Splinter

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Summary

Nach Jahren des Verschwindens wird die Leiche seines Bruders gefunden. Getrieben vom Verlangen Gerechtigkeit zu finden, beschließt Nic seine erfolgreiche Karriere an den Nagel zu hängen und mit der Fähigkeit die Erinnerungen anderer zu durchleben, den Täter eigenhändig zu fassen. Doch die Wahrheit hinter dem Verschwinden reicht viel tiefer in die Vergangenheit, als erwartet. Als die Grenzen zwischen Gerechtigkeit und Vergeltung verschwimmen, entfaltet sich ein Netz aus Geheimnissen, die Nics eigene Dämonen aufwirbeln und erneut seine Moral auf die Probe stellen.

Status
Ongoing
Chapters
10
Rating
5.0 1 review
Age Rating
18+

Prolog

»Nic! Seit wann bist du denn wieder in Manchester? Ich dachte du wärst noch in Edinburgh.« Es ist halb zwei Nachts und Nic sitzt wie immer an seinem Schreibtisch und tippt auf der Tastatur einem seiner Computer.

»Ich habe garnicht mitbekommen das Nic weg war.« kommt es jetzt von einer weiteren Person, welche sich ebenfalls in den Türrahmen von Nics Büro stellt und ihn mustert.

»Zwei Tage Edinburgh, ein Tag Birmingham, vorhin zurückgeflogen.« informiert Nic die beiden ohne sie eines Blickes zu würdigen.

»Wenn du vorhin zurück geflogen bist, musst du sicherlich müde sein, warum arbeitest du noch? Alle anderen sind schon gegangen. Ich wollte mir einen Kaffee holen, also kann ich dir gerne auch einen bringen.« sagt die Frau mit einer freundlichen und fürsorglichen Stimme.

»Gerne, Danke.« antwortet Nic wieder ohne seinen Blick von den auf dem Bildschirm angezeigten Graphen und Diagrammen zu wenden.

»Ich hätte schwören können, dass Nic gestern hier gesessen hat wie immer, und am Tag davor auch. Warst du wirklich drei Tage weg?«

Eine Hand legt sich von Hinten auf die Schultern der beiden. »Ela, Mitch, hört auf ihn abzulenken. Nic hat offensichtlich zu tun.« Kurze Zeit später verschwinden die drei schließlich und Nic sitzt immer noch wie ein Roboter an seinem Schreibtisch und schaut sich die Graphen an.

Erfolgreichster Banker in unserem Unternehmen.

Steht auf einer neben dem Regal abgestellten Auszeichnung, für welche sich Nic nichtmal die Mühe gemacht hatte, sie aufzuhängen. Gegen halb drei fährt er schließlich den Computer runter, packt seine Sachen in einen schwarzen Aktenkoffer, zieht seinen dunkelgrauen Kaschmir Mantel an und verlässt kurze Zeit später das Gebäude. An der Straße steht bereits ein schwarzer Mercedes mit einem Fahrer, auf welchen Nic geradewegs zuläuft. Es ist September und schon relativ kalt, besonders nachts. Es muss die letzten Tage viel geregnet haben, da sich in den Kuhlen am Straßenrand teilweise Wasser abgesetzt hat, durch welche die schwarze Limousine nun unterm Nachthimmel entlang fährt. Manchester Finanzdistrikt, schwer die höchsten Gebäude der Stadt zu übersehen. Es ist Nics Arbeitsplatz oder vielmehr einer von Dreien in Großbritannien, zwischen denen er regelmäßig pendelt.

Kurze Zeit später hält der schwarze Mercedes vor einem etwas niedrigerem Wolkenkratzer, wessen silber glänzender überwachter Eingangsbereich nicht luxuriöser nach Geld schreien könnte. Nics Wohnung, oder besser gesagt eine von Vielen liegt in einem der obersten Stockwerke und man kann es eigentlich nicht mehr als eine solche bezeichnen. Durch die Eingabe eines acht-stelligen Pins entriegelt das Türschloss und Nic öffnet die 2,5 Meter hohe Eingangstür. Mamor Böden und Decken höher als in einem Altbau, die Möbel mit silbernem Chrom verziert, Kunstwerke an den Wänden, welche teurer waren als das Jahreseinkommen eines Durchschnittsbürgers. Nic zieht seinen Kaschmir Mantel aus und hängt ihn zu unzähligen weiteren in einen Wandschrank im wohnzimmergleichen Eingangsbereich. Dann stellt er seinen Aktenkoffer neben dem riesigen Küchentresen ab und läuft zum doppeltürrigen Kühlschrank. Einen Moment später steht er mit einem Kristall Glas und einer Flasche 1998er Bladnoch Whiskey auf seinem Balkon und schaut uneingeschränkt über die Gebäude von Manchester. Von so weit oben scheint es fast lächerlich still, gedämpft von den Geräuschen einer Großstadt ist diese Wohnung der Traum von jedem aufsteigenden Banker. Ein Traum der für Nic Realität ist.

Das Klingeln von Nics Smartphone durchschneidet die so angenehme Stille.

Ein Traum der durch einen einzigen Anruf zerstört werden kann.

Eine relativ tiefe Männerstimme ertönt, als Nic den Anruf abnimmt. »Spreche ich da mit Nicholas Farley?«

Nic erkennt die Person anhand ihrer Stimme zwar nicht, aber die Vorwahl der Telefonnummer ist ihm nur allzu bekannt.

»Können sie schnellstmöglich nach Glasgow kommen? Wir haben ihren Bruder gefunden.« Die Stimme hält kurz Inne und man hört ein leises Schlucken.

»Er ist tot.«