Virgil - Die Anderson Reihe (Band 3)

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Summary

Virgil Earp Anderson ist, im Gegensatz zu seinen anderen Brüdern, ein ungewollter Frauenheld. Er braucht eine Frau nur anschauen und schon liegen sie in seinen Armen. Das Problem dabei ist, dass sie ihn alle schnell langweilen und er sie loswerden will. Dafür hat er aber Allie, seine Sekretärin, die ihn jedes Mal aus der Patsche hilft. Dabei ist sie selbst in ihren Boss verliebt. Doch Allie kann es sich nicht leisten, eine Affäre mit Virgil zu beginnen, denn sie braucht ihren Job dringend. Dass Virgil sich eine Beziehung mit Allie tatsächlich vorstellen könnte, ahnt sie nicht. Doch irgendwann kommen Dinge ins Rollen, die beide so nicht voraussehen konnten. Hat sich Virgil wirklich geändert, so wie er behauptet? Und wird Allie ihm vertrauen können? Cover by Nancy Bieler © Alle Rechte vorbehalten

Status
Complete
Chapters
23
Rating
5.0 12 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1 - Allie

Hallo.

Mein Name ist Allie. Na ja, eigentlich heiße ich Magdalena Allie Howard, benannt nach meinen beiden Großmüttern. Aber mal ehrlich: Magdalena ist zwar ein hübscher Name, aber ziemlich altmodisch. Und außerdem scheinen einige Leute meinen Namen im Zusammenhang mit der Bibel zu sehen und ich wurde schon mehr als einmal zur Hure deklariert, obwohl ... ich glaube, die haben die Bibel nie gelesen.

Egal. Jeder nennt mich nun Allie und das ist mir auch lieber so.

Ich arbeite in einem großen Unternehmen, dass die neusten Innovationen der Technik plant und auch herstellt. Mit Stolz kann ich sagen, dass ich die persönliche Assistentin einer der Gründer dieser Firma bin. Er ist sozusagen der Kopf des Unternehmens. Und was für einer.

Virgil Earp Anderson.

Ja, sein Vater war wirklich ein Westernfan und hat seine Söhne nach den Earp-Männern benannt. Warum er seinen dritten Sohn gerade Virgil nannte, wird mir wohl ein Rätsel bleiben, denn die meisten verbinden mit diesem Namen irgendwie was mit Jungfrau und so. Ihr wisst schon: Like a Virgin...

Virgil ist alles, aber nicht „jungfräulich“. Obwohl er denkt, er sei nicht gutaussehend, hat er bei jeder Veranstaltung eine andere Frau an seiner Seite, wenn er sich mal bei so etwas blicken lässt. Und ich weiß auch, dass er sie vögelt, denn ich bin diejenige, welche die kurzfristige Partnerin zur Ex machen muss. Ich kaufe ein Geschenk, das nicht gerade billig ist, verfasse einen netten Brief und veranlasse, dass die Dame Virgil nicht an den Karren fährt.

Das hört sich nun ziemlich schäbig an und ja, das ist es auch. Aber Virgil denkt sich dabei nicht einmal etwas. Er macht den Frauen immer klar, dass er an keiner Beziehung interessiert ist. Sobald ihn die Frau langweilt, vergisst er sie. Und es ist tatsächlich so, wie ich es sage. Er beschließt, dass er die Dame nicht mehr kennt und dann scheint sich ein Scanner über seinen Kopf zu bewegen und alle Erinnerungen auszulöschen, die im Zusammenhang mit seiner Affäre steht.

Ich kann mich noch an alle Frauen erinnern, die ich „abfertigen“ musste. Die erste Geliebte, mit der ich zu tun hatte, hieß Shannon. Ich kann mich noch an die Nachrichten erinnern, die Virgil bekam. Da er sein Handy vor der Arbeit bei mir auf den Schreibtisch ablegt, um nicht gestört zu werden, konnte ich sie lesen, was mich sehr verstörte.

Warum meldest du dich nicht?

Was ist passiert?

Habe ich etwas Falsches getan?

Sie tat mir wirklich leid. Alle tun mir leid, aber Shannon war nun mal meine erste Ex. Also...nicht meine. Aber eben die Erste, die ich im Namen von Virgil abschoss.

Als ich Virgil darauf ansprach, schaute er mich nur verwirrt an und fragte mich, wer Shannon sei.

Ehrlich!

Er hatte sie schon vergessen.

Das ist wirklich faszinierend, wie schnell er die Frauen vergessen konnte und sich wieder seiner Arbeit zuwandte, als ob nicht geschehen wäre.

Ich fragte ihn, ob ich Shannon ein Geschenk in seinem Namen schicken durfte. Dazu einen Brief, dass er die Beziehung beendet.

Ohne aus seinen Schaltkreisen aufzublicken, machte er mir ein Handzeichen, dass er einverstanden war. Ich nehme mal an, er wusste gar nicht, für was er sein Einverständnis gab. Er hatte seine Ruhe, seinen technischen Schnickschnack und ich sorgte dafür, dass es so blieb.

Am Ende des Monats bekam ich einen Bonus und ich wusste, dass es von seiner Seite eine stille Vereinbarung war.

Ich verstehe, wenn ihr Virgil nun zu einem Arschloch erklärt. Das habe ich selbst schon getan. Aber ich kenne ihn nun schon seit zwei Jahren und weiß, dass er ein sonderbarer Mann ist, aber eben kein Arschloch. Im Schluss machen vielleicht etwas ungeschickt, aber kein Arschloch.

Ja, ich mag ihn. Sogar sehr.

Doch ich werde wohl immer seine Assistentin sein, die ihm jeden Ärger vom Hals hält.

Mehr nicht.

Nie!



„Allie? Allie! Wo ist der verdammte Ordner mit den Schaltplänen der...“

Ich nehme den Ordner aus dem Regal und reiche ihn Virgil. Dabei hebe ich einen Finger in die Höhe.

„Keine Kraftausdrücke in meinem Büro.“

Er schnaubt mich an und ich hebe eine Augenbraue, um ihn wieder einmal daran zu erinnern, dass er nicht einfach überall schalten und walten kann, wie er will. Er ist zwar der CEO, aber dieses Büro hier ist mein Reich.

Mit einem genervten Ausdruck nimmt er mir den Ordner aus der Hand und verschwindet wieder in seinen Raum.

Nein, ich weigere mich, diese Technikhöhle als Büro zu bezeichnen. Ich selbst betrete Virgils Reich nur, wenn es unbedingt sein muss, denn ich habe wirklich Angst, etwas aus Versehen anzustoßen und kaputt zu machen. Das wurde meiner Vorgängerin zum Verhängnis. Na ja. Nicht nur das. Sie kam auch nicht mit Virgils Art zurecht. Ich muss mich selbst immer wieder zusammenreißen, damit ich diesen Kerl nicht gehörig den Kopf wasche.

Ich drehe mich um und gehe zu meiner Kaffeemaschine. Beinahe liebevoll gleitet meine Hand über die glatte Oberfläche und als meine Fingerspitze den Schalter berührt, der für meinen geliebten Milchkaffee verantwortlich ist, drücke ich sanft und schließe die Augen, um dem Geräusch zu lauschen, welches die Maschine von sich gibt.

„Virgil ist heute wohl wieder sehr anstrengend?“

Ich drehe mich erschrocken um und fange dann an zu seufzen, als ich Rilla, Virgils Schwägerin erkenne.

„Ist er das nicht immer? Sind das nicht alle Anderson-Männer?“

Sie kichert und setzt sich auf das kleine Sofa, dass ich mir vom letzten Ex-Freundinnen-Bonus gegönnt habe. Manchmal kommt es vor, dass ich länger im Büro bleibe und ich brauche dann einfach ein gemütliches Sofa, um meine Beine hochzulegen.

„Morgan soll ganz verträglich sein.“

Ich runzle meine Stirn.

„Morgan? Du meinst wirklich Morgan Earp Anderson? Arzt im Ruhestand? Einsiedler und Eigenbrödler?“

Rilla kichert und nimmt dann dankbar eine Tasse Kaffee an, die ich ihr reiche. Die Universität, in der ihr Mann als Professor lehrt, ist nicht weit von Virgils Firma entfernt und da Wyatt nicht gerne Kaffee trinkt, kann es schon passieren, dass Rilla mich besuchen kommt. Beim ersten Besuch wollte sie eigentlich nur zu Virgil, aber mittlerweile hat sich zwischen uns eine Freundschaft entwickelt, die ich nicht mehr missen wollte. Es lag vielleicht aber auch daran, dass wir beide Sekretärinnen für wirklich schwierige Chefs sind. Bei Rilla ist aber nun mal das Problem, dass sie ihren Boss geheiratet hat.

„Morgan hat sich ganz schön verändert. Deswegen bin ich auch hier.“

Ich schwöre, wenn ich Rilla noch eine Weile zuhöre und meine Stirn runzle, dann bekomme ich vorzeitig Falten.

„Du sprichst in Rätseln.“

In dem Moment wird die Tür von Virgils Höhle aufgerissen und Jazz-Musik erschallt in meinem Raum.

„Allie! Ich suche die verflu...verflixte Telefonnummer von Marc Newman.“

Ich finde es wirklich niedlich, dass Virgil sich meine Worte zu Herzen nimmt und versucht, in meinem Büro nicht zu fluchen.

Er starrt zu Rilla und dann zu mir.

Ich beeile mich, ihm die Telefonnummer heraus zu suchen. Marc Newman war einer seiner besten Kunden und auch so etwas wie ein Freund. Ich frage mich, wann Virgil sich endlich seine Nummer irgendwo einspeichert.

„Hey, Schwager. Störe ich dich?“

Rilla lächelt ihn sehr, sehr freundlich an, dass es schon beinahe grotesk wirkt.

Auf einmal ändert sich Virgil. Er beginnt ebenfalls zu lächeln und breitet seine Arme aus, um Rilla darin in Empfang zu nehmen.

„Nie im Leben. Wer meinen Bruder zähmt, hat meine Hochachtung verdient und darf mich jederzeit stören. Was führt dich zu mir? Oder besuchst du Allie?“

Rilla lässt sich umarmen und ich bin schon etwas neidisch darauf, dass Virgil ihr ein echtes Lächeln schenkt.

„Eigentlich besuche ich euch beide. Oder besser gesagt, ich lade euch zum Abendessen ein.“

Virgil starrt mich ratlos an.

„Habe ich einen Geburtstag vergessen?“, fragt er mich leise, was Rilla zum Lachen bringt.

Mir ist eigentlich weniger zum Lachen, denn solche Sachen muss ich Virgil immer per E-Mail schicken, dass er es sich überhaupt merkt. Heute habe ich ihm nichts dergleichen geschickt und es fühlt sich für mich so an, als ob Virgil das nicht einmal bemerkte.

„Du hast nichts vergessen, Virgil. Morgan hat mich angerufen. Er ist auf dem Weg zu uns und hat eine Frau und ein Kind bei sich.“

Virgil starrt Rilla an, als ob sie ihm gerade erklärte, dass Außerirdische bei ihr gelandet wären.

„Moment. Morgan hat eine Frau? Und ein Kind? Aber ich dachte...“

Rilla knufft ihn in die Seite.

„Natürlich kann er immer noch keine Kinder bekommen. Aber man schickte ihm die Frau, als sie schon in den Wehen lag. Morgan ist immer noch Arzt, wenn du dich daran erinnerst. Er holte Seth auf die Welt und weil Louisa niemand hat, der sich um sie kümmern kann, wohnt sie bei ihm.“

Ich nicke verständnisvoll, denn auch wenn ich keine Kinder habe, kann ich mir vorstellen, dass ein Baby anstrengend sein kann. Wenn Morgan seinem Bruder Wyatt ähnelt, dann konnte diese Louisa an keinen besseren Mann kommen. Ich hoffe zumindest, dass er Wyatt und nicht Virgil ähnelt.

„Nun, Morgan macht sich Sorgen um Louisa und deswegen hat er sie mitsamt ihren Sohn ins Auto gesteckt und ist auf dem Weg hier her, damit sie mal etwas zur Ruhe kommt.“

Sie schaut mich an.

„Du musst mir helfen. Ich habe vor, Louisa morgen einen Verwöhn Tag zu gönnen.“

Ich klatsche freudig in die Hände.

„Super. Ich habe auch schon eine Idee, wo wir hinkönnen.“

Rilla grinst mich an, während Virgil verständnislos den Blick zwischen uns beide wandern lässt.

„Genau darauf habe ich gehofft. Machst du einen Termin aus? Und heute Abend lade ich euch beide eben zu einem kleinen Familienessen ein.“

Virgil blinzelt einige Male.

„Was habe ich damit zu tun?“

Rilla schnaubt und küsst ihn aber dann auf die Wange.

„Du, mein lieber Schwager, wirst endlich mal deinen Kopf aus den Kabeln nehmen und dich mit richtigen Menschen unterhalten. Das tut dir auch mal gut.“

Er zuckt etwas zurück.

„Aber ich unterhalte mich jeden Tag mit Allie.“

Rilla verdreht die Augen und wirft mir ein Blick zu, der keine Ausreden zulässt.

„Sorge dafür, dass er um sieben bei uns ist. Notfalls fessle ihn und rufe Wyatt an. Er hilft dir beim Tragen.“

Ich lache laut, denn Rilla hat manchmal schon seltsame Ideen. Als ob ich Professor Anderson anrufen würde, um seinen Bruder gewaltsam zu einem Familienessen zu schleppen. Gut, der Gedanke daran amüsiert mich königlich. Ich könnte es wirklich auf einen Versuch ankommen lassen. Doch Virgil sieht mich jetzt schon strafend an.

Dann eben nicht.

„Ich sorge schon dafür. Er wird pünktlich sein.“

Sie hebt einen Finger.

„Du auch. Das war mein Ernst. Ich werde sowieso zu viel kochen und du solltest auch einmal eine vernünftige Unterhaltung führen dürfen und nicht nur mit diesem Elektromonster.“

Ich kichere, während Virgil sich streckt, um seine beeindruckende Größe zu demonstrieren.

„Monster, was? Dann überrasche ich dich mal. Ich werde nämlich heute Abend kommen und zu Morgans neuer Freundin sehr nett sein. Aber das Kind...ich kann nicht mit Kindern.“

Wir Frauen kichern, während er versucht, würdevoll in seine Höhle zurückzukehren.

Rilla nimmt den letzten Schluck Kaffee und lächelt mich an.

„Zeige es ihm ruhig, Allie. Virgil braucht eine Frau, die auf ihn aufpasst und ihn ab und zu wieder in die reale Welt zurückholt.“

Mein Seufzen ist sehr leise.

„Ich bin nur seine Sekretärin, Rilla. Auch wenn ich mich manchmal wie eine Mutter vorkomme.“

Rilla lacht.

„Denkst du, mit Wyatt geht es mir anders? Sie sind Genies. Und manchmal scheint es so, als ob das Leben an ihnen vorbeirauscht, während sie arbeiten und lernen. Wyatt hat sich schon geändert...na ja...fast, aber er entschädigt mich immer dafür, wenn er wieder alles um sich herum vergisst.“

Ich hebe einen Finger.

„Aber du bist mit ihm verheiratet. Virgil ist mein Boss. Deswegen wird es nie zu einer...“

Rilla lacht schallend und hebt ihre Hand an, um mich zu stoppen.

„Was glaubst du, was Wyatt für mich war? Aber lassen wir das. Wenn du kein Interesse an Virgil hast, dann will ich dich nicht drängen. Wir sehen uns heute Abend.“

Sie stellt die Tasse in die Spüle und verlässt mein Büro.

Ich lehne mich seufzend gegen meinen Schreibtisch.

Das ist ja leider das Problem. Ich habe sehr wohl Interesse an Virgil. Auch wenn er mit Frauen umgeht, als ob sie Wegwerfware wären, hat er einiges an sich, was mir gefällt. Ich bewundere seine Intelligenz und sein kantiges Aussehen. Sein langes Haar würde ich zu gerne einmal berühren. Doch das würde ich nie freiwillig zugeben. Ich brauche den Job und Virgil ist eben nicht Wyatt. Virgil würde eine Romanze im Job nie zulassen.

Deswegen bewundere ich ihn von der Ferne, auch wenn ich sehr nahe bei ihm bin. Das muss reichen.