The Legacy

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Summary

Misa ist eine Prinzessin und möglicherweise die zukünftige Thronfolgerin, doch das Land Caelium ist alles andere als bereit für eine Königin auf dem Thron. Als Tochter des Königs und der Königin von Caelium ist sie zwar die rechtmäßige Erbin des Throns, doch die Gesetze des Landes geben ihrem unehelichen Bruder das Vorrecht. Als ihr Vater sie zur Heirat zwingen will, entscheidet sie sich, mit ihrem Leibwächter Ean aus dem Schloss zu fliehen, um die Wahrheit über ihr Königreich und die vier Elemente herauszufinden. Ihre Reise führt sie in die Tiefen von Caelium, wo sie nicht nur die Geheimnisse der alten Prophezeiungen über die vier Elemente enthüllt, sondern auch die verborgenen Wahrheiten über ihre eigene Herkunft und die Legenden ihrer Vorfahrin Freya. Während Misa und Ean sich durch Intrigen und Gefahren kämpfen, enthüllen sie nicht nur die Wahrheit über ihr Königreich, sondern auch über ihre eigenen Gefühle füreinander. Doch welche Konsequenzen ergeben sich, wenn Misa beginnt, Ean nicht nur als ihren Leibwächter zu sehen, sondern ihn als jemanden von größerer Bedeutung kennenzulernen?

Status
Ongoing
Chapters
37
Rating
4.7 3 reviews
Age Rating
13+

EINS

Sie blickt hinunter in die Arena, in der die Männer um ihre Hand kämpfen. Schon wieder. Und wie jedes Mal weiß Misa genau, dass es keinen Gewinner geben wird, allein weil sie dies niemals akzeptieren würde.

Neben ihr steht Ean. Ihre persönliche Leibwache und der Einzige, der sie bei jeder ihrer Entscheidungen unterstützt. Egal, welche sie trifft. Sie tritt ihm gegen sein Bein, jedoch gibt er, außer ein gelangweiltes Gähnen, keine Reaktion von sich.

„Wir müssen sprechen. Ich glaube, gegen den diesmaligen Gewinner hast du nichts in der Hand", gibt sie nervös von sich.

Der Sohn eines Herzogs, hat sich schon drei von fünf Siegen geholt und Misa fängt an nervös zu werden. Ihr rechtes Bein beginnt zu wippen und sie kaut unbewusst auf ihren Nägeln.

„Heute wird kein endgültiger Gewinner entschieden. Wenn er das heute gewinnen sollte, wird morgen noch jemand die Möglichkeit haben ihn herauszufordern", erklärt Ean ihr leise, sodass nur sie es hört. Sie rollt mit ihren Augen und schaut zu ihrer Rechten, wo ihr älterer Halbbruder auf einem Thron sitzt, der ein gutes Stück höher ist als ihrer. Sein Ellenbogen lehnt auf der geschmückten Armlehne des Thrones, während er sein Gesicht in die Hand stützt. Seine Miene verrät, dass er offensichtlich gelangweilt ist.


Er ist der Bastard ihres Vaters und somit der Kronprinz. Der Thron ist zwar nicht so hoch, wie der des Königs, jedoch steht er auf der gleichen Ebene wie der, der Königin. Ein Bastard wird König, trotz einer ehelichen Tochter. „Misa, wie es scheint, hat hier ja tatsächlich mal jemand Potenzial", gibt Riku desinteressiert von sich, ohne ihr jeglichen Blick zu schenken. Sie schnalzt und wendet sich genervt von ihm ab. Desto älter er wird, desto unerträglicher findet sie ihren Bruder.

Die Prinzessin ist nun mittlerweile neunzehn Jahre alt und der König wird ungeduldig. Er will sie endlich verheiraten, aber nicht an irgendwen, sondern an den stärksten im Königreich. Doch bis jetzt hat Misa es jedes Mal geschafft, sich davor zu drücken, und zwar mit Eans Hilfe, der über jeden etwas herausfand, dass ihrem Vater missfiel. Sei es ein dunkles Familiengeheimnis oder die kleinste Spur von Respektlosigkeit gegenüber einer Frau. Ean fand immer etwas. Außer dieses Mal. Der Mann im Ring ist ein Ebenbild von Perfektion, wie es sich ihr Vater vorstellt.

„Misa, mein Maiglöckchen! Schau dir den jungen Mann an. Ich könnte schwören, dass wir niemand besseren im Königreich finden werden!", kommt es überglücklich vom König, dessen Blick jetzt auf Misa liegt.

„Papa! Nur weil er stark ist, heißt es nicht, dass er mich auch heldenhaft behandelt", entgegnet sie unzufrieden und doch höflich. Ihr Vater seufzt, mit einem Lächeln auf den Lippen. Ihr Bruder hingegen, der zwischen den beiden sitzt, rollt bloß mit seinen Augen.

„Ean, diesmal hast du nichts gefunden. Nicht wahr?", versichert sich der König und Ean entgegnet ihm mit einem nicken. „Nur, dass der junge Herr sehr gerne Waisenkinder beschenkt", sagt er, als wäre es etwas Negatives. „Er hat sogar ein Herz für Kinder, meine Liebe Misa. Wir müssen die Hochzeit ja nicht direkt stattfinden lassen. Drei Wochen, in denen ihr euch kennenlernt, gibt dir genug Zeit, um dich in ihn zu verlieben!", schlussfolgert er und Misa schaut entsetzt zu ihrer Mutter, die an der Seite ihres Mannes sitzt. Misa hat kurz das Gefühl, dass sie dem Gespräch keine Beachtung geschenkt hat, wird jedoch des besseren belehrt.

„Ryuu, Liebster, wieso hetzt du das Kind so? Sie hat doch noch so viel Zeit. Ihr gelingt doch noch nicht einmal das Piano zu spielen, sie sollte ihre Zeit besser solchen Dinge widmen", widerspricht ihm Misas Mutter, die ihren Blick weiterhin auf die Arena gerichtet hat.

„Ach mein Honig Evangeline, wenn unsere Enkel erst da sind, wird sie sowieso keine Zeit mehr dafür haben." Misas Mutter hat ein aufgesetztes Lächeln auf den Lippen, was jeden Moment jemanden umbringen könnte. Es ist der typische Blick, den ihre Mutter ihren Vater alltäglich schenkt, doch Misa hat das Gefühl, dass ihr Vater gar nicht mehr weiß, wie ihr richtiges Lächeln aussieht. Jedes Mal, wenn Misa dieses Lächeln sieht, weiß sie, dass ihre Mutter nichts mehr dazu sagen kann. Es würde sowieso nichts bringen.

Als Misa ihre Aufmerksamkeit wieder auf die Arena richtet, sieht sie, wie er mit dem letzten Bogenschuss auch ins Schwarze trifft und auch die letzte Herausforderung gewinnt. Sollte ihn morgen niemand herausfordern und gewinnen, wird Misa endgültig verheiratet. Und gegen irgendwelche Männer, die spontan antreten, wird Ean nicht so schnell etwas herausfinden können.

„Das Spiel ist vorbei", murmelt sie frustriert vor sich hin.

„Vielleicht sollte ich einfach von hier verschwinden ...", ist der erste Gedanke, der ihr in den Kopf kommt, als sie den Mann im Ring jubeln sieh. Er dreht sich zu ihr und schenkt ihr ein Luftkuss, worauf sie sich entsetzt umdreht und die Tribüne verlässt. „Maiglöckchen!", schreit ihr Vater ihr noch hinterher, doch sie verdreht nur ihre Augen und tut so, als hätte sie es nicht gehört. „Ich muss einfach weit weg von hier", murmelt sie vor sich hin und beißt auf ihren Nägeln herum.

Aber das Schloss zu verlassen, kam ihr schon lange nicht mehr in den Sinn. Sie weiß genau, dass sie allein nicht lange überleben wird. Spätestens nach paar Tagen auf der Straße, würde sie verhungern. Sie ist es nicht gewohnt zu arbeiten, wurde ihr Leben lang im Schloss versorgt und musste nie ein Finger rühren. Mit Politik kennt sie sich nicht aus, denn der Thron war schon immer den Männern in der Familie vorbehalten. Auch ein Bastard-Sohn wird lieber auf dem Thron gesehen als eine Frau. Im Adel wird die Frau nur als eine Trophäe angesehen. Auch für ihre Mutter ist die einzige Aufgabe, die sie hat, ihre Tochter aufzuziehen und am besten noch hübsch dabei auszusehen. Und Misa ist eine perfekte Trophäe, für jeden Mann.

Mit aufsteigender Wut schreitet sie zügig den Korridor, in Richtung ihres Gemachs entlang. Ean schafft es ihr gerade so zu folgen, als die Wachen vor ihrer Tür ihr den Weg in ihr Gemach öffnen und sie nach ihrem Eintritt erneut verschließen. Ean, der ihr gerade so hinterhergekommen ist, gesellt sich zu den Wachen und wartet nun geduldig auf einen weiteren Befehl der Prinzessin, ehe er die Tür wieder verlassen kann.

Misa stürzt sich mit dem Gesicht voran wütend in ihr Bett und brüllt in ihr Kissen. Es ertönt ein Klopfen an ihrer Tür, sie setzt sich auf und atmet kurz durch. „Prinzessin, ist bei euch alles in Ordnung?", hört Misa Eans Stimme, von der anderen Seite der Tür. „Ja, es ist alles in Ordnung! Ruf bitte meine Zofe und du kannst dich auch für das Bankett fertig machen", versucht sie mit ruhiger Stimme von sich zu geben, bevor sie sich an den Frisiertisch setzt.

Sie öffnet den geflochtenen Zopf, der gerade noch ihre Haare gehalten hat und schnappt sich eine Bürste, um ihr Haar zu kämmen, das ihr bis zur Hüfte reicht. Ihre Haut ist seidig weich und hell wie der Schnee. Sie ist größer als ihre Mutter, nicht schlank, aber so ist es auch im Adel angesehen. Wie eine Göttin aus Stein gemeißelt.

Ihre hellen blauen Augen ziehen einen in den Bann und jeder will sie, als sein Eigen haben. Die Prinzessin aus Caelium. Das Abbild einer Göttin, besonders der Göttin Freya. Der Frau, die einst Caelium zu dem machte, was es heute ist. Oder mal war.

Freya war die erste Königin Caeliums, aber auch die letzte. Ihre Existenz scheint aus fast allen Geschichtsbüchern gestrichen worden zu sein. Doch Misa kennt die Geschichten. Die Geschichten, die ihre Mutter ihr als Kind immer zum Einschlafen erzählte. Sie war bloß nur noch eine Legende. Die wenigsten glauben noch dran, dass sie die Provinzen zu einem Land vereint hat. Stattdessen liest man den Namen Eaden an dieser Stelle. Auch wenn er laut Legenden bloß ihr Ehemann war. Misa glaubt jedoch an diese Legenden. Zumindest hofft sie, dass diese stimmen.

Das Klopfen ihrer Zofe bringt sie wieder in die Realität. Das junge Mädchen schenkt ihr einen Knicks und beginnt Misas Haare zu kämmen.

„Ich soll euch von der Königin ausrichten, dass sie euch in Kürze ein Kleid vorbeibringen mag. Ich soll mich nur drum kümmern, dass eure Nase gepudert ist", erklärt sie und Misa nickt still.

Die Zofe macht ihre Arbeit, wechselt aber ansonsten kein Wort mit Misa. Es ist ein Tabu, dass die Angestellten im Schloss ein Gespräch mit dem Adel anfangen, wenn es nicht vonnöten ist, und das ärgert Misa. Ihre Zofe ist nicht viel jünger als sie, doch worüber soll sie sich mit ihr unterhalten können, wenn sie trotz allem alles abblocken muss?

Als die Tür unangekündigt geöffnet wird und die Königin mit einer weiteren Dame hineintritt, tritt die Zofe einen Schritt von Misa zurück und verbeugt sich. „Leg das Kleid auf das Bett und ihr beide könnt gehen", verkündet Misas Mutter und zeigt keine Art von Emotionen auf ihrem Gesicht. Beide machen ein Knicks und lassen Misa mit ihrer Mutter allein. „Deine Haare werden tatsächlich immer schöner", kommt es auf einmal liebevoll von ihr, als sie auf ihre Tochter zugeht und mit ihren Händen durch das lange weiße Haar geht.

„Sie werden bloß länger", entgegnet Misa stutzig und ihr Mutter beginnt ihr ihre Haare zu einer Hochsteckfrisur zu flechten. Ein Seufzer entweicht unbewusst aus Misas Mund, als sie einen Blick in den Spiegel wirft.

„Was ist es Liebes? Liegt es am Herren, der heute gewonnen hat?" Misa liebt nichts so sehr, wie die sanfte Stimme ihrer Mutter zu hören. Die einzigen Male, an denen sie diese zu hören bekommt, ist, wenn die beiden ganz unter sich sind. „Ich habe nie verstanden, wieso du dich für Papa entschieden hast. Wenn du mit ihm sprichst, scheinst du mehr genervt als verliebt", gibt Misa von sich und ihre Mutter muss leicht in sich hineinlachen.

„Ich habe dein Vater doch nicht aus Liebe geheiratet! Genauso wenig wie er. Glaubst du tatsächlich, dass jemand, der dich liebt, ein weiteres Kind mit einer Mätresse bekommt?" Ein weiteres Lachen verlässt ihren Mund. Misa schaut sie eindringlich durch den Spiegel an und beobachtet, wie ihre Lache sich allmählich in eine Wut verwandelt. „Mein Vater mochte Ryuu aus irgendeinem Grund und dachte, er würde ein guter Regent werden. Während ich jemand anderes liebte, musste ich einen Mann heiraten, der einen Handschuh nicht von einer Socke unterscheiden kann!" Sie wird still und versucht sich wieder unter Kontrolle zu bekommen.

„Aber dafür habe ich dich", ihre Stimme wird wieder sanfter. „Lieber habe ich als einziges Kind eine Tochter, als einen Sohn. Und das auch, wenn mein Erbe meinem eigenen Blut entgleitet." Durch den Spiegel schauen die beiden sich mit einem Lächeln an und Misas Mutter kommt ihrer Tochter näher an ihr Ohr. „Wenn du hier wegwillst, ist gerade der richtige Zeitpunkt, um zu fliehen. Tu nicht denselben Fehler wie ich und lass dir alles gefallen", flüstert sie ihrer Tochter zu. Es sind die letzten Worte, die Misa noch das gesamte Bankett im Ohr schwirren.

Weder kann sie sich auf die Tänze noch auf die Unterhaltungen konzentrieren. Auch als ihr Kavalier sich zu ihr setzt, schenkt sie ihm keine jegliche Beachtung. Die Worte ihrer Mutter wird sie nicht los und somit trifft sie auf dem Weg zurück in ihr Gemach die Entscheidung.

„Ean", kommt es von ihr, nachdem sie das Bankett verlassen haben. „Wenn ich keine Prinzessin mehr wäre, würdest du mich trotzdem als Freund begleiten?" Er bleibt für einen kurzen Moment stehen und schaut sie an. „Ich hatte schon vermutet, dass es so weit kommt", murmelt er, jedoch gibt er ihr keine genaue Antwort, sondern schaut sie einfach an.

Das Mädchen, für die er seit Jahren verantwortlich ist und von der er, wie es scheint, nie loskommen wird.„Hast du nicht erst gestern gesagt, dass ich bloß dein Bediensteter bin?" Auf dem Gesicht der Prinzessin bildet sich ein leicht beschämtes Lächeln. Er schüttelt seinen Kopf, als er dieses auf ihrem Gesicht sieht.

„Ich bin eure Leibwache. Ob Prinzessin oder nicht. Es ändert nichts daran, dass ich euch beschützen werde", antwortet er ihr. „Ich fühle mich hierzu verpflichtet."