Drachenaugen Die Wahrheit [Leseprobe] by Jadelyn_Kaya at Inkitt
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Drachenaugen - Die Wahrheit [Leseprobe]

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Summary

Als neue Königin von Tir Na Zaj hat Fenrir einiges zu tun. Freyr und sie helfen den Kindern aus den Dörfern und bauen für sie ein Waisenhaus. Mit den Kindern an ihrer Seite erleben Freyr und Fenrir einige Abenteuer, doch irgendetwas stimmt nicht, als sie erneut auf der Reise sind. Werden Fenrir und Freyr es schaffen, endlich Frieden zu bringen?

Status
Complete
Chapters
3
Rating
n/a
Age Rating
16+

Kapitel 1

Dumpfe Hufschläge trommelten auf dem Sandplatz des Schlosses und wechselten sich mit zufriedenem Schnauben und klaren Befehlen ab. Unbarmherzig schien die Sonne auf das Schloss hinab und erwärmte das Land Air Terjun in Tir Na Zaj.

Der Regen in der Nacht hatte den Sand von seiner Trockenheit befreit, sodass es nicht mehr in der Nase kitzelte, wenn man daran vorbeikam. Hier und da glitzerten die restlichen Regentropfen auf der umliegenden, für kleine Tiere anziehenden, Wiese. Der frische Geruch wurde von einem leichten Wind vor sich hergetragen und sorgte bei vielen Angestellte für ein erleichtertes Aufatmen.

Seit der Hochzeit von König Freyr Dragoi und Fenrir Rina Itsua im Sommer war das Wetter beständig geblieben. Auf der Hochzeitsreise waren sie von wunderbar warmen Sommertagen begleitet worden, sodass sie mit den Kindern viele Ausflüge machen konnten. Das hatte dafür gesorgt, dass sich das Königspaar völlig entspannen und erholen konnte, bevor sie ins Schloss zurückgekehrt waren und dem Alltag wieder nachgingen.

Seit ihrer Rückkehr waren einige Wochen vergangen. Entspannt und gelassen sah Königin Fenrir ihrer Tochter Erin dabei zu, wie diese geschickt das große, dunkelbraune Pferd durch die Bahn lenkte. Ein hochkonzentrierter Ausdruck lag auf ihrem Gesicht und sie schien alles um sich herum vergessen zu haben.

Erin, ein junges Mädchen von knapp sieben Jahren, ritt für ihr Alter bereits ausgezeichnet. Vor allem, seitdem sie regelmäßigen Unterricht bekam. Ihre langen, schwarzen Haare lagen zusammen gebunden unter dem Helm und ließen sie wie ein Junge wirken. Mit ihren grünen Drachenaugen erinnerte sie an Fenrir, die ein kleines Kind, das vor ihrer Brust im Tragetuch schlief, streichelte.

Sanja, ebenfalls ein Kind mit Drachenaugen, war seit ihrer Rettung gewachsen und gesund. Genau wie Fayra und Andre, die sich mittlerweile völlig eingelebt hatten.

Auf dem Nebenplatz wurden sie von Kaila, einer jungen Kriegerin in Freyrs Herr, angewiesen, einige Übungen zu Pferd zu vollführen. Auch die beiden bekamen regelmäßigen Unterricht, wobei Kaila diesen meist leitete, weil sie generell einfühlsamer als der Reitlehrer war.

Kale war oft an ihrer Seite und gab den Kindern Hinweise, wie sie besser mit den Pferden umgehen konnten. Zudem hatte er angefangen, auch ab und an mit Kaila Ausritte zu machen.

Freyr arbeitete, seitdem sie wieder hier waren viel, hatte aber immer wieder Zeit für seine kleine Familie. In den Pausen kam er oft zu ihnen, sah ihnen zu und sprach kurz mit ihnen.

Genau wie seine Frau, die sich eine Auszeit gönnte, um über die letzten Pläne für das anstehende Waisenhaus nachzudenken. Da sie die Stunden in- und auswendig kannte, wann die Kinder Unterricht hatten, war es naheliegend, die kleine Pause dorthin zu verlegen.

Und sie bereute es nicht. Die Ruhe, die von dieser Szene ausging, befreiten sie von einigen Gedanken, an denen sie bisher festgehalten hatte. Leider waren sie nicht einfach umzusetzen, weshalb sie einen freien Kopf brauchte, um neue Ideen zu sammeln.

„Das macht Erin gut, nicht wahr?“, fragte sie Sanja leise, die halb verschlafen ihre Umgebung betrachtete. Gerade war sie dabei, aufzuwachen und wahrscheinlich wollte sie auch bald gefüttert werden, weshalb Fenrir sich entschied, zurückzugehen.

Auf den Weg kam ihr Freyr entgegen, der ihr ein sanftes Lächeln schenkte, bevor er ihr einen zärtlichen Kuss auf die Wange gab, ehe er auch Sanja leicht küsste. „Wie geht es meiner Frau?“, fragte er, denn er hatte angefangen sie so zu nennen.

Amüsiert lachte Fenrir und streichelte seinen Bart, den er tatsächlich ein wenig gestutzt hatte. „Der geht es ziemlich gut. Und wie geht es meinem Mann?“, fragte Fenrir neckend zurück. „Nimmst du dir gerade eine Pause?“

Freyr nickte. „Es ist doch eine ganze Menge angefallen“, sagte er mit einem schiefen Lächeln. „Trotzdem nicht schlimm“, versicherte er. Er würde es bald nachgeholt haben.

Zärtlich schlang Fenrir ihren Arm um ihn und küsste ihn erneut. Im Moment gab es eine Menge aufzuholen, doch so langsam arbeiteten sie alles ab. „Wir sollten vielleicht nicht so lange Reisen unternehmen“, schlug sie mit einem unschuldigen Blick vor. „Nächstes Mal erschlagen uns die Dokumente und Anliegen noch“, prophezeite sie lächelnd, bevor sie Sanja aus dem Tragetuch hob und ihm in die Arme drückte. „Deine Prinzessin wird gleich Hunger haben. Wenn du möchtest, kannst du den Kindern beim Reiten zusehen oder dich unter den Pavillon setzen. Ich sage Suno Bescheid, dass sie etwas bringen soll“, schlug Fenrir vor.

„Ich möchte sie füttern“, sagte Freyr lächelnd, der seine Tochter sanft im Arm wiegte. „Außerdem mag ich das Reisen mit dir.“

Sanja machte einen zufriedenen, quietschenden Laut und zupfte an seinem Bart. „Ich auch. Es war eine schöne Erholung“, gab Fenrir zu und ließ die beiden stehen, um Suno, die nicht weit entfernt war, aufzusuchen. Ihr persönliches Dienstmädchen war in der Zeit erwachsener geworden, aber immer noch so schüchtern wie früher. Fenrir mochte sie gerne und sie war eine gute Freundin geworden, die ihr sozusagen die Wünsche von den Lippen ablas. So auch jetzt. Mit wenigen Worten verstand sie den Auftrag, für Getränke und Essen zu sorgen. Auch für die Kinder, deren Unterricht bald vorbei sein würde. Es war sicher, dass sie dann zum Pavillon kamen. Immerhin stand im Garten ein Spielplatz, den sie täglich aufsuchten, um ihre überschüssige Energie loszuwerden.

Als Fenrir zurückkehrte, fand sie Freyr unter dem Pavillon sitzen. Er erzählte gerade Sanja etwas, während sogar Dunja da war und das kleine Mädchen mit ihrer Erscheinung begeisterte.

Liebevoll betrachtete Fenrir die Szene und begrüßte die kleine Fee, indem sie ihren Finger ausstreckte. „Amüsiert ihr euch gut?“, fragte sie lächelnd und ließ sich dicht neben Freyr nieder, um seine Nähe zu suchen.

„Sehr“, lachte Freyr, der leichte Grimassen machte, um Sanja zum Lachen zu bringen.

Während Dunja sich an Fenrirs Finger schmiegte, streichelte die Königin den winzigen Kopf vorsichtig. Die Fee, die ihr schon so viel geholfen hatte, war immer für sie da. „Suno kommt gleich, damit wir uns stärken können. Die Pläne zerbrechen mir im Moment noch den Kopf“, gestand Fenrir seufzend.

„Willst du später mit mir darüber sprechen?“, fragte Freyr, der immer ein offenes Ohr für seine Frau hatte, auch wenn er selbst im Stress war.

Diese nickte zustimmend. Es gab nichts, was sie nicht mit ihm besprach. So stressig hatte es sich Fenrir nicht vorgestellt, Königin zu sein. Es gab viele Aufgaben, die sie erledigen musste, aber mit Freyr an ihrer Seite gelang es ihr gut.

Gerade wollte sie erklären, dass etwas vom Bau her nicht funktionieren würde, wie sie es sich gedacht hatte, als Sanja sie plötzlich unterbrach, und ein langgezogenes: „O“ machte. Mit großen Augen sah sie Freyr an. „Ei.“

Fenrir runzelte die Stirn, als Sanja die Buchstaben immer wieder wiederholte.

Freyr lachte leise. „Was willst du mir sagen?“, fragte der König neugierig. „Ob sie Hunger auf ein Ei hat?“

Seit geraumer Zeit brabbelte Sanja unverständliche Wörter, die einiges an Fantasie benötigten, um verstanden zu werden.

Fenrir wiederholte die Laute und lachte. „Ich denke, was sie sagen will, ist Hoheit“, kicherte sie amüsiert, als Sanja sie ansah, als würde Fenrir damit richtig liegen.

Freyr lachte leise. „Das hat sie von dir“, behauptete er belustigt. „Statt Papa zu sagen, kommt sie damit.“

Dem konnte Fenrir nicht widersprechen. Dafür grinste sie breit. „Ich kann auch wieder anfangen, dich so zu nennen“, schnurrte sie ihm ins Ohr und zwickte ihn leicht und neckend mit den Zähnen hinein. „Sie wird schon noch lernen, dich Papa zu nennen“, versicherte sie zuversichtlich.

„Hoffe ich doch“, meinte Freyr nüchtern. Er wusste, dass es eher daran lag, dass alle ihn höflich ansprachen. Dieses Wort fiel oft, weshalb Sanja es wohl aufgeschnappt hatte.

Lachend streichelte Fenrir über das schwarze Haar, das an das von Kale erinnerte. Fenrirs Freund aus dem Dorf des Schamanen besaß ebenso tiefschwarzes Haar mit einem Blaustich in der Sonne.

Suno kam mit einem großen Tablett und stellte es auf den Tisch. „Ich bringe gleich ein weiteres“, versprach sie mit einer Verneigung und legte Tücher dazu, falls Sanja wieder einmal mehr spielte, anstatt zu essen.

„Danke, Suno“, sagte Fenrir lächelnd und griff nach einem Glas mit dunkler Flüssigkeit. Der eisgekühlte Tee war bei diesem Wetter genau das Richtige und Erfrischende.

Freyr nahm sich das Tuch, das er sich unterlegte, bevor er den Brei für Sanja ergriff. Er rührte kurz, bevor er dem kleinen Mädchen einen Löffel hinhielt, damit sie kosten konnte.

Nachdenklich betrachtete sie es und schnupperte sogar. Urkomisch sah das aus, weshalb Fenrir zu lachen begann. Sanja sah aus, als wäre sie Freyr in Drachengestalt, wenn er schnupperte.

Zögerlich probierte Sanja den hellgelben Brei und verzog dann das Gesicht.

„Vielleicht sollten wir anfangen ihr etwas anderes zu geben“, meinte Freyr nachdenklich. „Sie hat Drachenblut. Eventuell mag sie püriertes, rohes Fleisch. Von Kale weiß ich, dass auch er rohes Fleisch bevorzugt.“

Zustimmend nickte Fenrir und nahm einen Schluck des Getränks, bevor sie es Freyr an die Lippen hielt. „Genau wie du. Erin fängt auch schon damit an“, bemerkte sie und erinnerte sich daran, dass die meisten Kinder im Dorf manchmal rohes Fleisch verzehrt hatten. Sie selbst hatte sich bisher nicht ganz damit anfreunden können. Wenn sie es aß, dann nur in ganz kleinen Mengen und in Kombination mit etwas anderem. Was vielleicht daran lag, dass sie nicht mit den Drachenaugen geboren worden war.

Freyr schmunzelte und nahm einen Schluck. „Es ist eigentlich normal für Drachenkinder“, sagte er beruhigend.

„Wir können es versuchen“, meinte Fenrir nachdenklich, schnappte sich einen Keks, der mit Orangen gespickt war und knabberte daran herum. „Hoffentlich sagen die Küchenfrauen nichts dazu. Apropos … was macht eigentlich Mylady Isis? Hast du dich schon entschieden, was du mit ihr machst?“, erkundigte sich Fenrir vorsichtig. Das Thema war etwas, wobei er gerne auswich, doch eine Entscheidung war längst hinfällig.

„Bitte hör auf, sie Mylady zu nennen“, meinte Freyr nüchtern. „Sie ist keine Lady mehr“, seufzte er und fuhr sich durch die Haare, bevor er sich ein Stück Brot mit einer pürierten Wurst nahm. Dieses hielt er Sanja hin.

Da sie mittlerweile einen weiteren Zahn bekommen hatte, konnte sie es durchaus kosten. Mit beiden Händen griff sie danach und schob es sich in Mund. Für einen Moment leuchteten ihre violetten Drachenaugen leicht auf.

„Es scheint ihr zu schmecken“, bemerkte Fenrir begeistert, aber seufzend. „Tut mir leid. Ich bin es immer noch gewohnt, sie so zu sehen. Ich werde mir Mühe geben, das zu ändern“, versprach sie feierlich.

„Das würde mich freuen“, meinte Freyr, der lachend dabei zusah, wie Sanja die Wurst vom Brot saugte und das Brot an sich mit ihrem Speichel so weich machte, dass sie darauf herumkauen konnte. Für ihr Alter war sie erstaunlich schlau und wusste, wie sie etwas bekommen konnte.

„Also? Hast du dich schon entschieden?“, wiederholte Fenrir ihre Frage, während sie Sanja beobachtete. Freyr hatte Recht: Sie schien Fleisch zu wollen.

„Nein, tatsächlich immer noch nicht. Ich möchte sie nicht hinrichten lassen, obwohl es gesetzlich gerechtfertigt wäre. Zudem wüsste ich dann, dass sie meiner Familie nie wieder etwas tun könnte“, seufzte Freyr. Das wurde ihm geraten, doch er selbst war einfach nicht diese Art von König.

Fragend legte Fenrir ihren Kopf schief. „Hat ihre Familie dir schon etwas angetan?“, fragte sie verwirrt über seine Wortwahl. Eine Hinrichtung wollte sie nicht unbedingt beiwohnen, aber wahrscheinlich würde es von einer Königin erwartet werden.

„Ihre Familie nicht. Aber sie ist die Art Frau, die sich rächen wird“, prophezeite Freyr murmelnd, bevor er Sanja etwas zum Trinken gab.

Fenrir schauderte. Diese Art von Charakter erinnerte sie an Vater. Auch wenn sie seinen Grund für den Hass auf die magischen Wesen nicht ganz genau wusste und nachvollziehen konnte, ähnelten er und Isis sich irgendwie. „Willst du sie dann einsperren, ihr das Leben aber angenehm gestalten?“, fragte Fenrir vorsichtig. Nachdem die ehemalige Königin für viel Leid in den Städten und Dörfern gesorgt hatte, sollte sie nicht mehr frei herumlaufen. Eventuell würde sie erneut Chaos verursachen, das nicht einfach zu beseitigen war. Die Auswirkungen ihrer Herrschaft war noch immer präsent.

„Ich überlege sie aus meinem Königreich zu verbannen. Sie bekommt ein kleines Startkapital und soll sich außerhalb ein Leben aufbauen“, sagte er, wusste jedoch nicht genau, ob diese Idee gut war.

Es war eine Möglichkeit, die ein gutes, aber auch ein böses Ende haben konnte. Fenrir konnte verstehen, warum Freyr zögerte. Eine richtige Entscheidung zu treffen, war nicht einfach.

Als Suno mit einem zweiten Tablett kam, bat sie das Dienstmädchen, in der Küche nach einem Brei mit rohem Fleisch zu fragen. Sanja brauchte Essen, um gut zu wachsen.

Fenrir wollte mit dem Thema fortfahren, als plötzlich das Geschrei der Kinder lauter wurde. „Mama! Papa!“, riefen sie im Chor und kamen zu ihnen gerannt. Außer Atem und vom Reiten leicht rötlich im Gesicht, aber glücklich, umarmten sie die beiden.

Freyr lachte und nahm die drei in den Arm. Aber so, dass Sanja nicht darunter litt. „Ich habe gehört, ihr habt alle drei gute Fortschritte beim Reiten gemacht?“, fragte er mit funkelnden Augen. Er war stolz auf sie.

„Ja!“, antworteten sie begeistert und sprangen auf das bequeme Sofa, um sich an die Erwachsenen zu kuscheln. Eifrig griffen sie nach den Getränken und dem Gebäck, um sich zu erholen.

Während sie durcheinander von den Unterrichtsstunden erzählten, kamen Kaila und Kale zu ihnen geschlendert. „Setzt euch“, bat Fenrir die beiden, sobald sie den Pavillon erreicht hatten. Die beiden wirkten gelöst und entspannt. „Waren sie brav?“, fragte sie Kaila verschmitzt, obwohl sie es gesehen hatte.

„Ich glaube, ich habe sie noch nie gesehen, wenn sie nicht brav waren“, grinste Kaila.

„Das kommt sicher noch“, warnte Kale vor, denn aus Erfahrung aus dem Dorf wusste er durchaus, dass Kinder ab einem bestimmten Alter nicht mehr so pflegeleicht waren.

„Da spricht die Erfahrung“, feixte Fenrir und genoss das Beisammensein. Amüsiert beobachtete sie, wie die Familie harmonierte und die Kinder voller Energie steckten.

Plötzlich spürte sie, wie die Übelkeit, die sie schon den ganzen Tag mit sich herumgetragen hatte, überhandnahm und sich den Weg ins Freie suchte. Mit einem: „Verzeihung“, stand Fenrir hastig auf und entfernte sich vom Pavillon, bevor der Schwall an Flüssigkeit aus ihr quoll.

Freyr reichte Sanja an Kale weiter und folgte seine Frau besorgt. „Was ist?“, fragte er unsicher.

„Mir ist nur schlecht“, keuchte Fenrir und richtete sich langsam auf. „Heute Morgen war mir schon übel, aber jetzt konnte ich es nicht zurückhalten“, murmelte sie und wischte sich den Mund mit dem Handrücken ab. „Ich glaube, die Hitze bekommt mir im Moment nicht gut.“

Freyr griff ihr an die Stirn und fühlte, ob sie vielleicht heiß war. Allerdings schien alles normal. „Du solltest einen Arzt aufsuchen“, sagte er beunruhigt. „Was, wenn du krank wirst? Oder dir den Magen verdorben hast?“

Leicht schüttelte Fenrir den Kopf. „Ich habe das Gleiche wie ihr gegessen. In der letzten Zeit ist mir manchmal kurz übel, aber sonst geht es mir gut“, erklärte sie, versprach aber, sich von Yordan untersuchen zu lassen, sobald sie im Schloss waren.

„Vielleicht der Stress?“, schlug Freyr unsicher vor. Möglich war es auf alle Fälle.

„Eventuell. Ich lasse mich absichern“, antwortete Fenrir ernst. Sie wollte nicht krank sein, sondern ihren Arbeiten nachgehen und das Leben genießen. Seufzend säuberte Fenrir ihr Kleid, das ein paar Spritzer von der Gallenflüssigkeit abgekommen hatte. Zum Glück war es nicht schlimm, aber es war unangenehm, weshalb sie sich schnellstens umziehen sollte. „Mir geht es wieder besser. Lass uns zu den anderen gehen“, bat Fenrir und hakte sich bei Freyr ein.

„Geh und zieh dich erst einmal um“, meinte Freyr sanft, da er wusste, dass es unangenehm sein konnte.

„Mache ich“, versprach Fenrir ihm mit einem Kuss auf die Wange. Wenn sie schon drinnen war, würde sie auch Yordan gleich aufsuchen, damit Freyr beruhigt war. „Bleibst du bei den anderen? Ich komme nachher wieder.“ Dass ihre Rückkehr länger dauern würde, ahnte sie nicht.

„Ja, ich werde auf dich warten“, versprach er. Erst, wenn er wusste, dass es ihr gut ging, würde er sich wieder zur Arbeit begeben.

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