Happy Harvest

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Summary

Australien! Jessica erfüllt sich mit 6 Monaten Work & Travel ihren persönlichen Traum. Als ihre Reisekasse sich rapide leert, nimmt sie einen Job als Erntehelferin auf einer Ananasplantage an. Hier begegnet sie Bob, einem charmanten und bodenständigen Tagelöhner, der sie in die Geheimnisse der Ananasernte einführt. Während sie gemeinsam unter der stechenden Sonne arbeiten, entwickelt sich zwischen ihnen eine leidenschaftliche Verbindung, die Jessica nicht erwartet hatte. Inmitten reifer Früchte und endloser Felder entfaltet sich ein Spiel von Lust und Verlangen. Doch ist Bob wirklich derjenige, für den er sich ausgibt? Begleite Jessica auf ihrer Reise der Entdeckung und Leidenschaft – und erlebe, wie der Herbst ihre Welt für immer verändert!

Status
Ongoing
Chapters
3
Rating
5.0 1 review
Age Rating
18+

Dreamtime

Australien - Land der Traumzeit!

Für Jessica sollte ein Traum wahr werden. „So eine Chance bekommt man nur einmal im Leben!“, hatte sie sich gedacht. Wenn nicht jetzt, wann denn dann? Sie war jung. Sie war attraktiv. Sie war taff. Und sie hatte Power. Viel Power! Sobald Jessica sich ein Ziel gesetzt hatte, gab es kein Halten mehr. Jahrelang hatte sie jeden Cent, den sie entbehren konnte, gespart, um ihren großen Traum zu verwirklichen: Ein halbes Jahr Work & Travel in Australien. Sie wollte Land und Leute kennenlernen, den majestätischen Ayers Rock bestaunen, die traumhaften Strände von Fraser Island und den glitzernden Lake McKenzie entdecken, die Metropolen Sydney und Brisbane erkunden und natürlich am Great Barrier Reef tauchen. Ihre Neugier trieb sie an, das gesamte Land zu bereisen um unvergessliche Eindrücke zu sammeln. Vor vier Monaten war es dann endlich so weit. Nach einundzwanzig Stunden Flugzeit landete Jessica in Perth, der pulsierenden Metropole im Westen Australiens. Mit einem vollgepackten Rucksack und einer gut gefüllten Reisekasse stürzte sie sich ins Abenteuer. Sie war hungrig nach neuen Erfahrungen, neuen Begegnungen – und nach neuen Männern.

Jessica war wieder Single. Ihr Freund hatte sich vor über einem dreiviertel Jahr von ihr getrennt. Auch wenn sie es sich nicht recht eingestehen wollte, so sehnte sie sich doch nach einer starken Schulter, an die sie sich anlehnen konnte. Es war ihr dreiundzwanzigster Geburtstag, als sie in einem Zug Richtung Sydney fuhr. Viele Gratulanten gab es nicht an diesem Tag und so spielte Jessica mit dem Gedanken, was sie tun würde, wenn ihr ein gutgebauter und sonnengebräunter australischer Surfer am Bondi Beach eine eindeutige Offerte machen würde.

Jessica war kein Kind von Traurigkeit. Wenn sich eine Gelegenheit bot, würde sie sie beim Schopf packen. Doch sie war wählerisch. Gut aussehen musste er, einen sportlichen Körperbau haben und am besten einen beeindruckenden Sixpack! Muskulöse Oberarme und ein breites Kreuz wären ebenfalls nicht zu verachten. Besonders wichtig war ihr, dass er perfekt gepflegt war - überall. Ein Mann, der sein Äußeres vernachlässigte, hatte bei ihr keine Chance, und dreckige Fingernägel waren ihr ebenso ein Graus wie ein behaarter Rücken, Brusthaare oder sonstige Behaarung, die an einen Affen erinnerte! Anders ausgedrückt: Sie suchte nach einem Mann, der sie mit seiner Erscheinung fesselte! Sollte dieser Traummann auch noch über ein stattliches Bankkonto verfügen, könnte sie sich durchaus vorstellen, ihr gewohntes Umfeld hinter sich zu lassen und nach Australien zu übersiedeln.

„Wer suchet, der findet!“

Jessica saß in einem kleinen Café am Darling Harbour und kramte in ihrer Geldbörse nach Kleingeld, um ihren Cappuccino zu bezahlen. Genüsslich leckte sie sich den Milchschaum von den Lippen. Seit über drei Monaten reiste sie nun kreuz und quer durch Australien und hatte dabei viel erlebt. Doch all diese Erlebnisse forderten ihren Preis - ihr Reisebudget war inzwischen beträchtlich geschrumpft. Das ‘Travel’ lief gut, aber wie stand es um das ‘Work’? Jessica hatte sich bislang ganz den angenehmen Seiten und den Freuden dieser Reise hingegeben. Doch angesichts ihrer knappen Reisekasse musste sie nun darüber nachdenken, wie sie wieder an Geld kommen könnte. Sie lehnte sich zurück und ließ die letzten wärmenden Sonnenstrahlen des Tages auf ihr Gesicht fallen. Dennoch waren die Sorgenfalten auf ihrer Stirn unübersehbar.

„Wenn ich diesen sündhaft teuren Cappuccino bezahlt habe, bleiben mir nur noch knapp fünfhundert Dollar. Für die zehn Nächte im Hostel in Sydney gehen nochmal einhundertachtzig Dollar drauf…“, rechnete sie im Stillen. Ihr größter Traum war es, einmal am Great Barrier Reef zu tauchen. Australien wollte sie auf keinen Fall verlassen, ohne diese farbenfrohe Unterwasserwelt erkundet zu haben.

„In Queensland kann man als Fruitpicker gutes Geld verdienen“, hatten ihr andere Backpacker erzählt. Warum also nicht das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und in Brisbane einen Zwischenstopp einlegen? Der Gedanke, nach dem ganzen Großstadtgetümmel ein wenig Zeit im Freien an der frischen Luft zu verbringen, gefiel ihr. „Ein Feld voller aromatischer, perfekt gereifter Ananas, und ich darf sie pflücken! Am Wochenende mache ich einen Ausflug zur Gold Coast, sonne mich an den endlosen Sandstränden oder surfe ein wenig. So kann ich meine Reisekasse aufbessern und habe gleichzeitig Spaß dabei!“, so dachte sie sich das jedenfalls.

Schon zwei Tage später fand sie sich im stickigen Büro eines Ananasfarmer in der Nähe von Brisbane wieder. An den Wänden hingen überall bunte Werbeplakate mit der Aufschrift „RC Pineapples“, auf denen lachende Plantagenarbeiter stolz erntereife Ananas präsentierten. Auf dem Schreibtisch stand ein schlichter Halter mit einem gravierten Metallschild, auf dem „Richard Conelly – Direktor RC Pineapples“ zu lesen war. Es ließ keinen Zweifel daran, wer hier das Sagen hatte. Dahinter saß ein korpulenter älterer Herr mit Hornbrille, der Jessica wortlos ihren Arbeitsvertrag über den Tisch schob.

„Sechzehn Dollar die Stunde? Das ist noch nicht einmal der gesetzlich vorgeschriebene Mindestlohn!“, beschwerte sich Jessica, als sie den Arbeitsvertrag durchlas.

„Du bist eine Frau. Du bist schwach. Das hier ist Arbeit für echte Kerle. Mehr ist für dich nicht drin.“

„Aber per Gesetz stehen mir mindestens vierundzwanzig Dollar pro Stunde zu!“

„Und mir stehen per Gesetz volle Kisten mit Ananas zu. Ich brauche Arbeiter, die anpacken. Achtzehn höchstens.“

„Zweiundzwanzig!“

„Du gefällst mir, Kleine. Ich gebe dir zwanzig. Das ist mein letztes Wort. Wenn du damit nicht einverstanden bist, kannst du gleich wieder verschwinden!“

„Zweiundzwanzig, oder sie können ihre Ananas am Stock verfaulen lassen!“

Richard Conelly runzelte die Augenbrauen und musterte Jessica scharf. Solch eine zähe Verhandlungspartnerin saß ihm bisher noch nie gegenüber. Auch wenn er es sich nicht anmerken ließ, gefiel es ihm, wie Jessica sich von ihm nicht weiter einschüchtern ließ und sie ihre Forderungen durchsetzte. Solche Leute konnte er auf seiner Farm brauchen.

„Also gut!“, willigte er ein. „Zweiundzwanzig Dollar die Stunde. Du bist eine hartnäckige Verhandlungspartnerin, junge Lady!“

Während Jessica ihren Arbeitsvertrag unterschrieb, zündete sich Richard Conelly genüsslich eine Zigarre an, dessen Rauch der Ventilator an der Decke gleichmäßig im Büro verteilte.

„Weißt du, ich hätte dir auch vierundzwanzig gegeben!“ sagte Richard Conelly und blies Jessica eine dicke Rauchwolke entgegen.

„Und ich hätte es auch für achtzehn gemacht!“, konterte Jessica, ohne dabei Emotionen zu zeigen. Schließlich brauchte sie unbedingt Geld, um ihren australischen Traum nicht vorzeitig beenden zu müssen. In diesem Augenblick trat ein Farmarbeiter ins Büro von Richard Conelly. Sein abgenutzter Lederhut erinnerte Jessica unwillkürlich an Crocodile Dundee. Wahrscheinlich hatte er die ganze Zeit irgendwo draußen vor der Tür gestanden und jedes Wort des Zwiegesprächs mit angehört.

„Das ist Bob“, fuhr Richard Conelly fort und nickte dem Farmarbeiter zu, „er wird dich auf dein Zimmer bringen und dir morgen zeigen, was du zu tun hast.“ Als sich der Farmarbeiter näherte, stieg Jessica ein Duft von Moschus, gepaart mit einer guten Prise Männerschweiß in die Nase, der im ersten Moment intensiv wirkte, aber auf angenehme Weise unaufdringlich blieb. Als sie Bob anblickte, fiel ihr sofort sein schmutziges Hemd und die abgenutzten Jeans auf, die wohl von seinem langen Arbeitstag gezeichnet waren. Trotz seines ungepflegten Erscheinungsbildes konnte sie den Anblick seiner muskelbepackten Oberarme nicht ignorieren, die bei jeder Bewegung unter dem Stoff seines Hemdes hervorblitzten. Sein kurzes, hellbraunes Haar verlieh ihm ein dynamisches Aussehen und hinter der rauen Fassade spürte sie eine gewisse Herzlichkeit. Es war diese Mischung aus Stärke und Bodenständigkeit, die sie faszinierte. Sie merkte, wie sie sich dabei ertappte, ihm ein Lächeln zu schenken - ohne es wirklich zu wollen. Als sich ihre Blicke zum ersten Mal trafen, hielt er kurz inne und wischte sich den Schweiß mit dem Handrücken von der Stirn. Seine Augen musterten sie für einen Moment, erst überrascht, dann mit einem verschmitzten Zwinkern. Noch verwirrten ihn seine Empfindungen des ersten distanzierten Kennenlernens und er war sich nicht sicher, welchen Eindruck er bei ihr hinterlassen hatte. Behutsam ergriff sie seine Hand, die er ihr freundschaftlich zur Begrüßung entgegenstreckte. Mit sanftem, aber bestimmten Druck erwiderte Jessicas seine Begrüßung, die unbewusst zu einem weiteren dezenten Schweißausbruch auf seiner Stirn führte.

„Hallo, ich bin Bob. Bist du die Neue?“

„Ja.“, erwiderte Jessica noch ein wenig verlegen. Noch immer konnte sie sich der Faszination, die von Bob ausging, nicht entziehen. „Ich bin Jessica und werde drei Wochen bei der Ananasernte mithelfen.“

„Dann komm mit, ich zeige dir deine Unterkunft!“

Jessica erhob sich von ihrem Stuhl, warf sich ihren Rucksack über die Schulter und folgte Bob, während Richard Conelly sich darüber freute, wieder ein paar Dollar gespart zu haben, und weiterhin die Luft seines Büros mit dicken Rauchwolken schwängerte.

Bob führte Jessica über den Hof der Farm zu einem Nebengebäude, in dem die Saisonarbeiter untergebracht waren. „Du hast Glück, Lady!“, rief Bob, als er eine der abgewetzten Türklinken herunterdrückte, „Du bekommst das Single-Appartement!“

Jessica war es etwas mulmig zumute, als sie das schäbige kleine Zimmer betrat. Das einfache Inventar war bunt zusammengewürfelt und hatte auch schon einmal bessere Zeiten gesehen. In den Zimmerecken kroch bereits Schimmel die Wände hoch und verbreitete einen leicht modrigen Geruch.

„Das Bad ist schräg über dem Gang, gleich neben der Küche. Morgen um sechs ist Arbeitsbeginn.“

„Du holst mich hier um sechs Uhr ab?“

„Nein. Um sechs beginnt die Arbeit auf der Plantage. Da ist es noch angenehm kühl. Ich hole dich um kurz nach fünf ab!“

„So früh?“

„Dafür hast du mittags drei Stunden Pause. Dann arbeiten wir weiter, so bis in den frühen Abend. Spätestens um 18:00 Uhr sind wir wieder hier. Und wenn ich dir noch einen Tipp geben darf: Sei pünktlich! Wenn der Boss erfährt, dass du zu spät kommst, zieht er es dir vom Lohn ab!“

„Dann sehen wir uns morgen?“

„Geh früh schlafen. Morgen, das wird ein harter Tag für dich. Wenn du nicht rechtzeitig wach bist, werfe ich dich aus dem Bett!“

Mit diesen Worten verabschiedete sich Bob von Jessica, die sich erschöpft auf das quietschende Metallbett setzte. Es bestand nur aus einem rostigen Gestell mit Kopfteil und einer durchgelegenen Matratze. Trotzdem gefiel ihr die Vorstellung, hier morgen von Bob abgeholt zu werden.

Jessica ließ sich zurück auf das Bett fallen und richtete ihren Blick gegen die Decke, die früher einmal weiß gewesen sein muss, jetzt aber deutliche braune Verfärbungen zeigte. Nun, als Bob gegangen war, änderte sich ihr Gemütszustand schlagartig. „Ich bin in einem Alptraum gelandet!“, murmelte sie vor sich hin. „Dieser alte Mistkerl hat mich über den Tisch gezogen! Der weiß genau, dass ich dringend Geld brauche und nutzt meine Notlage voll aus!“

„Ja, der alte Richard ist schon ein Schlitzohr!“, tönte es durch Jessicas Zimmertür, die immer noch einen Spalt offenstand. „Sei froh, dass du ein Einzelzimmer bekommen hast. Die Jungs schlafen hier zu viert in einem Zimmer, und einer schnarcht immer!“

Langsam richtete Jessica sich auf und blickte zur Tür. Draußen standen ein paar von den Saisonarbeitern uns blickten neugierig durch den Türspalt, um den Neuzugang zu inspizieren.

„Gibt es hier W-LAN?“, erkundigte sich Jessica bei ihnen.

„Hier gibt es Ananas, und sonst nichts!“, entgegnete einer der Arbeiter lachend. Jessicas lange braune Haare und ihre enge Jeans verfehlten auch bei ihren Hausgenossen ihre Wirkung nicht. Frauen waren hier eher selten anzutreffen. „Kostenloses W-LAN gibt es im „McDonnells“. Hier die Straße entlang, dann die zweite Straße links. Du siehst die goldenen Bögen schon von weitem.“

„Danke, Jungs.“

Frustriert griff Jessica nach ihrem Handy und machte sich auf den Weg zum „McDonnells“, um eine Mail an ihre Familie in der Heimat zu schreiben. Darin wollte sie berichten, dass sie gerade in der Nähe von Brisbane residierte, alles bestens war und sich niemand Sorgen um sie machen musste. Als sie die Farm verließ und auf die Straße trat, überkam sie heimliche Freude bei dem Gedanken, dass Bob sie am nächsten Morgen abholen würde...