Kapitel 1
Kapitel 1
Diese Geschichte wurde mit meinen Lesern, deren Vorstellungen und vorschläge erfunden.
Ich liebe euch 🥹♥️
Evie
Es war Muttertag.
So wie man ihn gerne hat.
Blauer Himmel.
Lauwarm.
Leichter Wind.
Die Vögel waren am Singen.
Der Rasen tanzte leicht unter dem Wind, der sich angenehm auf der Hand anfühlte.
Und ich stand in der verdammten Küche und backte wie eine Bekloppte Kuchen!
Warum mache ich das?!
Wieso kann mein Verlobter das für mich nicht machen?!
Immerhin war ich nicht alleine dafür verantwortlich, dass wir ein Kind hatten.
Ich tippte ungeduldig mit dem Finger auf die schwarze Arbeitsplatte der Küche und sah mich um.
Eine wunderschöne große, offene Küche, der es an nichts fehlte.
Die silbernen Schränke glänzten, die Haushaltshilfe hat alles schön geputzt.
Die Kücheninsel war freigeräumt, wo ich sowieso in ein paar Minuten wieder alles abstellen und damit wieder für Unordnung sorgen werde.
Und dieses scheiß rote eng anliegende Kleid nervte mich.
Genauso wie diese High Heels.
Ich hasste dieses Leben.
Weiß aber auch nicht… wie ich da hineingerutscht bin.
Ich schob das Blech mit den vielen kleinen Kuchen in den Ofen und schob es hinein und danach seufzte ich laut und sah in die Dunstabzugshaube über mir, die in ihrem Schwarz so sehr glänzte, dass ich mich selber sah.
Glatte schwarze Haare, perfektes Make-up.
Ich hasste es, ich hasste es so sehr.
Ich liebe meine wilden Locken und doch zerstörte ich sie mir jeden Morgen selber aus… Liebe.
Ich sah mich nochmal kurz an und hörte dann, wie kleine Füße schnell tapsten, ich sah links von mir ins große hellbraune, freundliche Wohnzimmer, die uns die Innenausstatterin aufgeschwatzt hatte, von dort aus ging es eine weiße saubere Treppe hoch, in die oberen Etagen, wie Schlafzimmer, Büros und Kinderzimmer.
Liv kam um die Ecke gerannt und ich stolperte, als sie sich an meinen Beinen festhielt.
Das Kleid ermöglichte mir kaum Bewegungsfreiheit, sodass ich nicht wirklich einen Schritt nach hinten machen konnte.
„Ach Baby!“ sagte ich und hob sie hoch.
Ich liebte dieses kleine schwarzhaarige Mädchen, das Haare hatte wie eine erwachsene Frau.
Sie konnte ihre Locken offen tragen und ich werde alles dafür tun, dass ihr diese Freiheit keine Gesellschaft der Welt nimmt.
Sie sollte ihre Wildheit beibehalten, so leben, wie ihr der Mund gewachsen war.
Nicht so wie es bei mir war.
„Mama muss noch einiges erledigen hier. Geh so lange in den Garten und dann spielen wir, ja?“
Sie nickte und ich seufzte, als ich sie runterließ.
Liv redet so gut wie gar nicht, was mir Sorgen bereitet, aber Klaus sieht keinerlei Besorgnis.
Und wenn er das sagt… dann ist es wohl so.
Ich biss meine Zähne zusammen, als ich Liv hinterher schaute.
Sie saß da in einem schön adretten Kleid, das ganz in Weiß gehalten war.
Sie hockte sich gerade hin und sah sich ein Gänseblümchen an, die, die ich in einer Diskussion retten konnte, sonst hätte der Gärtner alle abgemetzelt.
Sie liebte nämlich Gänseblümchen.
Und eigentlich… würde ich sie da viel lieber in kurzer Hose und T-Shirt sehen, als so angepasst.
Ich lehnte mich an die Küchenzeile und nahm den Kaffee, den ich mir vor dem ganzen Teigmischen gemacht hatte: Er war kurz davor, kalt zu werden, ich trank ihn trotzdem.
Dann hörte ich die Haustür rein, die ich von der Küche aus leicht quer sehen konnte.
Klaus kam herein, etwas gehetzt, ich runzelte die Stirn.
„Alles okay?“ fragte ich und stellte meine Tasse ab.
„Oh, ja natürlich. Sonntags Leuten irgendein Haus zeigen ist einfach anstrengend!“
Er seufzte und lehnte sich an die Tür.
„Die sind genervt davon und ich auch.“
Er legte seine Tasche ab und kam in die Küche, um mir einen Kuss auf die Wange zu drücken.
„Und du? Bist du bereit für die Feier?“
Wenn ich ein Shirt und eine normale Hose hätte, bestimmt…
„Ja, im Garten ist soweit alles fertig, die Kuchen backen noch.“
Er lächelte und drückte mich an sich.
„Hervorragend! Sie werden alle neidisch sein, blass vor Neid, alle von ihnen.“
Ich sah ihn an.
„Können wir das nächste Mal nicht… ohne… so ein Fest?“
Er ließ mich los.
„Nein.“
Und ich seufzte innerlich.
„Warum?“
„Evie! Wir wohnen im reichsten Viertel der Stadt! Wir müssen sowas tun, um mitzuhalten.“
Meine Güte, dieses ewige Gelaber! Mit halten, reich, ansehen, Ehre.
Was mich das ankotzt.
Aber ich verzog meine roten Lippen nur zu einem Lächeln.
„Natürlich.“ hauchte ich.
Das Fest war in vollem Gang, ich begrüßte die halbe Nachbarschaft in unserem Garten, die Kinder waren am Pool am Spielen und ich nahm die Komplimente an, wie wunderschön der Garten so sei.
Alles so wie… die letzten drei Jahre.
Langweilig.
Jeder, aber wirklich jeder begrüßte sich mit so einem abgefuckten heuchlerischen Lächeln, dass mir schlecht wurde.
Und das Schlimme… Ich machte das mit.
Eine elendige Traurigkeit überkam mich und ich sah auf die Garage, die sich von hinten zeigte, dort stand mein Bike.
Mein Ein und Alles neben Liv natürlich.
Wann hatte ich mich für diese Scheiße hier entschieden?
Ich sah zu Klaus, der mit geweiteten Augen zu Liv sah und ich erschrak mich, ist was passiert?!
Ich drehte meinen Kopf zu ihr, bereit sofort hinzuspringen, aber… sie saß nur auf dem Komposthaufen und dekorierte ihn mit Gänseblümchen.
Ich brach in Gelächter aus.
Ich lief völlig gemütlich hin.
So sollten Kinder sein, nicht diese verwöhnten, Rolex-Uhren tragenden Blagen.
Ich hob sie vom Komposthaufen herunter und klopfte ihr das Kleid ab, aber es war nichts mehr zu machen.
So wie es aussah, hatte sie sich vollständig in einen der gammeligen Äpfel, die der Gärtner dort hingewiesen hatte, von den Apfelbäumen auf der Seite, gesessen.
Ich seufzte.
„Mach sie sauber!“ hörte ich Klaus neben mir.
„Warum tust du das nicht?!“ fragte ich zähneknirschend.
„Ich habe zu tun, die Gäste unterhalten sich nicht von alleine, außerdem habe ich meinen Brioni-Anzug an! Meinst du, die Zehntausend habe ich für den… Komposthaufen ausgegeben?“
Ich schloss kurz die Augen und atmete tief ein und aus, dann nahm ich Liv auf den Arm.
„Dein teures Kleid!“ zischte Klaus entsetzt.
„Es ist nur Kompost, verdammt!“
Ich ging rein und versuchte, auf diesen verdammten Schuhen mir nicht die Beine zu brechen.
Ich lief über die glänzenden weißen Fliesen im Wohnzimmer, sie verfolgten mich bis zur Treppe.
Ich hasste Weiß.
Ich zog die Schuhe, diese Lauflatschen aus der Hölle, aus und ließ sie achtlos auf der ersten Stufe stehen und lief hinter Liv her.
Im Zimmer setzte ich sie auf den Wickeltisch, den wir nie abgebaut haben, weil ich dort auch gut alles abstellen konnte, was nirgendwo anders hinpasste.
Ich zog ihr das Kleid über den Kopf und lächelte sie an.
„Spaß!“ rief sie und ich lachte, als sie mit ihren von Kompost verschmierten Händen sah.
„Ja, das glaube ich dir.“ schmunzelte ich und zog Feuchttücher aus dem Behälter, um die Hände sauber zu machen.
Ich sah mein Kind an.
Ihre Haare waren voller Dreck, es steckten vertrocknete Blätter drin.
Ihr Mund war verschmiert und ihre Knie offen.
„Ich glaube… wir sollten dich baden.“ schmunzelte ich und hob sie wieder hoch.
Ich kam die Treppe wieder herunter, gut dreißig Minuten später, ließ Liv wieder laufen, sobald ich die letzte Stufe hinter mir hatte und zog meine Schuhe… wenn man die Monster so bezeichnen konnte, wieder an.
Ich hatte die Zeit extra hinausgezögert, damit ich bloß nicht zu viel mit dieser Nachbarschaft verbringen muss…
Ich sah Liv kurz wieder hinterher, wie sie Richtung Garten lief und hatte den Verdacht, dass sie sowieso gleich wieder im Dreck sitzt, als ich ein dumpfes Geräusch aus dem Büro von Klaus hörte.
Ich runzelte die Stirn und lief um die Ecke, und wieder ein stumpfes Geräusch und wieder und wieder.
Ich lief durch das Stück des Wohnzimmers, bis ich die Wand mit der Tür des Büros erblickte, daneben ein schön gestelltes Pärchenfoto an der Wand, am Tag unserer Verlobung.
Ich öffnete die Tür und sah…
Eine heruntergezogene Hose, mit einem Männerarsch und drumherum Beine in roten High Heels.
Ich sah an dem Hintern hoch und sah das Hemd meines Verlobten, meine Augen wurden riesig, als ich Klaus sah, wie er mich erschrocken ansah und um ihn herum sah mich seine technische Zeichnerin an.
Diese kleine blonde Schlampe, die natürlich genau das Gegenteil von mir war.
Wow, und das an Muttertag.
In mir stieg die blanke Wut hoch, irgendwo tief in mir rührte sich gerade dieser kleine rebellische Funke, der einst mal größer war.
Ich hob die Augenbraue und sah Theodora an: „Naja, von dir habe ich das sogar erwartet.“ sagte ich und sah sie trocken an.
Die Tatsache, dass MEIN Verlobter in ihr steckte, ließ mich seltsamerweise kalt.
Nur diese geheuchelte Loyalität machte mich wahnsinnig.
Und dann sah ich zu Klaus und schnaubte.
„Dich hätte ich anhand deines Namens auf der High School schon abblitzen lassen müssen.“
Und dann schlug ich die Tür wieder zu, zog diese verdammten High Heels aus, pfefferte sie quer durch das Wohnzimmer, wo sie… Ups! Paar teure Vasen trafen.
Einige schauten schon, aber ich lief seelenruhig die Treppe hinauf in mein Schlafzimmer.
Packte meinen Koffer, öffnete ihn und warf alles hinein, was irgendwie normal wirkte, alle seltsamen Designerkleider ließ ich außer Acht.
Ich hatte Zeit, Unmengen an Zeit.
Klaus hatte erstmal damit zu tun, seinen Ruf nicht zu schädigen und die Leute der Nachbarschaft zu besänftigen.
Ich zog mich aus, warf das Kleid auf die teuren Nachtlichtlampen, nahm meine Lieblingsjeanshose, die zerrissen war, die ich ewig nicht mehr anhatte und spürte wieder irgendwas in mir, etwas, was leise nach vorne wollte, etwas, was an meiner Seele kratzte.
Wie konnte ich eigentlich so bescheuert sein?!
Ich richtete meine Brust in meinem BH und nahm das erste beste Shirt in Weiß und zog es drunter, man sah meinen schwarzen BH drunter.
Scheiß drauf.
Ich packte meine Lederjacke, die gut behütet noch im Schrank hing, und zog sie an.
Danach ging ich zu meinem Nachttisch, riss die Schublade auf und holte meinen schwarzen Nasenring heraus, den ich mir unter Gejammer wieder in den Nasenflügel schob.
An solchen Tagen wie diesen durfte ich ihn natürlich nicht anhaben, was sollten die Leute nur denken?
Ich sah mich im Spiegel an und spürte eine Wärme in mir, als ich sah, wie ich früher aussah und das wieder an mir.
Wild, rebellisch, stur.
Ich hob die Augenbraue, als ich auf meine Haare blickte.
Ich warf meinen Kopf nach vorne, Kopf über wuselte ich durch meine Haare, damit die Spuren des Glätteisens verschwinden.
Ich sah in den Spiegel, nicht alle Locken waren wieder da, aber einige zeigten sich.
Ah, endlich.
Als ich meinen Koffer fertig hatte und den von Liv, der deutlich mehr in sich beherbergte, lief ich runter, nahm die Treppe und lief in den Garten.
Klaus fielen bald die Augen raus, sah mich an und sah sich dann um.
Jap, schaut alle her, wie ich herlaufe, als wäre ich am Rande der Gesellschaft aufgewachsen, weil ich nicht so aussehe wie ihr.
Klaus lief mir hinterher über den Rasen, als ich Liv nahm, die mein Outfit begutachtete, es aber nicht weiter mit ihrem Blick verurteilte, deswegen liebte ich Kinder.
Ich ging an Klaus vorbei, ohne ihn zu würdigen, aber dabei hielt er mich an der Hand fest.
„Evie! Das war nichts!“ rief er.
Ich riss mich sofort schwungvoll los und sah zu ihm, die paar cm, ich war klein und er nicht wirklich groß.
„NICHT?!“ schrie ich.
„Was war das denn?! Bist du gefallen und hattest dabei deine Hose zufällig auf und bist in deine technische Zeichnerin mit deinem Ständer hineingefallen?!“
Die Nachbarn waren still, hier und da war ein Tuscheln zu hören.
Klaus sah sich unauffällig um.
„Könntest du bitte… etwas lei-“
„NEIN!“ schrie ich ihm ins Gesicht.
„DU HAST MICH JAHRE LANG IN EINE ROLLE GETRIEBEN, DIE ICH NICHT BIN!“
Oh Hilfe! Ich fletschte richtig meine Zähne.
„DIESE SCHEIßE BIN ICH NICHT!“
Meine Hand packte Livs behutsam fester und ich lief an ihm vorbei.
„ACH DU, WOHIN WILLST DU?!“ rief er.
„DU HAST NICHTS! GAR NICHTS!“
Ich schnaubte und antwortete nicht mehr.
Der Garten war ruhig, alle viel zu schockiert.
Happy Mothersday!