Kurzgeschichte
,,Verpiss dich!"
,,Mach ich du..."
Jeden Tag dasselbe. Meine Eltern stritten sich um irgendwas, oder einfach grundlos. Und ich?
Ich hockte in meinem Zimmer und versuchte Mathe Hausaufgaben zu machen. Irgendwann hörten sie bestimmt auf, dachte ich. Dann würden sie sich wieder in die Arme nehmen und alles war beim alten. Es vergingen etwa dreißig Minuten, dann wurde es totenstill. Ab und zu hörte man wie sie über den Boden liefen oder in der Küche das Geschirr klapperte,mehr aber auch nicht. Dann, etwa zwei Stunden später, kamen beide mit ernsten Blicken in mein Zimmer.
,,Liebes, hör zu. Papa und ich werden uns trennen."
Diese Worte lösten eine Schockstarre in mir aus. Ich sagte nichts sondern starrte stumm zu Boden. Meine Sicht verschwamm langsam.
,,Liebling, es tut mir leid... Wir haben es wirklich versucht, aber du hörst es ja..."
Sie versuchte mich in den Arm zu nehmen, doch ich riss mich von ihr los.
,,Lasst mich jetzt bitte alleine."
Ich rollte mich in meine Bettdecke ein und weinte leise. Ich hörte endlich wie sich die Tür schloss.
Eine Welt brach für mich zusammen. Ich liebte beide überalles. Ich hatte mit ihnen so viele schöne Erinnerungen... Nun waren sie alle verloren und ich würde nie mehr welche mit ihnen haben. Das wurde mir erst später bewusst, als ich zur Schule musste. Als ich Nachhause kam sah ich Papas Sachen, fein säuberlich in Kartons gestapelt und im Flur aufgestellt. Ich musste mich zusammenreißen nicht zu weinen.
,,Hallo Schatz, wie war..."
BUMS. Die Tür fiel knallend ins Schloss. Ich hatte keine Lust auf dieses Getuhe, alles war gut und so. Doch es war nicht alles okay! Sie trennten sich weil sie sich nicht mehr verstanden, damit sie nicht mehr darunter leiden mussten, und was war mit mir? Das interessierte sie offenbar nicht wirklich.
Mein Vater kam später in mein Zimmer und setzte sich auf mein Bett, indem ich heulend lag.
,,Lana, bitte hör auf zu weinen. Mir tut es selber weh, aber es klappt nicht mehr..."
Ich schaute ihn wütend und traurig zugleich an.
,,Was ist mit mir? Ihr seid meine liebsten Menschen, meine Eltern!"
Mein Vater legte seine Hand in mein Gesicht und wischte mir die Tränen weg.
,,Du wirst mich einmal in der Woche sehen, ich werde dich auch oft von der..."
Ich fiel ihm ins Wort.
,,Das ist nicht Das gleiche. Bitte redet nochmal miteinander. Für mich!"
Er seufzte.
,,Ich werde es versuchen. Wenn sie und ich es nicht hinbekommen, dann ist es so. Ich habe dann nämlich mit ihr gesprochen. Okay?"
Ich nickte.
Meine Eltern redeten die ganze Zeit, vieles konnte ich nicht mitbekommen. Irgendwann bin ich eingeschlafen. Am nächsten Morgen sah ich meine beiden Eltern, glücklich.
Ich war es auch. Vielleicht würde es nicht lange anhalten, fürs erste hatte ich es jedenfalls geschafft.
Am nächsten Tag hörte ich es wieder: Das Streiten meiner Eltern. Beide hatten es doch nicht ernst genommen. Dann hörte ich die Haustier knallen. Dann war alles still. Ich rannte empört nach draußen. Papa war weg.
,,Hast du ihn rausgeschmissen?" fragte ich entsetzt.
Meine Mutter nickte.
,,Es ist das beste."
Mein Vater war wirklich immer für mich da gewesen, hatte mit mir gelernt und es verstanden, was immer auch geschah. Er hatte mich gegen Mama verteidigt und hatte immer an mich gedacht. Die Traurigkeit überflutete mich wieder und ich wollte mich in mein Zimmer einschließen.
Einige Tage Tage vergingen und sie waren nicht die besten. Meine Mutter schrie mich an, obwohl ich nichts getan oder gemacht hatte. Wir stritten uns oft. Meine Noten wurden schlechter. Papa hatte nicht einmal angerufen oder einen Brief geschickt gehabt. Nichtmal lebewohl konnte ich ihm sagen, als er die Haustür verließ.
,,Was hast du hier bitte gemacht? Was soll das!"
Ich rollte mit den Augen. Meine Mutter schrie von der Küche aus meinen Namen.
,,Sag, was ist das?", in der Hand hielt sie einen dreckigen Teller.
,,Ein... Teller?", fragte ich leise.
Sie nickte.
,,Wo gehört ein dreckiger Teller hin?"
Ich nahm ihn ihr aus der Hand und stellte ihn in den Geschirrspüler.
,,Gut."
Sie ging aus der Küche. Sie war in letzter Zeit sehr gereitzt. Manchmal hatte ich Angst dass sie die Hand nahm und mich schlug...
Am nächsten Morgen hatte ich etwas beschlossen, ich wollte zu meinem Vater. Ich hatte Angst, doch sie würde es verstehen.
,,Mama?"
In ihrer Hand hatte sie eine Flasche Whisky. Ihre Augen sahen zu mir.
,,Darf ich zu Papa ziehen?"
Ihre Augen wurden größer und ihr Gesicht sah nun agressiv aus.
,,Nach all dem, was ich für dich getan habe?
Du Göre!"
Sie stand auf, legte die Flasche hin und holte mit ihrer flachen Hand aus. Ein Schlag, noch einer und noch einer. Dann setzte sie sich wieder. Ich musste weinen, ich tat es auch, ihr wäre es sowieso egal gewesen.
Am Abend darauf, bevor die Schule begann, packte ich meinen Rucksack und all die wichtigen Dinge von zuhause ein. Dann öffnete ich mein Fenster und sprang raus. Nun stand ich im Garten. Ich sah mich nochmal um.
,,Es tur mir leid Mama...", und rannte weg.
Ich lief zu unseren Nachbarn, sie waren sehr freundlich und wussten über alles Bescheid. Ich klingelte, die Tür öffnete sich.
,,Hallo Lana! Wie gehts dir denn, was kann ich für dich tun?", sprach Frau Grieß.
,,Mir geht es sehr gut, ich wollte fragen wo mein Vater denn jetzt wohnt?"
Sie sah schockiert aus. Dann fasste sie in mein Gesicht.
,,Kindchen, was ist das denn für eine Wunde auf deiner Wange?"
Ich machte ihre Hand weg.
,,Das ist nichts. Können Sie mir jetzt bitte helfen?
Sie nickte und gab mir nach wenigen Sekunden einen Zettel.
,,Dein Vater wusste dass du herkommen würdest. Hier ist ein Zettel den er dir hinterlassen hat. Bis bald Lana!"
Ich setzte mich etwas weiter weg auf eine Bank und las mir den Brief durch.
Liebe Lana,
es tut mir leid dass ich gehen musste. Doch du suchst wahrscheinlich schon nach mir. Du bist sehr schlau und klug, meine liebe. Hier ist meine Adresse, ich hoffe du findest den Weg dahin.
Bis später,
Papa
Karl-Lade Straße 14
13268 Gutheim
Ich rannte los, so schnell das ich fast nicht mehr konnte. Schließlich stoppte ich vor einem Haus. Ich klingelte die ganze Zeit, bis jemand die Tür aufmachte. Es war Papa.
,, Lana! Was ist denn los, wieso bist du noch um so eine Uhrzeit draußen!"
Ich umarmte ihn lange, bis ich mich von ihm löste.
,,Ich hab's zuhause nicht mehr ausgehalten, Mama und Ich haben uns nur gestritten und dann... Dann hat es mir gereicht. Ich will da nicht mehr hin."
Papa verstand alles. Nach ein paar Tagen musste er schlussendlich doch mit Mama reden. Während ich auf dem Sofa saß und Fernsehen sah, telefonierte Papa lange, bis er auflegte.
,,Sie versteht es. Sie wird aber noch vorbei kommen."
Ich bekam Angst.
,,Nein, nein, nein! Bitte nicht! Ich bin extra von da abgehauen, weil ich vor ihr Angst hatte!".
Er nahm mich in seine Arme.
,Alles wird gut, vertrau mir."
Ich beruhigte mich wieder. Auf seine Versprechen konnte man sich verlassen.
Es klingelte. Mama stand vor der Tür, als Papa sie öffnete.
,,Wo ist Lana?"
Ich tauchte neben Papa auf.
,,Du kannst doch nicht einfach abhauen! Ich hab mir solche Sorgen gemacht..."
Sie nahm mich in die Arme.
,,Sag mir wenn dir etwas fehlt, ich werde dir alles vorbei bringen was du brauchst."
Sie streichelte mir über die Wange und verweilte dort lange, dort wo sie mich geschlagen hatte. Ich war froh das sie es akzeptiert hatte. Ich dachte, sie würde ausrasten, zum. Glück war es nicht so.
Es vergingen Monate so, dass ich zwei Wochen bei Papa blieb, dann bei Mama zwei Wochen. Ich war immer noch traurig wegen allem, doch so war es die perfekte Lösung. Ich konnte trotzdem noch bei Papa und Mama sein, zwei Wochen! Vielleicht kommen sie irgendwann wieder zusammen?...