Die Magie der Steine - Wasser [Leseprobe]

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Summary

Das dritte Semester beginnt und bringt eine Menge neuer Aufgaben mit sich. Seit Freyas und Damians Kuss ist irgendwie alles anders und sie versucht herauszufinden, zu wem sie sich mehr hingezogen fühlt. Die Steinsuche verlangt die bisher erlernten Fähigkeiten und birgt einige Gefahren, mit denen keiner gerechnet hat. Plötzlich ist Elias ihr gegenüber sehr seltsam und sie weiß nicht, was mit ihm los ist, bis sie ein dunkles Geheimnis erfährt. Ein Lichtblick gibt es jedoch für Freya: Ihre Tochter darf bald zu ihr an die Schule kommen.

Status
Complete
Chapters
3
Rating
n/a
Age Rating
16+

Kapitel 1

Die winterlichen Semesterferien verbrachte Damian MacLane bei Freya Delacour auf dem Hof. Tagtäglich hatten sie Spaß miteinander. Vor allem Melody hielt die beiden auf Trab und verlangte vieles. Sie wollte spielen, spazieren gehen und Schneemänner bauen.

Dennoch durfte die Arbeit darunter nicht leiden. Deshalb ließ Freya Damian mit ihrer Tochter manchmal allein, wenn sie etwas zu tun hatte. Entweder half Damian ihr dann unaufgefordert oder er spielte mit Melody und Freyas anderen Geschwistern im Schnee. Diese hatten den hochgewachsenen Jungen ins Herz geschlossen und wollten ständig etwas von ihm.

Auch Freyas Eltern waren froh darüber, dass er da war und waren dankbar für seine Hilfe. Sie schienen die Anwesenheit des jungen Mannes zu genießen.

In einem unbemerkten Moment hatte Freyas Mutter ihr zugeflüstert, dass das Haus durch Damian wieder lebendig und voll war. Das hatte Freya das Herz erwärmt, denn sie wusste, dass ihre Brüder schmerzlich vermisst wurden.

Als das Ende der Semesterferien kam, war die ganze Familie traurig. Allen voran Melody, weil auch Damian gehen würde. Sie weinte den ganzen Abend, bevor sie fuhren und es war schwer, sie zu beschwichtigen, doch mit Damians Geschichten und beruhigender Stimme, aber auch mit Freyas Streicheleinheiten schafften sie es schließlich, die Kleine zum Einschlafen zu bringen.

Alle Nächte hatten sie gemeinsam im Bett verbracht und es hatte keine Probleme gegeben. Oft hatten Damian und Freya leise gesprochen oder sich gegenseitig an den Armen oder das Gesicht gestreichelt.

Damians Nähe tat ihr gut und sie bemerkte, dass sie entspannter wurde. Auch jetzt.

Die Nacht verbrachten sie in der Kutsche und sie lehnte an ihn geschmiegt, während Damian sanft ihre Arme streichelte. Sie war traurig wegen des Abschieds und hatte sogar einige Zeit nach der Abfahrt geweint. Das war zuvor auch so gewesen. Damians Nähe hatten sie jedoch wieder beruhigt. Er hatte einen Ruhe an sich, die ihr half, sich wieder zu fangen.

„Danke, dass du gekommen bist“, flüsterte sie. „Die Ferien waren dank dir toll.“ Ihr Blick war nach draußen in die Dunkelheit gerichtet, in der nur die Schneemassen zu erkennen waren, die schnell an ihnen vorbeizogen. Das führte dazu, dass sie die vergangenen Tage Revue passieren ließ.

Vor allem Melody hatte ihren Spaß mit Damian gehabt. Freya erinnerte sich daran, wie sie zusammen im Schnee gespielt hatten. Einen Schneemann hatten sie gebaut und Melody war stolz darauf gewesen.

Jeden Abend hatte Damian das kleine Mädchen baden müssen. Und immer war Freya dabei gewesen, weil ihre Tochter es verlangte. Beinahe so, als würde Melody die beiden ständig zusammen sehen wollen. Ob sie sich wohlgefühlt hatte, als wäre ein Vater da, der sich um sie kümmerte?

„Es wird Zeit, dass die Kleine mit auf die Schule kommt“, meinte Damian, der ebenfalls zum Fenster blickte. „Damit sie ihre Mama öfter um sich haben kann als jetzt.“

„Gib es zu, du willst sie genauso um dich haben“, neckte Freya lächelnd und stupste in seine Seite. Ihre Traurigkeit war beinahe verflogen und sie freute sich schon darauf, Elias wiederzusehen. Wie es wohl mit ihm werden würde? Würde er eifersüchtig werden, wenn er erfuhr, dass Damian bei ihr gewesen war?

„Sie macht das Leben definitiv ereignisreicher“, grinste Damian zustimmend.

Freya nickte lächelnd. „Wehe dir, du verwöhnst sie. Weißt du, wie schwer es wird, wenn wir wieder zuhause sind?“, bemerkte die junge Frau und richtete sich leicht auf. Die lange, angelehnte Position wurde unangenehm und sie fühlte sich steif. Ein bisschen Bewegung würde sie wieder lockern.

„Sie wird es sowieso vermissen, dass ich dann plötzlich nicht mehr da bin“, bemerkte er leise und fuhr Freya leicht durch die Haare.

Die junge Frau nickte erneut und schloss die Augen. „Sie mag dich. Genau wie meine Familie. Aber Melody … hängt direkt an dir“, flüsterte Freya und hatte es schwer, nicht zu weinen. Bei ihrer Familie war sie immer sentimental. Das konnte sie nicht abstellen.

Damian streichelte Freyas Arme, was etwas Beruhigendes an sich hatte. „Das kann ich verstehen“, sagte er leise. „Ich habe zwar eine Mutter, aber sie war nie für mich da und dann kam plötzlich Selene“, erklärte er. „Sie hat mein Herz im Sturm erobert“, fügte er mit einem schiefen Grinsen hinzu. „Vielleicht geht es Melody da mit ihrem Vater ähnlich.“

Für einen Moment dachte Freya nach. Das war es also gewesen … absichtlich hatte Freya das Thema nach dem Besuchstag nicht mehr angeschnitten, weil sie der Meinung war, dass Damian darüber reden konnte, wenn er es wollte. Dass Selene sein Herz erobert hatte, war verständlich. Sie und Rosalie waren sich ähnlich und es fiel einem schwer, sie nicht zu mögen.

„Es gibt nur einen Unterschied dazu: Melody wächst ohne Vater auf. Du hattest das Glück, dass Selene da war und dich anscheinend wie deinen eigenen Sohn liebt. Das ist mehr wert, als jemanden zu haben, der dich nicht haben will und als Belastung sieht“, entgegnete Freya ernst, bevor sie meinte, dass sie niemals ihren leiblichen Vater an sie heranlassen würde, sollte sie ihm jemals wieder begegnen.

„Das ist es ja, was ich meine“, sagte Damian. „Sie hatte nie einen Vater, aber jetzt komme ich und gebe ihr Aufmerksamkeit. Etwas, das ihr wohl gefehlt hat, ohne, dass sie oder du es wusste.“

„Ich wusste es, aber ich konnte ihr das nicht geben. Ich habe versucht, beides für sie zu sein, obwohl ich wusste, dass ich nie ein Vater sein kann. Deshalb hängt sie so an mir“, erwiderte Freya und lehnte sich doch wieder an Damian. Wären ihre Brüder noch am Leben, hätten sie sich sicherlich gut um Melody gekümmert. „Bist du traurig, dass deine Mutter am Besuchstag nicht gekommen ist?“

Damian zog sie leicht zu sich. „Vielleicht bin ich im Herzen noch immer ein Kind, das an seiner Mutter hängt und ihre Aufmerksamkeit will. Früher habe ich immer versucht, der Beste zu sein, damit Mutter mich bemerkt und mir Aufmerksamkeit schenkt“, sagte er leise. „Aber damit habe ich die Leute von mir geschoben, die immer für mich da waren.“

Sanft legte Freya ihre Hand auf seine. „Ich denke, wenn eine Mutter ihr Kind nicht so liebt, wie es ist, sollte man keine bekommen. Jedes Kind ist einzigartig auf die ein oder andere Weise“, sagte sie ehrlich und streichelte ihn. „Ehrlich gesagt, weiß deine Mutter gar nicht, was sie verpasst. Dafür ist Selene nun glücklich mit dir.“

„Mutter hat uns nur ausgetragen, damit Vater bei ihr bleibt, weil sie die Macht geliebt hat, die er verkörpert. Geld, Reichtum und Einfluss“, sagte er bitter. „Ich habe lange gebraucht, um das zu verstehen.“

Freya hob ihre Hand und legte sie an seine warme Wange. „Es gibt viele, die so etwas tun. Du hast zwar gebraucht, es zu verstehen, weil du tief in deinem Inneren gehofft hast und vielleicht noch immer hoffst, dass sie dich einfach so akzeptiert und liebt“, flüsterte Freya. Sie spürte, wie das Thema Damian belastete. Wenn es nur um Geld, Macht und Einfluss ging, war es oft egal, was um einen herum geschah. Viele Menschen wurden skrupellos.

„Aber gerade die Kinder zu nutzen?“, fragte Damian und zog sie in seine Arme. Wahrscheinlich, weil er ihre Nähe gerade brauchte.

„Das ist den meisten nicht bewusst, solange sie das bekommen, was sie wollen. Dabei treten sie anderen auf die Füße und achten nicht auf Gefühle. Es tut mir leid, dass du das durchleben musstest“, antwortete Freya sanft.

Bei ihnen war das Kindergebären ein wichtiger Bestandteil, um die Familie und den Hof weiterzuführen, aber jedes Kind wurde von den Eltern ausnahmslos geliebt.

„Das, was sie meinem Vater angetan hat, ist sogar fast noch schlimmer“, flüsterte Damian. „Er glaubte, sie würde ihn lieben und dann hat sie ihn mit uns erpresst. Du musst wissen, dass die Mutter das Sorgerecht hat, bis wir alt genug sind und dann dürfen wir selbst entscheiden. Hätte sich mein Vater von ihr getrennt, hätte er uns verloren.“

Diese Tatsache entsetzte Freya. Wie konnte man das Kindern nur antun? Sicherlich hatten Damian und seine Brüder etwas davon mitbekommen. Das musste ihn geprägt haben.

Freya schlang ihre Arme um ihn und sah ihm tief in die Augen. „Das, was sie getan hat, geht zu weit. Leider kann man nicht in die Köpfe von anderen sehen, um die Wahrheit zu erkennen“, sagte sie ernst, aber auch traurig. „Wie hat dein Vater euch dann behalten können?“, fragte Freya, denn es wirkte, als wäre er bei seinem Vater aufgewachsen. Tatsächlich hatte er viele Eigenschaften von Dorian.

„Er ist mit ihr verheiratet geblieben, bis wir alt genug waren“, gestand er leise. „Aber vorher war er bereits mit Selene zusammen. So gesehen hat er Mutter mit Missachtung gestraft, bis sie selbst entschied, auszuziehen“, erzählte er. „Aber für mich hat es keinen Unterschied gemacht. Außer darin, dass niemand mehr meckerte, wenn wir zu laut beim Spielen waren.“

Sanft fuhr Freya durch seine Haare. „Dann kannst du froh sein, dass dein Vater es euch nicht angetan hat, mit eurer Mutter allein zu sein. Es ist ihm sicherlich nicht einfach gefallen, sie bei sich zu haben“, murmelte Freya. Zumindest konnte sie sich nicht vorstellen, dass es schön war, mit jemand Machtbesessenen zusammenzuleben.

„Irgendwann einmal hat er sie geliebt“, sagte Damian. „Und sie war eine gute Schauspielerin. Immer, kurz bevor einer von uns alt genug war, hat sie versucht, ihn zu verführen“, erklärte er betrübt. „Das haben mir meine Brüder erzählt.“

Angewidert verzog Freya das Gesicht. So eine Mutter zu haben, war bestimmt nicht einfach. Jemanden zu verführen, damit man mit einem zusammenblieb, wirkte wie ein letzter Versuch, seine Ziele zu retten. Auch wenn es um Geld und Macht ging. Freya überlegte, wie es sich für sie fühlen würde, wenn ihre Eltern so wären. Das war undenkbar. „Du hast es nicht leicht gehabt …“

Damian zuckte die Schultern. „Ich liebe meinen Vater und er war ein wirklich guter Vater.“

„Das ist das Wichtigste“, erwiderte Freya liebevoll. „Ein liebender Elternteil ist besser als keiner. Und du magst Selene und sie dich auch.“

„Ja. Ich liebe meinen Vater und auch seine neue Frau. Vor allem liebe ich meine kleine Schwester“, gestand Damian, der fast sogar verlegen wirkte.

Zufrieden nickte Freya und lächelte, bevor sie sich anders hinsetzte. „Genau das ist es, was dich ausmacht. Und daran solltest du festhalten. Nicht an einer Mutter, die nur auf Erfolg, Macht und Geld aus ist. So wie sie bist du nicht.“ Anfangs hatte sie zwar gedacht, dass er arrogant und herablassend war, aber da sie Damian nun kannte, wusste sie es besser. Er war liebevoll, hilfsbereit und scherte sich nicht darum, woher Freya kam.

Damian schwieg und hielt sie einfach nur fest.

Da Freya nichts Falsches sagen wollte, blieb auch sie ruhig. Ihr war klar, dass sie eine andere Meinung dazu hatte, weil sie nicht in den Kreisen geboren worden war. Es war gut möglich, dass es gerade in den Familien, die den König schützten, anders zuging.

Ihr Blick ging wieder zum Fenster und gedankenverloren sah Freya nach draußen. Dass Damian ihr von seiner Mutter erzählt hatte, zeigte ihr, dass er ihr vertraute.

Sie lag halb in seinen Armen und Damian streichelte sie, als würde er sich damit selbst beruhigen wollen und nicht sie.

„Es tut mir trotzdem leid. Du verdienst Besseres“, sagte sie plötzlich leise. Es wäre vielleicht besser gewesen, das Thema nicht in diesem Moment anzuschneiden. Ihre Hand legte sich auf sein Knie und ruhte dort, während sie eine innere Unruhe, die durch das Gehörte ausgelöst worden war, verspürte.

Es tat ihr weh, dass Damian so aufgewachsen war. Sie hätte es ihm gegönnt, wenn seine Mutter so liebevoll wie Selene gewesen wäre. „Ist deine Mutter auch Magierin?“, wollte sie wissen, da sie bisher nicht verstanden hatte, wie Magier überhaupt geboren werden konnten. Mussten es immer zwei Magier sein? Ihre Eltern waren keine, das wusste sie. Wie war es dann möglich, dass Freya Magie in sich trug?

„Ja. In unserer Familie achtet man darauf, dass beide Eltern Magier sind, denn dann ist es wahrscheinlicher, dass das Gen vererbt wird“, erklärte Damian und küsste sie auf die Nase.

Verwirrt sah Freya ihn an. Bisher hatte er ihr nur auf die Stirn und diesen einen, hauchzarten und vorsichtigen Kuss auf die Lippen gegeben. „Aber theoretisch kann trotzdem ein Kind ohne Magie herauskommen?“, fragte sie unschlüssig. Darüber hatte sie bisher noch nicht nachgedacht.

„Ja. Genauso, wie du ein Kind von nichtmagischen Eltern bist“, nickte er und musterte sie.

Freya richtete sich etwas auf, um ihn besser ansehen zu können. „Aber wie ist das überhaupt möglich, wenn beide keine Magie beherrschen?“, forschte sie mit gerunzelter Stirn nach.

„Indem das Gen zwar vererbt wird, aber nicht ausbricht“, erklärte er. „Deine Mutter und dein Vater haben beide einen Magier in der Familie und du hattest das Glück, dass beide diese Gene an dich vererbt haben. Deine Geschwister haben wohl nur eines.“