Sklavenprobe

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Summary

Eigentlich ist Emilia mit Leib und Seele Sklavin, dennoch kann sie der Versuchung nicht widerstehen, es einmal mit der anderen Seite zu versuchen. So lässt sie sich von dem Sklaven Klaus dazu überreden ihn zu treffen und ihn ein Wochenende lang zu benutzen, wie es ihr gefällt. Doch dieser Klaus ist gar nicht so pflegeleicht wie er ihr gesagt hat – und obendrein ein Traum von einem Mann, sie kann gar nicht verstehen warum einer wie er devot ist! Anfangs ist die Rolle der Dom ungewohnt und fremd für sie, dann aber findet sie sich schnell in ihre neue Position ein und lässt ihrer Phantasie bei dieser Sklavenprobe freien Lauf. Bis sie sich bei dem Besuch einer SM-Party in einem Swingerklub verzettelt und sich ganz plötzlich auf der passiven Seite wiederfindet!

Status
Excerpt
Chapters
4
Rating
n/a
Age Rating
18+

Machtspiele

Wenn ich im Nachhinein auf die Ereignisse zurückblicke und mir in Erinnerung rufe, wie alles begann, dann muss ich zugeben, dass ich nicht von Anfang an bereit war, mich auf die Geschichte mit Klaus einzulassen.

Ich war damals noch nicht sehr erfahren in Sachen BDSM, hatte eine schlimme Erfahrung mit einem Herrn hinter mir, der mich völlig überforderte, und war dann Gott sei Dank bei Alex gelandet, einem verantwortungsbewussteren Meister. Alex nahm mich an die Hand und zeigte mir, dass es auch Herren gab, die mit einer Anfängerin umgehen und sie behutsam einführen konnten. Und auch wenn er manchmal hart durchgriff, um mich auf Spur zu bringen, weil wieder einmal mein heftiges Temperament mit mir durchging, so wusste ich doch, ich war in besten Händen.

Allerdings führten wir eine reine Spielbeziehung. Das lag zum einen daran, dass Alex berufsbedingt viel in der Welt umherreiste und sich manchmal monatelang im Ausland aufhielt. Zum anderen war ich verheiratet, sodass eine Beziehung über das Sexuelle hinaus von beiden Seiten ausgeschlossen war. Doch ich ging sehr in meiner Rolle als Alex‘ Sklavin auf und war erfüllt von den Dingen, die er mich erleben und fühlen ließ. Auch wenn manches kaum auszuhalten war - besonders dann, wenn er mir streng meine Grenzen aufzeigte und meinte, mich erziehen zu müssen.

Meinem Profil, das ich bei einer der großen BDSM-Communities angelegt hatte, konnte man deutlich entnehmen, dass ich eine glückliche Sklavin in Besitz war. Üblicherweise bewahrte mich dies vor unerwünschten Anfragen oder gar Belästigungen. Deshalb war ich umso überraschter, als mich eines Abends ein Mitglied namens Geschäftsmann mit eindeutigen Absichten anschrieb. Alex war wieder einmal auf Reisen, mein Mann war noch nicht nach Hause gekommen, und ich war gerade dabei, meine virtuellen Bekanntschaften zu pflegen, als mir seine Message gemeldet wurde. Ich sah mir als erstes Geschäftsmanns Profil an, dem zu entnehmen war, dass er ebenfalls Sklave war. Er war also schon aus diesem Grund völlig uninteressant für mich, von meiner bestehenden Bindung mal ganz abgesehen. Konnte der Mann nicht richtig lesen?

Trotzdem bemühte ich mich, mein Desinteresse an einem Kontakt einigermaßen nett zu formulieren. Die Antwort, die ich daraufhin bekam, machte mich allerdings neugierig. Geschäftsmann, der mit Klarnamen Klaus hieß, schrieb, dass er so gerne einmal der Sklave einer echten Sklavin wäre – eben einer wie mir.

»Es war immer schon mein absoluter Traum, einmal einer Frau zu dienen, die selbst Eigentum ist und weiß, wie es sich anfühlt, zu gehorchen und zu dienen. Genau so einer Frau will ich mich gerne unterwerfen«, las ich.

Ich konnte nicht widerstehen und öffnete den Dialog. Zuerst spöttelte ich ein wenig, was das denn für verrückte Fantasien seien? Als Sklave einer Sklavin dienen, das sei ja wohl schlecht möglich und wäre nur ein feuchter Männertraum!

Zu meiner Verwunderung nahm er mir meinen Spott nicht übel, im Gegenteil, er antwortete ernsthaft darauf und teilte mir seine Vorstellungen mit. So entstand eine Unterhaltung, die mich stundenlang an den PC fesselte.


Wir blieben in Kontakt, obwohl ich meine getroffene Entscheidung nicht änderte. Immer wieder schrieb mich Klaus an, wenn ich online war, zudem gingen etliche Mails hin und her. Unsere Gespräche wurden immer intensiver, wobei er mich aber niemals zu mehr drängte.

Dies ging einige Monate so, bis ich schließlich neugierig nachfragte, ob er es sich tatsächlich vorstellen könnte, Sklave einer Sklavin zu sein. Also in Wirklichkeit, nicht nur in seiner Fantasie.

Er bejahte, und auf meine Frage, warum er denn ausgerechnet mich ausgesucht habe, bekam ich die lapidare Antwort: »Du gefällst mir.‹‹

Diese knappe Antwort wollte ich so nicht gelten lassen. Ich bohrte und bohrte – er konnte das doch nicht einfach nur an ein paar Fotos von mir festmachen – und erfuhr dann schließlich, dass er beim Lesen meines Profils den Eindruck gewonnen hatte, dass ich wüsste, was wahrhaftes Sklaventum bedeutet. Die Bilder in meiner Galerie hatten diesen Eindruck nur verstärkt und ihn in seinem Entschluss bestärkt, sich an mich zu wenden.

Unsere Gespräche wandelten sich von diesem Abend an, und aus meinem anfänglichen »Nie und nimmer, vergiss es!« wurde langsam ein »Was wäre, wenn ...«

Ich merkte schnell, dass Klaus nicht nur besonders hartnäckig war, wenn es darum ging, ans Ziel seiner Wünsche zu gelangen. Er besaß zudem die besondere Fähigkeit, mich in seine Vorstellungen hineinzuziehen, in seine Träume, seine Fantasien. Irgendwann begann ich, sein Kopfkino nicht mehr abzulehnen, sondern mich selbst darin zu verlieren.

Wodurch und wann genau es dazu gekommen war, hätte ich nicht benennen können, aber auf einmal wurde mir bewusst, dass ich dem Ganzen nicht mehr so ablehnend gegenüberstand – wiewohl ich es mir praktisch und in der Realität noch kaum vorstellen konnte. Was genau würde ich in einer dominanten Rolle tun? Wie könnte es sich anfühlen?

Nachdem ich mich immer öfter mit solchen Überlegungen beschäftigt hatte, reizte mich der Gedanke, es zumindest einmal zu versuchen, und ich erlaubte Klaus, formell um die Stellung als mein Sklave nachzusuchen und mir eine Bewerbung zu schreiben. Schon lange zuvor hatten wir abgeklärt, dass wir beide auf diese Art von Formalitäten und Rituale standen.

Dieser Umstand brachte mich allerdings in anderer Hinsicht in eine Zwickmühle. Bisher hatte ich meinem Meister noch nicht einmal von diesem Kontakt erzählt. Wie sollte ich das Ganze jetzt Alex beibringen?

Ich überlegte lange hin und her. Dann, als wir telefonierten, packte ich einfach den Stier bei den Hörnern und sagte ganz direkt: »Ich habe einem Sklaven erlaubt, sich bei mir vorzustellen. Ich würde das gerne einfach mal ausprobieren mit der anderen Seite.«

Alex reagierte darauf anders, als ich es erwartet hatte. Er regte sich gar nicht darüber auf, sondern dachte nur kurz darüber nach und erklärte dann, dass er mir nicht im Weg stehen und mir diese neue Erfahrung nicht verbieten wolle.

»Einst musst du dir aber klarmachen«, fügte er noch hinzu. »Falls du diesen Sklaven tatsächlich als dein Eigentum annimmst, wird das auch Konsequenzen für dich haben. Und für unsere Beziehung zueinander!«

Ich fragte nicht nach, welche das denn sein könnten, denn es war mir in diesem Augenblick egal. Die Versuchung war einfach zu groß. Dieses unverhoffte Abenteuer reizte mich unheimlich, und wenn ich mir damit eine Strafe einhandeln würde, dann wäre das eben so. Davon würde ich mir die Vorfreude nicht vermiesen lassen, manchmal lohnte es sich wagemutig zu sein. Und schließlich hatte mein Herr es schon öfter für nötig gehalten, mich zu maßregeln, sollte es also irgendwann wieder dazu kommen, dann würde ich es eben durchstehen. Bisher hatte ich es noch immer überlebt und tat dennoch gerne das, was mir selber wichtig war und nicht immer das, was er als mein Meister meinte, mir gestatten zu müssen.

Zu diesem Zeitpunkt rechnete ich aber auch gar nicht ernsthaft mit einer Bestrafung. Alex war kein Herr von der Sorte, der seinem Eigentum strenge Regeln auferlegte und auf deren Einhaltung pochte – zumindest nicht außerhalb einer Session. Meine Leine war recht lang im Vergleich zu denen anderer Sklavinnen die ich kannte. Ich durfte mich sogar für eine gelegentliche Session einem anderen Dominus anvertrauen, wenn mein Herr keine Zeit hatte, sich ausreichend und ausgiebig um mich zu kümmern, und ich ihn vorher um Erlaubnis bat.

So war ich also das Eigentum eines Herrn und hatte trotzdem ein schönes, freies Leben. Und jetzt würde ich vielleicht auch bald noch einen Sklaven haben …


So nahm das Abenteuer also seinen Anfang. Ich akzeptierte Klaus‘ Bewerbung und wir verabredeten uns für ein erstes Treffen zur Probe.

Ich hatte vorher lange überlegt, wie dieses aussehen sollte, ob wir gleich mit einer Session starten oder uns erst einmal vorsichtig auf neutralem Boden annähern sollten, zum Beispiel in einem Café.

Auf Grund der Entfernung – Klaus war Frankfurter und ich in einem Münchner Vorort zuhause – fand ich es ziemlich unfair, ihn bloß zum Kaffeetrinken nach München zu bestellen. Außerdem hatten wir uns inzwischen nun auch wirklich genug online ausgetauscht. Das Grundvertrauen in ihn war da, also hatte ich ein Hoteldate vorgeschlagen. Ich wollte es jetzt wissen, wollte nicht mehr reden, sondern es – oder vielmehr IHN – ausprobieren! Zwei Tage und eine Nacht sollte er mir uneingeschränkt zur Verfügung stehen, sodass ich ausgiebig seine Neigung als mein Sklave und die Kompatibilität unserer Vorstellungen testen könnte. Wir hatten uns ausgiebig über Vorlieben und Abneigungen ausgetauscht, und in Anbetracht meiner Unerfahrenheit hatte er vorgeschlagen, mich einfach machen zu lassen. Er hielt sich für erfahren genug, auch dann klarzukommen, wenn mir Fehler unterliefen. Darauf wollte ich vertrauen.

Während ich in meinem kleinen Mazda in die Innenstadt fuhr, machte ich mir so meine Gedanken. Am meisten beschäftigten mich meine Zweifel, ob ich Klaus‘ Erwartungen gerecht werden könnte. Schließlich hatte ich noch nie eine dominante Rolle übernommen und war unsicher, ob ich es in der Realität hinbekommen würde. Dass die Wirklichkeit oft ganz anders aussieht, als die Fantasie, war mir durchaus bewusst. Diese Zweifel lagen nicht an mangelndem Selbstvertrauen – nein, damit war ich reichlich gesegnet – ich hatte nur überhaupt keinen Plan, was ich tun sollte oder was möglich sein würde.

Natürlich hatte ich in der letzten Zeit – dank Klaus – unendlich viel Kopfkino durchlebt und auch eigene Vorstellungen entwickelt. Teilweise hatte ich mich sogar von seiner Begeisterung einfach davontragen lassen und war mehr und mehr in die Rolle geschlüpft, die er mir zugedacht hatte – zumindest gedanklich. Ich hatte aber zudem auch etliche Gespräche mit meinem Herrn über dieses Thema geführt, und wie es Alex‘ Wesen entsprach, hatte er mich auch in dieser Hinsicht an die Hand genommen und mich als Mentor Stück für Stück an das Dominieren herangeführt.

››Eigentlich ist es ganz einfach‹‹, hatte er mir gleich zu Anfang erklärt. ››Was ich mit dir mache und wie ich dich behandle, das kannst du so weitergeben. Natürlich geschlechtsspezifisch abgewandelt, aber ansonsten gibt es nicht viele Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Subs.‹‹

Dieser Rat war mir mehr als einleuchtend erschienen, ich hatte mir fest vorgenommen, ihn zu beherzigen, und begonnen, mir in der Vorstellung ein Wochenende zusammenzubasteln, wie es Klaus noch nie erlebt hatte!

Die Frage, die bei der ganzen Planung jedoch noch im Raum stand, war folgende: Würde es mir überhaupt gefallen, auf der aktiven Seite zu spielen?

Der Verkehr war nicht allzu stark, und so erreichte ich das alteingesessene Luxushotel, wo mein künftiger Sklave ein Zimmer gemietet hatte, ziemlich schnell. Es lag an einer der Prachtstraßen Münchens, und vor dem Hotel öffnete sich die Straße zu einem kleinen Platz, der auf der gegenüberliegenden Seite von einem wunderschönen Park begrenzt wurde.

Mein Blick streifte gedankenverloren den Springbrunnen, dessen Wasserfontäne gerade hoch in den Himmel schoss, während ich einen Parkplatz auf der anderen Straßenseite ansteuerte. Mühelos lenkte ich meinen Mazda rückwärts in die Lücke, doch dann blieb ich sitzen und sah durch die Windschutzscheibe zum Hotel hinüber. Während mein Blick über die gediegene, historische Fassade glitt, fühlte ich ein unbestimmtes Kribbeln durch meinen Körper jagen. Das Gebäude war unzweifelhaft eines der luxuriösesten und berühmtesten Hotels der Stadt. Dort logierte üblicherweise die Prominenten, sogar Angehörige von Königshäusern - und ausgerechnet dort hatte Klaus ein Zimmer gebucht? Ich wusste nicht, was ich davon halten sollte.

Schon jetzt fühlte ich mich fehl am Platz, obwohl ich das Gebäude noch gar nicht betreten hatte. Die Gäste, die nicht in die hoteleigene Tiefgarage gefahren waren, hatten die Gegend mit ihren Nobelschlitten zugeparkt, zwischen denen mein alter, heißgeliebter 323 wie ein Dackel in einem Rudel Windhunde wirkte. Mein kleines Auto und ich, wir passten einfach nicht in diese elitäre Welt, überlegte ich. Mein Mann und ich waren selber finanziell nicht schlecht gestellt, aber zu den oberen Zehntausend der feinen Gesellschaft gehörten wir ganz sicher nicht.

Was also machte ich hier eigentlich?

Obwohl es mir noch nie an Selbstvertrauen gemangelt hatte, haderte ich gerade mit meiner eigenen Entscheidung Vielleicht hätte ich Klaus doch besser ein Hotel vorgeben sollen, eines, das mir mehr entsprach. Doch wer hätte denn damit rechnen können, dass er sich ausgerechnet so eine herrschaftliche Luxusherberge aussuchen würde? Auf die Idee war ich überhaupt nicht gekommen, und ich wäre mit einem ganz normalen Hotel vollends einverstanden gewesen. Ich brauchte keinen Luxus, und ich fragte mich auch, ob er mir mit dieser noblen Absteige imponieren wollte. Vielleicht wäre es das Beste, die ganze Sache gleich wieder abzublasen. Ich könnte ihn anrufen und ihm sagen, dass ich es mir anders überlegt hatte …

Andererseits war es natürlich der Gipfel der Verruchtheit, in einem der Traditionshäuser Münchens ein BDSM-Treffen abzuhalten. Ich – Emilia Wagner, einzige Tochter einer spanischen Dolmetscherin und eines tirolerischen Gastronomen – würde hier im Ressort der Reichen und Schönen mit meinem Sklaven niederen Gelüsten frönen! Ich musste grinsen. Das wiederum war etwas, das absolut meinem schrägen Sinn für Humor entsprach, die feine Ironie hinter unserem Vorhaben erkannte ich nämlich durchaus!

Außerdem war es jetzt sowieso zu spät, es mir anders zu überlegen und zu kneifen. Das Date stand, und es wäre unfair, in letzter Sekunde abzusagen, sodass Klaus die Anreise von Frankfurt umsonst angetreten hätte. Schließlich war ich noch nie ein Feigling gewesen, und ich würde ganz sicher auch jetzt keiner sein! Ich würde mich doch nicht von einem Hotel einschüchtern lassen, egal, wie vornehm sein Ruf auch sein mochte! Für mich war dies hier an diesem Wochenende bloß eine Location für eine Session, nicht mehr und nicht weniger.

Ein Mann in grauer, tressenbesetzter Livree, der auf den Stufen des Hotels vor dem Eingang stand, spähte mit strengem Blick über die Straße zu mir hin. Vermutlich wirkte ich in meinem schlichten Auto verdächtig, zumal ich schon eine ganze Weile hinter dem Steuer saß und wie blind auf das Gebäude starrte. Womöglich hielt er mich für eine Geheimagentin, die das Hotel ausspähen wollte.

Ich beobachtete, wie der Livrierte mit einem herrischen Wink einen Boy herbeirief, ihm etwas in die Hand drückte, woraufhin der junge Mann in einen der geparkten Wagen sprang und ihn vorsichtig vom Platz in Richtung Tiefgarage fuhr.

Endlich raffte ich mich auf und stieg aus. Was nützte es, hier noch mehr Zeit zu verschwenden? Klaus wartete sicher schon längst auf mich, und die zwei Tage und die eine Nacht konnten schneller um sein, als es uns womöglich lieb wäre! (Den Gedanken, dass sich die Stunden aber auch endlos hinziehen könnten, verkniff ich mir energisch.)

Während ich dem Park mit der Wasserfontäne den Rücken zuwandte und die Straße überquerte, nahm ich mein Handy aus der Tasche und teilte Klaus mit, dass ich angekommen sei. Er nannte mir seine Zimmernummer und bekam schon gleich seine ersten Befehle: Er hatte die Rezeption über meine Ankunft zu informieren, die Tür nur angelehnt lassen und mich auf Knien zu erwarten.

Der Portier schien mich nun doch als ungefährlich einzustufen, denn er lächelte mir freundlich entgegen, als ich die drei Stufen der Freitreppe hochstieg. Er öffnete mir die auf Hochglanz polierte Glastür, und dann trat ich in eine andere Welt ein. Die Pracht, die mich umgab, verschlug mir für einen Moment den Atem, und ich wusste gar nicht, wo ich zuerst hinschauen sollte. Himmel, war das ein Palast! Überwältigt schwebte ich zur Rezeption, wo eine freundlich lächelnde Empfangsdame wartete.

Zum Glück sah man mir meine Unsicherheit niemals an, das wusste ich aus Erfahrung. Ich war eine Meisterin darin, meine wahren Gedanken und Befürchtungen zu verbergen und verstand es, in solchen Situationen immer einen völlig entspannten Gesichtsausdruck aufzusetzen. So ließ ich mir auch nicht anmerken, dass mich der abschätzende Blick der Empfangsdame nervös machte. Halb damit rechnend, dass man mich womöglich als Persona non grata sofort wieder vor die Tür setzen würde - frei nach dem Motto, eine Emilia Wagner hatte in dieser Welt nichts zu suchen -, näherte ich mich mit gleichmäßigen Schritten dem Tresen. Zu meiner Erleichterung gab es jedoch keinen einzigen herablassenden Blick, sondern man lächelte mir freundlich zu und fragte nach meinen Wünschen.

Ich nannte ihr Klaus‘ Zimmernummer und sagte, dass ich von ihm erwartet würde. Er hatte es gut arrangiert, ich war tatsächlich in einer Liste für Besucher eingetragen. Nachdem ich der Rezeptionistin meinen Ausweis vorgelegt hatte, winkte sie einen Pagen heran.

»Kevin wird Sie zu Ihrem Zimmer bringen«, teilte sie mir mit einem freundlichen Lächeln mit. »Bitte wenden Sie sich an den Zimmerservice, wenn Sie etwas brauchen. Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Aufenthalt in unserem Haus.«

Der Page Kevin nahm mir meine kleine Reisetasche ab und geleitete mich vom Empfang zum Lift, der uns nach oben brachte, wo Klaus reserviert hatte. Die Eleganz der Ausstattung beeindruckte mich, auch das hervorragend geschulte, diskrete Personal, und eine leise Stimme in meinem Kopf fragte, ob ich nicht doch verrückt war, weil ich in diesem Palast eine BDSM-Session abhalten wollte!

Gedankenverloren folgte ich dem Pagen in seiner grauen Uniform aus dem Lift, bis er stehenblieb und sich mir mit einem Lächeln zuwandte. »Die Junior-Suite«, teilte er mir zurückhaltend mit.

Klaus hatte gleich eine Suite gemietet? Mann, der musste es ja dicke habe! Okay, sein Nick Geschäftsmann hätte ich als Hinweis verstehen können, aber wer geht schon davon aus, dass irgendjemand im Netz die Wahrheit über sein reales Leben mitteilt? So ganz konnte ich aber auch den Verdacht nicht von mir weisen, dass das ganze Ambiente hier vielleicht doch dazu gedacht war, um bei mir Eindruck zu schinden. Er konnte ja nicht wissen, dass mich dieser Luxus und Pomp überhaupt nicht beeindruckte, und mich ganz sicher in meiner Meinung über ihn auch nicht beeinflussen würde!

So ärgerlich es auch war, hatte ich noch immer das Gefühl, hier nicht herzugehören. In gewisser Weise fühlte ich mich wie eine Hochstaplerin kurz vor der Entlarvung. Sicher, ich hatte alles Menschenmögliche getan, um den Eindruck einer taffen Businesslady zu erwecken, hatte mich dezent geschminkt und ausgewählt gekleidet, aber war es wirklich so leicht, damit durchzukommen?

Vermutlich würde ich es nie erfahren, denn hätte man die Täuschung durchschaut, wäre man gewiss viel zu stilvoll, es mich merken zu lassen. Der Gast – Klaus in diesem Fall – war König, und man würde höflich jede Dame zu ihm führen, die er zu sehen wünschte, solange sie nicht allzu offensichtlich eine vom horizontalen Gewebe war. Nun, zumindest nahm ich an, dass es so war, und ich grinste ein wenig spöttisch über mich selbst, als ich dem Pagen lächelnd ein Trinkgeld gab und ihn verabschiedete, nachdem er mir meine Tasche gereicht hatte. Dankend verzichtete ich darauf, mich von ihm in die Suite geleiten zu lassen. Ich wartete, bis er wieder im Lift verschwunden war, dann wandte ich mich der Tür zu, die wie gefordert, nur angelehnt war.

Ohne weiteres Zögern betrat ich das Zimmer – noch einmal tief durchatmend, denn nun hatte das Spiel begonnen und es gab kein Zurück mehr - zumindest bis einer von uns beiden es beendete. Ich war mittendrin in der Geschichte, tauchte ein in eine Rolle, die ich noch niemals zuvor gespielt hatte.

Meinen ersten Auftritt hatte ich sorgfältig geplant …

Als wäre ich eine Filmdiva, schüttelte ich mit einer lässigen Bewegung beim Betreten der Suite meinen Mantel von den Schultern und ließ ihn zu Boden gleiten.

Eilfertig sprang der Sklave sofort auf und hängte den Mantel auf einem Bügel an die Garderobe, was mir Gelegenheit gab, ihn schon einmal unauffällig zu mustern. Er hatte sich als guter, ordentlicher und vor allen Dingen unermüdlicher Putzsklave beschrieben, was allem Anschein nach nicht übertrieben gewesen war. Sein Pech war nur, dass ich einen Putzsklaven weder brauchte noch wollte. Obendrein hatte er gerade gegen meine Anweisung, mich auf Knien zu erwarten, verstoßen! Ich hatte ihm weder die Erlaubnis gegeben aufzustehen, noch meinen Mantel wegzuräumen. Und schon waren wir mittendrin in unserem Spiel! Der Einstieg gelang so flüssig und beiläufig, ich staunte selbst, wie einfach das doch im Grunde war! Fast hätte ich mir nun selber auf die Schulter geklopft ob dieses kleinen, fiesen Tricks, aber ich beherrschte mich tapfer und ließ mir nichts anmerken von meinem Triumph.

Sein Fauxpas wurde ihm in dem Moment bewusst, als er sich wieder zu mir umwandte und meinen wütenden Blick auf sich gerichtet sah. Ich hatte ihn schon beim Eintreten auf die Probe gestellt, und prompt hatte er es verpatzt!

Ein Zucken lief durch die große Gestalt, es war deutlich zu erkennen, wie er mit sich kämpfte, und dann sank er auf die Knie und kroch auf allen vieren zu mir, leise um Entschuldigung winselnd. Dabei verschwand er fast im Teppich, so tief duckte er sich vor mir.

Eine ganze Weile starrte ich ihn nur wortlos an – was aber eher daran lag, dass ich in Gedanken fieberhaft überlegte, wie ich jetzt mit dieser Situation umgehen sollte. Dass ich ihn schon so kurz nach meinem Eintreffen würde bestrafen müssen, damit hatte ich nicht gerechnet – soweit hatte ich gar nicht gedacht, zumal er mir ja auch erzählt hatte, dass er schon sehr erfahren sei. Was hieß erzählt, er hatte regelrecht geprotzt damit!

Wie erstarrt stand ich da und fragte mich, was ich jetzt machen sollte. Für den Moment war ich glatt ein wenig überfordert. Meine Position als seine Herrin gleich behaupten und streng durchgreifen? Oder ihn einfach nur für seinen Ungehorsam tadeln und ihn warnen, dass dies kein zweites Mal passieren dürfe? Fieberhaft überlegte ich, was Alex in dieser Situation getan hätte, und plötzlich wusste ich, wie ich vorgehen musste.

Langsam stellte ich meine Tasche zu Boden, holte tief Luft und trat dann vor ihn hin. Gar nicht sanft grub ich meine Finger in seinen dunklen Schopf – igitt, das fühlte sich seltsam an, die waren ja gegelt! – und zog ihn an den Haaren hoch, bis er aufrecht kniete und mir in die Augen schauen konnte.

››Da du mich noch nicht kennst, werde ich dir diesen Fehler noch einmal verzeihen. Aber nutze meine Gutmütigkeit ja nicht aus!‹‹, erklärte ich mit strenger Stimme. ››Das nächste Mal nehme ich die Peitsche und zeigte dir, was Gehorsam ist! Hast du das verstanden, Sklave?‹‹

››Ja, meine Herrin. Danke, dass sie mir meinen dummen Fehler noch einmal vergeben‹‹, keuchte er unterdrückt.

Langsam ließ ich ihn hoch, und noch während ich mir die Finger von dem Haargel säuberte, kauerte er schon wieder vor mir, die Stirn auf den Teppichboden pressend.

Die erste Klippe schien umschifft, aber ich vibrierte immer noch vor Nervosität und hoffte verzweifelt, dass der Sklave es nicht bemerken würde. Was sollte ich jetzt nur mit ihm machen? Himmel, haderte ich zum tausendsten Mal mit mir selber, was hatte ich mir hier nur aufgeladen? So lange ich meine Neigung auslebte, war ich immer auf der passiven Seite gewesen, und es fiel mir schwer, in die aktive Richtung zu denken. So ganz war ich noch nicht in meiner Rolle, stellte ich wieder einmal fest. Meinem Herrn wären in solch einem Moment bestimmt jede Menge Dinge eingefallen, die er tun könnte …

Ich zuckte zusammen, genau das war es doch! Ich brauchte eigentlich nur an meine Erziehung zu denken und das abzuwandeln, was ich selbst erlebt hatte. Hatte mir Alex nicht genau das empfohlen? Im Prinzip konnte ich das meiste eins zu eins auf meinen neuen Sklaven anwenden. Das gab mir ein wenig von meiner üblichen Sicherheit zurück, und ich straffte mich.

››Willst du mich nicht ordentlich begrüßen, mein Sklave?‹‹, fragte ich fordernd. Er hob fragend den Kopf, sah mich aber nicht direkt an. Nonchalant streckte ich ihm meine Hand entgegen. Sofort richtete er sich auf Knien auf, nahm meine Hand – die nur kaum merklich zitterte – und hauchte einen federleichten Kuss darauf.

Es fühlte sich nicht einmal unangenehm an, merkte ich.

››Ich freue mich, dass Sie gekommen sind, Herrin‹‹, erklärte er in ehrerbietigem Tonfall.

Unwillkürlich sprang mir ein breites Grinsen in die Mundwinkel. ››Nun Klaus, bisher bin ich nur erschienen – falls du das noch nicht bemerkt haben solltest‹‹, erwiderte ich bedeutungsvoll.

An der leichten Röte, die sofort seine Wangen überzog, erkannte ich, dass er die zweideutige Anspielung sehr wohl verstanden hatte. Gleichzeitig blitzten seine blauen Augen so interessiert auf, dass ich nicht nur den Sklaven in ihm erkannte, sondern auch den Mann dahinter. Einen sehr männlichen Mann übrigens!

Als solcher würde er wohl gegen gewisse sexuelle Aktivitäten auch nichts einzuwenden haben, dachte ich. Wir hatten uns nie explizit über die intimen Möglichkeiten zwischen uns beiden unterhalten, sondern es beide offengelassen. Jetzt auf einmal war der Gedanke an Sex mit ihm da. Aber wollte ich das wirklich? Mein Blick glitt über ihn, taxierend diesmal. Schlecht sah er ja nicht aus und im Prinzip war ich auch gar nicht abgeneigt, erkannte ich erstaunt, während ich in mich hineinhorchte. Etwas in mir sprang auf diesen optischen Leckerbissen an, damit hatte ich gar nicht gerechnet. Es überraschte mich auch ein wenig, denn irgendwie hatte ich – das musste ich zu meiner Schande gestehen – submissive Männer nie als potentielle Sexpartner betrachtet. Sie waren in meinen Augen einfach … nun ja, um es höflich zu formulieren, uninteressant.

››Hör auf, meine Hand abzuknutschen!‹‹, fuhr ich ihn so unvermittelt an, dass er vor Schreck zusammenzuckte. ››Ein richtiger Sklave sollte wissen, wie man seiner Herrin Ehre erweist. Ich dachte, du bist so erfahren? Das stimmt wohl überhaupt nicht, wie?‹‹

Ich war gespannt. Wie würde er reagieren? Ich hatte ihm keinerlei Hinweise gegeben, was ich nun von ihm erwartete. Ihn nur scharf gerügt, und das noch nicht einmal wirklich verdient.

Doch er hatte wohl nicht übertrieben, als er von seiner vorhandenen Erfahrung gesprochen hatte. Ohne zu zögern ließ er sich wieder nach vorne auf alle viere sinken, neigte den Kopf und berührte mit seinen Lippen vorsichtig die Spitze meiner Pumps. Als ich nicht reagierte, küsste er weiter meine Schuhe und gab mir so die Gelegenheit, meine Gedanken zu sammeln.

Neugierig sah ich mich in dem vornehmen Hotelzimmer um, entzog ihm meinen Fuß und durchquerte langsam die großzügige Suite. Sie ließ keine Wünsche offen, stellte ich fest – der Schlafraum war reichlich bemessen, das Badezimmer ungewöhnlich geräumig und im Wohnbereich fühlte ich mich augenblicklich wohl. Mit einem Durchatmen setzte ich mich auf einen der weich gepolsterten Stühle, die um einen kleinen Tisch vor dem Fenster gruppiert waren, die Couch ignorierte ich vorerst.

Sofort kroch er zu mir. Ich schaute auf die zusammengerollte Gestalt zu meinen Füßen und tippte ihn mit der Schuhspitze an.

››Stell dich ordentlich hin, Sklave! In Position und zeige dich mir!‹‹, befahl ich ihm leise. ››Ich will mir ansehen, was ich mir mit diesem seltsamen Treffen eingehandelt habe.‹‹ Diese Anordnung verschaffte mir einen weiteren Moment der noch dringend benötigten Ruhe.

Klaus sprang sofort auf die Beine und stellte sich aufrecht vor mich hin. Den Blick richtete er dabei über mich hinweg ins Leere.

Ob er es wohl für unangemessen hielt, seiner Herrin ins Gesicht zu sehen? Als Sklavin wäre mir so etwas nie eingefallen, aber wenn er es so wollte oder man ihn dazu abgerichtet hatte, dann war das eben so. Das war etwas, das ich später immer noch ändern konnte, wenn es mir nicht gefiel oder mir lästig war.

Ich beachtete ihn erst einmal nicht weiter, sondern nahm diese Junior-Suite diesmal genauer in Augenschein, zuvor hatte ich mich nur flüchtig umgesehen. Wieder einmal war ich überwältigt von der zurückhaltenden Eleganz und dem Luxus, der mich aus allen Ecken ansprang.

Ob ich mich hier tatsächlich verwirklichen konnte? Ich bezweifelte ein wenig, dass dies wirklich das Ambiente war, das ich brauchte, um ich selbst sein zu können – beziehungsweise das, was er von mir als Herrin erwartete.

Neugierig griff ich nach einem der Flyer auf dem Tisch und blätterte ihn durch. Das Angebot des Hauses ließ wirklich keine Wünsche offen. Es gab einen Spa, der über mehrere Etagen reichte, einen Fitnessraum mit Blick auf die Frauenkirche, eine Dachterrasse zum Frühstücken, fünf Restaurants und einen Nachtklub im Erdgeschoss, sogar ein Boulevardtheater war vorhanden.

Doch alles, was mich interessierte, stand im Moment vor mir und wartete darauf, dass ich etwas unternahm.

››Du sprichst nur, wenn ich das Wort an dich richte. Hast du mich verstanden?‹‹

Er nickte. ››Ja, meine Herrin‹‹, antwortete er brav.

Ich hatte nichts anderes erwartet und nickte zufrieden, fasste ihn dann genauer ins Auge. Er hatte wirklich nicht zu viel versprochen. In seinen Mails und im Chat hatte er sich als attraktiv und männlich beschrieben, was ich zunächst mit einiger Skepsis aufgenommen hatte, da er sich geweigert hatte, mir ein Foto von sich zu schicken. Meiner Erfahrung nach bedeutete dies fast immer, dass derjenige seine Selbstbeschreibung maßlos geschönt hatte. Nicht jedoch Klaus. Er war tatsächlich groß und schlank, aber nicht mager, sondern mit einem trainierten Körper. Er hatte einmal geschrieben, dass er einen großen Bewegungsdrang habe und sich praktisch jede freie Minute sportlich betätige, auch seien seine Urlaube immer einer besonderen Aktivsportart gewidmet. Das alles sah man ihm aber auch an. Unter dem maßgeschneiderten Hemd wölbten sich unübersehbar ansprechende Muskelpartien. Seine Haare waren dunkel, fast schwarz. Er hatte sie glatt nach hinten gekämmt und mit etwas Gel fixiert – igitt, mich schüttelte es immer noch und ich hatte das Gefühl, dieses Gel würde noch an meinen Fingern hängen – was mir weniger gefiel. Aber das ließ sich ja ändern. Seine Augen leuchteten blau, seine Haut war braungebrannt und gepflegt, und natürlich enthaart. Zumindest an den Stellen, die ich zu sehen bekam.

Alles in allem war er ein Mann, der mir rein optisch sehr gut gefiel. Vielleicht sogar zu gut, sinnierte ich. Ich musste vorsichtig sein, meine Libido war sehr ausgeprägt und wenn ich zu sehr auf ihn abfuhr, vermasselte ich mir mit meinem sexuellen Hunger womöglich alles selber.

Schweigend taxierte ich ihn weiter und ließ nicht erkennen, was ich von ihm hielt. Ich hing einfach weiter meinen Gedanken nach und ließ ihn auf eine Reaktion warten. Dabei wusste ich, dass er eben genau auf so etwas wartete, schließlich war ich oft genug selbst in dieser Situation gewesen und in der hungerte man förmlich nach Bestätigung.

Als Herrin aber war es schließlich mein gutes Recht zu tun, was immer ich wollte – auch wenn sich das doch ein wenig eigenartig anfühlte. Zwar hatte ich mir im Vorfeld einige Gedanken darüber gemacht, was an diesen beiden Tagen passieren könnte und für mich beschlossen, die Situation einfach auf mich zukommen zu lassen und aus dem Bauch heraus zu handeln. Nun aber war ich doch wieder ein wenig verunsichert.

Schlagartig erinnerte ich mich an ein Gespräch, das ich einmal mit meinem Herrn geführt hatte. Nach einer langen, ausgiebigen Session hatte ich geschnurrt: ››Das ist ja so toll. Ich kann gar nicht genug davon bekommen! Bitte, wann geht es denn weiter? Ich will mehr …‹‹ Darauf hatte er jedoch eher entsetzt als erfreut reagiert und sich dann darüber ausgelassen, wie schön es doch eine Sklavin habe, die nur hinnehmen und genießen könne, während die ganze Arbeit, die Planung und Umsetzung immer beim dominanten Teil liege.

Jetzt wurde mir klar, wie recht er damit gehabt hatte. Plötzlich befand ich mich auf der aktiven Seite und ich hatte die ››Arbeit‹‹, und ein wenig kam ich mir schon vor, als müsse ich nun die Bespaßerin für diesen Sklaven spielen. Für den Sklaven, der mich zu diesem Spiel überredet hatte!

Doch ganz unvorbereitet war ich auch nicht zu diesem Treffen gekommen, rief ich mir nun energisch ins Gedächtnis. Ich hatte mir einiges für diese Sklavenprobe überlegt. Neben den Gesprächen mit Alex hatte ich stundenlang ich im Internet recherchiert, diverse einschlägige Seiten abgegrast und sogar einen ganzen Abend lang mit einer Domina gechattet, um mir ein paar Tipps zu holen. Was das Theoretische betraf, war ich wirklich gut vorbereitet.

Vielleicht wäre dieser ganze Aufwand gar nicht nötig gewesen und es hätte gereicht, mich einfach auf meine Intuition zu verlassen. Immerhin hatte ich Klaus vorgewarnt, dass ich als seine Herrin nicht die klassische Domina abliefern würde. Ich war keine Domina - ganz abgesehen davon, dass ich diesen Begriff für mich nicht mochte, weil ich ihn mit den professionellen Damen verband, die in gut ausgestatteten Studios die Wunschzettel der zahlenden Kundschaft abarbeiteten. Aber mich hatte auch der Ehrgeiz gepackt. Sogar wenn es bei diesem einmaligen Probedienen bleiben würde, so hatte ich an mich selbst den Anspruch, dass es für Klaus unvergesslich bleiben sollte! In den nächsten Stunden würde sich herausstellen, ob ich diesem Anspruch würde gerecht werden können. Und wenn nicht, wäre es auch kein Drama, denn schließlich war dies alles nur ein Experiment, dessen einziger Zweck darin bestand, Spaß zu haben!

An diesem Punkt meiner Überlegungen angekommen, merkte ich plötzlich, wie ich die Nervosität loslassen konnte und zu der mir angeborenen Selbstsicherheit zurückfand. Das Lächeln, das nun meinen Mund in die Breite zog, kam zum ersten Mal, seit ich von daheim losgefahren war, aus tiefstem Herzen.

Klaus würde noch sehr lange an das Treffen mit mir zurückdenken, und eines wusste ich schon jetzt: Ich würde eine Menge Spaß dabei haben! Es wurde Zeit, dass ich endlich anfing, meine Pläne auch in die Tat umzusetzen …

Mit einer lasziven Bewegung lehnte ich mich auf dem Stuhl zurück und schlug die Beine übereinander. Dabei rieben die Nylonstrümpfe leicht aneinander, was in dem stillen Zimmer überlaut zu hören war – ein seltsam erotisches Geräusch, das mir bisher noch nie aufgefallen war.

››Du gefällst mir, Klaus‹‹, sprach ich ihn beiläufig an. „Daran wird es schon mal nicht scheitern.‹‹

››Danke Herrin, das ist sehr liebenswürdig‹‹, erwiderte er brav.

››Du hast jetzt die Erlaubnis, mir zu sagen, ob du mit der Herrin die du dir mit unserem Deal eingehandelt hast, auch zufrieden bist‹‹, forderte ich ihn auf, ebenfalls ein Statement abzugeben. Das Weibchen in mir brauchte Bestätigung, schließlich hatte ich zu Hause extra wegen dieses Treffens stundenlang vor dem Spiegel gestanden und mich vorbereitet.

Endlich neigte er den Kopf etwas, um mich anzusehen – und verblüfft bemerkte ich, wie etwas in mir wohlig erschaudern wollte, angesichts dieses leuchtenden Blickes. Was war nur los mit mir?

Er zögerte, doch dann schien er Mut zu fassen.

››Ich hoffe, es ist nicht unverschämt von mir, aber ich scheine es sehr gut getroffen zu haben mit Ihnen. Sie strahlen, Sie lächeln wunderschön, und ihr Anblick hat mir den Atem verschlagen.‹‹ Mir blieb bei so viel Begeisterung ja glatt die Luft weg, aber ich unterbrach sein überschwängliches Kompliment natürlich nicht. ››Ja, ich bin glücklich, weil Sie mir diese Chance geben, Herrin!‹‹

Da wurde einem ja ganz warm ums Herz! Dass er so beeindruckt sein würde, damit hatte ich nicht gerechnet, und natürlich gingen diese Komplimente runter wie Öl. Klar hatte ich Augen im Kopf und wusste, die Frau die ich bei jedem Blick in einen Spiegel sah, musste sich vor niemanden verstecken! Auch die Reaktionen der Männer in meinem Leben bestätigten es mir schon mein halbes Leben lang. Ich galt allgemein als attraktiv mit meinen langen, wallenden schwarzen Haaren und den dunklen Augen. Im Kontrast dazu war meine Haut sahnig hell, was recht spektakulär aussah und mir manchmal sogar den Spitznamen ››Schneewittchen‹‹ eingebracht hatte. Dennoch – Frauchen durch und durch hörte ich es nur zu gerne, wenn mir gesagt wurde, wie gut ich dem anderen gefiel. Auch diese Situation war hierbei keine Ausnahme!

Lächelnd nickte ich meinem Sklaven zu.

››Knie nieder, mein Lieber. Meine Schuhe drücken etwas. Zieh sie mir aus.‹‹

Blitzschnell sank er vor mir auf die Knie und zog mir die hochhackigen Pumps von den Füßen. Gleich darauf seufzte ich erleichtert und genüsslich auf, denn er begann ohne weitere Aufforderung mit flinken Fingern meine Füße zu massieren.

Eigentlich mochte ich Fußmassagen nicht gerne, denn ich war extrem kitzlig. Doch Klaus war so überaus geschickt, dass ich mich völlig entspannte und meine Füße kein einziges Mal wegzuckten. Hin und wieder verirrte sich zwar einer seiner Finger und glitt ein Stückchen meine Waden hoch, doch mit einem mahnenden Räuspern brachte ich ihn jedes Mal sofort wieder zur Räson. Eine ganze Weile ließ ich mich so verwöhnen, bis meine Füße nicht mehr brannten.

So sehr ich Schuhe und insbesondere Heels liebe: Neue Fußbekleidung ist selten angenehm zu tragen. So war es auch im Fall dieser Schuhe, die mir mein Mann geschenkt hatte. Sie stammten zwar von einem Mailänder Designer und waren sündhaft teuer, doch das machte die Cachet Pumps keinesfalls bequem.

Allerdings hatte sich Klaus meiner Füße wirklich gut angenommen, das musste ich schon zugeben. Das Brennen in den Fußsohlen ließ nach, und verschwand schließlich ganz. Als ich schließlich genug hatte, entzog ich ihm ruckartig meine Füße.

››Deine Herrin möchte jetzt frühstücken. Organisiere das!‹‹, befahl ich ihm.

››Es gibt im Hotel einen wunderschönen Frühstücksraum auf dem Dachgarten‹‹, teilte er mir mit. „Soll ich dort einen Tisch für uns reservieren lassen?‹‹

Ich überlegte kurz, dann schüttelte ich den Kopf. ››Nein, ich möchte hier mit dir frühstücken.‹‹ Was ich plante, ließ sich leider vor Publikum nicht durchführen. ››Lass das Frühstück aufs Zimmer kommen. Die Auswahl überlasse ich dir.‹‹

Sofort hechtete er hoch, eilte ans Telefon und sprach kurz mit dem Roomservice. Die Frage die ich mir bei diesem Anblick spontan stellte, war etwas gehässig: War er kurz vor dem Verhungern oder wollte er mir einfach gefällig sein?