Good Intention in bad moves

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Summary

Sie wohnt auf einem Hof außerhalb der Stadt und beginnt mit der Annahme an der Universität ein ganz neues Leben. Ihre Liebe gilt der Literatur und den Pferden. Auf der Universität begibt sie sich in ein reich voller Söhne und Töchter der größten Firmen des Landes. Es ist nichts neues, doch auf einem ganz anderen Level, als in der Schule angekommen. Verändern tut sich ihr leben erst, als das Drama aus der Universität nicht dort verweilt, sondern sie mit nach Hause g´begleitet. Er ist der Sohn seines Vaters. Er ist, als sein Vater von Zuhause weggezogen ist, mit fort gegangen, da er seine Kindheit immer verachtete. Erst zogen sie in ein anderes Land, doch nun hat die Universität dafür gesorgt, dass er nur wenige Kilometer von seinem alten Zuhause entfernt ist. Nicht nur die Veränderungen, die die Universität mit sich bringen, verfolgen ihnen auf Schritt und tritt, auch die Erinnerungen an seine Kindheit, wühlen vieles wieder hoch. Es wird kalt um ihn herum, fast wie in einer Eiswüste.

Genre
Romance/Humor
Author
J
Status
Ongoing
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
16+

Chapter 1

Ein neuer Anfang. Das sind die Worte, mit denen ich diesen Tag beschreiben würde. Andere würden es als neuen Abschnitt ihres Lebens oder als etwas großartiges Bezeichnen, doch für jemanden, der sich nicht gern in fremde Umgebung begibt sind solche Tage die reinste Hölle. Jeder Anfang bedeutet neue Freunde und eine 180° Wende im Leben. Bis zu diesem Tag muss man mit dem alten Kapitel mindestens so weit abgeschlossen haben, dass man bereit ist, sich auf das Neue einzulassen. Doch eins weiß ich. Bereit sein werde ich nie.

Bis vor vier Wochen bin ich noch in die Schule gegangen, konnte jeden Tag meine Freunde sehen und hatte den gesamten Nachmittag frei. Heute ist der erste Tag meiner 180° Wende, denn heute beginnt mein erstes Semester an der Universität. Eigentlich wollte ich nicht studieren. Ich wollte mir die Welt ansehen. Den Eiffelturm in Paris, das Colloseum in Rom, die Architektur von Griechenland und so viele weitere schöne Orte, doch stattdessen liege ich hier. Zuhause. In meinem Bett. Starre an die Decke und frage mich was aus meinem Leben geworden ist. Mein Dad war der Meinung, dass mich ein Wirtschaftswissenschaft Studium soweit bringen würde, dass ich das Gestüt irgendwann einmal übernehmen könnte. Ob ich das überhaupt will? Keine Ahnung? Mein Dad und fragen nach meinen Bedürfnissen? Er wüsste ja, was ich will, denn ich will das was für alle gut ist...

Es ist nicht so, als würde ich nicht wollen, denn ich wollte auch von mir aus irgendwann studieren, doch dieser Zwang der aufgebaut wird, ist das, was mir wiederstrebt. Es macht das Gefühl kaputt, selber entscheiden zu können.

„Frühstück ist fertig.“ Die Worte meiner Mutter hallen zweimal durch meinen Kopf, bevor ich ihre Bedeutung erkenne. Ich springe vom Bett, ziehe mich an und geh die Treppe ins Erdgeschoss. Ich begrüße meine Mum, mein Dad, meine Schwester und ihren Freund. Er schläft seit einer Woche hier, weshalb es mich wundert, dass meine Eltern ihn noch nicht aus dem Haus geworfen haben. „Guten Morgen Süße. Hast du gut geschlafen?“ „Mmm“ Ich setzte mich neben meine Schwester auf den letzten leeren Stuhl am Tisch. Ich bin definitiv kein Morgenmensch. „Morgen Schwesterherz. Bereit für den ersten Tag an unserer wunderschönen Universität?“ „Mmm“ war das einzige, das ich von mir gebe. Es ist viel zu früh um sich Stress zu machen und anders als meine Schwester, die sich nach den Semesterferien auf die Uni freut, habe ich überhaupt keine Lust, mich meiner neuen Wirklichkeit zu stellen. „Weißt du, in welchem Saal deine Besprechung stattfindet?“ Meine Schwester schaut erwartungsvoll zu mir herüber. „Wir haben am Freitag eine Mail bekommen, in der uns alle wichtigen Informationen mitgeteilt wurden. Aber zeigen, wo Saal 13 ist kannst du mir trotzdem.“ Ich habe bereits Gestern mit ihr abgesprochen, dass sie mich hinbringt, denn ich will nicht wie die anderen Erstsemester mit einer Karte auf dem Campus stehen und nicht wissen, wo es hingeht. Da nutze ich doch einmal, dass meine große Schwester auf dieselbe Universität geht.


30 Minuten später stehen wir vor dem riesigen Eingang der Universität. Ein wenig aufgeregt, wie der erste Tag wird, bin ich allemal. Als meine Schwester langsamer wird, stehen wir vor dem Eingang von Saal 13. „Ich wünsche dir viel Glück an deinem ersten Tag.“ „Danke. Bis später Lizz“ und damit macht sie auf der Hacke kehrt und geht. Ich atme noch einmal tief ein und öffne dann die Tür. Nach dem ersten Umschauen kann ich feststellen, dass der Kurs gut besucht ist, denn viele Plätze sind bereits belegt. Ich schlendre die Treppen weiter nach unten bis ich einen leeren Platz in den Reihen entdecke. Nachdem ich wahrscheinlich 100 Menschen meinen Arsch ins Gesicht gestreckt habe, lass ich mich auf den freien Platz plumpsen. „Ist ganz schön eng hier drin, was?“ Ich schrecke direkt wieder zurück. „Hey alles gut, ich habe mich vorhin auch durch ewig lange Reihen quetschen müssen, um hier her zu gelangen, nur um dann festzustellen, dass ich neben der größten Zicke des Campus gelandet bin. Ich weiß echt nicht, warum die diese Reihen so lang machen, dass jeder auf dem Campus erst einmal deinen Hintern betrachten können.“ Ich schaue sie mit großen Augen an. Wir kennen uns nicht und... „Ich weiß, ich rede schon wieder viel zu viel. Mein Name ist Laura und das hier ist mein erster Tag und OMG ich bin so aufgeregt!“ Ich muss anfangen zu schmunzeln. „Hi, ich bin Grace“ ich strecke ihr die Hand entgegen und sie schüttelt sie kräftig. „Freut mich immerhin eine normale Person hier kennenzulernen.“ „Freut mich auch, Laura.“ „Für welche Kurse hast du dich angemeldet, neben BWL versteht sich?“ „Ich wollte eigentlich in den Kunst-Kurs, den sie hier anbieten, doch kam der nicht zu Stande und jetzt bin ich im Literaturkurs von Frau Schneider“ Ich zeichne seit dem ich klein bin und dachte eigentlich, dass ich mindestens einen Kurs belegen könnte, der sich von den anderen abhebt, doch nun bin ich gefangen in der englischen Literatur. Ich mag Literatur, versteht mich nicht falsch, doch sich jede Woche drei Stunden damit auseinanderzusetzen? Ich lese lieber, als das ich darüber diskutiere. „Frau Schneider? Ich habe gehört, sie soll sehr streng sein“ richtete Laura das Wort wieder an mich. „Ich werde schon damit zurechtkommen, an meiner Schule gab es viele strenge Lehrer.“ Aber eigentlich sind es nicht die, die mir die stärke gegenüber Autoritätspersonen beigebracht haben, sondern mein Vater. „Treffen wir uns nachher...“ weiter höre ich nicht zu, denn ein Professor, gefolgt von zwei Studenten, betritt den Raum. Meine Augen folgen jedem Schritt, den er auf das Podest zu macht. Der ganze Raum wird still und alle Augen richten sich auf den Professor. „Sehr geehrte Studenten, ich bin Professor Cumball und ihr Ansprech...“ Was nun folgt sind unendlich lange Reden wie umwerfend die Uni ist und welche Möglichkeiten es uns für die Zukunft gibt. „Und zum Abschluss können sie sich mit Fragen an Alexader und Matteo stellen“ er gibt beiden Jungs einen Schubs und sie stolpern einige Zentimeter nach vorn. Das sie dies freiwillig tun bezweifle ich. „Es ist so peinlich, dass mein Bruder so viel Scheiße baut, dass er den Studentenempfang begleiten muss.“ Mein Blick schnellt zu Laura. „Er hat sich zusammen mit Alex mal wieder zu viel geleistet und jetzt sieh ihn dir an.“ Sie deutet auf den Linken von Beiden. Sein Gesichtsausdruck sieht nicht gerade einladend aus und eine Ähnlichkeit zwischen den Beiden ist auch nicht zu erkennen, denn im Vergleich zu Laura hat er helles Haar. Ihre schokobraunen Haare fallen in Locken über ihre Schulter, während er hellblondes eingedrehtes Haar auf seinem Kopf hat. „Er istdein Bruder? Wie ist das möglich?“ ich ziehe die Augenbrauen zusammen, um seine Augenfarbe zu erkennen, doch von hier aus sieht man sie nicht. „Ja, ich komme nach meiner Mum, während er die Haare von unserem Vater geerbt hat. Doch die blauen Augen haben wir beide von Mum.“ Ich mustere sie noch einmal von oben bis unten, bevor ich mich wieder nach vorne drehe. Eigentlich ist ihr Bruder ja ganz süß, wenn man sein Gesichtsausdruck nicht beachtet, doch im Moment ist er umzingelt von Mädchen, die „gewisse“ Fragen an ihn haben.

Gerade als ich aufstehen wollte, richtet Laura wieder das Wort an mich. „Ich dachte du kommst mit in die Cafeteria?“ ich schaue sie mit großen Augen an. „Ich hatte dich vorhin gefragt, ob du mitkommst. Ich kenne hier keinen und mein Bruder will mich sicher nicht, alsoooo?“ sich schaut mich mit ihren Riesenaugen an. „Ja, klar, wenn wir vorher noch einen kurzen Abstecher auf die Toilette machen.“

Nachdem wir beide auf der Toilette waren, machten wir uns auf, um die Cafeteria zu suchen. Da unsere Veranstaltung schon früher geendet hatte, sind alle Gänge noch leer. Ab und zu kamen uns Studenten entgegen. Gerade als wir um eine Ecke abbiegen, sehen wir am Ende den großen Eingang zur Cafeteria. „Und du wohnst tatsächlich auf dem großen Gestüt außerhalb der Stadt?“ „Ja, meine Eltern sind vor knapp einem halben Jahr hergezogen und haben das Gestüt übernommen, da die Vorbesitzerin zu alt geworden ist, um sich um alles zu kümmern.“ Wir haben uns etwas zu essen bei der Cafeteria geholt und sitzen nun draußen auf dem Gelände. „Und ihr wohnt in der Stadt?“ ich schauen von meinem Sandwitsch auf zu Laura. „Ja, leider. Damals wollte meine Mum aufs Land ziehen, doch mein Vater und Bruder waren dagegen, also haben wir uns am Ende für ein Haus am Rande der Stadt entscheiden. Bis zum Gestüt müssten es nur wenige Kilometer sein.“ Ich nicke nachdenklich, denn in meinen Gedanken bin ich schonwieder ganz wo anders. Ich bin nie diejenige gewesen, die in Unterhaltungen viel sagt. Ich bin immer die, die ihr Umfeld genau studiert. Die, die jede Aktion und Reaktion, die um sie herum geschieht wahrnimmt. Gerade beobachte ich die Jungs, die wenige Meter von uns entfernt Basketball spielen. Ich liebe Basketball. Zuhause spiele ich meist mit meiner Schwester in unserer Einfahrt. Seit Papa vor zwei Monaten den Korb angebracht hat, spielen wir, wann immer wir Zeit dafür haben. Anderen Menschen dabei zuzusehen, wie auf jede Aktion eine Reaktion und darauf wieder eine Aktion erfolgt, ist unglaublich.

Mein Vater hat immer gesagt, richtig gut wird nur der, der es schafft, Kopf und Körper zu verbinden. Eine Bewegung und Reaktion in Fleisch und Blut übergehen zu lassen, sodass der Körper irgendwann wie von selbst darauf reagiert, was der Kopf sagt. Zu sehen, was als Nächstes kommt, ohne das es bereits geschehen ist.

„...Erde an Grace“, ich drehe meinen Kopf ruckartig um und schaue in das grinsende Gesicht von Laura. „Ich rede seit zwei Minuten und wie es scheint hast du kein Wort mitbekommen. Ich habe noch keinen Menschen kennengelernt, der so tief in seine Gedanken versinken kann, wie du.“ Sie schaut mich belustigt an und richte meinen Blick mit einem Grinsen auf den Fußboden. „Das höre ich leider nicht das erste Mal.“ „Alles gut, ich will dich doch nur aufziehen.“ Laura fängt an herzhaft zu lachen.



Nach dem Essen hatten wir noch weiter Einführungskurse, sodass ich nach acht Stunden endlich mit allem durch bin und mich gefolgt von Laura auf den Weg zum Parkplatz mache. Wir hatten mehrere Kurse zusammen und uns sehr gut verstanden, sodass wir uns für morgen verabredet haben, uns vor den Kursen, die wir beide belegen, zu treffen. Ich verabschiede mich mit einer Umarmung von Laura und bewege mich in Richtung des Autos meiner Schwester, die bereits auf mich wartet. Bevor ich einsteige winke ich Laura noch einmal zu und lasse meine Augen über den Parkplatz schweifen. Gerade will ich mich wieder in Richtung Lizz umdrehen, da bleiben meine Augen an zwei dunkelbrauen hängen. Der Moment, indem sich unsere Blicke treffen, habe ich das Gefühl, dass seine Augen sich in meine festbrennen, bis in die tiefsten Gründe meiner Seele vordringen und sich darin einnisten, während sich auf meinem Körper eine Gänsehaut ausbreitet. Ich halte den Blickkontakt noch eine Sekunde, drehe mich dann um und laufe weiter.

Tausende Fragen schwirren in meinem Kopf, als ich mich auf den Autositz neben meiner Schwester fallen lasse. Was war das? Wer war das? Wieso habe ich den Blick standgehalten? Wieso hat er mich überhaupt angeschaut? Hat irgendwer etwas davon mitbekommen? Wieso habe ich immer noch Gänsehaut, wenn ich daran zurückdenke? Gedanken schwirren in meinem Kopf, zu denen ich am liebsten eine Antwort hätte, doch ich bezweifle, dass meine Schwester mir sie geben kann. Es ist die Begegnung zweier Augen. Ich habe nie daran gezweifelt, als meine Mum mir damals erzählte, wie intensiv ein Blick sein kann. Sie spricht immer davon, wenn sie über Dad und ihr Kennenlernen erzählt. Doch wirklich nachempfinden konnte ich es nie, bis jetzt,...... glaube ich. „Wie war dein erster Tag, Schwesterherz?“ „Ich...“ Auf der gesamten Rückfahrt sprachen wir über die Universität, die Professoren und ich erzählte ihr von Laura.

Jetzt liege ich in meinem Bett, starre an die Decke und denke an meinen ersten Tag zurück. Allem in Allem würde ich behaupten, dass es eigentlich ganz gut lief. Nachdem wir Zuhause ankamen, hatte meine Mum den Tisch gedeckt und wir aßen zu Abend. Wer hätte gedacht, dass der erste Tag an solch einer Universität so anstrengend sein kann. Ich meine, es war schon immer mein Traum an die Cambridge Universität zu kommen, doch es tatsächlich geschafft zu haben, das war damals noch nicht greifbar. Eigentlich hatte ich mich nur beworben, weil meine damalige beste Freundin zusammen mit mir hierher wollte, doch dann wurde ich genommen und sie nicht. Unsere Freundschaft zerbrach und hier stehe ich nun. Allein.

Nach einiger Zeit hatte ich es gestern geschafft einzuschlafen. Die Gedanken wirbelten nur so durch meinen Kopf, denn wenn gestern irgendwo auf der Welt ein Tornado tobte, dann definitiv dort drinnen. Mein Wecker klingelte vor 20 Minuten und jetzt stehe ich im Stall, um die Arbeiten zu erledigen. Es ist nicht so, als hätten wir keine Gehilfen im Stall, doch meine beiden Schätze verpflege ich gern selbst, da ich es so schaffe, zu mindestens morgens mal rauszukommen. Meinst wird es jetzt dunkel sein, wenn ich nach Hause komme, da ich hoffentlich den Assistentenplatz bekomme, auf den ich mich beworben habe. Also habe ich mir vorgenommen, einfach morgens die Zeit vor der Uni zu nutzen. Da meine Mum zum Essen geklingelt hat, mache ich noch schnell alles fertig und verschwinde dann zurück ins Haus. Nach dem Frühstück dusche ich und ziehe mir meine Klamotten an. Etwas schicker als sonst, da ich nachher noch das Vorstellungsgespräch haben werde. Einerseits haben meine Eltern eigentlich genug Geld, doch andererseits möchte ich mein eigenes verdienen. Nicole, unsere Nachbarin erzählte mir letzte Woche, dass in dem Geschäft ihres Mannes ein Assistenten-Job frei geworden ist und ich mich darauf bewerben müsse. Sie sagte etwas in die Richtung „du wärst perfekt für die Stelle geeignet. Lennart kann sich glücklich schätzen, wenn du dich darauf bewirbst.“ Es war das erste Mal seit Monaten, dass sie über ihren Mann gesprochen hat. Seit einem Unfall vor neun Jahren hat sie nur noch selten über ihn gesprochen. Er ist bereits vor neun Jahren mit ihrem Sohn in die Stadt gezogen. Es ist lange her, dass ich ihren Mann gesehen habe. Ich weiß nur, dass er damals wegen der Arbeit gegangen ist. Während Nicole in Grantchester wohnen geblieben ist, ist Lennart nach Cambridge gezogen.

Mittlerweile sitze ich in dem Auto meiner Schwester und wir sind auf dem Weg in die Universität. Während die Felder und Wiesen an mir vorbeiziehen, freue ich mich darauf, dass mein Auto nächste Woche ankommt. Ich hatte vor ein paar Tagen die Verträge unterzeichnet und bin stolz bald die Besitzerin eines silbernen Tiguans zu sein. Nicht bedeutet mehr Freiheit, als sich in sein Auto zu setzen und zu wissen, dass man überall hinfahren kann. Außerdem bin ich dann nichtmehr an meine Schwester gebunden, auch wenn ich ihr sehr dankbar dafür bin, dass sie mich im Moment mit zur Universität nimmt, freue ich mich darauf, selbst zu fahren. Wir haben abgemacht, dass, wenn wir zur gleichen Stunde hin und zurück müssen, wir aber dennoch mit einem Auto fahren.

Gerade rollen wir auf den Parkplatz, als ich Laura schon von weiten sehe. Sie steht angelehnt an einen dunklen SUV und schaut auf ihr Handy. Ich sage meiner Schwester tschüss, springe als sie noch nicht einmal angehalten hat aus dem Auto und sprinte auf Laura zu. Die dauerhaften Belehrungen „Du musst dies, du musst das, du musst jenes.“ Gehen mit mittlerweile auf den Sack. Ich will nicht hören, was ich muss. Ich will einfach nur eine entspannte Zeit.

„Laura, rette mich!“ rufe ich ihr entgegen. Sie schaut hoch, zieht mich hinter sich und stellt sich in Kampfposition. „Holde Maid. Keine Angst. Ich beschütze sie!“ ruft sie und ich bekomme einen Lachanfall. Sie dreht sich um und begrüßt mich mit einer Umarmung. „Und vor wem soll die Maid beschützt werden?“ fragt sie und schaut mich mit lächelndem Gesicht an. „Vor der Schwester der holden Maid, die sie mit Verpflichtungen nervt.“ gebe ich mit grinsendem Gesicht zurück. Sie kichert kurz und antwortet dann: „Dann ist der Beschützerinstinkt deiner Schwester also genauso groß, wie der meines Bruders.“ krächzt sie zwischen ihren Lachern hervor. „Anscheinend“ antwortete ich.

Nach den ersten beiden Stunden, die wir gemeinsam haben, trennen uns unsere Wege und ich mache mich auf zu meinem Wahl-Pflicht-Fach. Literatur.


Als ich in den Raum komme sind bereits einige Schüler anwesend und ich setze mich auf einen freien Platz weiter hinten im Saal. Gerade als Ms. Schneider den Rum betritt drängt sich ein junger Mann hinter ihr mit in den Raum. Er hat dunkle Harre, doch immer noch Braun, wie es scheint und ebenso dunkelbraune Augen. „Wie schön, dass sie es auch einrichten konnten, Alex.“, spottete Frau Schneider. „Immer doch. Für sie nehme ich mir doch gerne Zeit.“, bekam sie mit eben so viel Ironie zurück, wie sie selbst an den Tag legt. Jedoch schwang in seiner Aussage deutlich mehr Überheblichkeit mit, als in ihrer. Er schaute sich einmal im Raum um und setzte sich dann einige Reihen vor mich. Von hinten konnte ich genausten seinen Nacken und oberen Rücken studieren, der sich durch sein Hemd abbildete. Seine Arme waren trainiert und sein Rucken dementsprechend breit. Ich selbst bin auch nicht die schmalste Person, doch als fett würde ich mich nicht beschreiben. Ich war meiner Mum gut zehn Zentimeter über den Kopf gewachsen, sodass ich mit meinen 180cm recht groß für eine Frau bin. Damals hatte ich immer ein Problem damit, doch heute stört mich das nur noch selten.

„Dann wollen wir mal.“ Ertönt plötzlich eine Stimme durch die Lautsprecher und ich zucke zusammen. Sie riss mich förmlich aus meinen Gedanken. „Ich bin Frau Schneider und führe den Literaturkurs, der sich aus allen Stufen zusammensetzt. Einige Sind bereits eine Weile dabei, doch ich sehe auch viele neue Gesichter. Dieses Jahr möchte ich mit einem Lieblingsbuch von mir beginnen. Stolz und Vorurteil.“ Ein Stöhnen geht durch die Runde und viele Schüler schütteln den Kopf, doch ich liebe das Buch seit meiner Kindheit. Damals hat mir meine Mum immer daraus vorgelesen und hat mir zu meinem 18. Geburtstag ein Original geschenkt. Ich hatte es damals geliebt, doch die Zeilen selbst durchzulesen hatte nochmal eine ganz neue Wirkung. „Ich möchte mit Ihnen über die Beziehung zwischen Mr. Darcy und Miss Elisabeth sprechen. Wie kam es Ihrer Meinung nach dazu, dass Elisabeth einen dermaßen negativen Eindruck von Mr. Darcy hat?“ fragte sie in die Runde. Einige Schüler meldeten sich und antworteten, dass sein Auftreten der Grund dafür sei, oder dass es daran lag, dass er jeder Frau den Tanz verweigerte. Ich will nicht spotten, doch bei den Antworten, die gegeben wurden, verzog ich das Gesicht. „Miss, was denken sie darüber?“ Im ersten Moment dachte ich sie spricht mit jemand anderem, doch dann erkannte, dass sie mich meinte. „Sie scheinen anderer Ansicht zu sein, oder?“ richtet Frau Schneider ihren Blick auf mich. Ich räuspere mich und setze an. „Ich, naja....Ich hätte es vielleicht ein wenig anders ausgedrückt. Ich würde nicht behaupten, dass die Punkte falsch waren, die gesagt wurden, doch würde ich sagen, dass man tiefer gehen muss. Denn es ist nicht allein Darcys Handlungen zuzuschreiben, dass Miss Elisabeth negativ empfindet, sondern der Wahrheit.“ Ich hörte für einen Moment auf zu reden und schaute mich im Saal um. Alle Blicke waren auf mich gerichtet und auch Miss Schneider schaute mich erwartungsvoll an. „Bitte führen sie das weiter aus, Miss...?“ fragend schaute sie mich an. „Grace.... Äh. Ich meine damit, dass die Worte, die ursprünglich an seinen Freund gerichtet waren, der Auslöser waren. Er war Mr. Darcy vertraut und damit kamen die Worte, denen Elisabeth im Stillen lauschte der Wahrheit wohl am nächsten. Jemand würde die Wahrheit zu einer vertrauten Person wahrscheinlich immer ehrlicher aussprechen, als zu einer unbekannten. Und die Worte die Mr. Darcy an seinen Freund richtete, waren zwar nicht direkt auf Elisabeth bezogen, doch schlossen sie sie nicht aus. Und dass er sich erlaubte, sich eine festgefahrene Meinung über eine große Gruppe von Menschen zu bilden, die er nicht kannte, war das, was Elisabeth empörte.“ Ich wurde zum ende hin immer leiser und wollte am liebsten im Erdboden versinken. Frau Schneider nickte und erhob dann wieder das Wort. „Das war......sehr ausführlich und begründet. Vielen Dank für ihren Beitrag. Noch jemand anderes, der sich dazu äußern möchte?“ sprach sie in den totenstillen Raum, doch niemand wagt die Hand zu heben. Immer noch liegen alle Blicke auf mir und ich versinke gerade im Erdboden. Ich rutsche mit dem Hintern noch tiefer, sodass mein Oberkörper langsam verschwindet. ...Wie peinlich.... Ich würde am liebsten meine Beine in die Hand nehmen und aus diesem Raum rennen, doch das würde die Situation wahrscheinlich noch unangenehmer machen, als sowieso schon. Ich blicke mich erneut im Raum um, doch die meisten Köpfe haben sich bereits wieder nach vorne gedreht. Nur noch einzelne Blicke liegen auf mir. Ich drehe mich weiter und bleibe an einem dunklen Augenpaar hängen, dass mich anschaut. Erst mustere ich das Gesicht, bevor ich meinen Blick erneut auf seine Augen richte. Er ist der junge Mann von vorhin, der so respektlos mit Frau Schneider gesprochen hatte. Sein Blick war nicht wie die anderen. Sie hatten mich bewundert oder hatten verwundert geschaut, doch in seinem Blick lag etwas Herablassendes, als wäre er etwas besseres und meine Worte nur ein Stück Dreck unter seinen Schuhsohlen. „Anscheinend niemand? Gut, dann gehen wir zu nächsten...“ „Stopp“ mit einem Ruck dreht er sich um, wendet dabei den Blick ab und schaut direkt zu Ms. Schneider. „Das was gesagt wurde ist Falsch“, anscheinend bin ich ihm so wieder, dass er mich nicht mal als Person wahrnimmt oder als diejenige, der die Worte ausgesprochen hat, sondern mich vollkommen ignoriert. „Man kann nicht behaupten, dass Elisabeth nur aufgrund dessen, was Mr. Darcy gesagt hat, einen vollkommen verkehrten Eindruck bekam. Es war ihr Stolz, der sie daran hinderte, die Wahrheit zu sehen. Mr. Darcy hat nur die Wahrheit ausgesprochen. Eine Dame als kultiviert zu bezeichnen, bedeutete für Darcy, dass sie das Ebenbild seiner Schwester darstellen soll. Also ihre Fähigkeiten teilt. Niemand kann leugnen, dass Miss Elisabeth nicht einmal die Hälfte dieser teilt. Also ist es nicht Darcys Schuld, sondern der Stolz von Elisabeth.“ beendet er seine Rede. Am liebsten wäre ich vor Aggression geplatzt. Wut kommt in mir hoch, dem ich am liebsten freien Lauf gegeben hätte. Ich brodelte innerlich. Was erlaubt der sich? Hat der das Buch jemals gelesen? Und wenn er es gelesen haben sollte, was ich stark bezweifele, hat er es dann auch wirklich verstanden? „Eine ganz andere Sichtweise, jedoch kommen einige Fragen auf. Grace, was sagen Sie dazu?“ Wieder richten sich alle Blicke auf mich. Ich versuche mich runterzufahren, bevor ich anfange zu sprechen, jedoch ist der Zorn in meiner Stimme deutlich zu hören. „Wenn wir das annehmen würden, was gesagt wurde, dann würden wir doch gleichzeitig behaupten, dass Frauen keinen Stolz haben dürfen? Wieso darf er urteilen, sie aber nicht? Wieso darf er seine Gedanken zu Tage bringen, doch sie soll sie verstecken? Warum?



Und wenn wir danach gehen, eine Frau nur als kultiviert zu bezeichnen, wenn sie das Ebenbild von Darcys Schwester ist, dann müsste Darcy doch seine Schwester heiraten, nicht? Warum tut er das nicht, wenn sie doch so viel kultivierter ist, als Miss Elisabeth?“ zum Ende hin wird meine Stimme immer lauter und zorniger. Ich hasse mich dafür, mich nicht zügeln zu können. „Wie ich sehe, ruft das Thema einige Emotionen hervor. Ich würde sagen, wir beenden das hier und gehen zu einer weitern Frage über.“ Sagt sie und schaut mich eindringlich an. Wie kann man so denken? Was muss dem durch den Kopf gehen? Ich versuche mich runterzufahren und weiter auf den Unterricht zu konzentrieren, doch das klappt bis zum Ende der Stunde leider nicht so gut, wie in Gedanken ausgemalt. Als es klingelt bedeutet das nicht nur, dass die Stunde vorbei ist, sondern auch, dass für mich der Unterricht heute vorbei ist.

Als ich aufstehen wollte, dreht sich gerade Alex um und lief die Treppen hoch, an meinem Sitz vorbei. Ich blicke auf und schaue ihm direkt in die Augen. Ich versuchte meinen dunkelsten und hasserfülltesten Blick aufzusetzen, den ich hatte, doch ihn scheint das nicht im Geringsten zu interessieren. Er schaut mit einem spottenden Blick auf mich herab und verzieht die Lippen zu einem fiesen Grinsen. Es ist, als würde es ihm amüsieren, dass ich mich so in diese Diskussion rein steigere.