An deiner Seite

Summary

Was macht uns aus? Sind es unsere Taten in der Vergangenheit, die Wege, die wir einschlagen oder die Persönlichkeit, die wir glauben, zu haben? Das alles fragt sich der inzwischen einundzwanzigjährige Harry Potter, als vollkommen unerwartet Draco Malfoy wieder in sein Leben stolpert, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Der junge Malfoy braucht Hilfe und findet sie bei dem Menschen, von dem er es am wenigsten erwartet hätte. (Eine Drarry-Fanfiction)

Status
Ongoing
Chapters
8
Rating
n/a
Age Rating
18+

Kapitel 1


Harry Potter stieg müde aus den grünen Flammen seines Kamins im Haus am Grimmauld Place 12. Der Einundzwanzigjährige streckte sich und klopfte sich ein wenig der Asche von seiner Aurorenuniform. Vor einem halben Jahr hatte er die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und arbeitete inzwischen in einem festen Team. Ron hatte sich am Ende der Ausbildung dann doch entschieden lieber bei George mit einzusteigen. Der Zwilling hatte nach dem Tod seines Bruders entschieden, ihren gemeinsamen Traum weiterzuleben und expandierte. Hilfe hatte er also dringend nötig und Ron mochte die Arbeit als Auror zwar, aber letztendlich war es ihm dann doch zu gefährlich und auch der Papierkram, der den größten Teil ihrer Arbeit ausmachte, verabscheute er. So musste Harry nun auf seinen besten Freund beim Arbeiten verzichten, aber sie sahen sich trotzdem, sooft es ging. Ron und Hermine lebten inzwischen zusammen in der Nähe von Rons Eltern. Hermine hatte sich für eine Ausbildung zur Heilerin entschieden, die noch ein Jahr dauern sollte. Jeden Freitag aßen sie zu dritt zusammen und oft waren dann auch Ginny und Dean dabei. Harry hatte sich von Ginny getrennt, nachdem er einsehen musste, dass Frauen vielleicht doch nicht das waren, was ihn glücklich machte. Es tat ihm leid und er hatte es lange versucht zu ignorieren, aber am Ende musste er es einfach tun, damit sie nicht beide unglücklich wurden. Ginny hatte ihn verstanden und ihm nie gegrollt. Vielleicht hatte sie es ja auch irgendwie geahnt. Dean und sie waren glücklich und das zählte. Inzwischen hatte auch Harry seine ersten Erfahrungen gemacht, wenn auch nur mit Muggeln und meist waren es nur kurze Affären oder One-Night-Stands. Inzwischen sehnte er sich nach einer Beziehung, denn die Lust an anonymen Sex mit Fremden war ihm bereits vergangen. Das alles war gerade für ihn nicht gerade einfach. Sein nähres Umfeld wusste von seiner Homosexualität, aber sonst niemand. Weder bei der Arbeit noch sonst irgendwo war es bekannt. Immer wieder musste Harry im Tagespropheten lesen, dass der Auserwählte, wohl selbst zu wählerisch war, was die Frauen anging. Genau diese Art von Presse war der Grund für seine Zurückhaltung. Er wollte keinen potenziellen Partner in sowas gleich mit reinziehen und so beließ er es einfach, wie es war. Müde trat er in die Küche des Hauses und setzte Tee auf. Es war bereits nach neun und er wollte nur noch ins Bett. Der Tag war anstrengend gewesen, aber die Aussicht darauf, dass er bald ein paar Tage frei hatte, entschädigte für einiges. Er wollte gerade den Tee aufgießen, als er ein Geräusch hörte. Das Haus war alt und seltsame Geräusche nichts Ungewöhnliches, vor allem als Kreacher noch da gewesen war, aber inzwischen war der Hauself, auf Harrys Wunsch hin in Hogwarts und er alleine hier. Er lauschte. Da war es wieder. Ein Kratzen oder Schaben an der Eingangstür. Der Fidelius war längst gebrochen und so war das Haus für jeden sichtbar. Die Muggel aber nahmen kaum Notiz davon und doch würden Einbrecher sicher mal ihr Glück versuchen. Harry zog seinen Zauberstab und schlich den Flur hinunter. Das Kratzen wurde lauter. Kurz dachte er daran einfach Lärm zu machen, um den potenziellen Einbrecher zu vertreiben, aber heute stand ihm eher der Sinn danach ihn endgültig zu loszuwerden. Vorsichtig streckte er die Hand aus und legte sie auf die Klinke der schweren Holztür, mit einer fließenden Bewegung riss er sie auf und sogleich lag jemand zu seinen Füßen.

»Malfoy?«, entkam es Harry überrascht. Tatsächlich lag vor seinen Füßen niemand anderes als Draco Malfoy. Harry hatte den anderen seit bald drei Jahren nicht gesehen. Das Gesicht, welches ihn vollkommen überrascht und seltsam verlegen anblickte, war ähnlich blass wie früher nur nun noch um einiges schmaler. Malfoy trug die Haare schulterlang und hatte ähnlich wie Harry selbst, einen Dreitagebart. Nun schien er aus seiner Starre zu erwachen und rappelte sich auf.

»T-tut mir leid …«, stotterte er nicht ganz seiner Art entsprechend. Harry betrachtete ihn ausgiebig. Draco trug eine schwarze Stoffhose und ein weißes Hemd unter einem alten dunklen Mantel. Seine Haare waren zerzaust und unter den Augen hatte er tiefe Ringe.

»Ich, also ich sollte wieder gehen«, sagte er dann schnell und wandte sich ab, aber Harry war schneller, griff ihn an der Schulter und zog ihn ins Innere des Hauses, ehe er die Tür schloss.

»Okay, also … also wenn du mich festnehmen willst, dann bitte tu es, aber es wäre nett, wenn es nicht gleich Askaban sein müsste«, sagt Malfoy und ganz leise klang die altbekannte Arroganz durch, was Harry leicht lächeln ließ.

»Keine Sorge, mein Dienst ist bereits vorbei. Trotz allem würde es mich schon interessieren, warum du bei mir einbrechen wolltest?«, fragte Harry und sah sofort, wie Draco rot wurde.

»Ich wollte nicht einbrechen. Also na ja vielleicht schon, aber nicht bei dir. Ich wusste nicht, dass du hier wohnst. Meine Mutter ist eine Black und natürlich kenne ich die Anwesen der Familie. Ich dachte, es würde leer stehen«, sagte Draco.

»Sirius hat es mir vererbt«, sagte Harry schlicht und sofort nickte der andere. »Ja, das hätte ich mir denken können. Also es tut mir wirklich leid, ich gehe dann …«

»Nicht so schnell. Warum wolltest du hier rein, das hast du noch nicht beantwortet«, sagte Harry und hielt Draco am Arm fest. Dieser zuckte kurz und versteifte sich, so das Harry ihn überrascht sofort losließ. »Ich … ich brauchte was zum Übernachten«, sagte Draco matt.

»Übernachten? Wohnst du nicht mehr im Manor?«

»Offensichtlich nicht. Meine … meine Eltern haben mich rausgeschmissen! Zufrieden?«, fragte Draco und rieb sich abwesend den Arm. Harry legte den Kopf schief.

»Warum?«

»Geht dich nichts an und nun … ich …«, stotterte Draco und wandte sich wieder zum Gehen, aber wieder war Harry schneller. Jetzt aber griff er nach der Hand des anderen und zog diesen einfach mit sich in die Küche. Er drückte Draco auf einen der Stühle, goss Tee auf und stellte ihn vor diesem auf den Tisch.

»Hunger?«, fragte er dann und sah in Dracos Augen durchaus, dass dieser Hunger hatte, auch wenn der junge Malfoy keinen Ton sagte.

»Also ja«, sagte Harry dann, hob den Zauberstab und machte schnell zwei Sandwiches. Eines davon stellte er vor Draco, der inzwischen vorsichtig seinen Tee trank.

»Iss«, sagte Harry auffordernd und wieder kam Malfoy der Aufforderung nur zögernd nach.

»Danke«, sagte er schließlich, als sie das Essen beendet hatten.

»Ich sollte dann wirklich …«

»Draco ich hab dir nicht Tee und Brot gegeben, um dich dann wieder rauszuschmeißen. Du kannst bleiben«, sagte Harry, stand auf und stellte die Teller und Tassen in die Spüle.

»W-Was?«

»Du hast richtig gehört, du kannst bleiben. Das Haus ist riesig und es gehört ja irgendwie auch dir. Bevor Kreacher weg ist, haben wir noch die Schlafzimmer hergerichtet. Du kannst das von Regulus Black haben. Ich hab das von Sirius, die anderen sind alle etwas … na sagen wir morbide«, sagte Harry und grinste.

»Aber ich … ich kann nichts zahlen«, wieder wurde Draco rot. »Warum solltest du? Ich zahle ja auch keine Miete hier. Mach dir keinen Kopf über so was und jetzt komm. Ich zeig dir alles und dann muss ich ins Bett, der Tag war anstrengend«, sagte Harry und machte eine einladende Geste. Vollkommen perplex folgte Draco dem anderen in den ersten Stock des Hauses.

»Also mein Zimmer ist hier und das Bad ist gegenüber, neben deinem Zimmer. Hast du Sachen oder irgendwas?«, wollte Harry wissen.

»Äh ja, also nicht viel, aber das ist bei meiner Arbeit untergestellt.«

»Okay, na das kannst du morgen holen. Im Bad gibt es Handtücher und unterm Waschbecken im Schrank ist eine neue Zahnbürste. Zum Schlafen kann ich dir was von mir geben. Ach und hier ein Schlüssel, dann brauchst du nicht einbrechen«, sagte Harry und lachte, ehe er aus seiner Tasche einen Schlüssel holte und ihn magisch vervielfältigte.

»W-Warum machst du das?«, fragte er. Seufzend schloss Harry die Augen. »Warum nicht? Wegen unserer Vergangenheit? Wir sind beide erwachsen oder nicht? Du brauchst Hilfe und ich habe das Haus, was ohnehin zu groß für mich ist. Etwas Gesellschaft tut mir außerdem ganz gut, würde Hermine jetzt sagen.«

»Ja mir auch …«, sagte Draco nun sehr leise. Harry nickte, griff nach der Hand des anderen und legte den Schlüssel dort hinein.

»Ich hol dir was zum Anziehen«, sagte er dann und verschwand in seinem Zimmer. Draco schloss die Hand um den Schlüssel und betrat zögernd das Schlafzimmer von Regulus Black. Dieses wurde von einem großen Himmelbett dominiert. Außerdem gab es eine Kommode, einen Schreibtisch und zwei Regale mit Büchern. Noch immer etwas überfordert setzte sich Draco auf das Bett, als Harry wiederkam.

»Hier das sollte passen. Du bist zwar etwas größer, aber es sollte trotzdem gehen«, sagte Harry und legte Draco ein Shirt und eine Jogginghose auf die Kommode.

»Alles in Ordnung?«, fragte er dann.

»J-Ja, danke. Ich weiß nicht so recht, was ich sagen soll«, antwortete der

Malfoy verlegen.

»Schon gut. Also ich muss morgen um acht aus dem Haus, wann gehst du arbeiten?«, wollte Harry dann wissen.

»Erst um vier am Nachmittag«, sagte Draco. Irritiert hob Harry die Augenbrauen.

»Darf ich fragen, wo du arbeitest?«, wollte er wissen.

»In einem Muggelrestaurant, als Kellner«, sagte Draco und in seiner Stimme lag etwas Herausforderndes.

»Okay, aber …«

»Warum? Kannst du dir das nicht denken? Wer gibt schon einem ehemaligen

Todesser eine Anstellung in unserer Welt, vor allem ohne Ausbildung. Nicht das ich nicht gerne eine machen würde …«, sagte Draco und seine Stimme brach beinahe.

»Verstehe, das tut mir leid. Ich wollte dir nicht zu nahe treten«, sagte Harry und Draco sah überrascht auf, dann schüttelte er den Kopf. »Schon gut, am Ende bin ich ja selber schuld«, sagte er.

»Das denke ich nicht, aber lassen wir das für heute. Also schlaf gut und wir sehen uns dann am Abend?«, sagte Harry und Draco nickte. »Meine Schicht geht morgen bis zehn«, sagte er.

»Gut, dann sehen wir uns. Gute Nacht«, sagte Harry und wandte sich ab.

»Harry?«, überrascht seinen Vornamen aus dem Mund des anderen zu hören, drehte er sich noch ein mal um.

»Ja?«

»Danke!«

»Klar!«, sagte er dann und verließ das Zimmer.

Als Harry sich am nächsten Morgen Kaffee kochte, wanderten seine Gedanken immer wieder zu Draco, der noch schlief. Der Andere sah wirklich schlecht aus. Es schien, als würde er nicht erst seit gestern nicht wissen, wo er hinsollte. Gut seine Eltern hatten ihn vor die Tür gesetzt, aber Draco hatte doch Freunde, was war mit diesen? Harry nahm sich vor, dies am Abend herauszufinden. Es war seltsam, Draco wieder so nahe zu sein. Sicher in ihrem letzten Jahr in Hogwarts, welches sie alle wiederholt hatten, waren sie sich zwangsläufig über den Weg gelaufen, aber nur selten hatten sie ein Wort gewechselt. Sie hatten mehr oder weniger stillschweigend beschlossen, dass sie ihre Vergangenheit hinter sich gelassen hatten. Am letzten Tag in Hogwarts war Draco zu ihm gekommen und hatte ihm wortlos die Hand gereicht. Harry hatte diese genommen und damit war die Sache erledigt. Nein er konnte nicht sagen, dass er dem anderen grollte. Wie auch er, war Draco nur ein Kind gewesen, ein Kind, welches nie eine Wahl gehabt hatte. Seufzend goss Harry sich Kaffee ein und machte sich ein Sandwich. Er überlegte kurz, dann machte er auch zwei für Draco, legte sie auf einen Teller und einen Apfel dazu. Er war sich ziemlich sicher, dass Draco in letzter Zeit nicht wirklich viel gegessen hatte. Er ließ die Sachen auf dem Tisch stehen und schrieb ein paar Zeilen, ehe er seine Sachen nahm und zur Arbeit flohte.

Draco erwachte erstaunlich erholt, so erholt wie seit Wochen nicht mehr. Seit er vor fünf Wochen zu Hause rausgeflogen war, hatte er immer mal woanders geschlafen. Ab und zu leistete er sich ein oder zwei Nächte im »Tropfenden Kessel« oder in einer schlechten Pension. Hin und wieder durfte er auch im Hinterzimmer des Restaurants schlafen. Sein Chef wusste allerdings nur, dass Draco Streit mit seinen Eltern hatte und daher ab und zu lieber woanders schlief. Blaise war seit zwei Monaten in Frankreich für ein Praktikum in der dortigen Zauberbank. Er wäre der Einzige, bei dem Draco um Hilfe bitten würde. Blaise würde ihn natürlich sofort bei sich wohnen lassen, aber Draco wollte ihm nicht zur Last fallen, wenn er gerade nicht im Land war, zumal Blaise nicht alleine lebte. Sein Freund Lucas wohnte ebenfalls in der Wohnung und auch wenn Draco den jungen Mann mochte, wollte er diesem nicht seine Anwesenheit zumuten. Die Sache mit dem Grimmauld Place war eher eine Kurzschlussreaktion gewesen. Draco war komplett abgebrannt, denn seinen Wochenlohn hatte er noch nicht und im Restaurant schlafen fiel aus, da gerade das Büro renoviert wurde. Also blieb ihm nur die Straße, das Black-Haus oder das zu Kreuze kriechen bei seinen Eltern, aber das wollte er auf keinen Fall. Also fiel seine Wahl auf das alte Black-Haus. Er hätte sich natürlich denken können, dass Potter hier wohnte, denn Sirius Black war dessen Pate gewesen und was lag da näher? Draco war nicht wenig überrascht, dass Harry ihn nicht sofort wieder rausgeschmissen hatte. Im Gegenteil, er hatte ihm quasi angeboten hier zu wohnen und in seiner Verzweiflung würde Draco dieses Angebot annehmen. Insgeheim musste er außerdem zugeben, dass Potter verdammt heiß aussah. Sie hatten sich kaum drei Jahre nicht gesehen und Draco fragte sich, wie der andere es geschafft hatte sich vom eher braven Auserwählten zu einem so durchtrainierten Typen zu mausern. Das Aurorentraining war wohl anspruchsvoller, als er gedacht hatte. Seufzend stand Draco auf, ging ins Bad und dann in die Küche. Zu seiner Überraschung stand eine Kanne Kaffee auf dem Tisch und daneben ein Teller mit zwei Broten. Davor lag ein Zettel. Draco nahm ihn und las: »Guten Morgen, ich hab dir Frühstück gemacht. Lass es stehen, wenn du nicht willst, aber ich denke, du solltest etwas essen. Nimm dir, was du willst. Der Kühlschrank ist voll. Ich bin gegen 18 Uhr wieder da, solltest du vor mir hier sein. Vergiss nicht, Deine Sachen herzubringen. Viele Grüße Harry« Kopfschüttelnd setzte sich Draco an den Tisch, goss den Kaffee ein und nahm einen Bissen des Sandwiches. Er fragte sich, wie er das alles hier verdient hatte. Er könnte es nie wieder gutmachen. Aber im Moment fehlten ihm einfach auch die Alternativen. Sein Kellnerdasein würde ihm auf Dauer keine Wohnung finanzieren können, also musste er noch etwas anderes für den Vormittag finden. Vielleicht als Verkäufer oder er könnte putzen. Vielleicht ginge das ja auch im Ministerium, da wurden immer mal wieder Leute gesucht, das hatte Dracos Vater früher immer erzählt. Das würde er probieren, denn Potter würde er auf Dauer nicht zur Last fallen wollen, wenn er schon hier wohnte, dann würde er auch irgendwie versuchen, Miete zu zahlen.