Schwerelos - wenn dich nichts mehr hält

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Summary

Nichts sehen, nichts hören, nichts fühlen ... genau das ist es, was Angelina sich jeden Tag aufs Neue wünscht. Umgeben von Leuten, die behaupten zu ihrer Familie oder ihren Freunden zu gehören, es aber doch nicht sind, versucht sie sich durch ein Leben zu kämpfen, das ihr jedes Mal aufs Neue Hindernisse hinwirft. Ihre Verfassung verschlechtert sich dadurch mehr und mehr, bis sie es irgendwann einfach nicht mehr aushält und sich wünscht, dass alles ein Ende haben soll. Nur muss ein Ende nicht unbedingt für Immer sein. Denn manchmal kann ein Ende auch gleichzeitig einen Neuanfang mit sich bringen. ****** (Triggerwarnung. Es handelt sich um eine autobiografische Erzählung über mein Leben (alle anderen Namen habe ich sicherheitshalber abgeändert) und dieses ist nicht unbedingt das Schönste, was man sich vorstellen könnte. Es wird daher um Depressionen, Selbstverletzung, Mobbing bis hin zu Suizid/Suizidversuch gehen, also wer mit solchen Themen nicht umgehen kann, den bitte ich wirklich nicht hineinzulesen. )

Status
Ongoing
Chapters
5
Rating
n/a
Age Rating
18+

Prolog

Eine einzige Nachricht, bestehend aus wenigen Worten. Daraufhin bloß noch Stille. Eine Stille, die mehr schmerzte, als jeder Messerstich es jemals hätte vollbringen können. Es war diese Ungewissheit, die sich rasend schnell in ihrem Kopf breit machte, sich fragen ließ, ob es wirklich vorbei war und die am Ende bloß noch eine Schlussfolgerung zuließ. Ja, es war endgültig vorbei. Ob dies wirklich die Wahrheit gewesen sein sollte, erfuhr sie nicht mehr, wollte es in diesem Moment auch gar nicht mehr wissen. Der Gedanke daran verlassen worden zu sein, hatte sich zu tief in ihren geplagten Verstand geschlichen und fraß sich dort regelrecht hinein, genau wie dies bereits bei ihrem dunkel blutenden Herz der Fall war.

Weinen tat sie dennoch nicht. Schreien ebenso wenig. Da war bloß noch Leere, die ihren Blick erfüllte und welcher nun mehr lustlos durch ihr Zimmer fiel. Die Tür hinter sich schließend trat die junge Frau an ihren Schreibtisch, wo es nicht lange dauerte, bis ihr geliebter Zeichenblock hervorgekramt war, dem ein einfacher Kugelschreiber folgte. Noch immer blieb es still. Einzig das leise Kratzen der Mine auf Papier erfüllte den Raum, während leise Stimmen durch die Wand hindurchdrangen. Der Fernseher ihrer Schwester lief, diese war also abgelenkt und würde nicht stören. Ihre Mutter befand sich unten, ahnte ebenso wenig etwas von dem, was sich ihre jüngste Tochter in den folgenden Minuten zusammenspinnte. Und ihr Stiefvater? Nun, dieser Mann interessierte sich ohnehin keinen Deut um sie, es wäre also egal, ob er etwas ahnen würde oder nicht.

Es dauerte nicht lange, da lag ein schnell geschriebener Brief vor ihr. Die Zeilen darauf kamen ihr so unwirklich vor. Fast wie etwas, dass nicht sie selbst geschrieben hatte. Und doch war dies glasklar ihre Handschrift und würde damit Beweis genug sein. Leise knarzte der alte Stuhl auf, nachdem sie sich wieder erhoben hatte und nun in ihrer Schublade kramte. Bloß wenige Sekunden vergingen, bis ein kleines Fläschchen in ihrer Handfläche lag, dessen Inhalt sachte hin und her schwabbte aufgrund des Zitterns, das ihren Körper statt des bitteren Weinens überkommen hatte. Doch kam diese Reaktion nicht aufgrund eines Zweifels oder der Angst. Es kam schlicht und ergreifend durch die eisige Kälte, die sich schlagartig jeder Zelle von ihr ermächtigte.

Mit diesem Gefühl ging die Gestalt weiter, schritt langsam durch das Zimmer, durch dessen große Fenster freudig die Sonne schien. Jedoch vermochten die Strahlen nicht ihr Herz zu treffen und dieses zu erwärmen. Sie blieb weiterhin kalt und noch dazu entschlossener denn je, denn ein Leben ohne die wichtigste Person an ihrer Seite war kein Leben, das sie sich wünschte. Ohne also noch weiter zu zögern öffnete sie die kleine Flasche, deren bitterer Duft doch nur ein Vorgeschmack auf das war, was sie erwartete wenn sie weiterhin hier verblieb; ein ungenießbares Gesöff, das einem in der Kehle kratzte und einen langsam von innen heraus zerfraß. Die Tropfen zu nehmen, wäre hingegen nur eine kurze Erfahrung, die sie bis zu ihrem Ende führen würde.

Leise platschten die Tropfen Stück für Stück in den Becher in ihrer anderen Hand, überschritten längst die verschriebene Menge. Genau das also, was sie wollte. Keine Beruhigung auf Zeit, sondern eine, die ewig währte. Ein Zustand, in dem nichts existieren konnte, weder der Schmerz darüber, wie leichtfertig ihre Freundschaft doch mittlerweile mit Füßen getreten wurde, noch der Anblick all dessen, was ihr des Nachts Alpträume bescherte. Keine Gedanken, keine Gefühle, keine Bilder, einfach ein Nichts, in dem alles Böse verschwand, das einen zuvor so stark gequält hatte.

Nachdem die Hälfte des Gefäßes im Becher war, beschloss sie, dass es sicherlich reichen würde und setzte ihn damit an ihre Lippen. Was sie mit dieser Tat allen anderen antat, war ihr in diesem Augenblick nicht bewusst. Sie konnte es einfach nicht verstehen, auch wenn sie gewollt hätte. Und genau deswegen leerte sie die bittere Medizin in einem einzigen Schluck, verzog minimal die Gesichtszüge bei diesem intensiven Geschmack, ehe sie sich bloß noch unter ihre Decke zurückzog und in die Richtung ihres Fernsehschrankes blickte.

Erst vor kurzem hatte die junge Frau den Fotorahmen dort aufgestellt, auf dessen Bild die beiden Gesichter glücklicher Mädchen prangten, die sich einer tief gehenden Seelenverwandtschaft verschrieben hatten. Ein Band, das Menschen schlossen, wenn sie sich so unglaublich ähnlich waren, sich voll und ganz vertrauten und egal was man auch miteinander tat jedes Mal einen unvergleichlichen Spaß zu Tage förderte. Es war ein Leben gewesen, das sie sich immer gewünscht hatte, aber nur nach diesen wenigen Jahren war es splitternd zerbrochen und hinterließ bloß noch einen blutigen Scherbenhaufen.

Je länger ihr Blick nun auf das Foto gerichtet war, so perlten die Tränen endlich wie von selbst über ihre Wangen. Sie mochte dabei still sein und der Trauer nicht länger im Wege stehen, doch innerlich schrie sie. Sie schrie und tobte, konnte nicht verstehen, wie es in den letzten Wochen so elendig hatte zugrunde gehen müssen. Alles hatte sie versucht und jetzt? Jetzt war einfach keine Kraft mehr da, um weiter zu kämpfen. Und lieber machte sie dem Schmerz nun ein für alle Mal ein Ende, als niemals mehr eines herbeisehen zu können.

Die Lider wurden langsam träge, nachdem die Wirkung sich in ihrem Körper entfaltete, sodass sie die Augen schloss und versuchte sich in ein einfaches, schwarzes Nichts zu träumen. Dem Ort, an dem sie nur noch eines sein wollte; losgelöst von allem Negativen und somit dem, das einen kaputt machte ... schwerelos...