Under the Whispering Sky

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Summary

Nach Jahren der Distanz kehrt Elisabeth zurück in ihre Heimat – mit gebrochenem Herzen und einer Vergangenheit, die sie nie ganz losgelassen hat. Als ihr Vater stirbt, muss Elisabeth widerwillig nach Brighton zurück, die Stadt, der sie einst den Rücken gekehrt hat. Alte Wunden brechen auf, Geheimnisse kommen ans Licht, und sie stellt sich nicht nur ihrer Familie, sondern auch den Geistern ihrer Vergangenheit. Zwischen vertrauten Straßen, schmerzhaften Erinnerungen und einer unerwarteten Begegnung wird Elisabeth gezwungen, sich selbst neu zu entdecken – und vielleicht auch einen Weg zu finden, sich selbst zu vergeben. Kann man wirklich vor dem davonlaufen, was einen geprägt hat – oder muss man zurückkehren, um endlich Frieden zu finden?

Status
Ongoing
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
16+

Kapitel 1 ~ Elisabeth


„Elisabeth, dein Taxi kommt in fünf Minuten, du solltest dich beeilen!“

Die Stimme meiner Mitbewohnerin klingt gestresst.

„Bin gleich fertig, ich finde nur meine Medikamente nicht.“

„Elisa, die hast du doch gestern schon in dein Handgepäck gepackt.“

Oh stimmt. Das habe ich ja vollkommen vergessen. Seit einer Woche herrscht Chaos in meinem Kopf.

Seitdem ich erfahren habe, dass Dad gestorben ist und ich zurück in meine Heimatstadt Brighton muss, um mich um das Haus zu kümmern, könnte ich jederzeit losweinen. Seit ich in London lebe, hatten wir nur noch selten Kontakt. Und ich kann mich nicht einmal mehr erinnern, wie lange es her ist, dass ich in Brighton war.

Damals habe ich alles aufgegeben, um in Oxford zu studieren. Meinem Dad habe ich nie erzählt, dass ich das Studium abgebrochen habe. Er wäre enttäuscht gewesen. Schließlich war er immer derjenige, der an mich glaubte und mich unterstützte.

„Elisa, dein Taxi ist da. Brauchst du Hilfe mit dem Gepäck?“

Ruby sieht mich fragend und mitleidig an. Was ich vollkommen verstehen kann – ich weiß ja selbst nicht, wie lange es dauern wird, bis ich zurück in London bin.

Ruby und ich wohnen jetzt schon ganze fünf Jahre zusammen. In dieser Zeit ist sie mir sehr ans Herz gewachsen. Sie wurde zu meiner besten Freundin. Sie war da, als ich weinend auf dem Badezimmerboden kauerte. Sie war bei meinen schlimmsten Momenten dabei, aber auch bei den guten.

Immer wenn ich einen Vortrag an der Uni halten musste, war sie mein größter Supporter.

„Ich glaube, ich schaffe das schon alleine. Aber vielen Dank für die Nachfrage.“

„Kein Problem. Ich wünsche dir eine gute Reise. Melde dich bitte, sobald du am Flughafen bist – und wenn du gelandet bist.“

„Ja, natürlich. Das werde ich machen, keine Sorge. Halt du hier bloß die Stellung und melde dich regelmäßig bei mir.“

„Das werde ich, versprochen.“

Ruby schließt mich in eine lange, intensive Umarmung. Panik vor dem Unerwarteten steigt in mir auf. Ich weiß nicht, was in Brighton auf mich wartet. Ob die Leute mich noch immer so verabscheuen wie damals?

Ich löse mich aus der Umarmung. Ruby steht mit Tränen in den Augen vor mir.

„Ich bemühe mich, so schnell wie möglich wieder bei dir zu sein“, sage ich leise.

Mit meinem großen Koffer und dem Handgepäck gehe ich die Treppen hinunter. Unten wartet bereits der Taxifahrer.

„Guten Morgen, Madame.“

„Guten Morgen. Bitte einmal zum Londoner Flughafen.“

„Sie können schon einmal einsteigen. Ich verräume nur schnell noch Ihr Gepäck.“

„Vielen Dank.“

Ich setze mich ins Taxi. Aus meiner Handtasche krame ich meine Kopfhörer und das neu gekaufte Taschenbuch. Seit einer Weile habe ich das Ritual, bei jeder neuen Reise ein neues Buch zu lesen. Dieses Mal ist es Two Broken Hearts geworden.

„Die Fahrt wird etwa eineinhalb Stunden dauern. Geben Sie Bescheid, wenn ich die Klimaanlage anstellen soll oder Sie einen Musikwunsch haben.“

„Dankeschön, das werde ich machen. Aber es wäre mir lieber, wenn wir keine Musik laut hören würden.“

„Keine Musik ist auch kein Problem.“

Ich nicke dem Taxifahrer dankend zu. Einen kurzen Moment später setzt sich das Auto in Bewegung. Ich beginne zu lesen.

Das Buch ist sehr emotional und tiefgründig. Nach einer Weile wird mir übel – die Reiseübelkeit wird wohl nie verschwinden.

Aus meiner Tasche nehme ich eine Tablette und schlucke sie. Während ich warte, dass sie wirkt, schaue ich aus dem Fenster.

Es ist noch früh am Morgen, in London regt sich langsam das Berufsleben. Zum Glück entkommen wir dem Berufsverkehr.

Wir fahren an dem alten Büro meines Onkels vorbei. Ob er weiß, dass Dad gestorben ist?

Ich versuche, mir die Gedanken aus dem Kopf zu schlagen.

Ich lehne den Kopf an die kalte Fensterscheibe des Taxis. Brighton liegt nur noch ein paar Stunden entfernt – und mit ihm all das, was ich längst hinter mir lassen wollte.