01 Großer Knall
Es war einmal vor langer Zeit... Im Königreich der glänzenden Magie saß ein junges Mädchen namens Milyza mit weit aufgerissenen Augen in ihrem Bett. Es war die Nacht vor ihrem fünfzehnten Geburtstag und sie konnte einfach nicht schlafen. Sie lehnte sich gegen ein großes Kissen, das sie an der Längsseite ihres Bettes an die Wand gelehnt hatte. Und sie schaute immer wieder aus dem offenen Fenster neben ihr, während sie sich leicht zur Seite lehnte.
Es war fast Mitternacht und der Vollmond tauchte die stillen Felder in sein silbriges Licht. Der alte Walnussbaum, der neben dem Haus ihrer Eltern Wache hielt, warf lange Schatten. Sie beachtete den Baum nicht mehr, denn er stand dort schon solange sie sich erinnern konnte. Ihre Gedanken waren mit anderen Dinge beschäftigt. Sie konnte einfach nicht aufhören, an ihn zu denken und hoffte insgeheim: "Er wird mich heute Nacht besuchen."
Die Minuten fühlten sich wie eine Ewigkeit an, aber sie weigerte sich die Hoffnung aufzugeben. "Niemals!", dachte sie: "Ich werde ihn suchen gehen, wenn er nicht in den nächsten Tagen auftaucht." Gerade als sie sich an ihren kühnen Plan gewöhnte, hörte sie ein sanftes SWOOSH, das die Stille unterbrach. Sie richtete sich auf, ihr Herz schlug schneller als sie hinaus sah und da war er: Killian, ihre erste Liebe, ihre wahre Liebe, ihre einzige Liebe.
Killian sah sogar noch besser aus als sie es sich in ihren Träumen vorgestellt hatte und Milyza war sofort von seiner selbstbewussten Ausstrahlung gefesselt. Sie konnte ihren Blick nicht von ihm abwenden, angezogen von seiner breiten und muskulösen Gestalt, die seine innere Stärke verriet. Und da war noch etwas anderes. Für einen Moment vergaß sie sogar das Atmen, als sie eine Welle der Beklemmung überflutete.
Milyza fuchtelte mit einer Strähne ihres lila Haares herum und hoffte, dass es ihm nichts ausmachen würde sie so zu sehen, mit ihren langen violetten Haaren, die über ihre blauen Ohren, Schultern und Oberarme fielen. Sie trug ein dünnes Nachthemd, das sich eng an ihren dünnen Körper schmiegte, und eine leichte Brise wehte durch das Fenster herein. Aber sie spürte keine Kälte, sondern nur die Wärme seiner Gegenwart, die ihr Herz erfüllte.
Sie erinnerte sich daran, wie sehr Killian ihre großen lila Duttknoten geliebt hatte, die sie an den Seiten ihres Kopfes zu tragen pflegte. Aber das war während ihrer abenteuerlichen Reise gewesen. Heute Abend wollte sie, dass er sie anders sah. Sie wollte, dass er sah wie sehr sie erwachsen geworden war. Sie war vielleicht noch keine Frau, aber sie wollte, dass er merkte dass sie nicht mehr das unschuldige Mädchen war, das er vor einem Jahr kennengelernt hatte.
Ihre Nervosität verschwand in dem Moment, als er durch ihr Schlafzimmerfenster schaute. Seine wunderschönen goldenen Augen trafen die ihren und es war, als wäre die Zeit stehen geblieben. Sie lächelten beide strahlend und Milyza versuchte auf ihn zuzugehen, sie wollte ihn umarmen und nicht mehr loslassen. Aber er war etwas überrumpelt und wich ein wenig zurück. Milyza sah schnell weg, ihr Kopf sank nach unten und ihre Wangen brannten.
Dann hörte sie seine warme, sanfte Stimme. Milyza hob langsam den Kopf und begegnete seinem goldenen Blick. "Hallo, meine liebe Freundin," sagte er. "Ich möchte dich gerne umarmen, aber ich kann jetzt grad nicht. Wir haben uns beide verändert und brauchen Zeit um uns wieder aneinander zu gewöhnen. Es tut mir leid, dass ich nicht früher kommen konnte, aber ich war damit beschäftigt, wenigstens etwas Ordnung zu schaffen. Ich hoffe dir und deiner Familie geht es gut."
Milyza konnte ihren Blick immer noch nicht von Killian abwenden. Er war wie ein Magnet, der sie näher an das Fenster heranzog. Ihr Herz schlug rasend schnell und sie spürte wie ein Sturm von Gefühlen sie umwirbelte. Es fühlte sich an, als würde die Welt verschwimmen und alles was blieb, waren sie beide. Dann spürte sie, wie eine Hitze in ihrem Körper anwuchs und sie lehnte sich leicht aus dem Fenster, um sich abzukühlen.
Killian fuhr mit seiner beruhigenden Stimme fort: "Ich würde gerne deine Eltern bald kennenlernen. Meinst du, dass sie mich als Freund akzeptieren könnten? Ich weiß, dass es schwer für sie sein mag, weil wir so verschieden sind." Milyza fühlte sich erleichtert und antwortete aufgeregt: "Mach dir keine Sorgen! Ich bin sicher, sie werden dich akzeptieren. Du hast so viele gute Dinge getan! Am Anfang mag es schwer sein, aber gemeinsam werden wir einen Weg finden."
"Denke nur an all die schwierigen Situationen, die wir gemeinsam durchgestanden haben." Killian lächelte wieder und bewegte seinen Kopf so nah an das Fenster heran, wie er nur konnte, ohne es kaputt zu machen. Das fiel ihm tatsächlich ziemlich schwer, denn Killian war ein ausgewachsener Drache — fast so groß wie das Haus — und er hatte große Flügel. Er senkte seinen großen Kopf und Milyza berührte sanft seine lange Schnauze.
Milyza kam ihm noch näher und behielt ihn dabei im Auge. Sein Lächeln schien echt zu sein, aber es hatte etwas Intensives an sich. Sie hoffte, dass er verstand, wie aufrichtig ihr Herz war. Sein Atem streifte ihr Ohr und sie spürte ein Kribbeln in ihrem Körper, als sie sich an ihre gemeinsamen Abenteuer erinnerten, die sie zusammengebracht hatten. Es hatte alles vor etwa einem Jahr begonnen...
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