Frustration
Frustration
~ ist ein Zustand von Enttäuschung und Blockade, der nicht unbedingt zu explosiven Reaktionen führt, sondern in länger andauernder Verärgerung (Wut) oder Resignation resultieren kann.
Wut
~ ist impulsiver und zielgerichteter. Sie kann schnell und aus dem Moment heraus entstehen, ist jedoch auch eine unmittelbare Reaktion auf eine wahrgenommene Bedrohung oder Ungerechtigkeit.
Zorn
~ kann als intensivere, tiefere und länger anhaltende Form der Wut verstanden werden. Er ist oft weniger konkret und kann über lange Zeiträume hinweg gärend wirken.
Je leiser ich wurde, desto lauter toste es in mir.
Nach Jahren änderte sich nicht, was er zu Beginn nur mit Worten beteuerte, aber keine Taten folgen ließ. Ich wollte ihm glauben. Erkannte seine Lügen nicht. Er verpackte seine Visionen einer gemeinsamen Zukunft liebevoll in bunt schillernden Seifenblasen, gehauchten Küssen und sanften, beiläufigen Umarmungen. Er versprach mir den Himmel.
Die Realität sah anders aus.
Die Tasse fiel mir aus der Hand, weil meine Finger zitterten. Mit einem widerhallenden Scheppern landete die Tasse auf dem Boden. Sie zersprang in viele kleine Teile und ich erkannte endlich die Parallele zu uns, als ich das zersplitterte Bild unserer Illusion einer Beziehung klar vor meinen Augen sah.
Die Flut aus Scherben ergoss sich auf die Fliesen des Eingangsbereiches, wo sie unter das dort stehende Mobiliar flohen. Als wollte sie nicht mehr mit den anderen verbunden sein. Als gäbe es keine Möglichkeit, dieses Puzzle wieder zusammenzusetzen. Wie auch wir uns voneinander entfernt hatten.
Ich erkannte, was nicht mehr zu retten war. Was ich verzweifelt zusammenzuhalten suchte. Unfähig auch nur ein Wort herauszubringen, schwieg ich in die Stille der leeren Wohnung.
Innerlich gärte und wallte die Frustration in mir auf, die zu lange schlief. Es kam nicht vollkommen überraschend. Es gab Anzeichen, die ich bewusst ignoriert hatte. Die ich nicht sehen wollte.
Er redete nicht mehr mit mir, wie er es zu Anfang tat. Seine Blicke suchten nicht länger nach mir. Stück für Stück waren wir uns fremd geworden. Je besser wir uns kennenlernten, je länger wir ein Paar waren, desto offensichtlicher wurde seine Gleichgültigkeit. Es war ein Paradox.
Während seine Zuwendung ohne Tiefe blieb, legte ich mein Herzblut in jeden Tag, den wir gemeinsam in einem hübschen Fotorahmen verbrachten. Ich zeigte offen meine Liebe durch kleine Gesten und Aufmerksamkeiten. Zettel in der Lunchbox mit einer süßen Nachricht oder geplanten Ausflügen zu Orten, die er gern sehen wollte.
Was einst zarte, behutsame Zuneigung war, verwandelte sich in ein unerträgliches Schweigen. Ein flammendes Inferno der Stille. Es fraß mich auf. Gierig verbrannte es meine Sehnsucht nach ihm und meine Gefühle für ihn.
Die Berührungen zwischen uns wurden zu seltenen Ereignissen, von der Zeit und den Wochen überrollt. Verabredete Zuwendung, an Wochentage gebunden. Organisierte Zweisamkeit. Systematisch abgearbeitet, bis sie vergessen wurde und schließlich heimlich davonschlich. Unerwünscht und mit Erleichterung erstickt in Ausreden.
Ich weinte leise, nicht aus Schwäche. Es war kontrollierte Ratlosigkeit. Pure Verzweiflung rann mir die Wangen hinab, weil ich schlicht nicht weiter wusste und all die Frustration aus mir herausbrach. Tränen, die den Schmerz über meine Unfähigkeit, etwas zu verändern, ausdrückten.
Der Austausch über diese Widersprüchlichkeiten, die unsere langjährige Beziehung bestimmten, wurde einseitig. Ich sprach und er wich mir aus. Da er mich nicht zu hören schien, wurde ich lauter. Schrie ihn an. Doch mit jedem Streit, mit jeder Auseinandersetzung, mit jeder Kleinigkeit, die seinerseits zu wenig Beachtung fand, schwand die Entschlossenheit aus meiner Stimme. Bis auch die Worte aus unseren Gesprächen flohen. Es war sinnlos geworden, zu reden.
Längst hatte ich aufgehört, mit ihm zu diskutieren. Ich erniedrigte mich, indem ich meine gefrierende Seele entblößte und um seine Wärme bat. Jede Nacht begann und endete mit stummen Tränen. Ich zog mich in mich selbst zurück, weil er mir einredete, dass ich zu viel erwartete. Ein Leben nebeneinander war für ihn auch gut verlebte Partnerschaft. Mein vernachlässigtes Interesse stumpfte ab und korrodierte.
Ich bestand nicht mehr auf geteilter Zeit. Ich floh. In die fessendeln Seiten eines Buches, in die vielschichtige Ruhe des Waldes, in die Klänge eines Liedes. Viel zu laut tönte die Musik durch mein Auto und brachte somit die sich aufbauende Wut in mir zum Schweigen.
Es gelang mir immer schlechter, die Schreie der Empörung und der Schwermütigkeit in meinem Herzen gefangen zu halten. Hoffte ich wirklich noch auf eine Wendung im letzten Akt? Hoffte ich noch etwas ändern zu können? Die alles entscheidende Wandlung des Helden, der die Bedeutung meiner Anwesenheit in seinem Leben erkannte?
Täglich zögerte ich die Heimkehr hinaus. In der friedvollen Geborgenheit der Natur begrub ich, was mich niederdrückte. Der Besuch auf dem Friedhof meiner Hoffnungen und Wünsche wurde zu einem lieb gewonnenen Ritual. Tief in mir stand es auf der letzten Seite unseres Buches eingeätzt, dass unsere Zeit vorüber war. Doch ich traute mich nicht, sie aufzuschlagen.
Ich bevorzugte es, schlotternd inmitten der Bäume in der frostigen Winterbrise zu stehen, als in die wortlosen Eiseskälte der beheizten Wohnung zurückzukommen. Zwei Schlüssel zu zwei Leben, die zufällig vier Wände teilten.
Eine Behausung, die kein Heim war. Kein Zuhause.
Mein Hunger nach Nähe grollte ohrenbetäubend. Er überschattete das Bedürfnis nach Nahrung. Aus Frustration erwuchs Groll, der sich verpuppte und neu geboren wurde. Mein Körper benötigte den entfachten Zorn und die Abscheu als alternativen Antrieb.
Nun mied ich die Berührung und die Begegnungen zwischen uns. Sein Lächeln verärgerte mich, weil es nichts aussagte. Seine Worte reizten mich, da sie sich nur um Oberflächlichkeiten drehten. Sein glänzendes Haar fiel ihm zu weich in die Stirn. Wenn er ging, sah es einladend aus. Ich kannte die abweisende Anspannung, die darin verborgen lag, die mich zu faszinieren vermochte.
Ich verwünschte seine raue Stimme, die mich zu schleifen schien. Die meine sorgfältig verputzte Mauer um mein Herz bröckeln sehen wollte.
Die Stunden in seiner Gegenwart kosteten mich zu viel meiner Energie, die nicht mehr für ihn aufbringen wollte.
So müde ich auch war, Schlaf half mir kein bisschen. Nicht mein Körper war ermattet, meine Seele hatte keine Kraft mehr.
Seine aufgesetzte Betonung unserer Zusammengehörigkeit und seine Beteuerungen im Beisein anderer, dass alles in bester Ordnung wäre, nahm mir den Mut, über mein Verblassen in der Leere dieser Beziehung zu sprechen.
Sein gut inszeniertes Bühnenbild ließ mich allein hinter dem Vorhang stehen. Er schlug mich nicht, er fügte mir keine sichtbaren Wunden zu. Trotzdem spürte ich mit den Jahren, wie das Leben aus den Brüchen meiner Seele sickerte und ich nahe daran war, mich aufzulösen.
Mein Zorn richtete sich nicht mehr nur auf ihn. Ich war auch mir selbst gegenüber verbittert und aggressiv. Lächerlich schwach verachtete ich den Anblick der Frau im Spiegel. Widerwärtig nachgiebig verharrte sie in einer Ausweglosigkeit.
Sie war es nicht wert, dass ich mich ihrer noch annahm.
Sie war zu fragil, um die notwendige Verwandlung zu überstehen.
Nicht lebensfähig.
Nicht durchsetzungsfähig.
Ausgezehrt. Beschämend. Ich wollte das erbarmungswürdige Wesen im Spiegel vergraben und mit ihr ihre Machtlosigkeit.
Sie hatte nicht die Stärke, zu tun, was nötig war. Sie hielt an ihrem Frust fest, suchte Erklärungen statt Wege.









Leider keine Seltenheit 😢😔