Das Erbe

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Summary

Sasha wächst unbeschwert in einem sibirischen Dorf auf. Viele Jahre lebt sie zu Hause in Dunkelheit, weil ihr Großvater nur Nachtschichten in der Fabrik arbeitet um mehr zu verdienen. Zumindest haben ihre Großeltern das immer behauptet. Als sie zum Studium nach Deutschland geht, ändert sich zunächst nichts. Doch als die Abschlussprüfungen, kurz nach ihrem 24. Geburtstag vorbei sind, erhält sie eine schockierende Nachricht, die ihr ganzes Leben, so wie sie es kannte, auf den Kopf stellt. Wird sie die Wahrheit und die damit verbundenen Veränderungen auch nach ihrem 25. Geburtstag noch akzeptieren können?

Status
Complete
Chapters
19
Rating
5.0 5 reviews
Age Rating
16+

Kapitel 1

Sasha wuchs in dem kleinen sibirischen Dorf Narym auf. Ihre Eltern verstarben, als sie noch ein kleines Mädchen war, und seitdem kümmern sich ihre Großeltern um sie. Fragen zu dem Schicksal ihrer Eltern stellte sie nie, da sie mit drei Jahren einfach zu jung war, um alles zu begreifen. Ihre Kindheit verlief unbeschwert. Im Laufe der Zeit besuchte sie die Schule und half nachmittags im Haushalt sowie im Garten, wo immer es möglich war. Ihre Großmutter erledigte nahezu alle Aufgaben allein, während Edushka fast den ganzen Tag schlief. Aus diesem Grund waren die Vorhänge stets zugezogen, um das Licht zu dämpfen. Die Großmutter erklärte regelmäßig, dass er Nachtschichten in der Fabrik arbeite, weil er dort wesentlich mehr Geld verdiene. Sasha hinterfragte dies nie; es war schlichtweg so gewesen. Abends unterstützte Edushka sie bei Matheaufgaben, bevor er zur Arbeit ging, da die Großmutter in diesem Fach nicht so bewandert war.

So vergingen die Jahre, und als Sasha im Gymnasium kurz vor ihrem Abitur stand, saß sie eines Morgens mit ihrer Babushka am Frühstückstisch. „Oma, ich möchte gerne mein Studium in Deutschland aufnehmen. Ich habe eine Universität in Berlin kontaktiert und beabsichtige, dort Biologie zu studieren. Sie haben bereits geantwortet und ich könnte im Studentenwohnheim unterkommen.“ Galina sieht sie an und erwidert: „Kindchen, Berlin ist so weit entfernt. Und wie man in den Nachrichten hört, ist es dort sehr gefährlich.“ Sasha schaut ihre Oma nun mit dem traurigsten Blick an, den sie auflegen kann: „Bitte, Babushka, ich habe gespart und werde arbeiten, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen.“ Galina atmet tief ein und gibt hörbar einen Seufzer von sich: „Na gut. Wann wirst du gehen?“ Sasha antwortet: „In der letzten Ferienwoche würde ich fliegen.“ Galina steht auf, geht zu Sasha und umarmt sie herzlich: „Es wird hier sehr leer und ruhig sein, wenn du gehst. Aber ich verstehe, dass Bildung wichtig ist.“ Sasha legt ihren Kopf an Omas Brust und sagt: „Ich komme zurück, sobald ich fertig bin. Versprochen.“ Galina streichelt liebevoll über ihren Kopf: „Dann soll es so sein.“ Sie beenden ihr Frühstück, und nachdem Sasha den Tisch abgeräumt hat, macht sie sich auf den Weg zur Schule.

Die letzten Wochen bis zum letzten Schultag in Narym vergehen rasch. Sasha schreibt eine Klausur nach der anderen, lernt Deutsch und hat kaum Zeit für andere Aktivitäten. Schließlich ist es soweit: Sie hält ihren Abschluss in den Händen. Als sie zu Hause ankommt, wirft sie ihren Rucksack achtlos an die Garderobe und ruft: "Babushka, ich habe eine 5+ ... ich bin Klassenbeste ... Babushka ... hörst du mich?" Ihre Großmutter reagiert nicht. Leise schleicht sie nach oben und vernimmt das sanfte Schnarchen aus dem Zimmer ihrer Großeltern. Sie lächelt und begibt sich in ihr eigenes Zimmer. Wahrscheinlich war es Galina draußen zu warm; obwohl das Klima in dieser Region gemäßigt ist, meidet Galina die direkte Sonne. Am Abend bereitet Sasha gerade das Abendessen vor, als ihre Großeltern in die Küche kommen. Ihr Großvater wirkt blass im Gesicht – bei diesem Wetter kaum vorstellbar – doch die ständigen Nachtschichten fordern ihren Tribut. "Ich habe als Klassenbeste abgeschlossen," sagt sie strahlend. Ihr Opa antwortet in seiner gewohnten mürrischen Art: "Glückwunsch," und setzt sich an den Tisch. Galina umarmt ihre Enkelin liebevoll und sagt: "Das hast du sehr gut gemacht," während sie beginnt, den Tisch zu decken.

Der Abend verläuft wie gewohnt ruhig und still. Die Ferien haben nun begonnen. In den kommenden drei Wochen wird Sasha tagsüber im Garten ihrer Großmutter arbeiten und abends in einer Kneipe im Dorf, um sich etwas dazuzuverdienen, damit sie die ersten Wochen in Berlin überbrücken kann, falls sie nicht sofort eine Anstellung findet.

An ihrem letzten Arbeitstag, bevor sie nach Berlin fliegt, hört sie ein Gespräch an der Theke. 

Ivan) "was werden sie denn jetzt machen wenn ihre Enkelin weg geht. Sie sind schon alt. Irgendjemand muss sich doch um sie kümmern"

Fjodor) "nee, sie sind nicht alleine. Sie gehören doch zu dieser Gruppe. Du weißt schon."

Ivan) Du meinst ...?"

Fjodor) nickt "Du weißt doch, dass man erzählt, dass die nur Nachts raus gehen, weil sie Vampire sind."

Sasha kann kaum glauben, was sie hört. Sie geht zu den beiden hin und sagt: "Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, dass Opa vielleicht einfach Nachtschichten arbeitet, um mehr zu verdienen und ein besseres Leben zu führen als ihr zwei? Und haben Sie schon in Erwägung gezogen, dass Oma möglicherweise eine Sonnenallergie hat?" Die beiden fühlen sich ertappt, trinken ihren Wodka aus, bezahlen und verlassen die Kneipe.

Sasha widmet dem Gespräch nicht allzu viel Aufmerksamkeit. Beide waren alkoholisiert. Sie setzt ihre Arbeit bis zum Ende der Schicht fort und holt sich anschließend bei ihrem Vorgesetzten ihr Gehalt ab. Er fügt einen Scheck über 2000 Euro hinzu, lächelt und sagt: "Wenn ich eine Tochter hätte, würde ich mir wünschen, dass sie so fleißig ist wie du. Dies ist ein kleiner Bonus für dein Studium. Ich wünsche dir alles Gute." Sasha steigen die Tränen in die Augen: "Danke, Vlad, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll." Er lächelt und erwidert: "Dein Dank ist ausreichend. Komm einfach irgendwann zurück." Sasha umarmt ihn und verabschiedet sich dann.

Zu Hause angekommen, packt sie alles zusammen, was sie mitnehmen will. Es ist schon kurz vor Mitternacht und ihre Großeltern scheinen zu schlafen. Zumindest hört sie nichts. Also geht sie nach dem Packen unter die Dusche und anschließend ins Bett. Einige Zeit später erwacht sie und hört leises Getuschel. Ein Blick zur Uhr reicht um Sasha zu sagen, dass ihr Großvater wohl gerade von der Nachtschicht zurück gekommen ist. Sie dreht sich um und schläft noch etwas weiter. Als sie später aufwacht, hat sie fast verschlafen. Ihr Wecker hat nicht geläutet "Scheiße, hab ich vergessen den zu stellen? So ein Mist." Sie springt aus dem Bett, zieht sich an und ruft nebenbei "Omi, ich hab verschlafen, kannst Du mir bitte noch schnell ein Brot und einen Kaffee machen? Ich muss los" ihre Oma antwortet nur, in ihrer ruhigen Art "ja, ja". Sasha kramt den Rest zusammen und steckt alles in ihre Handtasche. Sie nimmt den großen Rucksack und stolpert mit lautem Poltern die Treppe herunter. Galina erwartet sie in der Küche. Wie immer sind die Vorhänge zugezogen "Nun ist es soweit. Ich werde Dich vermissen mein Kind" sagt sie traurig. Sasha antwortet "Omi, es ist doch nur für die Studienzeit, dann bin ich wieder hier". Sie umarmen sich herzlich "ich hab Dich lieb Omi, ich werde euch auch vermissen. Schade, dass Opa schläft" In diesem Moment kommt er in die Küche "wer sagt denn, dass ich meine Enkelin nicht verabschieden möchte?" brummelt er mürrisch. Sasha stürmt in seine Arme "Opa, ich hab Dich auch lieb. Ich werde Dich auch vermissen". Er küsst ihren Kopf und sagt nur "ja, ja" Dann schnappt sich Sasha den Warmhaltebecher mit Kaffee, das Brot, den Rucksack und ihre Handtasche und geht zur Tür. Sie dreht sich noch einmal um, wischt sich ihre Tränen aus den Augen und geht. Draußen wirft sie ihre Sachen in den Kofferraum des wartenden Taxis und steigt ein. "Zum Flughafen bitte" sagt sie leise und schaut zum letzten Mal für lange Zeit zurück zu der alten Villa im Wald.

Polikarp nimmt Galina in seine Arme “keine Sorge, ich habe mit Sergej telefoniert. Er wird dort auf sie aufpassen. Lass uns wieder nach oben gehen, die Sonne wandert ums Haus und kommt bald durch die Küchenfenster. Die dünnen Vorhänge hier werden uns nicht schützen.” Galina nickt und sie gehen wieder nach oben ins dunkle Schlafzimmer, wo die schweren Vorhänge kein Sonnenlicht eindringen lassen. “Wir hätten es ihr sagen müssen” sagt Galina. Polikarp schüttelt den Kopf “nein, sie soll so unbeschwert weiterleben wie bisher. Du weißt, dass nur wir alten von dem Fluch betroffen sind.”

Am Flughafen angekommen, checkt sie gleich ein, gibt ihr Gepäck auf und, weil sie sowieso schon zu spät dran war, kann sie gleich weiter zum Boarding gehen. Die Buchung hat genau so geklappt, wie sie es sich gewünscht hat. Sie hat einen Fensterplatz. Nachdem sie ihre warme Jacke und ihre Handtasche verstaut hat, setzt sie sich hin und steckt ihr Tablet, das sie zum Lesen mitgenommen hat, in die Tasche an dem Sitz vor ihr. Sie ist aufgeregt. Dann kommt ein junger Mann, der nur wenig älter scheint als sie, auf sie zu "wo stehen hier denn die Sitznummern? Ist das hier Sitz J2?" Sasha lächelt "da oben stehts, sie sind richtig hier" Er fasst sich an den Kopf "na klar, wer lesen kann und so ... ich bin Sergej und wahrscheinlich die nächsten 17 Stunden ihr Sitznachbar" Er reicht ihr die Hand zur Begrüßung. Sie schüttelt seine Hand zart und antwortet "ich bin Sasha". Er setzt sich neben sie und schaut sie immer mal wieder an. Er greift sein Handy, tippt etwas und lächelt dabei. "Waren Sie schon mal in Berlin?" fragt Sasha, als sich das Flugzeug in Bewegung setzt und Richtung Startbahn rollt. Sergej antwortet "ich glaube, wir können auch Du sagen. Oder? Ja, ich war schon ein paar mal dort. Ich war gerade zu den Ferien nochmal daheim. Ich studiere dort an der Freien Universität Mathematik und Chemie. Ich habe aber erst angefangen, bin jetzt im 2. Semester." Sasha antwortet "oh, dann werden wir uns wohl öfter sehen. Ich habe mich dort eingeschrieben um Biologie zu studieren." Sergej lächelt sie an "das freut mich sehr. Wohnst Du im Wohnheim oder hast Du eine WG im Umland gefunden." Sasha antwortet "ich werde erst mal im Wohnheim bleiben. Ich wollte ungern die sprichwörtliche Katze im Sack beziehen." Die Stewardessen beginnen nun mit den Erklärungen und den Sicherheitsbelehrungen, bis sie sich zu ihren Plätzen begeben und das Flugzeug abhebt. Es wird ziemlich durchgerüttelt und die Geräusche sind ein wenig beängstigend. Sasha wird es flau im Magen und sie krallt sich an den Armlehnen fest. "Keine Sorge, dass ist gleich vorbei, sobald die Reisehöhe erreicht ist." erwähnt Sergej, als er ihren verkrampften Körper sieht. Zur Beruhigung legt er seine Hand auf ihre. Sasha kaut auf ihrem Kaugummi rum und lässt die Armlehnen erst los, als das Flugzeug tatsächlich, ganz sanft vor sich hin gleitet. Es wird 2 Zwischenlandungen geben um Aufzutanken. Sasha greift nun ihr Tablet, öffnet ihre Leseapp und liest in dem Buch weiter, dass sie kürzlich angefangen hat. "was liest Du da?" fragt Sergej interessiert. Sasha wird jetzt rot. "ist Dir das Buch peinlich? Komm sag schon. Was ist es?" Sasha sagt "Der Titel heißt Verliebt in einen Vampir" Sergej lächelt "Vampire sind ein Mythos. Ich bin überzeugt, wenn es Vampire gibt, dann leben sie inzwischen ganz normal unter uns Menschen und niemand weiß, dass sie Vampire sind." Sasha lächelt und antwortet "so ungefähr liest sich auch das Buch. Die Liebesgeschichte ist so schön" sie lächelt als sie das sagt.

Der Flug dauert gefühlt ewig und nach der Hälfte der Flugzeit ist Sasha völlig übermüdet durch die monotonen Geräusche der Motoren. Sie kauert sich in ihrem Sitz zusammen und schläft ein. Sie kippt immer wieder in Sergejs Richtung. Irgendwann klappt er die Armlehne zwischen ihnen nach oben und zieht Sasha ein wenig in seinen Arm. Er legt seinen Kopf gegen ihren und atmet ihren Duft ein. Er fragt sich nun "scheiße, warum habe ich Polikarp nur zugesagt, dass ich mit ihr gehe und auf sie aufpasse. Sie ist so unglaublich süß."

So schlafen sie beide, bis sie von der Durchsage des Piloten geweckt werden "...prepare for landing" Sasha wacht auf und merkt jetzt, dass sie in Sergejs Arm liegt "oh, Entschuldigung, das war keine Absicht" sagt sie verlegen. Sergej lächelt nur. Die Stewardessen gehen durch die Reihen, fordern alle auf ihre Sitze aufrecht zu stellen, Armlehnen einzurasten, Gurte anzulegen und kontrollieren alles noch einmal, während sie die Getränkebecher und -flaschen einsammeln. Anschließend setzen sie sich auf ihre Plätze und gurten sich fest. Und schon setzt der Flieger zur Landung an. Die Landung ist etwas holprig, weil es gerade eine Windböe gab. Dann aber setzt der Flieger auf und rollt Richtung Parkplatz. Nachdem die ersten Drängler das Flugzeug ziemlich schnell verlassen haben, machen sich auch Sergej und Sasha auf, ihre Sachen aus den Klappen über ihnen zu holen und das Flugzeug zu verlassen. Sasha ist nach dem langen Flug ein bisschen wackelig auf den Beinen. "ich werde mir noch etwas zu Essen holen. Wir sehen uns dann sicher auf dem Campus" sagt sie jetzt, weil sie Sergej nicht länger aufhalten will. Doch Sergej lässt sich nicht abschütteln "Essen ist eine hervorragende Idee. Ich hab auch Hunger. Komm, wir holen unser Gepäck. Kurz vor dem Ausgang gibt es einen Pizzastand. Die haben hervorragende Pizzen." Sasha nickt vorsichtig "ich will Dich aber nicht von etwas abhalten. Du hast doch bestimmt noch was vor." Sergej schüttelt den Kopf "nicht wirklich. Ich bin eher so der Einzelgänger auf dem Campus. Meine Mitstudenten lästern über mich. Sie sagen ich bin ein Streber, nur weil ich bei ihren Saufgelagen nicht mit mache." Sasha lächelt "ich trinke auch keinen Alkohol. Okay, dann lass uns Pizza essen." Sie holen ihr Gepäck ab und gehen Richtung Ausgang. Wie von Sergej beschrieben ist dort ein Pizzastand. Sie setzen sich an einen Tisch und bestellen dann ihre Wunschpizza. "ich nehme eine kleine Pizza Hawaii bitte" sagt Sasha. Sergej verzieht ein wenig das Gesicht "ich nehme bitte eine Calzone und 2 Wasser bitte." Es dauert nicht lange und das Essen steht vor ihnen. "ich liebe Hawaii-Pizza" lächelt Sasha als sie sich das erste Stück in den Mund steckt. Sergej zieht eine Augenbraue hoch "das ist Geschmackssache". Sie essen auf, Sergej bezahlt die Rechnung "nein, lass das, Du musst nicht mein Essen bezahlen" wendet Sasha ein. "Ach, das geht schon in Ordnung" antwortet Sergej. Sasha schnauft "dann, herzlichen Dank für die Einladung." Sie nehmen ihr Gepäck und machen sich nun auf den Weg zum Taxistand. Sie teilen sich eins, denn auch Sergej wohnt im Wohnheim.

Er zeigt Sasha die Anmeldung und wartet dort, bis sie alles ausgefüllt und ihren Zimmerschlüssel erhalten hat. Staunend sagt sie jetzt "eigentlich hatte ich ein WG Zimmer bestellt, weil ich mir ein Einzelzimmer nicht leisten kann. Aber irgendwie habe ich jetzt doch ein Einzelzimmer. Ich habe nachgefragt, ob das ein Fehler ist, aber die Dame meinte, das wäre richtig so und ich müsste auch nur das von mir gebuchte Zimmer bezahlen." Sergej lächelt "nun, vielleicht haben Deine Eltern was gesponsert und sie wollten Dich überraschen". Sasha antwortet "ich habe keine Eltern. Meine Großeltern haben mich aufgezogen." Sergej schaut sie an "oh, das tut mir leid, aber vielleicht waren es Deine Großeltern." Sasha zuckt die Achseln "weißt Du, wo Zimmer O375 ist?" Sergej lacht "das ist ja cool, ich hab Zimmer O369, wir sind sogar auf der gleichen Ebene. Komm, ich zeig's Dir." Sie gehen gemeinsam zum Fahrstuhl und fahren in den obersten Stock, wo die Einzelzimmer sind. Sie laufen die Flure entlang , bis Sasha ihre Zimmernummer entdeckt. Sie dreht sich um und sieht, dass die 369 direkt gegenüber ist. Sergej fragt jetzt "wenn Du Dich eingerichtet und etwas ausgeruht hast, soll ich Dir dann noch ein bisschen den Campus zeigen?" Sasha lächelt "das wäre großartig. Ich freue mich über etwas Bewegung." Sie schließt ihr Zimmer auf und schleppt den schweren Rucksack hinein. Als sie wieder zur Tür kommt sagt sie "so in zweieinhalb Stunden? also, gegen 11 vielleicht?" Sergej nickt "okay, dann bis gleich". Nun schließen beide ihre Türen und Sasha ist froh, mal ganz für sich zu sein. So viel Trubel und so viele Menschen ist sie einfach nicht gewöhnt. Sie ist erschöpft.

Sie packt ihren Rucksack aus, stellt die Bilder auf, die sie als Andenken mitgenommen hat und legt den Teddy auf das frisch bezogene Bett. Dann sortiert sie ihre Kleidung in den Schrank. Den Scheck von Vlad legt sie in den Schranktresor. Den will sie für Notfälle aufbewahren. Man weiß ja nie was kommt. Anschließend stellt sie sich unter die Dusche und genießt, wie das warme Wasser auf ihren Körper prasselt. Sergej schreibt derweil an Polikarp "wir sind gut gelandet, es läuft alles gut. Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen". Der antwortet nur knapp mit einem Daumen hoch Emoji. Sasha legt sich noch ein wenig aufs Bett, bis es Zeit ist sich fertig zu machen. Pünktlich um 11 klopft es leise an ihre Tür. Sie öffnet und vor ihr steht Sergej. Ebenfalls frisch geduscht "mmmh, Du riechst gut" sagt Sasha, dreht sich um, holt ihre Handtasche und eine Weste, schließt die Tür ab und dreht sich zu Sergej, der noch immer da steht und sie einfach nur anschaut. "Du riechst auch gut. Du hast auch schon im Flugzeug so gut gerochen. Du benutzt irgendwas mit Lavendel. Kann das sein?" Sasha nickt "oh, da kennt sich jemand aus. Wo gehen wir hin?" Sergej hält ihr nun den Arm hin. Sie hakt sich ein und er beginnt zu erklären. "Ich zeige Dir jetzt wo die Klassenräume sind, wo es etwas zu essen gibt und wo man etwas Spaß haben kann." Sie nickt nur, dann gehen sie los. Stunden später hat sie gefühlt das gesamte Campusgelände gesehen und ist erschöpft. Es ist sehr warm. Deutlich wärmer als es in Narym im Sommer ist. "Ich muss mir noch eine deutsche Handykarte organisieren, damit ich mal meine Großeltern anrufen oder ihnen Nachrichten schicken kann. Mein russisches Guthaben ist aufgebraucht und ich weiß  nicht, ob ich das hier aufladen kann." sagt Sasha jetzt woraufhin Sergej antwortet "den russischen Tarif hier aufladen ist schwierig. Aber ich kenne einen Laden, da können wir Dir eine neue Karte besorgen. Komm, ich bring' Dich hin." Sie machen sich nun auf den Weg zum Shop und Sasha holt sich dort die günstigste Karte, die sie bekommen kann. Sie steckt sie in ihr Handy und speichert die Nummer von ihrem Großvater ein und schreibt über den Messenger: "Hallo Edushka, ich bins, Sasha. Ich habe mir gerade eine neue Karte geholt. Diese Nummer kannst Du bitte abspeichern. Ich bin gut angekommen. Ich habe einen netten jungen Mann kennen gelernt, er ist mit mir gemeinsam von zu Hause nach Berlin geflogen und stell Dir vor, er ist sogar an der gleichen Uni. Er heißt Sergej. Ich schreibe Dir später nochmal. Hab Dich lieb." Augenblicklich brummt Sergejs Handy "wenn Du Dich an sie ran machst, bist Du ein toter Mann." Sergej lacht und schreibt zurück "das bin ich doch schon."