Untitled chapter 4
Das Monster
Jack wachte aus seinem Schlaf auf – jene Momente, in denen er sich nicht erinnern konnte, wie der Tag begonnen hatte, als hätte die Zeit selbst aufgehört zu existieren. Langsam stieg er aus dem Bett und ging die Treppe hinunter, wo das Frühstück bereits vorbereitet war. Doch die Atmosphäre im Haus fühlte sich seltsam und beunruhigend an.
Seine Familie war wie immer: sein Vater Raymond, umgeben von einer Aura der Grausamkeit; seine Mutter Sophia, mit einem Lächeln, das von Traurigkeit durchdrungen war; und sein kleiner Bruder Jimmy, ein kleiner Dämon, der in dieser täglichen Szene den Henker spielte.
Während Jack auf einem Stück Fleisch kaute, peitschten die Worte seines Bruders durch die Luft wie eine Peitsche:
„Monster… bring mir Brot.“
Jack blickte Jimmy mit zornigen Augen an, doch seine Mutter, die die Situation beobachtete, fuhr ihn scharf an:
„Jimmy, warum sprichst du so?“
Aber Raymond, der immer noch genüsslich seinen grünen Tee trank, antwortete seiner Frau mit bitterer Stimme:
„Du solltest ihn als Kind erziehen, nicht als Monster.“
Jack kaute weiter an seinem Fleisch, sein Blick wanderte zwischen den Familienmitgliedern hin und her. Jedes Wort, das sie aussprachen, erinnerte ihn an seinen Platz im Leben. Er war schon immer das „Monster“ gewesen. Oder das „Verbrannte Gesicht“. Oder der „Freak“. Jedes Mal, wenn er diese Worte hörte, wurde sein Schmerz neu entfacht. Und er fragte sich: „Wann wird dieses Leiden enden?“
Dann stand er auf und ging in sein Zimmer, als würde alles um ihn herum in Schatten zerfallen. Im Badezimmer stand er vor dem Spiegel und betrachtete sein Gesicht – ein Albtraum für sich. Seine Züge waren von Brandnarben entstellt, als wären sie in Flammen gemeißelt worden. Offene Nerven lagen unter der beschädigten Haut frei, als wäre der Schmerz selbst in ihm eingraviert.
Er flüsterte: „Wann stirbst du endlich, Monster? Wann endet dieses Leiden?“
Dann verließ er das Haus in bedrückendem Schweigen. Der Himmel spiegelte seinen inneren Zustand – bewölkt, als würde es bald regnen. Der Wind stand still, und die Menschen um ihn herum führten ihr Leben weiter, als wäre nichts geschehen.
Jack trug ein Buch mit rotem Einband bei sich, das er in einem nahegelegenen Dorf gekauft hatte. Es war ein Skizzenbuch – Kunst war das Einzige, das ihn trotz allem er selbst sein ließ. Seit seiner Kindheit war er talentiert im Zeichnen, und dieses Buch war sein einziger Zufluchtsort.
Er ging den holprigen Pfad entlang, der in den Wald führte, wo sich die Bäume seltsam wanden, als wollten sie ihn vor der Welt verbergen. Als er an einigen Mädchen vorbeikam, die auf den Feldern arbeiteten, spürte er ihre giftigen Blicke. Ihre Augen waren voller Spott und Verachtung. Er wusste, dass sie über sein Aussehen sprachen – über seine Hässlichkeit – als wäre er eine Gestalt aus Horrorgeschichten.
Er kam an ein weites Weizenfeld, wo Kinder ein beliebtes Spiel aus dem Dorf spielten. Doch alles, was er fühlte, war der Hass, der in ihm brodelte. Er erinnerte sich daran, wie er immer von den anderen Kindern abgelehnt wurde, wie sie ihm ins Gesicht schrien:
„Monster! Monster! Monster!“
Ihre Stimmen verklangen in der Luft, als existiere er in einer anderen Welt – allein mit dem Monster, dem er niemals entkommen konnte. Allein mit den Worten, die ihn für immer verfolgen würden...
Mit acht Jahren war Jack durch die Straßen seines einfachen Dorfes gewandert. Er war anders als die anderen Kinder – immer auffällig, sein Aussehen Anlass für ständiges Getuschel. Plötzlich, ohne Vorwarnung, warf ein Kind ihm eine Handvoll Schlamm ins Gesicht. Andere folgten und bewarfen ihn unter Rufen wie:
„Hau ab, Monster! Wir wollen nicht mit dir spielen!“
Er kehrte an jenem Tag weinend nach Hause zurück, seine Augen voller Tränen. Sein Vater, wie immer streng, zögerte nicht und schlug ihm mit voller Wucht auf die rechte Wange.
Mit wütender Stimme schrie er:
„Wie oft habe ich dir gesagt, du sollst dein Zimmer nicht verlassen? Du bist ein Monster! Niemand will dich hier!“
Seine Mutter Sophia trat ein, um ihn zu beruhigen, und forderte ihn sanft auf, in sein Zimmer zu gehen. Während er mit schweren Schritten die Treppe hinaufstieg, hallte die Stimme seines Vaters hinter ihm her:
„Warum habe ich dich geheiratet? Um ein Monster zur Welt zu bringen?“
Während Jack durch Zeit und Raum schritt, spürte er, wie die Welt sich von ihm abwandte. Überall dieselben Blicke – erfüllt von Angst und Abscheu. Einer, ein blonder Junge, verzog das Gesicht:
„Bleib weg, Monster.“
Jack lächelte, doch in seinem Inneren ertrank sein Herz in Schmerz.
Er ging weiter, bis er den Rand des Waldes erreichte, wo die Bäume den Himmel zu erwürgen schienen. Plötzlich bemerkte er tief im Wald etwas Ungewöhnliches. Ein Mann grub ein Loch in die Erde – doch das war kein gewöhnliches Loch. Es sah aus wie ein Grab.
Dann stieg der Mann aus der Grube, und Jack erkannte, dass er kein gewöhnlicher Mensch war. Er war ganz in Schwarz gekleidet, seine Augen hatten die Farbe der Nacht, und seine große Gestalt verströmte eine unheimliche Präsenz. Um seinen Hals hing ein goldenes Amulett, das im schwachen Licht des Waldes schimmerte – geformt wie der Buchstabe „F“.
Der Mann sah Jack an und sprach mit ruhiger Stimme:
„Du bist gerade rechtzeitig gekommen.“
Jack, verwirrt: „Wer bist du? Woher kommst du?“
Der Mann lächelte. „Ich komme nicht von hier, aber ich bin Teil von allem in dieser Welt.“
Jack, nun beunruhigt, fragte: „Ist das ein Grab?“
Der Mann erwiderte mit einem eisigen Blick: „Ja, es ist dein Grab.“
Jack konnte kaum glauben, was er gerade gehört hatte. Zitternd fragte er:
„Wann werde ich sterben?“
Die Antwort des Mannes war rätselhaft:
„Das ist die falsche Frage… Die richtige Frage ist: Wie wirst du sterben?“
Jack starrte in die Augen des Mannes, ein seltsames Gefühl kroch in sein Herz. Die Worte hallten in seinem Geist wider, schrien aus den Tiefen seiner Seele:
„Ist das Wirklichkeit oder nur ein Traum?“
Doch tief in seinem Inneren drängte etwas gegen ihn – eine Wahrheit, die er begreifen musste. Doch der Mut verließ ihn langsam, ersetzt von einer unstillbaren Neugier. Er versuchte zu fliehen, aber er spürte noch immer den Blick des Mannes auf sich haften.
Jack ging weiter, versuchte zu entkommen, doch mit jedem Schritt fühlte er sich seltsamer. Er kam an einen Ort, den er noch nie zuvor gesehen hatte – einen Ort, den niemand zu betreten wagte.
Es war der Ort, vor dem sich alle fürchteten, über den Legenden erzählt wurden.
Ein Ort namens „Der Wunschbrunnen.“
Jack stand dort wie versteinert, unfähig zu glauben, was er sah.
Wie bin ich hierhergekommen?
Er hatte unzählige Gerüchte über diesen Brunnen gehört – manche behaupteten, er erfülle Wünsche, aber zu einem schrecklichen Preis. Andere sagten, er verschlinge Seelen, und manche glaubten, er sauge die Träume der Menschen auf.
Doch tief in seinem Herzen schlängelte sich die Neugier wie Schlangen und trieb ihn voran. Ein Flüstern erklang in ihm.
Könnten die Wünsche echt sein? Oder war alles nur eine Lüge?
Während er dastand, fühlte er etwas in sich aufsteigen. Etwas Tödliches, etwas Unerträgliches. Er hatte das Gefühl, dass dieser Moment alles in seinem Leben verändern würde.
Er fühlte sich unruhig, doch er konnte nicht anders, als näher zu treten.
Was, wenn ein Monster aus dem Brunnen steigt? Was würde ich dann tun?
Sein Verstand schrie: „Lauf jetzt, du Narr!“
Aber seine Neugier war stärker als alles andere, flüsterte ihm zu: „Warum nicht deinen Wunsch äußern?“
Jack spürte, wie ihn etwas Seltsames zum Brunnen zog, als würde dort unten etwas auf ihn warten. Vorsichtig näherte er sich, die Augen auf die dunkle Öffnung gerichtet. Unten… völlige Dunkelheit. Nichts als Stille. Dann… sah er sie – gelbe Augen! Augen, die im Dunkeln leuchteten.
Jack schrie vor Angst auf und taumelte zurück, fiel zu Boden. Er wollte fliehen, doch plötzlich erklang eine fremde Stimme aus der Tiefe des Brunnens, leise und sanft:
„Jackie… Ich weiß, was du dir wünschst.“
Jack sprang schnell auf, überrascht, dass die Stimme nicht so furchterregend war, wie es die Geschichten behaupteten. Nein, es war eine weibliche Stimme, die sanft aus der Tiefe floss, als hätte sie für alle Ewigkeit im Brunnen gelebt.
Vorsichtig fragte Jack: „Wer bist du?“
Die Stimme antwortete ruhig: „Hab keine Angst… komm näher… ich werde dir nichts tun, Jackie.“
Seine Augen suchten im Dunkeln nach einem Sinn in diesem Geschehen.
„Kommst du nicht näher? Ich dachte, du wärst nicht so dumm,“ sagte die Stimme in einem unheimlich süßen Ton.
„Wie du willst… sprich deinen Wunsch aus.“
„Wird mein Wunsch in Erfüllung gehen?“
Die Stimme antwortete spöttisch: „Nur ein einziger Wunsch.“
Jack lächelte trotz seiner Unruhe, aber er dachte klug nach.
„Was ist der Preis?“
Die Stimme zögerte einen Moment, als würde sie die Antwort abwägen, dann sagte sie:
„Essen… du wirst mir Essen bringen… und wie die anderen vor dir wirst du für diejenigen sorgen, die so sind wie du.“
Jack wich entsetzt zurück, doch die Stimme fuhr fort:
„Dann… hast du hier keinen Wunsch. Geh.“
Mit dem Buch in der Hand, das mit ihm gefallen war, rannte Jack nach Hause, als würde er vor etwas fliehen, das jenseits aller Vorstellung lag. Er betrat das Haus und schlich sich lautlos in den zweiten Stock, als ihn eine sanfte Stimme aufhielt:
„Wo warst du?“
Jack erstarrte und drehte sich um, um seine Mutter zu sehen. Er versuchte, schuldbewusst zu wirken, in der Hoffnung, dass dieser Trick bei Müttern wie ihr immer funktionierte. Langsam sagte er: „Ich war zeichnen, Mama.“
Seine Mutter sprach besorgt: „Du hättest vor ein oder zwei Stunden zurück sein sollen.“
Jack senkte die Augen, zwang sich zu einem falschen Lächeln und gab vor, traurig zu sein: „Es tut mir leid, Mama.“
Aber seine Mutter ließ sich nicht täuschen. Sie hielt seine Schultern fest und sagte: „Entschuldige dich nicht bei mir… ich mache mir nur Sorgen um dich.“
Sie umarmte ihn, doch trotz ihrer sanften Umarmung wurde Jacks Gedanken von dem Monster im Brunnen und dem verlangten Preis beherrscht. Könnte es wirklich seinen Wunsch erfüllen? Und was müsste er dafür bezahlen? Nein, nein… Er wusste, dass diese Kreatur alles tun konnte. Aber der Preis… der Preis wartete immer auf Opfer, genau wie es gesagt hatte.
Am nächsten Tag kehrte Jack zum Brunnen zurück und dachte über die Kosten nach, die er tragen müsste. Als er in die tiefe Dunkelheit starrte, rief er: „Du! Kannst du mich hören?“
Diese gelben Augen tauchten wieder in der Tiefe auf. Angst ergriff Jacks Herz, aber er fasste sich und erklärte: „Ich möchte einen Wunsch äußern.“
Die weibliche Stimme kehrte zurück: „Ich wusste, dass du früher oder später kommen würdest.“
Jack ignorierte die Bemerkung und sagte vorsichtig: „Ich möchte schön sein.“
Die Stimme antwortete entschieden: „Sehr gut… bring mir Nahrung, und ich werde deinen Wunsch erfüllen.“
Jack kehrte in sein Dorf zurück und schmiedete einen Plan. Wie könnte er seine erste Opfergabe bringen? Würde er sie in die Dunkelheit locken?
Plötzlich, als er den Weg entlangging, entdeckte er das perfekte Ziel.
Ronald war nur ein Jahr jünger als Jack – sechzehn Jahre alt. Er hatte eine schlanke Statur, kurzes Haar, große braune Augen und dichte, zusammengewachsene Augenbrauen. Er trug ein schmutziges weißes Hemd und kurze Hosen, die seine Knie freilegten.
Als Ronald sich näherte, spürte Jack, wie sich etwas Seltsames in seinen Augen regte, als ob ein verschwommener Gedanke in seinem Kopf Gestalt annahm. Schnell begann er ein Gespräch und verbarg seine wahren Absichten:
„Ronald! Wie geht es dir?“
Ihre Beziehung war nicht mehr als eine Bekanntschaft, aber Jack wusste genau, wie er den richtigen Ton treffen konnte.
„Mir geht’s gut, und dir?“ antwortete Ronald, seine Augen voller Unbehagen. „Was ist los?“
Jack trat unangenehm nah heran, sein Gesicht fast an Ronalds. Der Junge wich leicht zurück, fasste sich aber schnell wieder. Dann flüsterte Jack in einem subtilen Ton:
„Sarah hat dir eine Nachricht geschickt.“
Ronalds Herzschlag beschleunigte sich. Seine Augen weiteten sich, als ob sie aus ihren Höhlen springen wollten. Er blickte vorsichtig um sich, dann brach er wütend aus:
„Warum sollte ich dir eine Nachricht schicken? Und warum reden wir nicht in der Mühle darüber?“
Jack grinste verschmitzt, und eine unsichtbare Spannung verband ihre Herzen, als ob etwas Großes bevorstand.
„Du weißt genau, dass ihre Eltern fromm sind und ihr niemals erlauben würden, das Haus zu verlassen. Sie wird derzeit bestraft und in ihrem Zimmer eingesperrt.“
Ronald trat einen Schritt zurück, zögerte, bevor er fragte:
„Was hat sie dir gesagt?“
Jack lächelte erneut, seine Augen leuchteten geheimnisvoll.
„Sie sagte mir, sie würde dich am Wunschbrunnen treffen.“
Ronald erstarrte, seine Augen weiteten sich noch mehr. „Der Wunschbrunnen?! Bist du sicher, dass sie das gesagt hat?“
Jack legte eine Hand auf Ronalds Schulter, was ihm einen Schauer über den Rücken jagte, obwohl er sich wieder fing.
„Ja, sie hat es mir bestätigt. Sie sagte, sie würde um Mitternacht am Brunnen auf dich warten.“
In diesem Moment schlich sich ein seltsames Gefühl in Ronald ein. Er sah Jack mit misstrauischen Augen an.
„Wenn du jemandem erzählst, was du mir gerade gesagt hast, weißt du, was mit dir passieren wird.“
Jack lachte leise und zeigte keine Angst.
„Keine Sorge, ich verrate meine Freunde nicht.“
In jener dunklen Nacht tanzten die Schatten auf dem Boden, als ob sie atmeten. Jack lauerte irgendwo hinter einem Baum, während Ronald den Brunnen erreichte. Er stand nahe daran, seine Augen huschten in alle Richtungen. Über ihm leuchtete der Mond auf unnatürlich helle Weise, als ob er die Szene mit Spannung beobachtete.
Ronald flüsterte vorsichtig:
„Sarah! Wo bist du?“
Ein schweres Schweigen legte sich über die Umgebung, als würde der Ort selbst langsam atmen. Plötzlich ertönte aus der Tiefe des Brunnens eine heisere, unvergessliche Stimme:
„Meine Liebe, Ronald… ich bin hier.“
Seine Schritte beschleunigten sich zum Brunnenrand, die Augen starrten in die tiefe Dunkelheit des Schachts. Noch bevor er ein Wort sagen konnte, verschwand alles in absoluter Finsternis, und er schrie:
„Sarah! Sarah… was machst du da unten?“
In einem stillen Dorf, vom Mondlicht getaucht, beobachtete Jack Ronald hinter einem Baumstamm, während dieser am Rand eines alten Brunnens stand. Plötzlich stolperte Ronald und fiel in den Brunnen, das Geräusch seines Körpers, der auf das Wasser traf, hallte durch die Luft.
Panik ergriff Jack, und er rannte keuchend nach Hause, während er sich selbst zuflüsterte:
„Es war nicht meine Schuld… es war nicht meine Schuld.“
Am nächsten Morgen wachte Jack mit einem seltsamen Gefühl auf. Als er sein Gesicht mit den Fingerspitzen berührte, überkam ihn eine Welle der Verwirrung.
Seine Haut… war vollkommen glatt, frei von all den Narben und Verbrennungen der Vergangenheit!
Er rannte ins Badezimmer und stellte sich vor den Spiegel, starrte auf sein Spiegelbild. Das war nicht das Gesicht, das er gewohnt war zu sehen.
Er wusch sich wieder und wieder das Gesicht, kniff sich in den Arm, um aufzuwachen – doch alles, was er sah, bestätigte die Wahrheit.
Ein geheimnisvolles Wunder war geschehen… aber wie?
Jack stürmte nach unten und rief mit zitternder Stimme:
„Mama!“
Sophia erschien, einen Frühstücksteller in der Hand, aber sobald sie ihn ansah, erstarrte sie.
Der Teller rutschte aus ihren Händen und zerschellte am Boden, während sich ihre Augen vor Schock weiteten.
Das war nicht das Gesicht ihres Sohnes – es war das Gesicht eines völlig anderen Menschen.
Später saß Jack im Büro von Dr. Bolt, dem einzigen Arzt im Dorf, der ihn sorgfältig untersuchte, bevor er sprach:
„Was mit dir geschehen ist, Jack… das lässt sich nicht erklären. Es ist ein Wunder, daran besteht kein Zweifel.“
Aber Jack dachte sich mit einem listigen Lächeln, das widersprüchliche Gefühle verbarg:
„Das ist kein göttliches Wunder… ich weiß, was passiert ist.“
Als er nach Hause zurückkehrte, war sein Vater gerade von der Arbeit in der Schmiede zurückgekehrt.
Im Moment, als er Jacks Gesicht sah, blieb er stehen und wandte sich an Sophia:
„Wer ist das?“
Sophia antwortete mit zitternder Stimme:
„Das ist unser Sohn, Jack.“
Doch der Vater, dessen Gesicht sich vor Zorn verdunkelte, rief:
„Unmöglich. Jack war… ein entstelltes Wesen. Wie ist er so geworden?“
Jack floh vor diesen zornigen Blicken in sein Zimmer, schloss die Tür hinter sich und fiel in einen tiefen Schlaf.
Doch lange konnte er sich nicht vom Dorf fernhalten.
Er streifte durch die Gassen, während ihn aus jeder Ecke Flüstern verfolgte:
„Wer ist dieser Junge? Könnte das wirklich… Jack sein?“
Die Blicke der Frauen waren voller Bewunderung und Unglauben, während die der Männer von Misstrauen und verborgenen Geheimnissen geprägt waren.
Aber Jack kümmerte das nicht. Er ging mit selbstbewussten Schritten, genoss die Momente des Ruhms, von denen er immer geträumt hatte.
Doch das Leben im Dorf verläuft nicht immer nach Wunsch. Als Jack die Straße überquerte, blieb er plötzlich vor dem Haus der Familie Simon stehen, wo ein Polizeiwagen geparkt war.
Diese Familie… war Ronalds Familie. Der Junge, der in den Brunnen gefallen war.
Sein Herz verkrampfte sich für einen Moment, doch er wandte schnell den Blick ab, täuschte Gleichgültigkeit vor und ging weiter.
In derselben Nacht kehrte Jack nach Hause zurück – nur um mit einem Anblick konfrontiert zu werden, der ihm einen kalten Schauer über den Rücken jagte.
Ein weiterer Polizeiwagen stand draußen, die blinkenden Lichter warfen unheimliche Reflexe an die Wände des Hauses.
Ein seltsames Gefühl überkam ihn, etwas, das der Angst ähnelte.
Doch er atmete langsam und tief, versuchte sich zu beruhigen, und murmelte:
„Alles wird gut… ich werde da durchkommen.“
Jack öffnete die Haustür und fand alle im Wohnzimmer versammelt:
Seine Mutter Sophia und sein Vater Raymond saßen wie gewohnt auf dem blauen Sofa, doch bei ihnen waren zwei fremde Männer.
Der erste war der Dorfvorsteher, ein alter, glatzköpfiger Mann in einem Gewand, das an buddhistische Mönche erinnerte.
Der zweite war ein Polizist mit dickem Schnurrbart und scharfen Augen.
Sophia sah Jack an und sagte besorgt:
„Jack… Liebling… der Polizist möchte dir ein paar Fragen stellen.“
Jack spürte ein Engegefühl in seiner Brust, doch er lächelte ruhig und antwortete:
„In Ordnung.“
Er setzte sich zwischen seine Eltern, als der Dorfvorsteher zu sprechen begann. „Wie geht es dir, mein Junge?“
Jack antwortete mit einem leichten Lächeln: „Mir geht es gut, Herr Vorsteher.“
Der Polizist stellte sich dann vor: „Ich bin Officer Clark, und ich bin sicher, du hast von Ronalds Verschwinden gehört.“
Jack nickte. „Ja, es ist sehr traurig.“
Clarks Augen funkelten, als er fragte: „Du warst die letzte Person, die ihn vor seinem Verschwinden gesehen hat. Weißt du, wohin er gegangen ist oder was mit ihm passiert ist?“
Jack antwortete fest: „Nein, Officer.“
Clark starrte Jack direkt in die Augen, bevor er sagte: „Zeugen haben bestätigt, dass du gestern Mittag mit Ronald gesprochen hast. Worüber habt ihr beide gesprochen?“
Jack antwortete schnell: „Es war nichts Wichtiges… nur ein beiläufiges Gespräch.“
Clark lehnte sich leicht vor und sprach in scharfem Ton: „Beantworte die Frage richtig.“
Jack schluckte schwer und sagte: „Er hat mich gebeten, ein Bild für ihn zu malen.“
Der Officer hob überrascht eine Augenbraue. „Ein Bild? Er hat dich gebeten, etwas zu malen? Warum? Für wen?“
Jack antwortete kühl: „Ich kenne den Grund nicht.“
Clark schwieg einen Moment, trank einen Schluck Wasser, bevor er eine weitere Frage stellte: „Deine Mutter hat mir erzählt, dass du nachts lange draußen bleibst, und zufälligerweise warst du zur Zeit von Ronalds Verschwinden nicht zu Hause. Wo warst du?“
Spannung kroch in Jacks Brust, aber er fasste sich und sagte: „Ich war am Malen, Sir. Ich habe die Zeit aus den Augen verloren.“
Clark zeigte ein subtiles Lächeln, das Jacks Herz zusammenziehen ließ. Er fühlte sich, als wäre er in eine Falle getappt.
Clark sprach langsam, als würde er ihn testen: „Ich habe gehört, dass die Dorfbewohner eine Veränderung in deinem Aussehen bemerkt haben. Hast du dafür eine Erklärung?“
Jack antwortete ruhig: „Ich weiß nicht. Vielleicht ist es eine Art Wunder.“
Der Officer fragte ernst: „Glaubst du an Wunder, Jack?“
„Ja, Sir.“
Der Officer und der Dorfvorsteher standen auf, schüttelten Jacks Vater die Hand und gingen. Aber bevor sie das Haus verließen, drehte sich der Vorsteher zu Jack um und fragte: „Wo malst du?“
Jack antwortete schnell: „Im Wald. Warum?“
Der Vorsteher wartete nicht auf eine Antwort. Er lächelte nur und ging.
In diesem Moment wurde Jack klar, dass er nicht nur in eine Falle getappt war – er hatte ein Labyrinth ohne Ausweg betreten… Was für eine Katastrophe!
In der dichten Dunkelheit der Nacht saß Jack am Rand seines Bettes, sein Geist beschwert von Gedanken so schwer wie Steine. Plötzlich durchbrach ein seltsames blaues Licht die Dunkelheit, das durch sein Fenster strömte, ein Zeichen für einen bevorstehenden Sturm. Regen prasselte heftig nieder und schlug mit beunruhigender Kraft gegen das Glas.
Jack trat ans Fenster und blickte auf das weite Feld vor ihm. Ein endloses Meer aus goldenem Weizen erstreckte sich vor ihm, mit einem einzelnen Baum in der Mitte, als würde er ein verborgenes Geheimnis hüten. Als der Blitz erneut zuckte, erblickte Jack etwas, das er nie erwartet hätte – eine dunkle Gestalt, regungslos, stehend am Fuße des Baumes.
Sein Herz raste, und Angst kroch wie langsam wirkendes Gift durch seine Adern. Er machte schwere Schritte zurück vom Fenster, seine Lippen zitterten, als er sich selbst zuflüsterte:
„Wer ist das? Wie sind sie hierhergekommen?“
Doch sein Schock verwandelte sich bald in blanken Terror. Er starrte auf den Boden und murmelte mit leiser Stimme:
„Sie haben es herausgefunden… Verdammt.“
Er kehrte zu seinem Bett zurück und versuchte, den Gedanken zu entkommen, die ihn verfolgten, aber der Schlaf kam nur in Form von schwerer, albtraumgeplagter Ruhe.
Als die Morgendämmerung anbrach, wachte Jack auf, als wäre nichts geschehen. Er ging ins Badezimmer, um sein Gesicht zu waschen, aber als er in den Spiegel blickte, weiteten sich seine Augen vor Entsetzen, und seine Zähne klapperten bei dem Anblick, der sich ihm bot.
Seine Stirn begann, in ihren alten, deformierten Zustand zurückzukehren, als würde ihn seine Vergangenheit unerbittlich verfolgen. Zögernd berührte er sein Gesicht und flüsterte voller Trauer:
„Ich verändere mich wieder.“
Er ließ sein Haar über sein Gesicht fallen, um die hässliche Narbe zu verbergen, die sich über seine Haut zog, und versuchte, ein normales Erscheinungsbild zu bewahren. Er setzte sich mit seiner Mutter Sophia und seinem kleinen Bruder Jimmy zum Frühstück, aber sein Geist war anderswo.
Jack verließ das Haus mit dem Gefühl, von unsichtbaren Augen beobachtet zu werden. Schwere Schritte hallten hinter ihm in den Dorfstraßen wider, als würde ein Geist in den Schatten lauern. Er versuchte, es zu ignorieren, und ging weiter, bis er den Wald erreichte.
Unter dem Stamm eines riesigen Baumes sitzend, versuchte er zu malen, doch das ständige Gefühl, beobachtet zu werden, ließ seine Hand zittern, sodass nur gezackte, unruhige Linien entstanden.
Die Tage vergingen langsam, erfüllt von Anspannung.
Wer beobachtete ihn? Und warum?
Er versuchte verzweifelt, das drückende Gefühl der Gefahr abzuschütteln, doch die Präsenz des Beobachters war immer da – wie ein Schatten, der niemals verschwand.
Dann plötzlich, nach einer Woche voller Angst und Ungewissheit … verschwand der Beobachter.
Jack stand an seinem Fenster, blickte vorsichtig über das Feld, in Erwartung, den Schatten wieder auftauchen zu sehen – doch er war nicht mehr da.
Selbst in den Straßen des Dorfes spürte er nicht länger, dass ihm jemand folgte.
In diesem Moment erkannte Jack, dass dies seine einzige Chance war, mit dem geheimnisvollen Wesen in den Tiefen seines inneren Brunnens zu kommunizieren.
Er fasste den Entschluss, sich seinem Schicksal zu stellen – koste es, was es wolle.
Doch nun war sein Gesicht halb entstellt, und die Blicke der Dorfbewohner lasteten schwer auf ihm.
Sogar seine Mutter spürte, dass etwas Schreckliches mit ihm geschah.
Als sie ihn bat, sein Gesicht zu zeigen, antwortete er nur unter seiner Bedeckung:
„Bitte, Mutter … ich bin einfach sehr müde.“
Aber die Wahrheit war zu groß, um ausgesprochen zu werden.
Jack war nicht nur müde – er war gefangen in einer schrecklichen Spirale der Verwandlungen, die ihn Tag für Tag verzehrte.
Dunkelheit kroch an den Rändern des Waldes entlang, und die Sonne verabschiedete sich mit einem seltsamen blutroten Schein vom Horizont.
Jack stand am Rand des Brunnens, sein Atem wurde schneller, seine Hände zitterten.
Mit tiefer Stimme rief er in die Stille:
„Bist du da?“
Seine Stimme war kaum verklungen, da tauchten leuchtend gelbe Augen aus der Dunkelheit des Brunnens auf, gefolgt von einem kalten Flüstern, als stiege es aus den Tiefen der Erde empor:
„Jackie … ich weiß, wonach du suchst.“
Jacks Körper erstarrte, und mit zitternder Stimme antwortete er:
„Warum verwandle ich mich zurück? Was geschieht mit mir?“
Eine weibliche Stimme, triefend vor Spott, antwortete:
„Weil du dein Versprechen nicht gehalten hast … Du hast meinen Hunger nicht gestillt.“
Jack trat einen Schritt zurück, seine Augen weiteten sich vor Entsetzen:
„Aber ich habe dir Ronald gegeben … reicht das nicht?“
Die Frau lachte – ein Laut wie Dolchstiche:
„Ronald war nur der Anfang, Jackie … ich will mehr. Und mehr bedeutet, dass du so bleibst, wie du sein willst.“
Jack ballte die Fäuste, seine Stimme explodierte vor Wut:
„Du hast mich die ganze Zeit belogen!“
Die Antwort kam mit eisiger Ruhe:
„Es war keine Lüge. Es war ein Handel. Je mehr Seelen du mir bringst, desto länger behältst du deine Schönheit. Aber das weißt du doch längst, nicht wahr?“
Jack zitterte, sein Gesicht verzerrt von Verwirrung und Zorn. Schließlich schrie er:
„Verdammt sollst du sein!“
Er wandte sich vom Brunnen ab, seine Schritte schwer von Angst und Reue.
Lautlos betrat er sein Haus, schloss die Tür hinter sich und setzte sich auf sein Bett, das Gesicht in den Händen vergraben.
Am nächsten Tag ging Jack ins Dorf, seine Augen scannten die Menge auf der Suche nach seinem nächsten Opfer.
Sein Blick blieb an einem jugendlichen Jungen hängen, der allein auf einem Heuwagen saß.
Es war Jesse – der Außenseiter, gemieden wegen seiner Sexualität. Ein perfektes Ziel.
Jack näherte sich mit einem gezwungenen Lächeln und sagte:
„Hallo Jesse! Wie geht’s dir heute?“
Jesse blickte zu ihm auf und lächelte schüchtern:
„Jack, ich hab dich lange nicht gesehen. Wie geht’s dir?“
Mit gespieltem Zögern antwortete Jack:
„Jesse, ich möchte dir etwas sagen … etwas Wichtiges.“
Neugier flackerte in Jesses Gesicht auf. Jack fügte hinzu:
„Ich habe dir ein Gedicht geschrieben … und ich möchte, dass du es hörst.“
Jesses Augen leuchteten vor Begeisterung:
„Ein Gedicht? Ich wusste gar nicht, dass du Gedichte schreibst! Das ist ja großartig!“
Jack trat näher und flüsterte:
„Aber das hier ist nicht der richtige Ort … Ich kenne einen besseren. Einen magischen Ort, perfekt für diesen Moment.“
Jesse zögerte und murmelte:
„Aber meine Familie lässt mich nachts nicht raus.“
Jack lächelte, legte eine Hand auf Jesses Schulter, seine Stimme triefte vor Geheimnis:
„Vertrau mir, Jesse. Um Mitternacht … nur du und ich. Es wird eine Nacht, die du nie vergessen wirst.“
Jesse zögerte, aber die Aufregung und Neugier hatten ihn bereits überwältigt.
Jack ging davon, seine Augen funkelten vor finsterer Absicht, während er bereits eine weitere Nacht im Wald plante… wo die Dunkelheit kein Erbarmen zeigte.
Unter dem fahlen Mondlicht stand Jesse neben der alten Windmühle und blickte vorsichtig umher, um sicherzustellen, dass ihn mitten in der Nacht niemand beobachtete. Plötzlich hörte er leise Schritte, die sich näherten.
Jack tauchte aus den Schatten auf, hielt ein weißes Blatt Papier in der Hand, seine Augen funkelten geheimnisvoll.
Er flüsterte, als fürchte er, jemand könnte ihn belauschen:
„Hat dich jemand gesehen?“
Jesse antwortete mit gedämpfter Stimme:
„Nein, aber ich kann nicht lange hierbleiben.“
„Ich verspreche dir, dies wird die schönste Nacht deines Lebens.“
Sie gingen gemeinsam in den Wald, wo das Zirpen der Grillen mit dem fernen Ruf einer Eule verschmolz. Die dichte Dunkelheit umhüllte die hoch aufragenden Bäume, und die Luft trug den feuchten Geruch von Verfall.
Jesse durchbrach die Stille und flüsterte schüchtern:
„Jack... wie lange hast du diese Gefühle für mich?“
Jack sah ihn mit einem schwachen Lächeln an und antwortete:
„Schon lange… aber ich hatte Angst, es zuzugeben. Du weißt, wie die Dorfbewohner Menschen wie uns behandeln.“
Jesse erinnerte sich nur zu gut an den Hass, dem sie beide beim Aufwachsen begegnet waren – die Einsamkeit, die ihre Kindheit überschattete. Sie teilten ein Schweigen, schwer von schmerzhaften Erinnerungen, bis Jesse plötzlich auf das Papier in Jacks Hand zeigte.
„Was ist das für ein Papier, das du hältst?“
Jacks Lächeln wurde geheimnisvoll.
„Ein Gedicht. Aber noch nicht. Lass es eine Überraschung sein.“
Sie stiegen über den massiven Stamm eines umgestürzten Baumes, aber Jesse stolperte, fiel beinahe, bevor Jack ihn auffing. Ihre Blicke trafen sich für ein paar Sekunden, aber Jack wandte sich schnell ab und ging wortlos weiter.
Als sie ihrem Ziel näher kamen, zögerte Jesse, bevor er vorsichtig fragte:
„Jack... ich muss dich etwas fragen, aber bitte nimm es nicht falsch.“
Jacks Stimme blieb ruhig.
„Frag, was du willst.“
Jesse zögerte, dann sagte er schließlich:
„Wie hast du dich so verändert? Ich meine… wie bist du von… hässlich zu… so gut aussehend geworden?“
Jack zeigte keine Anzeichen von Beleidigung. Stattdessen schmunzelte er und antwortete:
„Glaubst du an Wunder, Jesse?“
Jesse schnaubte, sein Ton trocken.
„Ich glaube nicht an etwas, das Gott genannt wird.“
Jack kicherte leise.
„Vielleicht änderst du heute Nacht deine Meinung.“
Schließlich erreichten sie ihr Ziel – einen alten, verlassenen Brunnen im Herzen des Waldes, umgeben von dichten Bäumen. Der Mond stand hoch am Himmel und warf ein schwaches Licht auf die unheimliche Szenerie. Eine Eule saß auf einem tief hängenden Ast, ihre leuchtenden Augen fixierten sie wie brennende Kohlen. Ein seltsames Unbehagen kroch in Jesses Brust, ließ ihn einen Schritt zurücktreten.
„Jack... dieser Ort fühlt sich nicht richtig an. Lass uns zurückgehen.“
Aber plötzlich, ohne Vorwarnung, trat Jack ihn heftig, sodass er zu Boden stürzte. Jesse versuchte aufzustehen, aber Jack stürzte sich auf ihn, hielt ihn fest und schlug ihm ins Gesicht.
„Weißt du, warum ich dich hierher gebracht habe?“
Fäuste trafen Jesses Nase und Mund, Blut tropfte auf die feuchte Erde. Er kämpfte darum, sich zu befreien, aber Jack packte sein Haar und schleifte ihn zum dunklen Abgrund des Brunnens.
In einem verzweifelten Moment fanden Jesses zitternde Finger einen scharfen Stein. Mit all seiner Kraft schlug er ihn gegen Jacks Bein.
Jack heulte vor Schmerz auf, ließ Jesses Haar los. Er taumelte zurück und fluchte:
„Du kleiner Bastard!“
Jesse nutzte den Moment, kam auf die Beine und versuchte zu rennen. Aber Jack sprang von hinten auf ihn, und sie stürzten erneut zu Boden. Jack kletterte wieder auf ihn und schlug unaufhörlich mit den Fäusten auf ihn ein.
„Das ist für mein Bein, du Schwuchtel!“
Der letzte Schlag ließ Jesse in Bewusstlosigkeit fallen.
Schwer atmend stand Jack auf, sein verletztes Bein zwang ihn
Aber was hatte Jack vor?
Und welches dunkle Geheimnis verbarg sich in dem verfluchten Brunnen?
Jack rang nach Luft, schleppte seinen erschöpften Körper und sein blutgetränktes linkes Bein hinter sich her. Er warf einen Blick auf Jesse, der regungslos auf dem Boden lag, und fragte sich, ob er noch lebte oder für immer verloren war. Ein Schrei der Hilflosigkeit hallte in seinem Inneren wider, doch er ignorierte alles und begann vorsichtig, Jesses Arm zu ziehen. Doch der Schmerz in seinem Bein fühlte sich an wie eine Klinge, die durch seinen Körper schnitt.
Er versuchte aufzustehen, fiel aber erneut zu Boden und schrie frustriert:
„Verdammt! Warum passiert mir das?!“
Mitten in seinen verzweifelten Versuchen erklang eine seltsame weibliche Stimme aus dem verlassenen Brunnen hinter ihm:
„Bring mir etwas zu essen.“
Jack erstarrte, versuchte die Stimme zu ignorieren, die wie aus einer anderen Welt zu kommen schien. Doch er konnte der grausamen Realität nicht entkommen – sein Bein blutete, Jesse rührte sich nicht, und die Dunkelheit zog sich um sie zusammen.
Als er erneut versuchte, sich aufzurichten, entzündeten sich plötzlich hunderte weißer Lichter, rissen die Nacht auseinander und verwandelten sie in ein gespenstisches Tageslicht. Die Stimmen von Polizisten kamen näher, und einer von ihnen rief mit fester Stimme:
„Jack... der Ort ist umstellt.“
Jack wich einen Schritt zurück, sah sich um und bemerkte, dass er von allen Seiten eingekreist war. Ihm wurde klar, dass das Spiel vorbei war und seine Verhaftung unausweichlich. Doch er ergab sich nicht.
Schnell zog er ein Messer aus seiner Tasche und presste es an Jesses Kehle. Mit einem wilden Blick schrie er:
„Ich bringe ihn um! Keiner kommt näher!“
Aber die Polizei rührte sich nicht.
Der Beamte antwortete ruhig:
„Wir tun nichts... leg einfach das Messer weg.“
In diesem Moment spitzte sich Jacks Anspannung bis zum Äußersten zu. Er umklammerte das Messer fester, seine Augen huschten paranoid umher. Er vertraute niemandem, und Jesse war sein letzter Trumpf.
Dann, ganz plötzlich, ohne jede Vorwarnung, schoss ein gewaltiger schwarzer Arm – wie der eines Oktopus – aus dem Brunnen. Er schlang sich um Jacks verletztes Bein und riss ihn in Richtung des gähnenden Abgrunds.
Jack schrie voller Angst:
„Neeeein! Helft mir!“
Einige der Beamten wollten eingreifen, doch der Dorfvorsteher hob die Hand – keine Bewegung.
Fassungslosigkeit lähmte alle, niemand verstand, was gerade geschah.
Jack, zerrissen zwischen Schmerz und Entsetzen, klammerte sich an den Rand des Brunnens, sein Gesicht tränennass, während er schrie:
„Ihr habt dieses Monster erschaffen... das ist eure Schuld!“
Und in einem einzigen, flüchtigen Moment stürzte alles zusammen.
Jack fiel in den Abgrund – und verschwand vor ihren Augen.
Zurück blieb nur der offene Brunnen, der seine Geheimnisse im unheimlichen Schweigen verschlang.
Das Flüstern der Polizisten verebbte, und der Blick des Dorfvorstehers sagte alles.
Worte waren überflüssig... denn die Wahrheit, die nur er kannte, war zu grausam, um ausgesprochen zu werden.