Der letzte asoziale Song vom Mond

Summary

Die letzten Hauptvideos. Ein Abschied - und zu Beginn scheinbar harmloses Versprechen. Doch was einst mit witzigen altertümlichen Märchen-Kassetten über asoziale Helden und dem Fund von musikalischen Bohnen begonnen hatte, entfaltet sich schnell zu einer gefährlichen Reise, die einen gewaltigen Sturm entfesseln könnte. Im Zentrum: Julien Bam - YouTuber, Kreativer Freigeist und Träger eines rätselhaften Kompasses, der ihn zu den legendären Wächtern führen soll. Und seit kurzem unfreiwilliger Besitzer des Gesichts vom Mann im Mond. Seit der Rückkehr seines besten Freundes Joon von den Toten und der Begegnung mit diesem geheimnisvollen galaktischen Wesens, gerät Juliens Glaube immer mehr ins Wanken. Nichts ist mehr, wie es war - Freundschaft, Loyalität, sogar die eigene Identität. Zwischen wachsenden Zweifeln, Verrat und einer drohenden Apokalypse müssen Ju, Joon und ihre Verbündeten weitreichende Entscheidungen treffen. Ihre Bande werden auf die Probe gestellt - und eine Wahrheit offenbart sich, die alles verändern könnte. Doch auch der größte YouTuber kann dem Schicksal nicht entkommen. Denn manchmal ist der größte Gegner nicht das, was uns erwartet - sondern das, was in uns lauert. Wird Julien Bam das Unvermeidliche verhindern können? Oder wird der aufziehende Sturm seine Zerstörungskraft entfalten und alles, was er liebt, in den Abgrund reißen? ●●●●●●●●●●●●●●●●●●●● Diese Geschichte spielt unmittelbar nach den Ereignissen von der YouTube Serie “Der Mann im Mond” Akt 3. Also quasi meine Version von Akt 4 ;-) Vorkenntnisse über “Der letzte Song aus der Bohne” und “Der Mann im Mond” sind erforderlich. Die Figuren gehören nicht mir, sondern Julien Bam und seinem Team

Status
Ongoing
Chapters
15
Rating
n/a
Age Rating
16+

Prolog

Ich fühlte mich wie gerädert. Als sei ein Traktor über mich drübergefahren.

Mühsam öffnete ich die Augen und starrte geradewegs in den sternenklaren Nachthimmel.

Okay, anscheinend träumte ich wohl noch.

Die Muskeln, welche meine Augenlider zum Öffnen gezwungen hatten, lockerten sich. Augenblicklich fielen sie wieder zu.

Ich fühlte mich irgendwie seltsam. Da war so eine gewisse Leere in mir. Als ob ein Teil von mir fehlen würde...

Kühler Wind strich mir unerwartet durchs Haar und verursachte eine Gänsehaut. Warum musste ich immer dann einschlafen, wenn das Fenster offen stand?

Fröstelnd umschlang ich meinen Körper. Bettdecke war keine da, die mich hätte wärmen können.

Oh mann, wieder mal auf dem Sofa eingepennt. Das erklärte die unangenehme Haltung meiner Wirbelsäule.

Hoffentlich bekam ich jetzt keinen Hexenschuss oder so. Ach egal... kein Bock aufzustehen.

Mit einem seufzen drehte ich mich zur Seite. Plötzlich verschwand der Untergrund und auf einmal hatte ich das

Gefühl, zu schweben.

Mit einem dumpfen Aufprall landete ich hart auf dem Boden.

“Fuck!”

Schmerzvoll rieb ich mir das Steißbein. Den Teppich hatte ich weicher in Erinnerung.

Doch die Farbe, die mich am Boden empfangen hatte, war nicht blau, sondern braun.

Denn unter mir befanden sich niedergetrampelte Erde und direkt vor meiner Nase dunkelgrünes Gras.

Moment, Gras?

Wo war das Holzparkett meiner Wohnung abgeblieben?

Die Feuchte der Erde und der kühle Wind drangen in mich ein.

Verwirrt drehte ich mich nach hinten, um zu schauen, worauf ich eingeschlafen war. Mir stockte der Atem.

Ich hatte auf einer hölzernen Parkbank gelegen!

Jetzt war ich hellwach!

Hecktisch schaute ich mich um. Es war dunkel. Vereinzelt hoben sich dunkle Silhouetten in der Umgebung ab.

Erkennen konnte ich demnach nicht wirklich viel.

Die einzige Lichtquelle war der helle Schein vom Mond.

Und genau dort, umrahmt von der weißen Scheibe, stand jemand.

Die Person hatte mir den Rücken gekehrt.

Mein Blick blieb an den nackten Füßen kleben. Ein dicker, blauer, leuchtender Strich zog sich jeweils von den Knöcheln seine Waden hoch.

Mein Herz machte einen Purzelbaum.

“Avatar Aang?!”

Verwunderung, Staunen und Ehrfurcht mischten sich in meiner Stimme. Es war ein sanfter Windhauch, der die Worte aus meinem Mund bliess.

Doch der glatzköpfige Mann vor mir antwortete nicht.

Wie gebannt starrte er die große, helle Scheibe am Himmel an.

Als würde er auf der schimmernden Oberfläche etwas suchen.

An der Bank abstützend rappelte ich mich schwerfällig auf. Meine Beine fühlten sich wie Wackelpudding an. Gefühlt jeder Knochen in meinem Körper war steif.

Ein ungutes Gefühl machte sich in mir breit. Irgendetwas stimmte nicht. Warum zeigte ausgerechnet er sich mir?

“Aang! Was ist los?” Meine Stimme zitterte, als ich mich auf die Füße kämpfte.

Das flaue Gefühl im Magen verstärkte sich. Es musste etwas sehr Wichtiges sein.

Vorsichtig machte ich einen Schritt auf mein Gegenüber zu.

Meine Knie gaben auf einmal nach, sodass ich den leichten Abhang hinunterstolperte.

Die Stange eines Mülleimers bewahrte mich vor einem Sturz. Keuchend klammerte ich mich am kühlen Metall fest.

Hä, Mülleimer?

Moment... Solche Installationen gab es in der naturbelassen spirituellen Welt gar nicht.

Das hier war nicht die Geisterwelt!

Als sich die Person leicht umdrehte, stolperte ich erschrocken zurück. Hart stieß mein Knie gegen die Sitzfläche der Bank. Doch ich nahm den Schmerz kaum wahr.

Zu verblüfft war ich vom Bild, das sich mir bot.

Wie Schlangen wanden sich blau schimmernde Linien die Arme hoch.

Den muskulösen, durchtrainierten Oberkörper zierten viel

mehr blaue Tätowierungen als bei meinem vergangenen Vorleben.

Aber was mich am meisten aus der Fassung brachte, war das leuchtende Symbol, welches sich über seinen kompletten Bauch zog.

Wie gebannt wanderten meine Augen den verschnörkelten Linien nach. Vertraut und zugleich fremd...

“Raava?!”

Mein ganzer Körper verspannte sich. Die rechte Hand ballte sich zur Faust.

“Was hast du mit dem Geist des Lichts gemacht?” fauchte ich wütend.

Der glatzköpfige Mann schwieg weiter. Zeigte mir den nackten Hinterkopf. Als sei ich es nicht wert, sein Gesicht zu sehen.

“Bist du taub oder was?”

Wütend starrte ich den Typen an.

Erst reißt er mich und meinen eng verbundenen Geist auseinander, zerstörte das Band zwischen dem mächtigen spirituellen Wesen und meiner zarten Seele und fesselte es stattdessen an seine eigene!

Dass er mich so ignorierte, machte mich rasend!

Tief atmete ich ein, sammelte Kraft. Das Gesicht wie ein knurrender Löwe verzerrt. Spürte die Wut in mir auflodern.

Fast von selbst schnellte meine geballte Faust nach vorne. Gewillt, diesem Typen feuriges Verderben entgegenzuschleudern.

Doch nichts geschah!

Keine Stichflamme schoss aus meiner Hand.

Nicht einmal die Luft flirrte vor Hitze.

Entgeistert starrte ich auf meine kalten Hände.

Gut, dann eben anders...

Mutter Erde wird ihren Zorn spüren lassen!

Schnell änderte ich die Position, stampfte kräftig mit dem rechten Fuß auf und hob die Arme. Der Boden blieb jedoch still.

Auch Wasser und Wind, meine einst am stärksten verbundenen Elemente, missachteten den Befehl.

Wie konnte das möglich sein?

Fassungslos stand ich da.

“Wie... Was hast du getan?”

“Du glaubst die stärkste Person dieses erbärmlich primitiven

Planeten zu sein?”

Der Donner, welchen die plötzlich ertönende fremde Stimme in mir auslöste, ließ mich vor Schreck erstarren.

Schnellen schrittes kam er näher. Viel zu schnell stand der riesige Mann vor mir.

Instinktiv wichen meine zitternden Beine weiter zurück.

Stolperte über den unebenen Rasen

Etwas Hartes stieß gegen meine Kniekehle und ehe ich mich versah fand mich auf der Parkbank wieder.

Panisch klammerten sich meine Finger in das poröse Holz der Lehne.

Eigentlich durfte ich keine Angst haben!

Die Hoffnung der Welt...

Doch ich hatte tierische Angst. Weil ihm etwas gelungen war, was eigentlich gar nicht möglich war.

Mit nacktem Entsetzen starrte ich ihn an. Unfähig mich zu bewegen.

Sein flirrendes Gesicht kam mir ganz nah. Förmlich spürte ich die pulsierende Energie. Sekündlich änderte sich das Gesicht des Mannes.

Was seine Augen über ihn verrieten, konnte ich aus diesem Grund nicht klar erkennen.

Ob es freundliche, warme Augen waren oder doch böse eiskalte.

Wobei mich mein Gefühl förmlich anschrie, dass eher Letzteres zutreffen würde.

“Doch ICH bin es!”

Die Stimme war nicht menschlich. Ich konnte nicht sagen, ob es am Nachhall lag oder an den hunderten Stimmen, die sich miteinander vermischten.

Seine Lautstärke war ruhig. Fast schon zu ruhig. Passte so gar nicht zu seiner Wortwahl.

Als wäre er sich hundert Prozent sicher.

Unantastbar!

Mächtig!

Ein Gott, der nichts und niemanden fürchten musste, der ihn aufhalten könnte.

“Ich möchte, dass du etwas für mich besorgst...”