleganten Restaurants erreichten.

»Also es war wirklich nett, dich durch ... na ja meine Stadt zu führen und ...«

»Moment, du willst mich jetzt hier allein lassen?«, fiel David Sam ins Wort.

»Ich kann draußen warten, bis du fertig bist und bring dich dann zurück zum Hotel«, bot Sam an, wobei seine Stimme die leichte Verunsicherung nicht ganz verbergen konnte. Er war nicht wirklich scharf darauf, ein oder zwei Stunden in der Kälte zu warten. David schien das Zögern in Sams Stimme zu bemerken. Er legte seinen Arm locker um dessen Schultern, was Sam vollkommen aus dem Konzept brachte.

»Nein, Sam, ich möchte, dass du mit mir isst. Es ist das Mindeste, was ich tun kann, nachdem du mir deine Stadt so hervorragend nähergebracht hast«, Davids Lächeln war warm und echt, und es machte es Sam schwer, weiterhin Einwände zu erheben.

»Ich schicke Ben zurück zum Hotel. Er kann uns später mit dem Wagen abholen. Keine Sorge, es ist alles geregelt«, fügte David hinzu, bevor er kurz mit Ben sprach, der daraufhin nickte und sich in Richtung des nahen Taxistandes entfernte.

»Und was isst er?«, entkam es Sam und David grinste.

»Ben? Der mag am liebsten Junkfood. Mach dir keinen Kopf, der kennt schon jeden McDonalds in der Umgebung und wir sind erst zwei Tage hier«, sagte der Schauspieler und lachte.

Als sie das »Borchardts« betraten, wurde David sofort vom Restaurantchef so herzlich begrüßt, als sei er hier Stammgast und nicht das erste Mal überhaupt hier. Sam hingegen wurde kaum beachtet, eine Erfahrung, die er inzwischen gewohnt war, aber die ihn in der prunkvollen Umgebung des Restaurants dennoch etwas deplatziert fühlen ließ. Er folgte David zu einem abgelegenen Tisch, seine Augen kurz auf die elegant gekleideten Gäste und das geschmackvoll eingerichtete Interieur schweifend. Während David mit dem Chef noch kurz plauderte, ließ Sam seinen Blick über die Speisekarte wandern, wobei seine Augen instinktiv die Preise suchten. Die Zahlen ließen ihn innerlich zusammenzucken. Fast alles auf der Karte überstieg sein übliches Budget für eine ganze Woche. Er war sich bewusst, dass David die Rechnung sicher übernehmen würde, doch konnte er nicht helfen, sich unwohl dabei zu fühlen, etwas Teures zu wählen.

»Irgendwelche Empfehlungen?«, fragte David, als er sich wieder ihm zuwandte und sich setzte. Er bemerkte nichts von Sams vorübergehende Unsicherheit. Dieser zögerte kurz. Er hatte zwar von »Borchardts« gehört, aber nie zuvor die Gelegenheit gehabt, hier zu speisen.

»Das Wiener Schnitzel soll hier sehr gut sein«, sagte er, sich erinnernd an die Bewertungen, die er gelesen hatte. »Es ist ziemlich berühmt.«

»Hervorragend, dann nehmen wir beide das. Und keine Sorge, was den Preis angeht. Geht auf mich«, entschied David, bevor Sam selbst bestellen konnte. Er winkte den Kellner heran und bestellte zwei Portionen des Wiener Schnitzels, dazu eine Flasche Riesling, die laut dem Sommelier ausgezeichnet dazu passen sollte. Sam wollte protestieren, wusste aber, dass jeder Einwand fehl am Platz wirken würde. Er wollte nicht undankbar erscheinen, vor allem, da David offensichtlich darauf bestand, ihn einzuladen. Also nickte er nur und versuchte, seine Dankbarkeit in Worte zu fassen.

»Danke. Das ist wirklich sehr großzügig von dir. Ich meine nur ...«, David lächelte nur und winkte ab, als wäre es eine Selbstverständlichkeit.

»Nach all den großartigen Geschichten, die du mir heute erzählt hast, ist es das Mindeste, was ich tun kann«, während sie auf das Essen warteten, wechselte das Gespräch von Sams Berufserfahrungen zu persönlicheren Themen. David zeigte ein echtes Interesse an Sams Studium und seinen Zukunftsplänen und fragte nach, wie er dazu gekommen war, Stadtführer zu werden.

»Es ist nicht nur ein Job«, erklärte Sam, seine anfängliche Unsicherheit überwindend, »es ist eine Art, meine Liebe zur Stadt und zur Geschichte mit anderen zu teilen. Und manchmal, wie heute, bietet es die Gelegenheit, wirklich interessante Menschen zu treffen«, David lächelte, als Sam sprach, und seine Augen glänzten mit einer Wärme, die Sam beruhigte.

»Du hast eine seltene Gabe. Nicht jeder kann seine Passion so lebendig vermitteln. Es macht dich zu einem hervorragenden Guide und, ich vermute, zu einem großartigen Menschen.«

»Ja, danke. Aber ich habe auch selten mit Menschen zu tun, die so viel Interesse zeigen wie du«, sagte Sam sichtlich rot.

»Nun wie gesagt, Geschichte interessiert mich wirklich und davon gibt es hier mehr als genug. Aber etwas anderes. Ist das dein Traumberuf oder nur ... Mhm ... ein Sprungbrett?«, wollte David nun wissen. Sam kratze sich nervös den Nacken.

»Eigentlich will ich mal Kurator werden. Ich habe mich bei mehreren Museen beworben, aber bisher ohne Erfolg. Es ist schwierig, ohne umfangreiche Erfahrung oder Beziehungen in dem Bereich Fuß zu fassen«, er seufzte leise.

»Also ja, dieser Job als Stadtführer ist im Moment mehr ein Sprungbrett – oder vielleicht eher eine Notlösung, um mein Bafög zurückzuzahlen«, David runzelte die Stirn, ein Ausdruck echten Interesses in seinen blauen Augen.

»Bafög? Was genau ist das?«, fragte er, offensichtlich nicht vertraut mit dem deutschen Bildungssystem. Sam lächelte schwach, dankbar für die Gelegenheit, das Thema zu wechseln und etwas zu erklären, in dem er sich sicher fühlte.

»Es ist im Grunde eine staatliche Unterstützung für Studenten, die nicht genug finanzielle Mittel haben, um ihr Studium selbst zu finanzieren. Man bekommt die Hälfte als Zuschuss und die andere Hälfte als zinsloses Darlehen, das man nach dem Studium zurückzahlen muss«, David nickte nachdenklich.

»Das klingt nach einer guten Sache, aber auch nach einer Belastung, wenn man keine passende Stelle findet.«

»Genau«, bestätigte Sam, »es ist hilfreich, aber es setzt dich auch unter Druck, schnell einen Job zu finden, der gut genug bezahlt, um die Schulden abzubezahlen.« Das Essen wurde serviert, und eine Weile herrschte Stille, während sie das berühmte Wiener Schnitzel genossen. David, der mit jeder Gabel sichtlich Genuss empfand, brach schließlich das Schweigen.

»Das war wirklich eine hervorragende Wahl«, sagte er mit einem anerkennenden Nicken.

»Unterstützen dich deine Eltern bei deinen Plänen?«, erkundigte er sich schließlich, dann wohl ahnend, dass das Thema möglicherweise empfindlich sein könnte. Sam legte sein Besteck ab und sah kurz aus dem Fenster, bevor er antwortete. Sein Ton war gefasst, aber die Erinnerung lag ihm schwer im Magen.

»Meine Eltern sind gestorben, als ich zwölf war. Sie hatten einen Autounfall«, er zögerte, kurz.

»Danach kam ich in ein Heim, weil ich keine weiteren Verwandten hatte«, David schien für einen Moment die richtigen Worte zu suchen, sein Gesichtsausdruck einer von Mitgefühl.

»D-Das muss sehr hart für dich gewesen sein«, sagte er leise.

»Ja, das war es«, erwiderte Sam und ein Schatten von alter Trauer zog kurz über sein Gesicht.

»Aber man gewöhnt sich daran, allein zurechtzukommen. Das hat mir auch geholfen, durch das Studium zu kommen. Ich habe alles selbst finanziert, mit Jobs in der Gastronomie und als Putzkraft.«

David sah Sam einen Moment lang an, seine Augen von einer Mischung aus Mitgefühl und Respekt erfüllt. Er wollte etwas sagen, vielleicht Trost spenden, doch Sam winkte ab.

»Es ist lange her«, sagte er mit einer leichten, beinahe entschuldigenden Geste. »Ich komme klar. Wirklich.«

»Ja das sehe ich. Du hast also britische Wurzeln? Erzähl mir mehr darüber«, Sam nahm einen Schluck Wasser und lächelte ein wenig. Warum kam es ihm nur so vor, als würden er und David sich schon seit Ewigkeiten kennen. Er räuspert sich.

»Ja, mein Vater wurde in London geboren. Er traf meine Mutter, als er für ein Auslandssemester nach Deutschland kam. Sie haben sich verliebt, und statt zurück nach England zu gehen, beschloss er, mit ihr in Berlin ein neues Leben anzufangen«, Sam legte eine kleine Pause ein, als ob er kurz in den Erinnerungen verweilte.

»Er arbeitete hier als Übersetzer und meine Mutter wurde Lehrerin. Sie haben sich hier ein schönes Leben aufgebaut«, schloss er.

»Warst du jemals in England? Hast du den Ort besucht, an dem dein Vater aufgewachsen ist?«, fragte David, sichtlich interessiert. Sam schüttelte den Kopf.

»Nein. Wir waren nie in England. Mein Vater sprach oft davon, uns eines Tages mitzunehmen, aber dazu kam es nie. Sie haben immer viel gearbeitet, und in den Schulferien war meistens keine Zeit oder Geld für große Reisen da«, David nickte verständnisvoll.

»Das ist schade. London ist eine faszinierende Stadt«, begann David schwärmerisch über London zu sprechen. Seine Augen leuchteten auf, als er von seiner Heimatstadt erzählte, die er seit seiner frühesten Kindheit kannte. »London ist so dynamisch, immer in Bewegung. Jeder Stadtteil hat seinen eigenen Charakter, seine eigene Seele«, erklärte er mit einer Begeisterung, die ansteckend wirkte. Sam, fasziniert von Davids Beschreibungen, lächelte und fragte dann, wie er zur Schauspielerei gekommen sei.

»War das schon immer dein Traum?«

»Ja, eigentlich schon«, antwortete David, während er eine Pause machte, um seine Gedanken zu ordnen.

»Ich habe bereits in der Schule Theater gespielt und später auch im Internat. Es war immer eine Leidenschaft für mich, in andere Rollen zu schlüpfen und Geschichten auf der Bühne zum Leben zu erwecken«, er lehnte sich zurück und fuhr fort: »Als ich Anfang zwanzig war, wurde ich zufällig bei einer Theateraufführung von einem Talentscout entdeckt. Das führte zu meiner ersten Filmrolle, und von dort aus ging alles ziemlich schnell. Mit Mitte zwanzig bekam ich die Hauptrolle in einem Blockbuster, und danach ging es steil bergauf«, er machte eine kurze Pause, als erinnerte er sich an die turbulente Zeit.

»Nachdem ich den Oscar gewonnen hatte, wurden die Angebote immer mehr. Ich liebe die Arbeit, das Erschaffen von etwas, das Menschen berührt und ihnen vielleicht sogar etwas Wichtiges mitgibt. Es ist eine unglaubliche Erfahrung«, Sam hörte gebannt zu. Davids Karriere klang wie etwas aus einem Film, eine dieser Geschichten, die man kaum glaubt, bis man sie aus erster Hand hört.

»Das klingt wirklich beeindruckend. Es muss aufregend sein, Teil von so großen Projekten zu sein«, sagte er, seine Bewunderung nicht verbergend. David nickte, sein Blick nachdenklich.

»Es ist aufregend, aber auch ein wenig einschüchternd. Jedes neue Projekt ist wie ein Sprung ins kalte Wasser. Man weiß nie genau, wie es ausgehen wird, aber genau das macht es so spannend.«

»Was ist mit dem Ruhm?«, fragte Sam vorsichtig nach. David wirkte nachdenklich.

»Ruhm ist ... kompliziert«, begann er schließlich.

»Einerseits öffnet er viele Türen und bietet unglaubliche Möglichkeiten. Ich habe Dinge erlebt und Orte gesehen, von denen ich als Kind nur träumen konnte«, er machte eine Pause, sein Blick kehrte zurück zu Sam.

»Aber es gibt auch eine Schattenseite. Die ständige Aufmerksamkeit, der Druck, immer perfekt zu sein, das kann zermürbend sein. Manchmal fühlt es sich an, als ob man ständig unter einem Mikroskop lebt«, er lächelte schwach, fast entschuldigend.

»Ich will mich nicht beschweren. Ich habe großes Glück gehabt, und ich bin dankbar für alles, was mir meine Karriere gebracht hat. Aber es gibt Tage, an denen ich mir wünsche, einfach nur anonym durch einen Park gehen oder einen Kaffee trinken zu können, ohne dass es gleich überall Fotos gibt«, Sam nickte verständnisvoll. Trotz der faszinierenden Welt, in der David lebte, konnte er sich vorstellen, wie belastend der Verlust der Privatsphäre sein musste.

»Das klingt wirklich stressig. Es braucht sicher viel innere Stärke, um damit umzugehen.«

»Ja, das tut es. Und Unterstützung von Freunden und Familie ist unersetzlich. Sie helfen mir, geerdet zu bleiben und daran zu erinnern, wer ich wirklich bin, abseits der Kamera.«

Sie sprachen weiter und merkten gar nicht, wie die Zeit verging. Irgendwann brummte Davids Smartphone. Er nahm es zur Hand und sah dann auf die Uhr.

»Oh, es ist schon bald Mitternacht. Ben steht draußen«, sagte er.

»Äh ... ja. Es ist wirklich spät«, sagte Sam schuldbewusst, während David den Kellner heranwinkte.

»Nicht schlimm. Aber ich muss morgen um sieben im Flieger sitzen. Kein Problem für mich, aber Ben wird grummelig, wenn er zu wenig Schlaf bekommt«, sagte David lachend und gab dem Kellner seine Kreditkarte.

»Oh und das will man nicht«, sagte Sam und lachte. David sah ihn an und fühlte ein seltsames Kribbeln. Er schüttelte den Kopf.

»Nein«, sagte er und ließ sich dann von einem anderen Kellner in den Mantel helfen, während Sam seinen selbst überwarf. Sie traten aus dem Restaurant und sahen das wartende Auto sofort.

»Sollen wir dich irgendwo absetzen?«, wollte David dann wissen. Sam schluckte schwer. Das war es jetzt also? Wie ferngesteuert schüttelte er den Kopf.

»N-Nein, ich nehme hier gleich die U-Bahn. Also dann danke für das Essen und ... ja es war ein sehr netter Nachmittag«, sagte er stockend. David lächelte.

»Nein, ich danke. Du hast die Gabe zu begeistern. Also danke ... wer weiß, vielleicht sehen wir uns mal wieder. Immerhin gibt es noch mehr in Berlin zu sehen«, sagte David und versuchte seine Stimme möglichst locker klingen zu lassen. Sam nickte.

»Klar, ich würde mich freuen«, sagte er. Nun griff David in seine Manteltasche und zog sein Portmonee hervor.

»Hier für dich«, sagte er und drückte dem vollkommen überrumpelten Sam zwei Fünfhunderter in die Hand.

»W-Was?«

»Dein Trinkgeld.«

»A-Aber das ist viel zu viel. Das ist das Doppelte, von dem was die Führung kostet und ... nein ...«, Sam versuchte David das Geld zurückzugeben, aber dieser hob die Arme und öffnete schnell die Autotür.

»Nein, wirklich, ich bestehe darauf. Du hast heute Abend so viel mehr als nur eine Stadtführung geleistet. Du hast mir Berlin mit deinen Augen gezeigt und mich an deinen Erfahrungen teilhaben lassen. Das ist unbezahlbar«, er lächelte warm. Sam zögerte immer noch, das Geld anzunehmen, und hielt die Banknoten unsicher in der Hand.

»David, das ist wirklich zu viel. Ich kann das nicht annehmen«, der andere lächelte geduldig und legte eine Hand auf Sams Arm.

»Sam, bitte, mach dir keine Gedanken. Für mich ist Geld nur ein Werkzeug, nichts weiter. Ich habe das Glück, mehr als genug davon zu haben. Wenn ich es verwenden kann, um jemandem zu helfen, der es verdient, dann ist es das Mindeste, was ich tun kann«, er blickte ihm direkt in die Augen.

»Und du hast mir einen wunderbaren Abend bereitet und mir viel über deine Stadt gezeigt. Das ist meine Art, dir zu danken und dir vielleicht zu helfen, dein Bafög abzuzahlen und deinen Traum zu verfolgen«, Sam schluckte.

»Danke. Also, das bedeutet mir wirklich viel«, sagte er schließlich, seine Stimme von Emotionen ergriffen. Er steckte das Geld vorsichtig ein. David nickte zufrieden und stieg ins Auto.

»Ich hoffe, wir sehen uns wieder, Sam Green. Mach’s gut und danke«, sagte er, bevor er die Tür schloss und der Wagen langsam davonfuhr.

Sam blieb zurück und schaute dem Auto nach, bis es in der Dunkelheit verschwand. Die Straßen Berlins fühlten sich plötzlich leerer an, trotz des üblichen nächtlichen Treibens. Er machte sich auf den Weg zur U-Bahn, aber seine Gedanken kreisten immer noch um den Abend und den beeindruckenden Mann, den er gerade verabschiedet hatte. Während er durch die kühle Nacht ging, wurde ihm bewusst, dass er sich vielleicht ein klein wenig in David verknallt hatte. Seine charmante Art, seine Aufmerksamkeit für Sams Erzählungen und nicht zuletzt seine überwältigende Großzügigkeit hatten etwas in Sam ausgelöst, das er nicht so einfach abschütteln konnte. Er wenig verknallt, war dann wahrscheinlich doch maßlos untertrieben. Mit einem leichten Seufzen erinnerte er sich daran, dass David Hill eine Weltfigur war, ein Star, der in einer anderen Sphäre lebte.

»Er ist unerreichbar«, murmelte Sam zu sich selbst, ein Versuch, seine eigenen Gefühle in Schach zu halten. Aber tief in seinem Herzen wusste er, dass dieser Abend lange in seiner Erinnerung bleiben würde, ein süßer Hauch von dem, was sein könnte, aber wahrscheinlich nie sein würde. Er erreichte die U-Bahn-Station, stieg ein und fuhr nach Hause, während die Stadt um ihn herum verschwamm und seine Gedanken bei David blieben.iting here…



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Compelling Plot

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Great Character

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Strong Dialog

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