Kronprinz Silas

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Summary

Silas, gebürtiger Vampirsohn des Vampirkönigs und somit Kronprinz der vampirischen Ländereien, lebt mit seinen nun 21 Jahren ein scheinbar normales Jungvampir leben. Sein Tagesplan besteht aus Elementtraining, Schwertkampf, Lehreinheiten über das Herrschen und natürlich zahlreiche freche Ungehorsamkeiten nicht zu vergessen, die seinen Vampirvater Vittorius dezent auf die Palme bringen. Also normale Dinge, die man eben so macht in seiner Jugend. Nicht, dass Vampire in dem Sinne jemals „alt" werden. Doch der Tag, an dem die Ruhe dahin sein wird, nähert sich. Es stehen neue Probleme vor der königlichen Tür, denen sich die Vampire nun entgegen stellen müssen. Silas mischt, entgegen dem Willen seines Vaters, ganz vorne mit. Und auch seine beste Freundin Lucia, ebenfalls gebürtige Vampirin und 21 Jahre alt, wird in den Konflikt mit hineingezogen. Schon bald treffen die Zwei auf einen weiteren Verbündeten, der mit seinen ganz eigenen Problemen zu kämpfen hat. Allem voran mit einem Wechsel aus „unserer" in die vampirische Welt. Werden sie sich den Abenteuern stellen können?

Status
Complete
Chapters
200
Rating
5.0 8 reviews
Age Rating
18+

Kapitel 1: Prolog - Der Beginn

7 Tage nach der Jahreswende.

Silas •

Mit tief ins Gesicht gezogener Kapuze schleiche ich durch die Gassen der Stadt meines Vaters. Denn als leiblicher Sohn des Vampirkönigs persönlich bin ich bekannt wie sonst was. Natürlich hat der Vampirkönig noch andere Vampirsöhne, die sind allerdings durch sein Vampirgen zum Vampir geworden.

Und dann komme ich: Ich bin der Freak unter den Vampiren, denn normalerweise werden weibliche Vampire nicht schwanger. Außer meine Mutter, Königin Yara aus einer fremden Welt.

Ich bin zwar mittlerweile stolze 21 Vampirjahre alt, zähle damit aber noch eine ganze Zeit lang zu den Jungvampiren. Und auf die armen kleinen Jungvampire muss man ja immer besonders Acht geben. Wo kämen wir nur hin, wenn sie ohne Aufpasser durch die Gegend streifen.

Nun ja, genau das tue ich aber gerade.

Ich meine, ich bitte euch, als ob ich mir den ganzen Tag von einem Babysitter über die Schultern schauen lasse!

Meine große und breit gebaute Statur sorgt allerdings trotz Umhang und Kapuze für Aufsehen. Momentan schleiche ich durch das Arbeiterviertel und will einfach nur meine Ruhe haben. Vereinzelt schauen mir verwundert ein paar Arbeiter hinterher, aber da die Kapuze meine tiefroten Augen und die geerbten Gesichtszüge von Vater verdeckt, belassen sie es bei einem Blick auf meine verhüllte Gestalt und wenden sich dann wieder ihrem Trott zu.

Breit grinsend biege ich also um die Ecke und überlege bereits, wo es mich als nächstes hinzieht. Meine Gedanken schweifen zur Hafentaverne, in der ich den Spielmannsleuten zuschauen und nebenbei ein Bierchen trinken könnte. Der Plan steigt zunehmend in meinem persönlichen Ansehen, also lege ich einen Zahn zu beim Umherschleichen.

Zumindest fand ich den Plan bis genau jetzt äußerst gut.

Völlig unvorbereitet stoße ich mit einem gigantischen Muskelberg zusammen, der mich nun zutiefst wütend aus seinen tiefroten Augen und mit vor der Brust verschränkten Armen anstarrt.

Silas, verflucht! Du solltest seit einer halben Stunde meinen Ausführungen zum Thema Umgangsformen im Adel zuhören! Was zur Hölle treibst du hier?“, will Vater wissen.

Es ist, als würde ich in einen Spiegel schauen: Pechschwarze lange Haare, zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden, markante Gesichtszüge mit einem Bartansatz. Selbst den Geschmack seines Kleidungsstils scheine ich geerbt zu haben, denn er kleidet sich gerne wie ich mit einem anthrazitfarbenen Hemd, einem ärmellosen schwarzen Sakko, einer eleganten schwarzen Hose, lederne dunkle Schuhe und einem schwarzen majestätischen Umhang.

Nur sieht Vater dabei wahrlich wie der Vampirkönig aus und ich eben „nur” wie sein Sohn, der Kronprinz.

Von Vater mag ich zwar seine Optik geerbt haben, von Mutter allerdings habe ich das aufsässige Verhalten geerbt. Und darum tun wir oft, was gleich passieren wird.

„Ich unternehme einen Spaziergang im Arbeiterviertel, wie du siehst”, beantworte ich seine Frage, obwohl es streng genommen nicht das ist, was er wissen will.

„Falsche Antwort, mein Sohn. Und nun zurück zum Schloss!“, betont Vater streng und nickt in die Richtung des großen weißen Palastes, der eindrucksvoll erhoben gebaut am Ende der Stadt steht.

„Mir steht aber nicht der Sinn nach langweiligen Lehreinheiten. Können wir nicht lieber einen Übungskampf austragen?“, murre ich drauf los.

Kämpfen, sei es mit den vier Elementen oder mit stählernen Waffen, ist zehn Mal spannender als der langweilige Adel. Wen interessiert es schon, ob die arrogante Anna oder der hochnäsige Hans beim Sonntagsspaziergang ihren neuen Mantel ausgeführt haben? Keinen? Dann haben wir das ja auch geklärt!

Also, ein Kampf ist echt sowas von sinnvoller!

Man kann es ja mal versuchen, oder?

„Du kennst deinen Tagesplan genau so gut wie ich und der Kampf steht erst für heute Nachmittag auf dem Plan. Und wenn du dir nun den ach so langweiligen Adelsteil nicht anhörst, streiche ich den Kampf für heute. Also, wie entscheidest du dich?“, sagt Vater ruhig.

Wie mich diese penetrante Ruhe dabei immer aufregt, ich sag’s euch! Das geht gar nicht!

Ich habe eine wesentlich bessere Idee, um auf meinen Spaß zu kommen.

Anstatt etwas zu sagen, schaue ich im nächsten Moment hoch schockiert zur Seite und weiche ein Stück zurück. Vater bemerkt das natürlich sofort, schließlich ist er mit seinen 2321 Vampirjahren der älteste Vampir der Welt. Alarmiert schaut er nun in die Richtung und erwartet etwas schlimmes zu sehen, was seinen kleinen zarten Sohn so in Angst versetzt. Ich bin ja wie gesagt 21 Vampirjahre alt, aber in Vaters Augen bin ich ab und an noch immer der kleine sechsjährige Junge, der sich vor Furcht vor einem Ungeheuer in seine starken Arme kuschelt.

Und genau das nutze ich jetzt zu meinem Vorteil, denn Vaters Aufmerksamkeit liegt nun dort und nicht mehr bei mir. Also versammle ich mit Hilfe der Luftmagie, eines der vier Elemente, die wir kontrollieren können, die Luft um mich herum und lenke sie geschickt unter meinen Körper.

Im Bruchteil einer Sekunde katapultiere ich meinen Körper damit in die Höhe, aber natürlich nicht wahllos. Denn meine Flugbahn ist bewusst gewählt und hat das nächste Dach als Ziel. Und genau dort lande ich fest auf meinen beiden Füßen. Verharren tue ich hier allerdings nicht, denn ich will nun vor Vater weg sprinten!

Also versammle ich erneut die Luft und ... werde von zwei stählernen Armen umschlungen und entschieden davon abgehalten.

„Das reicht jetzt, ich bringe dich ins Schloss und dann werden wir bis zur Nachtruhe an deinen Umgangsformen arbeiten!“, bringt Vater seinen Zorn zum Ausdruck.

„Nein! Lass mich los, verdammt!“, schreie ich zurück und setze mich ordentlich zur Wehr.

Leider hat das absolut keine Wirkung, denn in der Vampirwelt gilt sowas wie das Recht des Stärkeren. Und das orientiert sich am Alter des Vampirs, denn mit zunehmendem Alter wächst seine Machtbasis. Der man im Übrigen nur mit einer ähnlichen oder gleichwertigen Machtbasis etwas entgegen setzen kann. Sprich, ich komme gegen gleichaltrige Jungvampire an, aber nicht gegen einen Meistervampir. Und schon gar nicht gegen einen Elitevampir. Nun, und da Vater zufällig auch der Vampirkönig ist, gegen den erst recht nicht.

Zeit für eine weitere Diskussion bleibt mir nicht, denn Vater schleift mich nun streng mit seinen Luftsprüngen von Dach zu Dach zurück zum Schloss.

Das weiße Ungetüm ist, wie bei jedem Herrscher einer Länderei, das Herz der Stadt. Eine große, gepflegte Anlage, mehrere Nebengebäude, ein Innenhof direkt vor dem Eingang, ein botanischer Garten, ein Feld für den Elementkampf, ein Feld für den Nah- und Fernkampf und Bereiche für Bedienstete. Natürlich umgeben von einer eigenen Schlossmauer. Hinter dem Schloss befindet sich direkt das Meer mit einem großen Strandabschnitt eigens dem Schloss zugehörig, was zu meinen Lieblingsorten zählt. Mittig ragt ein großer Turm in die Höhe, in dem sich oben unser privater Wohnbereich befindet. Drei Geschosse, in denen also unser tägliches erhabenes, königlichen Leben abspielt. Also liegt das Herz der Stadt streng genommen am Ende der Stadt, aber was soll’s.

Bla bla.

Ich kotz’ gleich.

Direkt auf der Schlossmauer umfängt Vater mich besonders fest und leitet wesentlich mehr Luft unter uns, denn er setzt zum sehr hohen Sprung an. Im privaten Bereich des Schlossturmes befindet sich neben den zahlreichen Gemächern und der Wohnhalle, um die sich die Gemächer übrigens Hufeisenförmig bilden, das Regierungszimmer des Königs. Von dort aus leitet Vater sämtliche Geschicke des Landes und es ist zentrale Anlaufstelle für die hohen Vampire seiner elitären Einheiten.

Und genau dort, auf dem großen Balkon vor dem Regierungszimmer, landen wir nun und Vater lässt mich zurück auf meine Beine. Zielstrebig schiebt er mich nun in das Regierungszimmer, das noch immer so aussieht, wie ich es vor einer Dreiviertelstunde verlassen habe.

An einem Ende befindet sich Vaters großer Massivholzschreibtisch aus dunklem Holz, mit Blick in den Raum und zum Eingang. Auf dem Schreibtisch türmen sich Berge von Pergamenten und Büchern. Direkt dahinter sind viele Bücherregale, in denen wichtige Bücher zu seinen Finanzen und seinen Ländereien stehen. Und die ganzen schriftlichen Übersichten vom militärischen Gedöns nicht zu vergessen.

Am anderen Ende des Raumes befindet sich ein Kamin, vor dem eine einladende Sesselgruppe steht, die oft für einen guten Schluck Whiskey benutzt wird. Neben den Sesseln finden sich diverse Ablagemöglichkeiten, Schemel für die Füße und weitere Bücherregale.

Mittig im Raum steht ein großer, länglicher Besprechungstisch, auf dem ebenfalls einige Stapel an Pergamenten liegen. Unter anderem meine ganzen Lehrbücher und Schreibsachen, denn an dem Tisch belehrt Vater mich hauptsächlich.

Und genau da schiebt Vater mich nun hin. Ehe ich mich aber setzen kann, halten wir Zwei inne und schauen fragenden Blickes zur Balkontür.

Eine kleine Frau mit trainierter Statur, schwarzem sportlichen Kleidungsstil und stabil geflochtenen braunen Haaren betritt den Raum. Ihre tiefroten Augen treffen auf unsere tiefroten Augen.

Wirklich jeder weiß, dass diese Frau die Königin ist. Und sie ist meine Mutter.

„Yara, mein Liebling. Was hast du denn?“, fragt Vater sanftmütig. Bei ihrem Anblick ist seine zornige Stimmung direkt dahin, was ich am Rande bemerkt natürlich als sehr praktisch empfinde. Nun, da Mutter auch gerade keine Ungehorsamkeit plant und abzieht, hegt Vater auch keinen Groll gegen sie. Nicht, dass er das jemals wirklich tun könnte.

Dass er uns letztendlich natürlich als seine Familie liebt und uns sicher und behütet wissen will, wissen wir natürlich. Dennoch kann man sich ja wohl mal gegen Adelslehreinheiten auflehnen!

„Im Quartier ist ein Brief eingetroffen, er ist an dich persönlich adressiert. Es ist dringend, darum bringe ich ihn vorbei”, erklärt Mutter sich.

Das Quartier ist die militärische Zentrale der Stadt und befindet sich direkt neben dem Stadttor. Dort haben die Hauptmänner der internen und externen Eliteeinheit ihren Sitz und überblicken sämtliche Angelegenheiten der königlichen Stadt. Und Mutter trainiert dort oft mit dem Hauptmann im Übungsbereich der Soldaten. Vater gestattet ihr viele Freiheiten, von denen einige Frauen nur träumen können. Was im Übrigens nicht jeder Vampirmann inspirierend findet, aber das ist nicht meine Baustelle.

In aller Ruhe tritt Mutter zu uns heran und überreicht Vater den Brief. Neben dem Siegel des Königshauses ist ein geheimes Zeichen für eine äußerst wichtige Angelegenheit im Siegelwachs markiert.

Vater bricht das Siegel und öffnet den Brief. Mutter und ich schauen ebenfalls über die Zeilen:

An Vittorius Élouan Dracul,

Träger der vampirischen Krone und

Herrscher dieses Landes.

Verehrter König,

ich entsende euch die aktuelle Berichtslage zum Thema der Vampirjäger. Wir haben Grund zur Annahme, dass sie die südliche Landesgrenze ins Visier nehmen. Scheinbar ist der dortige Adel bereits von den Vampirjägern infiltiert und bekennt sich zu deren Anführer, dessen Identität wir endlich herausfinden konnten: Lord Thankmar, unehelicher Abkömmling eines niederen Adelshauses.

Die Bewegungen der einzelnen Gruppierungen haben wir wie immer auf der beiliegenden Karte eingezeichnet.

Hochachtungsvoll.

Meister Roan Dracul,

Anführer der externen Einheit des Königs,

Diplomat des Königs

und Elias Isidor Dracul,

Diplomat des Königs

Mit großen Augen schauen wir Drei auf die besorgniserregenden Zeilen. Und anschließend auf die Karte, die Roan und Elias mit geschickt haben.

Hach, die Zwei.

Elias ist damals vor 22 Jahren als 28 jähriger Mann aus derselben Welt wie Mutter hier her gekommen und mit 29 zum Vampir geworden. Streng betrachtet ist Elias also um einiges an Lebenserfahrung reicher, das Alter eines Vampirs wird aber ab dem Tage gezählt, an dem er die Augen aus der Verwandlung wieder aufschlägt. Also ist Elias vom Vampiralter her betrachtet „nur” ein Jahr älter als ich, denn ich bin seit meiner Geburt ein Vampir. Und bei Mutter ist es ebenso, sie ist offiziell 23 Vampirjahre alt, war bei ihrer Verwandlung in einen Vampir aber ebenfalls 29 Jahre alt. Nun und Roan ist schon wesentlich länger Vampir, er ist sage und schreibe 1313 Vampirjahre alt. Also ist er nicht umsonst einer der besten Meisterspione aus Vaters Reihen.

Roans Posten als Kopf der externen Einheit wird aber seit einer ganz bestimmten Situation vor 21 Jahren vertreten, denn Elias trat damals eine Weltreise an, zu der ihm Roan als Freund und Leibwächter abgeordnet wurde. Die er auch noch heute wahrnimmt.

Aber das erkläre ich besser ein andern Mal, denn Vater legt das Stück Pergament auf dem Besprechungstisch ab und sieht Mutter und mich an.

Nach einem tiefen Seufzer erhebt er dann sein Wort. Und zwar mit voller Ausstrahlung eines Königs.

„Ich werde eine militärische Besprechung einberufen, in einer Stunde geht’s los. Also kommst du doch noch um deine Adelseinheit herum. Ihr Zwei bleibt bitte so lange hier und wartet”, sagt Vater in aller Ruhe.

Mutter und ich nicken. Einen Streit will weder sie, noch ich jetzt vom Zaun brechen. Bei so ernsten Themen vermeiden wir das tunlichst.

Ich muss ein zutiefst zufriedenes Lächeln nun schwer zurückhalten!

„Und Silas, wenn ich dich jetzt Grinsen sehe, gibt’s Ärger!“, betont Vater mit vielsagendem Blick.

Einatmen.

Ausatmen.

Konzentration, Silas. Du schaffst das. Nicht lächeln! Nicht lächeln! Nicht lächeln!

Zum Glück wartet Vater nicht, denn die Sache ist dringend. Also dreht er sich um, schreitet durch die Balkontür des Regierungszimmers und verschwindet schnellen Schrittes. Er wird nun alle wichtigen Vampire für die Besprechung zusammen trommeln, so ist nun mal der übliche Ablauf.

Endlich ist er weg!

Jetzt grinse ich vor mich hin und Mutter kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus.

„Du tust auch nie, was dein Vater dir sagt, was?“, prustet Mutter vor sich hin.

„Komm, als wärst du da besser, Mutter!“, kontere ich wohlwissend.

Das ist sie nämlich keineswegs, auch Mutter und Vater haben oft Diskussionen darüber, wenn Mutter mal wieder Unsinn anstellt und Vater auf die Palme bringt.

„Das habe ich ja auch nie behauptet”, vertraut Mutter mir grinsend an.

Und so nehmen wir am Besprechungstisch unseren Platz ein und warten.

Warten auf den Beginn des Abenteuers, von dem ich noch nichts weiß. Was aber schon bald unweigerlich auf mich zukommen wird. Und auf meine allerbeste Freundin Lucia, die ebenfalls gebürtige Vampirin ist. Immerhin bin ich nicht alleine der Freak, denn Lucia ist mindestens ein genau so großer Freak!