Frühlingsluft

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Summary

Luna und Mia, zwei junge Mädchen mit vielen Problemen. Beide brauchen Hilfe, doch sind sie bereit, sich darauf einzulassen? Sie lernen sich kennen, doch werden sie sich auch verstehen?

Genre
Other
Author
Fabienne
Status
Ongoing
Chapters
44
Rating
n/a
Age Rating
16+

Das Gespräch

Luna saß mit verschränkten Armen auf dem knarzenden Ledersessel und starrte auf die Wanduhr. Der Sekundenzeiger tickte quälend langsam, als wolle er sie provozieren. Jeder Atemzug des Mannes vor ihr schien den Raum enger zu machen. Doktor Steiner, mit seinem akkurat gebügelten Hemd und den emotionslosen Augen hinter der Brille, war der Inbegriff von Perfektion – einer Perfektion, die Luna hasste.


„Luna, das geht so nicht weiter." Seine Stimme war ruhig, zu ruhig, und genau das machte sie wütend.

„Du musst in eine Klinik. Du bist eine Gefahr für dich selbst."


Luna lachte trocken, obwohl in ihrem Inneren alles bebte. „Eine Gefahr? Für mich selbst? Ach, wirklich? Danke, Doktor, dass Sie mich daran erinnern." Ihre Stimme war schneidend, fast spöttisch, aber sie konnte das Zittern in ihren Händen nicht verbergen.


„Ich meine es ernst, Luna. Die Selbstverletzungen, die impulsiven Ausbrüche – das sind Warnsignale. Du brauchst eine intensive Betreuung."


„Nein!" Ihre Stimme explodierte, füllte den Raum wie ein Donnerschlag. „Ich bin nicht krank! Sie wollen mich einfach nur loswerden. Wie alle anderen."


Steiner legte den Kopf leicht schief, blieb aber unerschütterlich ruhig. „Das ist nicht wahr. Ich möchte dir helfen. Aber du musst auch bereit sein, dir helfen zu lassen."


Die Wände schienen sich um Luna zusammenzuziehen. Helfen. Dieses Wort war ein Hohn. Niemand hatte ihr je wirklich geholfen. Jeder tat nur so, als wäre sie ein Projekt, das repariert werden musste. Aber sie war kein Projekt. Sie war ein Chaos, ein Sturm – und sie wollte das bleiben.


„Wissen Sie was, Doktor?" Luna lehnte sich nach vorne, ihre Augen funkelten vor Wut. „Vielleicht bin ich wirklich eine Gefahr. Aber nicht für mich. Für euch alle. Für diese verlogene, heuchlerische Welt."


„Luna, beruhige dich." Seine Stimme war jetzt etwas schärfer, was sie nur noch mehr reizte.


„Beruhigen? Soll ich mich etwa auch noch entschuldigen, dass ich so bin, wie ich bin? Soll ich mich bedanken, dass Sie mich wie ein kaputtes Spielzeug behandeln?" Sie sprang auf, ihre Bewegungen hektisch, fast unkontrolliert.


„Luna, setz dich. Jetzt."


„NEIN!" Sie schrie, und ihre Stimme brach. Für einen Moment war die Stille im Raum ohrenbetäubend. Sie atmete schwer, ihre Hände zu Fäusten geballt. „Ich gehe. Und Sie können gar nichts dagegen tun."


„Wenn du gehst, werde ich die Behörden einschalten."


Das war der Moment, in dem sie es nicht mehr ertrug. Seine Worte drangen wie ein Dolch in ihre Brust. Die Wut, die Angst, die Verzweiflung – alles vermischte sich zu einem Sturm in ihrem Kopf. Sie riss die Tür auf, stürmte hinaus, die Stimmen des Personals ignorierend, die ihr hinterherriefen.


Die kalte Luft schlug ihr ins Gesicht, als sie auf die Straße rannte. Ihr Herz hämmerte wie ein Vorschlaghammer, ihr Kopf drehte sich. Alles um sie herum verschwamm zu einem einzigen Wirbel aus Farben und Geräuschen. Sie wusste nicht, wohin sie ging – sie wollte nur weg.


Weg von Steiner, weg von den Erwartungen, weg von dieser Welt, die sie niemals verstehen würde.


Ihre Gedanken waren ein Durcheinander. Schwarz-Weiß-Denken: „Entweder frei oder tot. Entweder stark oder nichts." Die Welt schien in diesen Momenten nur in Extremen zu existieren.


Nach einer Stunde fand sie sich in einem Park wieder, die Knie an die Brust gezogen, ihre Hände zitternd. Sie fühlte sich leer, ausgebrannt, aber gleichzeitig brannte ein Teil von ihr heller als je zuvor. Sie musste überlegen, was sie tun sollte – aber sie konnte nicht.