The inglorious seven - Buch 1 Schicksalsfäden

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Summary

Der Krieg ist vorbei. Der Dämonenkönig Noctheron ist gefallen. Die Helden haben gesiegt. Doch was, wenn die wahren Monster den Krieg überlebt haben? Sechs Monate lang ruhte Declan Graves, Todesritter und letzter Hauptmann des gefallenen Königs, in todesähnlichem Schlaf. Als er erwacht, ist nichts mehr wie zuvor: Dreadmoore, Land der Dämonen und Ungeheuer, liegt in Ketten – besetzt von fremden Armeen, zerbrochen von innen. Die Helden, einst Sinnbild des Lichts, agieren nun als verzerrte Schatten ihrer selbst. Auf der Suche nach dem verschollenen Erben seines Freundes und Herrschers Noctherons sammelt Graves Gefährten um sich: Eine Hexe voller Zweifel. Eine Dunkelelfe ohne Hoffnung. Einen Lich ohne Seele. Einen Goblin mit flinker Zunge. Einen Hautwandler ohne Rudel. Eine Besessene ohne Erbarmen. Und ein gemeinsames Ziel: Die einstigen Helden zur Rechenschaft ziehen – jene, die das Licht verraten haben und nun im Schatten herrschen. Denn manchmal ist das Böse die letzte Hoffnung.

Status
Ongoing
Chapters
36
Rating
n/a
Age Rating
16+

Kapitel 1

Er lag ausgestreckt auf der blutgetränkten Erde, seine Rüstung war überzogen von einem einzigen Gewirr aus Dellen und Kratzern während er versuchte durch den Dunst der Schlacht zu sehen.

Das Dröhnen des klirrenden Stahls war der unerbittliche Klang zu dem Chaos, das ihn einhüllte.

Über dem Getöse erhob sich das kehlige Gezeter von Magie und warf Schatten, die wie schelmische Kobolde über das Schlachtfeld tanzten.

Sie hatten damit gerechnet das die Helden auftauchen würden, aber es war früher als erwartet und alles war fast augenblicklich aus dem Ruder gelaufen.

Declan Graves war der Hauptmann der Leibwache des Königs.

Des Demonenkönigs Noctheron.

Im ersten großen Krieg gegen die Menschen, als Graves selbst noch ein Mensch und Ritter war, fiel er in der Schlacht und Noctheron, damals grade der Dämonenkönig geworden, belebte ihn wieder und machte ihn zu einem Todesritter.

Einem Wesen das weder ganz Tod noch Lebendig war.

Sein Körper befand sich noch immer in der Form als er starb, nur bleicher wie eine Leiche gefangen im Zustand niemals verfallen zu können.

Der Krieg endete kurz darauf mit dem Rückzug in die Lande die jetzt als Dreadmoore bekannt waren und es herrschte viele Jahre ein trügerischer Frieden mit den Völkern des Lichts, wie Noctheron sie damals nannte.

In dieser Zeit wurden er und Graves gute Freunde und er stieg in den Rängen auf während sie Dreadmoore unter Noctherons Herrschaft vereinten.

Dann dieser neuer Krieg, dieser fast schon größenwahnsinnige Plan seines Freundes… .

Alles war am Ende nicht so gekommen wie es eigentlich hätte sein sollen.

Der Krieg dauerte dieses Mal länger und die Völker des Lichts machten nicht stopp als sie die Armee von Noctheron nach Dreadmoore zurückgeschlagen hatten.

Die Schlachten tobten heftig und die verbündeten Armeen des Lichts pflügten eine Schneise ins Land, direkt vor das Schloss des Dämonenkönigs.

Einen großen Anteil daran hatten auch die sieben Helden die an der Spitze der Armee kämpften.

Schon immer waren Helden in solchen Kriegen wichtig, sie gaben Hoffnung und Zuversicht, wendeten das Blatt um waren am Ende siegreich.

Es waren diese Helden, die ein neues Zeitalter einleiten würden.

Hier in dem Schloss das vom Beschuss durch Katapulte und Magie jetzt schon eher eine Ruine war, fand der Finale Kampf statt.

Um Graves herum lagen die Körper von anderen Todesrittern, endgültig erschlagen.

Andere Körper von Orks, Goblins und niederen Dämonen und Monstern, sogar von den Menschen die in Dreadmoore lebten lagen hier, erschlagen oder von Magie und heiligem Licht verbrannt und entstellt.

Einige waren unter Trümmern begraben und andere lagen in ihren letzten Zügen.

Durch die eingerissen Wand erkannte Graves die Schlacht vor dem Schloss.

Ein durcheinander von Farben, Feuer und magischen Lichtern.

Sie hatten verloren, das stand fest auch wenn die Kämpfe noch tobten, die Entscheidung würde hier fallen.

Dort, hoch über dem Kampfgetümmel, stand Noctheron, seine furchterregende Silhouette zeichnete sich gegen den rauchgefüllten Himmel ab.

Sein gewaltiger über zwei Meter großer Körper mit der Imposanten Rüstung bewegte sich geschickt gegen seine Angreifer und stellte sich ihnen unnachgiebig entgegen.

Die sieben Helden versuchten ihr Bestes ihn Zufall zu bringen doch er machte es ihnen nicht einfach.

Mit einem gewaltigen schlag traf sein Schwert, ein monströser Klotz aus bösartigem Metall, das leuchtende Schwert der Ritters Cedric, mit einem Geräusch, das dem eines Donners glich, der den Blitz um die Vorherrschaft am Himmel herausforderte.

Der Aufprall ließ die Wände des Saals erzittern, und Graves spürte, wie Staub und kleine Steinbrocken auf seine Rüstung rieselten. Mit schmerzverzerrtem Gesicht versuchte er, sich aufzurichten, sein Schwert fest in der Hand.

Die schwarze Rüstung, einst ein Symbol seiner Macht, fühlte sich nun schwer wie ein Sarg an.

“Noctheron!” Seine Stimme war kaum mehr als ein Krächzen im Chaos der Schlacht.

Der Dämonenkönig hielt kurz inne, sein Blick traf den seines gefallenen Hauptmanns.

In diesem Moment schien die Zeit stillzustehen.

Noctherons Augen, glühend rot wie die Feuer der Unterwelt, enthielten etwas, das Graves selten gesehen hatte – Resignation.

“Es ist vorbei, alter Freund,” hallte Noctherons Stimme durch den Raum, seltsam klar trotz des Schlachtlärms. “Aber noch nicht zu Ende.”

Mit einer fließenden Bewegung, die für seine massive Gestalt erstaunlich anmutig wirkte, parierte Noctheron den Angriff des Waldelfen Rangers Thelon, der einen Hagel von Pfeilen auf ihn abschoss mit der Klinge seines Schwertes und wich gleichzeitig einem Angriff des Halbling Diebes Mellov aus, der sich an ihn heran geschlichen hatte.

Auch den angriffen des Zwergen Mönchs Stoutnar und der Hochelfen Magierin Elodin konnte er entgehen während er sich wieder Cederic zuwandte.

Imogen die Priesterin stand hinter der Schildmaid Millicent die ihr Schutz bot und wirkt Heil und Schutzmagie auf den Ritter.

“Ihr seid ein formidabler Gegner Dämonenkönig”, rief Cedric und traf seinen Gegner nach einer Drehung am Arm. “Aber wir werden unsere Länder vor euch schützen, koste es was es wolle.”

Graves stöhnte auf und verlagerte sein Gewicht, um eine bessere Sicht zu bekommen, als wäre er nur ein lästiger Zuschauer in einem großen, blutigen Theater.

Er zuckte zusammen, nicht wegen seiner Wunden, sondern weil Cedric einen kräftigen Hieb landete, der Noctheron zum zurücktaumeln zwang.

Der Anblick war ein Schlag in Graves Magen und schürte die Glut der Loyalität in ihm.

„Komm schon, alter Knabe“, flüsterte er, mehr zu sich selbst als zum Dämonenkönig. Seine Fäuste ballten sich so fest, dass seine Stulpen mit einem Chor von metallischem Knarren protestierten. „Zeig ihm, was du kannst.“

Cedric bewegte sich mit einem Selbstbewusstsein, das seine Zuversicht unterstrich.

Jeder Schwung seiner Klinge war eine Zierde, jede Parade eine Gelegenheit, ein selbstbewusstes grimmiges lächeln aufleuchten zulassen.

Graves spuckte eine Mischung aus geronnener Blutmagie und Staub aus, ein dunkles Rinnsal, das über sein Kinn rann.

Es war fast komisch, dachte er, wie dieser strahlende Narr sich selbst in den Mittelpunkt der Geschichte stellte, als wäre das Schicksal von aller Völker nichts weiter als eine Bühne für seinen Ruhm.

Aber natürlich war das die einfallt der Jugend.

Sie waren alle Helden, kurz davor die Entscheidung herbeizuführen.

“Für das Licht!” rief Cedric, seine Stimme hallte von den bröckelnden Wänden wider. “Für alle, die ihr in die Dunkelheit gezogen habt!”

Noctheron parierte einen weiteren Schlag, seine massive Gestalt wirkte plötzlich weniger imposant als zuvor.

„Verflucht sei das alles“, murmelte Graves, wobei ihm die Worte zwischen zusammengebissenen Zähnen entglitten. Er rollte sich auf die Seite und drückte sich gegen den Boden, der ihn nur allzu gern als einen der Seinen beanspruchen wollte. „Dieser ganze Plan ist von Anfang an eine Narretei gewesen.“

Mit einem Stöhnen, das mehr aus Gewohnheit als aus Schmerz kam – was hatte Schmerz schon für Bedeutung für einen Toten? – schob Graves seinen gepanzerten Arm unter sich und versuchte wieder auf die Beine zu kommen.

Seine Rüstung klirrte protestierend, als hätte sie es vorgezogen, gemeinsam mit ihm auf dem Boden zu bleiben.

“Mein König,” flüsterte er, während der Kampf über ihm weitertobte.

Der Elf Thelon lachte, während er mit unmenschlicher Geschwindigkeit um den Dämonenkönig herum eilte und weitere Pfeile verschoss.

“Sieh nur, Cedric,” rief er, ” er schwächelt!”

Noctheron sah zu Graves hinüber, seine Augen trafen sich mit denen seines Hauptmanns.

In diesem Moment schien ein stilles Verständnis zwischen ihnen zu fließen, eine letzte Botschaft, die keine Worte brauchte.

„Jetzt, Thelon!” rief Cedric.

Der Waldelf spannte seinen Bogen, drei Pfeile gleichzeitig auf der Sehne.

Seine Augen glitzerten mit Zuversicht, das er treffen würde.

Die Pfeile flogen, von Elodins Magie mit blauem Feuer umhüllt, direkt auf Noctherons Brust zu und durchbohrten dessen Rüstung mit einem grausamen Zischen, die den Dämonenkönig rückwärts taumeln ließen.

Mit einem kraftvollen Sprung schoss Stoutnar vor und seine Faust traf die Rüstung von Noctheron dort wo die Pfeile eingeschlagen waren und zerschmetterten sie an der geschwächten Stelle.

Der Dämonenkönig sank auf die Knie als Mellov seinen Dolch in sein Bein stieß.

Mit dem Schwung und einem Sprung auf das Schild von Millicent schoss Cedric durch die Luft und rammte seine Schwert bis zur Parierstange in die Brust von Noctheron.

Einem Stummen Aufschrei aus seinem zurückgeworfenen Kopf und den Blick zum Himmel gerichtet verharrte Noctheron einen Augenblick.

Imogene trat vor, ihre Hände erhoben.

“Möge das Licht dich richten, Dämon,” sprach sie mit einer Stimme voller Barmherzigkeit.

Eine Säule aus Licht schoss aus dem Himmel herab und traf den Dämonenkönig.

Graves musste seinen Blick vor dem gleißenden Licht abwenden und sah nur verschwommen wie Elodin eine gewaltige Magischen Kugel abschoss die Noctheron frontal traf.

Die Druckwelle des Treffers riss ihn wieder von den Füssen und ließ ihn mit einem lauten Scharben von Metall über den Boden rutschen.

Als der Staub sich langsam legte, sah Graves das Schlachtfeld durch einen Schleier aus Staub.

Die sieben Helden standen im Halbkreis um den gefallenen Dämonenkönig, ihre Gestalten hoch erhoben.

Noctheron lag regungslos da, seine einst imposante Gestalt nun gebrochen und still.

Die glühenden roten Augen waren erloschen, nur leere Höhlen starrten in den rauchverhangenen Himmel.

“Es ist vollbracht,” verkündete Cedric, seine Stimme hallte durch die Ruinen des Thronsaals.

Er zog sein Schwert aus Noctherons Brust und hielt es triumphierend in die Höhe.

Das Blut des Dämonenkönigs rann in dunklen Strömen über die Klinge, seltsam schwarz und dickflüssig.

“Der Tyrann ist gefallen! Die Länder des Lichts sind endlich von dieser Geißel befreit!” Seine Worte wurden von jubelnden Kriegern begrüßt, die von außerhalb der Burg antworteten.

Graves versuchte bei Bewusstsein zu bleiben.

Die einzigen Geräusche, die er wahrnahm, waren die entfernten Schreie der sich zurückziehenden Dämonen, Monster und menschlichen Anhänger - eine Kakophonie aus Schrecken und Verwirrung, die in einem unheimlichen Echo zu verblassen schien.

„Verdammt sei das alles“, flüsterte Graves, und die Worte verloren sich in einem Moment der Stille.

Graves rappelte sich auf und rannte los wie behände trotz dem Gewicht seiner Rüstung. Es gab nichts mehr zu gewinnen.

Hier wich er einem verirrten Feuerball aus, dort einem umherflatternden Kobold, während er im Geist das Schicksal für seinen Ablauf der Ereignisse verfluchte.

„Rückzug! Rückzug!“

Die Rufe von Noctherons einst so gefürchteter Armee wurden zum Begleiter seiner Flucht.

Mit jedem Schritt wurde Graves Entschlossenheit hart wie alte Steine, die seit Jahrhunderten dem Wetter trotzten.

Er hoffte das all dies das Wert sein würde, alle Verluste rechtfertigen würde.

„Noctheron“, keuchte er und entging nur knapp einem Duell zwischen zwei Zentauren, die offensichtlich nicht mitbekommen hatten, dass sie sich zurückziehen sollten. „Möge dein Opfer nicht vergebens gewesen sein.“

Als er sich vom Schloss entfernte und in den Schatten der untergehenden Sonne verschwand, spürte Graves, wie das Gewicht der Schlacht auf ihm zu lasten begann.

Doch in seinem Herzen flackerte ein Funke der Entschlossenheit auf, angefacht von Loyalität und der Hoffnung das alles sich so ausspielen würde wie es geplant gewesen war.

Der Rückzug ins Hinterland von Dreadmoore war chaotisch und blutig.

Graves führte so viele Überlebende wie möglich tiefer in die nebelverhangenen Wälder, wo die dichten Schwaden eines aufgezogenen Nebels ihnen Schutz boten.

Die Armeen des Lichts, berauscht von ihrem Sieg, verfolgten sie mit dem Eifer von Jägern, die ihre Beute witterten.

“Weiter! Haltet nicht an!” rief Graves über seine Schulter, während er eine Gruppe erschöpfter Goblins und verletzter Orks antrieb.

Sein eigener Körper schmerzte nicht – ein fragwürdiger Vorteil seines untoten Zustands – aber die Erschöpfung seiner Seele war eine ganz andere Angelegenheit.

Als sie eine schmale Schlucht erreichten, hob Graves die gepanzerte Hand.

Die bunt zusammengewürfelte Gruppe kam stolpernd zum Stehen.

“Hier trennen sich unsere Wege”, verkündete er. “Verstreut euch in kleinen Gruppen. Sie können nicht alle von uns verfolgen.”

Ein besonders mutiger Goblin trat vor, sein grünes Gesicht verzog sich zu einer Grimasse, die vermutlich ein Lächeln darstellen sollte. “Aber General, wir folgen dir! Du führst uns zu sicheren Verstecken, ja-ja?”

Graves unterdrückte ein Seufzen.

Diese Kreaturen waren so verzweifelt auf Führung angewiesen, dass es fast rührend war – wenn es nicht so verdammt unpraktisch gewesen wäre.

“Nein. Ich habe einen anderen Auftrag.” Seine Stimme klang hohler als beabsichtigt, ein Echo in seiner eigenen leeren Brust. “König Noctheron hat mir eine letzte Mission anvertraut.”

Die Worte hingen in der Luft wie der Nebel, düster und bedeutungsschwer.

Einige der Kreaturen wichen zurück, während andere – die klügeren – verstehende Blicke austauschten.

Ein Ork mit einer klaffenden Wunde quer über die Brust trat vor, sein Atem ein rasselndes Geräusch in der Stille.

“Der König... er wusste, dass es so kommen würde?”

“Der König,” erwiderte Graves, “sah weiter, als wir alle es jemals konnten.”

Er trat einen Schritt zurück, die Runen auf seiner schwarzen Rüstung glühten schwach im Zwielicht des Nebels.

Der Nebel schien sich um ihn zu sammeln, als würde er die Präsenz des Todesritters erkennen und begrüßen.

“Noctheron hatte einen Plan, der über sein eigenes Ende hinausreicht,” fuhr er fort, seine blauen Augen leuchteten unter seinem Helm. “Und ich schwöre bei meinem zweiten Leben, dass er vollendet wird.”

Der verwundete Ork nickte langsam, Verständnis dämmerte in seinen gelben Augen.

“Der Prinz,” flüsterte er kaum hörbar.

Graves hob einen Finger.

“Sprecht nicht davon. Nicht hier, nicht jetzt. Die Felsen haben Ohren, und der Wald hat tausend Augen. Versucht zu überleben... wenn ihr es schafft, wartet ab, führt keinen weiteren Krieg gegen die Völker des Lichts.”

Mit diesen Worten wandte er sich ab und verschwand im dichter werdenden Nebel, der ihn wie ein alter Freund willkommen hieß.

Die nächsten Tage verschwammen zu einem Albtraum aus Verstecken und heimlicher Reise.

Graves bewegte sich nur nachts, wenn der Nebel am dichtesten war und seine Präsenz verschleierte.

Die Armeen des Lichts durchkämmten die Wälder und Sümpfe von Dreadmoore, entschlossen, jeden Anhänger Noctherons zur Strecke zu bringen.

“Wie mühsam,” murmelte Graves, als er sich hinter einem umgestürzten Baum duckte und beobachtete, wie eine Patrouille menschlicher Soldaten vorbeizog, ihre Fackeln tanzten wie verirrte Glühwürmchen durch den Nebel. “Sucht nur weiter.”

Am siebten Tag nach dem Fall des Schlosses erreichte er das Ende des Sumpflandes das er durchquert hatte.

Wenn ihn jemand verfolgt hatte so waren diese Verfolger schon vor Tagen verschwunden.

Er hielt an einem Waldrand der zum großen Teil aus morschen und abgestorbenen Bäumen bestand.

Ohne das er es verhindern konnte begann sich eine schwere über ihn zu legen.

Er war untot, das bedeutete das er viele Dinge nicht mehr benötigte.

Essen und Trinken konnte er, aber es war nicht nötig.

Schlaf fand er auch nicht wie zu seiner Zeit als Lebender.

Allerdings kostete ihn Regeneration kraft und er hatte die letzten Tage, wenn auch langsam, seine Verletzungen regeneriert.

Es waren doch mehr gewesen als gedacht.

Zwei Pfeilwunden durch den Waldelfen, das Messer des Halblings in seiner Hüfte und das Schwert des Anführers der Helden das durch ein Loch in der unteren hälfte der Rüstung gedrungen war, das von dem Zwerg erzeugt worden war.

Die spätere Druckwelle hatte ihm einige Rippen gebrochen.

Er spürte den Schmerz nicht wirklich, nur ein Echo der Erinnerung aus seiner Vergangenheit.

Allerdings war die Beeinträchtigung real gewesen.

Jetzt brauchte er eine Pause, nur einen Augenblick

Graves stolperte in die Aushöhlung einer uralten Eiche, deren knorrige Wurzeln ihn umschlangen wie die Arme eines vergessenen Gottes.

Er ließ sich gegen die raue Rinde sinken, seine Rüstung klirrte leise in der Stille der Dämmerung.

Hier, in der Umarmung der Natur und der Nacht, wurden die Wirren der Welt zu einem Murmeln, das ihm einen Moment Zeit gab, über die düsteren Ereignisse der letzten Tage nachzudenken.

Erschöpfung.

Ein seltsames Gefühl für einen Untoten, dachte Graves bitter.

Seine Hand fuhr über die Rüstung, wo die Pfeile des Elfen ihn durchbohrt hatten.

Die dunkle Magie, die seinen Körper animierte, hatte die Wunden längst geschlossen, aber die Erinnerung an die Treffer blieb wie ein Phantom.

“Noctheron, du gerissener Bastard,” flüsterte er in die Dunkelheit. “Du hast es wirklich geschafft.”

Der Nebel schien auf seine Worte zu reagieren, wirbelte dichter um ihn herum, als würde er zuhören.

Graves beobachtete das Phänomen mit müden Augen.

Der Nebel hatte sich seit dem Fall des Königs verändert – dichter, lebendiger, fast... bewusster.

“Ist das dein Werk?” Er streckte eine Hand aus, und der Nebel wallte zwischen seinen Fingern hindurch, kalt und doch seltsam vertraut. “Dein letztes Geschenk an uns?”

Stumme umzog ihn der Nebel, legte sich auf ihn wie eine aufmunternde Hand auf der Schulter

„Alter Freund“, flüsterte er, und seine Stimme war von Trauer erfüllt, als er sich Noctheron vorstellte, der selbst in der Niederlage noch edel war. „Ich habe dich enttäuscht.“ Die Worte hingen in der Luft, schwer von einem Kummer, der ihn zu erdrücken drohte.

Doch als der Mantel der Nacht näher kam und die Welt in Schatten hüllte, der Nebel ihn schon fast tröstend umgab schloss er seine Augen und das blaue glommen in den Sehschlitzen seines Helmes verschwand.

Und so gab Graves sich der Erschöpfung hin und sein Körper sank in einen tiefen, traumlosen Schlummer unter dem Schutz der alten Eiche.