Die Erzählung des Geisterkönigs

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Summary

Geisterkönig Zhi Cheng ist seine achthundert Jahre andauernde Herrschaft leid. Für seine Freiheit inszeniert er selbst Verrat und Intrigen und lässt sich kurzerhand absetzen. Sein neues, ungebundenes Leben nimmt jäh ein Ende, als er in der sterblichen Welt nicht nur von einem in das nächste Problem stolpert, sondern auch noch den Kampfkünstler Qing Lai trifft. Denn der selbst ernannte Pazifist in Weiß ist mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Künftig stürzt sich der Chaos liebende, ehemalige Geisterkönig mit ihm zusammen in die Verstrickungen der Welt. Bald schon werden die beiden ein unschlagbares Team, das die schwierigsten Fälle löst. Triggerwarnung Dieses Werk beinhaltet: visuelle Inszenierung von Gewalt, Blut, Sex und sexuellen Übergriffen. Schimpfwörter, gleichgeschlechtliche Liebe. Handhabung von Waffen, auch in magischer Form. Mord, Totschlag und die ganz normale Dosis an Rauschmitteln wie Drogen, Tabak und Verzauberungen. Menschenleben sind hier eher als Kollateralschäden anzusehen. Wenn Geister, Götter und Dämonen sich bekämpfen, sollte man darauf nicht allzu viel Wert legen. Ebenso in Schutt und Asche gelegt werden Vertrauen, ein stabiles Umfeld, psychische Gesundheit und geistige Mentalität. Freunde, Familie sowie Städte und ganze Landstriche. Have Fun :D

Status
Ongoing
Chapters
27
Rating
n/a
Age Rating
18+

Prolog

Duifang:

»Er ist Tod, er ist Tod. Erzählt es allen. Der Geisterkönig ist Tod!«

»So ein Mumpitz. Wie kann etwas, das bereits Tod ist, noch einmal sterben!«, murrte ein Mann in rot und tupfte vorsichtig mit Make-up über das Geistermal auf seiner Stirn.

»Nein! Das kann nicht sein, Chengzhu hält den Thron seit achthundert Jahren!«

»Was redest du da, unser König kann nicht sterben ...«

»Mein Reden!«, gurrte der Mann mit dem langen schwarzen Haar, das ihm über die blutrote Robe floss und begutachtete seine Verkleidung in dem angelaufenen Spiegel auf dem Felsvorsprung.

»Es gibt keinen, der sich mit ihm messen kann. Nicht einmal der weiße Tod hat es gewagt, ihn herauszufordern!«

»Verbreitet die Neuigkeit, verbreitet die Kunde. Der Geisterkönig ist gefallen!«, fuhr der Bote unbeirrt for und rannte schreiend durch die Straßen von Duifang.

»Wenn du nicht sofort deine vorlaute Fresse hältst, dann stopf ich sie dir!«, brüllte die zweite Stimme erzürnt.

»Aber wenn Chengzhu wirklich gefallen ist, wer ist dann sein Nachfolger?«

»Wer hat es gewagt, den König zu stürzen!«

»Wer ist unser neuer Anführer?« Immer mehr und mehr Stimmen erhoben sich. Der Mann in seiner blutroten Robe und dem halbfertigen Make-up hielt kurz inne und spitzte die Ohren.

Äußerlich würde man ihn vielleicht auf Anfang dreißig schätzen. Er war groß, muskulös und von solch makelloser Schönheit das man denken konnte, ein junger Gott währe herabgestiegen. Wäre da nicht dieses teuflische, verschmitzte Grinsen, welches jegliches Trugbild eines Heiligen im Nu zunichtemachte.


Wie aufs Stichwort änderte der Bote seine Ankündigung, drehte sich um und rannte runde um runde über den großen Platz.

»Ehret ihn, preiset ihn. Unser neuer König Weijiezhu. Die Ära des rotäugigen Dämons geht zu Ende. Es beginnt die Herrschaft des Puppenmeisters!«, verkündete er. Doch es lag ganz und gar kein Stolz oder gar Ehrerbietung in seiner Stimme. Er klang bedrückt, beinahe sogar ängstlich.

»Ein wenig Angst als Druckmittel hat noch nie geschadet. Die größten Tyrannen haben allein mit ihrem Namen Angst und schrecken verbreitet«, lachte der Mann in Rot und wandte sich wieder seinem Spiegelbild zu.

»Ach du meine Güte, wie kann man etwas so schönes nur so verunstalten?«, fragte er sein Ebenbild schockiert.

»Ich will seine Leiche sehen du Pisser!«, brüllte der Mann, der dem Boten die ganze Zeit hinter her gelaufen war. Keuchend blieb er stehen. Wie die meisten Wesen in Duifang, dem Reich der Geister, hatte sein ehemaliges menschliches Äußeres sehr gelitten.

Seine Augen quollen hervor, seine Nase glich dem Rüssel eines Schweines und seine lila, angeschwollene Zunge leckte sich alle zwei Sekunden über die wunden aufgedunsenen Lippen. Nur wenige Geister konnten nach ihrem Tod ihre sterbliche Gestalt aufrecht erhalten. Das war ein Zeichen von Macht. Selbst die Kultisten der hochtrabenden Sekten wussten, dass man einen Geist mit einem sterblichen Antlitz nicht unterschätzen durfte. Der Mann klopfte mit den Fingerspitzen gegen den Spiegel.

»Aber niemand ist mit einem Gesicht wie deinem gesegnet mein Freund!«, lachte er. Was selbstverliebt und egoistisch klang, entsprach dennoch der Wahrheit. Egal ob Geist, Dämon oder Mensch, es gab niemanden, der nicht bei seinem Anblick weich wurde oder den er nicht mit einem lächeln um den Finger wickeln konnte.

»Leiche?«, echote der Bote. Er nickte, schlug einen Haken und raste erneut über den Platz und die Straßen. »Die Leiche zeigt uns die Leiche des gefallenen Königs. Der Beweis für die unumstößliche Macht unseres neuen Herrschers ...«, seine Stimme verklang. Eine heftige Diskussion entbrannte, so das der Mann in Rot seine Sachen zusammenpacken musste.

Vorsichtig lugte er um die Ecke. Dass der König tot war, war in der Tat ein großes Ereignis. Auch wenn das Reich der Geister schon sehr lange existierte, so hatte sich ein klares Machtgefüge doch erst mit der Zeit herauskristallisiert. Zhi Cheng war der dritte König gewesen und hatte am längsten regiert. Ganze achthundert Jahre hatte er den Thron verteidigt. Das war eine beachtliche Zeit, wenn man bedachte wie mörderisch und chaotisch das Geisterreich eigentlich war. Täglich, ach was stündlich gingen sie sich gegenseitig an die Kehle. Es gab eigentlich immer einen Grund, sich zu streiten und den anderen umzubringen. Und wenn es nur die hässliche Hackfresse war, die man nicht länger ertragen konnte.

Der Mann schob sich durch die entlegenen Gassen und Pfade, lief über karge Ebenen, überquerte reißende Flüsse und ließ das blutige Treiben Duifang weit hinter sich.


Puppenmeister Weijie:

Weijie stand vor dem Thron, der aussah wie ein schwarzer Kristall, mit einer ausladenden Sitzfläche, die mit roten Kissen gepolstert war, und starrte ihn an. Er wirkte wie ein Jugendlicher, fast noch mehr Kind als Mann. Trotzdem war er groß, sehnig und blass. Sein Gesicht spiegelte Gleichgültigkeit wieder, obwohl es ihm tobte.

Gedankenverloren spielte er mit dem Schmuck um seinen Finger und seufzte. Er konnte es nicht finden. Er hatte dem Geisterkönig Chengzhu schon lange nach dem Leben getrachtet, denn er besaß etwas, das er brauchte. Doch es war nirgendwo im Palast zu finden. Nachdem er alle Spiegel zertrümmert hatte, jede Kiste, jede Truhe und jeden Schrank auseinandergenommen hatte. Besaß er es dennoch nicht.

»Meister!«, jemand kam angerannt und kniete sich ungelenk vor ihm hin. Weijie drehte sich weder um, noch hob er den Blick. Es war nur eine seiner Marionetten, die er auf die Suche nach dem Gegenstand geschickt hatte.

»Und?« Fragte er gelangweilt, schon ahnend, was man ihm berichten würde. Die Puppe schüttelte den Kopf. Weijie biss die Zähne zusammen und fluchte. Ein ungutes Gefühl hob sich in ihm. Der leise Zweifel, ob das, was er getan hatte, richtig gewesen war. Was, wenn Chengzhu noch am Leben war? Was, wenn er besagten Gegenstand noch sein Eigen nannte? Was, wenn.... er schloss die Augen und atmete tief durch.

Wenn Chengzhu noch am Leben sein sollte, dann wäre es Weijie selbst nicht mehr. Noch nie hatte jemand das Leben oder das Aussehen des Geisterkönigs bedroht und kam ungeschoren davon. Niemand war so blutrünstig wie er. Weijie galt als grausam, seine Puppen waren einst Menschen gewesen, denen er die Seele entriss und nach Gutdünken umfunktionierte. Egal, ob sie schon tot waren oder nicht. Doch niemand vergoss so gerne ungeniert Blut wie Chengzhu.

Mit einer Handbewegung entließ er die Puppe wieder und ließ nach seinem treusten Untergebenen rufen. Zhixin. Der junge Mann, schlank und durchtrainiert, betrat kurz darauf das Plateau und verneigte sich höflich mit einer um die Faust gefalteten Hand vor ihm.

»Meister, ihr habt gerufen? Braucht ihr mehr Material?«, fragte er. Weijie drehte sich um und bedachte ihn mit einem langen Blick. Sein dunkles kurzes Haar wirkte zerzaust und die kleinen Knochen, in seinem kurzen, hohen Zopf, klimperten bei jedem Schritt. Seine großen leuchtend blauen Augen wirkten mitleidslos und berechnend. Er trug eine grau-schwarze Robe mit Lederrüstung und eine dreischwänzige-Peitsche an seiner Hüfte. Weijie nickte zufrieden.

»Ich will, dass du nach diesem Bastard suchst. Für den Fall, dass er doch nicht so tot ist wie erwartet«, befahl er. Zhixin rollte hinter den gefalteten Händen mit den Augen.

»Es sollte nicht schwer sein, sich in der Welt der sterblichen einmal umzuhören. Ein so arroganter selbstverliebter Narr wie er fällt auf. Oder suche nach der erstbesten Leichenspur, auch das würde ihn verraten«, erklärte Weijie. Zhixin schnaubte. Er glaubte zwar nicht daran, dass Chengzhu noch am Leben war, immerhin hatte er selbst mitangesehen, wie Weijie ihm das Herz durchbohrt hatte. Doch wenn es die Paranoia seines Herren linderte, würde er eben einen Ausflug in die Welt der sterblichen machen.

»Ich werde jeden Stein umdrehen, sollte Chengz …, sollte der ehemalige Geisterk … sollte der Bastard noch am Leben sein, werde ich ihn finden und in Einzelteile zurückschicken, Meister«, sagte er feierlich.