Unfair Means - Unlautere Mittel

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Summary

"Was muss ich tun?"- "Nichts besonderes, nur Lächeln, nett aussehen und so tun, als ob du dein Bruder wärst." Verzweifelt. Das Leben des 22-Jährigen Layne nimmt eine unerwartete Wendung, als seine Mutter schwer krank wird und er für ihre Behandlung viel Geld benötigt. Geld, welches er mit seinem Job als Mechaniker nicht zusammen bringen wird. Alles scheint auswegslos, bis ihm jemand eine goldene Gelegenheit anbietet. Ein krummes Ding, dass seine Probleme aus der Welt schaffen kann. Doch heiligt der Zweck die Mittel? Ist es gerechtfertigt, unlautere Mittel einzusetzen, um an sein Ziel zu geraten? Erwachseneninhalt umfasst: Umgangssprache, Körperverletzung, Waffen, kriminelle Handlungen

Status
Complete
Chapters
20
Rating
n/a
Age Rating
18+

1. Kapitel

„Ich bin so schnell gekommen, wie ich konnte“, begrüßte mich meine Freundin außer Atem und abgehetzt. Ihr Pony hing ihr wild in die Stirn, die violetten Haare zu Strähnen verbunden. Sie trug noch das schwarze Poloshirt mit dem Aufnäher der Bäckerei ihres Vaters, die rosarote Schürze in ihrer rechten Hand zusammen geknüllt. Erst drückte sie mich herzlich, löste sich von mir und legte noch einen liebevollen Kuss nach.

„Danke Fluffy, du weißt, dass ich dich liebe?“, fragte ich, brachte aber nur ein gequältes Lächeln hervor.

„Ich dich mehr“, flötete sie fröhlich, bis sich ihre Miene wieder verfinsterte. „Was sagen die Ärzte?“

Einer meiner Mundwinkel fiel wieder nach unten. So war sie einfach, direkt aber nicht unhöflich. „Nicht so optimal. Der Krebs hat zwar gerade ausnahmsweise nicht gestreut, ist aber auch nicht kleiner geworden. Für eine Operation reicht es noch nicht. Wenn du willst, können wir für zehn Minuten zu Mom ins Zimmer gehen. Zumindest meinte Doktor Fuller, dass das okay wäre.“

Sie nickte aufmunternd, nahm meine Hand und wir gingen in Richtung des Krankenzimmers meiner Mutter. Der Flur des städtischen Krankenhauses schien sich endlos zu ziehen, aber immerhin war nicht viel los. Auf der onkologischen Station hielten sich die Leute nicht ziellos in den Gängen auf.

Vor dem Zimmer hielt ich kurz inne und musterte mich. Meine rote Latzhose war schmutzig, mit Öl verschmiert und an manchen Stellen abgewetzt. Den dezenten Schweißgeruch meines schwarzen T-Shirts hatte ich bereits mit gesenkten Armen in der Nase und meine Arbeitsschuhe waren bestimmt schon Waffenscheinpflichtig. Aber das war egal. Ich hatte so schnell von der Werkstatt hierher gemusst wie nur irgendwie möglich. Doktor Fuller hatte mich am Handy angerufen, dass die neuen Ergebnisse vorlagen. Mom hatte darauf bestanden, die Neuigkeiten nur in meinem Beisein erfahren zu wollen. Ihr Arzt war dazu bereit gewesen, es mir schon mal vorab erzählt, um mich zu wappnen. Meine Mutter hatte nicht viel Kraft, da musste ich umso stärker für uns beide sein.

Ich drückte die Klinke hinunter und wurde vom sterilen Krankenhausgeruch in ihrem Zimmer wieder überwältigt. Pluspunkt für mich. Das Desinfektionsmittel hatte bestimmt ihre Geruchsnerven schon ausgeschalten, da würde sie nicht mitbekommen, wie sehr ich müffelte.

„Hallo ihr zwei, ihr seid ja flott unterwegs!“, begrüßte uns meine Mutter freudestrahlend. Ich kam zu ihr, umarmte sie vorsichtig. „Du hättest dich nicht so beeilen müssen Layne.“

Ich hob nur die Schultern. „Ach Mom, wenn der Doktor ruft, komme ich geflogen.“

„Das sehe ich. Und du hast Flavia mitgebracht, da freu ich mich. Komm her Kindchen“, sagte sie und winkte Fluffy zu sich, welche auch vorsichtig eine Umarmung wagte.

Ein Blick auf meine Uhr verriet mir, dass es kurz nach vier war. Der Arzt musste bald aufschlagen, hatten wir doch ein Treffen für jetzt veranschlagt.

„Das grün ist immer noch so schön Bienchen. Obwohl ein wenig das schwarz am Ansatz durch spitzt“, merkte meine Mutter an. Den Kommentar ließ sie jedes Mal fallen, wenn ich sie besuchte. Vielleicht war ihr das nicht bewusst, aber ich freute mich über alles was von ihr kam.

Ich lächelte nur, fuhr mir mit der Hand durch meine strubbeligen Haare. „Ja, bei schwarz ist es aber nicht so schlimm wenn das dunkelgrün raus wächst.“

Im nächsten Moment öffnete sich die Türe nach einem kurzen Anklopfen und Doktor Fuller betrat das kleine Zimmer.

„Perfekt, hatte kurz die Befürchtung, dass Sie noch nicht hier wären Mister Blake. Und Sie haben wieder Miss Bouvrais mitgebracht, dann sind wir ja vollzählig“, stellte er fest und ein kurzes Lächeln huschte über seine Lippen. Der war froh, nicht alleine mit Mom sein zu müssen. „Dann beginnen wir mal. Miss Blake, Ihre Ergebnisse liegen vor.“

Ich setzte mich neben meine Mutter, hielt ihre Hand während der Arzt sein Fachchinesisch in den Raum warf. Zwar erklärte er sofort im Anschluss, was das auf Normalbürgerisch hieß, aber das machte den Besuch nicht weniger unangenehm.

Am Ende erklärte er noch, dass wir die Behandlung so fortführten mit der Hoffnung die Tumore zu verkleinern um eine Operation zu ermöglichen.

„Das sind doch… Neuigkeiten“, schloss meine Mutter und lächelte mich an. Woher nahm diese Frau die Kraft?

Wir blieben noch ein wenig, bevor uns Schwester Rabiata höflich auf die Besuchszeiten und die zehn Minuten Marke erinnerte. Mit einer langen Umarmung verabschiedeten wir uns und verließen das Zimmer.

Als die Türe hinter mir geschlossen war, lehnte ich mich an ihr an und ließ mich auf den Boden gleiten. Dort legte ich mein Gesicht in meine Hände und schloss die Augen. Es machte mich fertig, meine Mutter so zu sehen. Ich war kaputt, psychisch sowie physisch. In der Werkstatt, in welcher ich arbeitete, nahm ich alle Aufträge an, die ich bekommen konnte. Meine Kollegen wussten um meine Situation und halfen mir dabei immer wieder, ohne finanzielle Kompensation zu fordern. Die Krankenhausrechnungen hatten astronomische Höhen angenommen und unsere Versicherung zahlte einen Betrag, der an Lächerlichkeit nicht zu überbieten war.

Sogar Fluffy hatte Doppelschichten in dem Café ihrer Eltern, das an deren Bäckerei angegliedert war, angenommen und half wo sie konnte. Doch es schien nichts zu bringen. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Krankenhaus ließ sich die hoffentlich lebensrettende Behandlung teuer bezahlen.

„Hey, Schatz, lass nicht den Kopf hängen. Wir kriegen das hin“, tröstete mich meine Liebste, legte ihren Arm um mich und zog mich an sich ran.

„Nicht, ich stinke und bin schmutzig“, murmelte ich abgeschlagen.

„Na und? Du bist mein stinkiger Schmutzfink“, erwiderte sie und drückte mir einen Kuss auf den Kopf.

„Du bist der absolute Wahnsinn Fluffy. Was hab ich armer Schlucker getan, und so eine tolle Freundin zu haben?“, fragte ich und sah ihr direkt in die Augen.

„Du hast Motoröl im Gesicht“, antwortete sie und rieb mit ihrem Daumen über meine Wange. Dafür streckte ich ihr die Zunge entgegen.

„Mister Blake, ich störe Sie nur ungern, aber hätten Sie kurz Zeit?“ Eine weibliche Stimme kam von der linken Seite des Gangs zu Wort. Erschrocken sah ich in die Richtung und erblickte die Verwaltungsdame Miss Glick.

Ich nickte, stand mit meiner besseren Hälfte zusammen auf und folgte der Brünette im grauen Bleistiftrock und gelbem Shirt. Trotz der knalligen Farbe wirkte sie wie eine graue Maus. Vor ihrem Büro hielten wir, sie sperrte auf und bat uns hinein. Wir nahmen Platz und blickten sie erwartungsvoll an.

„Es ist an uns heran getragen worden, dass Ihre Mutter die Behandlung fortführt. Ich weiß, dass ist pietätlos, aber wir müssten den Zahlungsplan anpassen“, stellte sie vorsichtig in den Raum.

Es folgte ein kurzes Gespräch, in welchem ich kleinlaut zugestand, die Zahlung irgendwie schon stemmen zu können.

„Nehmen Sie auch meine Niere in Zahlung?“, fragte ich scherzhaft. An dem Punkt war das vielleicht sogar eine interessante Option.

„Mister Blake, das wäre illegal“, antwortete sie schockiert.

„Er meinte das nicht so, dass war ein Scherz Miss Glick. Wir kümmern uns um die Rechnungen, keine Sorge. Dann wünschen wir Ihnen noch einen schönen Tag“, verabschiedete sich Fluffy schnell und zog mich am Arm aus dem Büro.