Vorwort
In einem friedlichen Dorf, verborgen am Rand eines alten Waldes,
beginnt das Schicksal der jungen Lilly eine unheilvolle Wendung zu
nehmen. Geplagt von Visionen und der Ahnung dunkler Geheimnisse,
wird ihr Leben durch eine schreckliche Tragödie auf den Kopf gestellt.
Verwaist und allein gelassen, findet sie sich plötzlich in einem
Waisenhaus wieder, umgeben von Kindern, die, wie sie, ihre eigenen
Dämonen bekämpfen. Doch Lillys Schicksal ist untrennbar mit einer
alten Prophezeiung verbunden, die sie in die Tiefen einer verborgenen
Welt führt einer Welt, in der Magie so real ist wie der Atemzug der
Nacht und in der ein uralter Kampf zwischen Licht und Dunkelheit tobt.
Vorwort
An jenem Tag war das Dorf am Rande des Waldes friedlich wie immer gewesen. Die Sonne tauchte die Fachwerkhäuser in goldenes Licht, während die alten Eichen kühlen Schatten spendeten. Doch das sechs Jahre alte Mädchen Lilly mit den zerzausten Zöpfen spürte, dass etwas nicht stimmte. Ihre Augen brannten, als läge Sand unter den Lidern. Der Lärm der spielenden Kinder auf dem Holzgerüst klang dumpf und fern, obwohl sie mitten unter ihnen stand. Sie rieb sich die Schläfen dieses dröhnende Summen im Kopf würde einfach nicht verstummen. "Lasst uns Räuber und Gendarm spielen!", rief der Junge mit der karierten Mütze. Das Mädchen lächelte erleichtert und trat näher. Doch als sie den Sandkasten erreichte, erstarb das Gelächter. "Nicht sie", flüsterte das Mädchen mit den Sommersprossen und drehte ihr den Rücken zu. Dann hielt die Welt für einen Wimpernschlag den Atem an.
Etwas Zähes und Heißes stieg Lilly in die Kehle. Sie ballte die Fäuste, während ihre Fingernägel sich in die Handflächen gruben. Plötzlich hob der Wind an nicht der sanfte Hauch von vorhin, sondern ein eisiger Stoß, der Blätter von den Bäumen riss.
Dann geschah es,
Der Sand im Kasten wirbelte auf wie ein winziger Tornado
Am Bäckerhaus zersprang eine Scheibe mit kristallinem Klirren
Das blonde Mädchen das zuvor "nicht sie" geflüstert hatte kreischte, als sich ihre Haare plötzlich knallrot färbten.
Lilly starrte auf ihre eigenen Hände. Das... das konnte nicht von ihr kommen. Oder?
Die anderen Kinder rannten davon, ihre Schreie verhallten zwischen den Häusern. Nur der Wind flüsterte noch zwischen den Bäumen, als Lilly allein auf dem leeren Spielplatz stand. Als sie zitternd nach Hause lief, wischte sie sich die Tränen mit sandverkrusteten Händen ab. Es war der schlimmste Tag ihres Lebens oder so dachte sie zumindest. Noch wusste sie nicht, dass das Universum gerade erst anfing, ihr zu zeigen, was wahre Verlassenheit bedeutet