Kapitel 1: Das Blut des Mondes
Der Wald war still. Zu still.
Lina zog die Kapuze enger um ihr Gesicht und beschleunigte ihre Schritte. Das Laub raschelte unter ihren Stiefeln, doch es war nicht das Geräusch ihrer eigenen Bewegungen, das sie nervös
machte. Etwas war hier draußen – sie konnte es fühlen.
Der Wind trug den Geruch von feuchter Erde und altem Holz zu ihr, aber darunter lag eine andere Note. Metallisch. Wie Blut. Ihr Magen zog sich zusammen. Seit Tagen hatte sie das Gefühl, beobachtet zu werden, doch bisher hatte sie sich eingeredet, es sei nur ihre Fantasie. Jetzt war sie sich nicht mehr so sicher.
Sie war nicht allein.
Lina blieb stehen und lauschte. Ihr Herz schlug heftig, und ihr Atem bildete kleine Wölkchen in der kalten Nachtluft. Der Vollmond war hinter den Wolken verborgen, aber sie wusste, dass er da war. Sie spürte seine Präsenz tief in ihren Knochen – eine seltsame Wärme, die durch ihre Adern pulsierte.
Dann hörte sie es. Ein Knacken im Unterholz. Schwerer als ein Tier.
Lina wirbelte herum, die Hand schon an dem Jagdmesser in ihrer Jackentasche. „Wer ist da?" Ihre Stimme war fest, aber innerlich kämpfte sie gegen das Zittern an.
Keine Antwort. Nur das leise Rauschen des Windes.
Dann, aus dem Nichts, ein Schatten. Schnell. Lautlos. Eine dunkle Gestalt sprang aus dem Gebüsch, und bevor Lina reagieren konnte, wurde sie zu Boden gerissen. Ein Schmerz explodierte in ihrer Schulter, als Zähne sich in ihr Fleisch gruben. Sie schrie auf, doch ihr Körper brannte bereits – eine Hitze, die sich mit rasender Geschwindigkeit ausbreitete.
Ihr Blick verschwamm, während der Schmerz sie überwältigte. In der Ferne hörte sie ein tiefes, grollendes Knurren.
Dann wurde alles schwarz.








