Im Schatten des Mondes➙Revised

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Summary

Hallo Traumwanderer. Hallo Liebende. Hallo du. Dieses Buch ist kein gewöhnlicher Begleiter für die Nacht. Es ist Einladung und Schwelle zugleich für jene, die bereit sind, sich fallen zu lassen. Allein. Oder zu zweit. Wenn das Licht erlischt, beginnt etwas anderes zu sprechen. Geschichten, die sanft streicheln oder leise ritzen. Die von Lust erzählen, die sich nicht entschuldigt. Von Macht, die gegeben oder genommen wird. Und von Momenten, in denen du nicht mehr weißt, ob du noch liest oder längst gelesen wirst. Diese Erzählungen führen dich in Räume, in denen keine Sicherheiten wohnen. In Gärten mit Dornen. In Körper, die erinnern. In Augen, die dich festhalten. Manche sind süß wie ein Kuss im Dunkeln. Andere flüstern von Dingen, die du längst vergessen hast oder lieber vergessen würdest. Lies langsam. Lies mit Haut. Und wenn du sie schließt, frag dich nicht, ob sie real waren. Frag dich, was sie mit dir gemacht haben.

Status
Complete
Chapters
17
Rating
4.0 3 reviews
Age Rating
18+

Aset - Der Funke im Tempel der Götter

Im alten Ägypten, wenn die Sonne den Himmel wie geschmolzenes Gold überzog, zitterte die Luft über den Dünen. Jenseits der endlosen Wogen aus Sand ragte der Palast des Pharaos auf, hell wie ein Schrei aus Stein, verziert mit Hieroglyphen, die Geschichten von Ruhm und Macht flüsterten.

Aset kannte diese Mauern wie den Schlag ihres Herzens. Unter dem Licht der Fackeln schimmerte ihre Haut wie warmes Metall und der Geruch von Öl und Weihrauch lag schwer in der Luft. Einst hatte sie am grünen Ufer des Nils gelebt. Jetzt gehörte sie den Mächtigsten des Reiches, Männern, die keine Männer waren. Götter, verkleidet als Fleisch. Ra, Herr der Sonne. Osiris, blass wie der Tod. Horus, der Falkengott. Anubis, Wächter der Toten.

Und sie, Aset, war ihr Spiel. Vielleicht auch ihr Prüfstein.

Aset wusste, dass sie nicht nur eine Sklavin war. Irgendetwas an ihr, ein Funke, eine Kraft, hatte die Götter aufmerksam gemacht. Doch in ihren Augen war sie weniger Mensch als Versuchung. Ein Stück Fleisch in einem endlosen Ringen aus Macht, Verlangen und göttlicher Grausamkeit.

Die Nächte im Palast waren ein Geflecht aus Ritualen und Prüfungen, beschworen von Priestern, als könnten ihre Gesänge die Seele aus einem Körper schälen.

Aber Aset hatte gelernt, hinter den Stimmen die wahre Wahrheit zu hören. Das Pochen fremder Herzen. Das Brodeln ungezügelter Begierde. Sie begehrten sie auf eine Weise, die über das Menschliche hinausging. Berauschend. Erschreckend. Unausweichlich.

Die Nacht war schwer wie ein Siegel. Die Hitze des Tages steckte noch in den Steinen, kroch aus den Mauern wie ein unsichtbares Tier. Als der Befehl kam, wusste Aset sofort, dass etwas anders war.

Sie trat in den großen Saal und der Raum schien sich mit ihr zu füllen. Oder gegen sie.

Die Götter warteten bereits. Jede Gestalt gehüllt in schimmernde Gewänder, jede Bewegung zu langsam, zu bewusst, um menschlich zu wirken.

Ra thronte über allem auf purem Gold. Seine Augen glühten wie eine zweite Sonne. Sein Lächeln wirkte wie eine Klinge aus Licht.

Neben ihm Osiris, bleich wie ungebrochene Knochen. In seiner Nähe hing eine Grabkälte, die selbst die Flammen der Öllampen schwächer wirken ließ.

Horus stand reglos. Sein Kopf leicht geneigt wie ein Raubvogel, der den perfekten Augenblick abwartet. Seine Augen blinzelten kaum. Scharf. Unnachgiebig. Als würde er bereits jede Regung ihres Körpers kennen.

Und Anubis bewegte sich lautlos durch den Raum. Nicht gehend, eher gleitend. Sein Blick tastete sie ab wie ein Opfermesser.

Aset spürte das kalte Holz unter ihren Füßen, als man sie auf das Podest hob. Das Licht der Lampen glitt über ihre Haut und ließ sie erscheinen wie eine Statue aus Bronze.

Die Blicke der Götter lagen auf ihr. Heiß. Prüfend. Besitzergreifend.

Ra erhob sich langsam, als wolle er den Moment auskosten. Jeder Schritt hallte durch den Saal.

Dann stand er vor ihr.

Seine Finger glitten über ihre Schulter, warm und schwer. Langsam zeichneten sie eine unsichtbare Linie bis zu ihrer Brust. Dort verharrte seine Hand einen Herzschlag zu lange, beinahe zärtlich.

Dann packte er sie plötzlich härter.

Drohung und Besitz zugleich.

„Du bist unsere, Aset.“

Ras Stimme war kein Flüstern. Sie vibrierte durch den Raum wie ferner Donner.

„Du wirst uns dienen. Unsere Lust stillen. Unsere Macht nähren.“

Die Worte legten sich schwer auf ihre Haut, wie Öl, das man über Feuer gießt.

Aset spürte, wie sich etwas in ihr zusammenzog. Nicht nur Angst.

Etwas anderes.

Etwas Gefährliches.

Seide raschelte leise.

Die Gewänder fielen zu Boden. Schwer und kostbar wie abgestreifte Häute.

Asets Herz schlug hart gegen ihre Rippen.

Ra beugte sich zu ihr herab. Sein Atem strich warm über ihren Hals. Dann der Biss. Leicht. Fast spielerisch. Und doch fühlte es sich an wie ein Zeichen, das nie wieder verschwinden würde.

Ein Laut löste sich aus ihrer Kehle, kaum hörbar.

In der Stille des Saales klang er dennoch wie ein Geständnis.

Ihre Knie wurden weich. Trotzdem zwang sie sich, stehen zu bleiben.

Für einen einzigen Moment dachte sie an den Nil. An Sonnenlicht auf Wasser. An das Lachen ihrer Mutter.

Dann verschwanden die Erinnerungen wieder unter Händen.

Zu viele Hände.

Sicher. Ruhig. Fordernd.

Jede Berührung prüfte sie, als wäre ihr Körper ein kostbares Artefakt, geschaffen nur für die Hallen dieser Götter.

Horus bewegte sich langsam auf sie zu. Wie ein Jäger, der längst wusste, dass seine Beute nicht entkommen konnte.

Er kniete sich vor sie.

Mit beinahe erschreckender Ruhe hob er ihr Bein an. Seine Lippen berührten ihren Knöchel. Warm. Trocken. Prüfend.

Dann folgte seine Zunge langsam ihrer Wade hinauf.

Aset hielt den Atem an.

Hinter ihr trat Osiris näher. Seine Präsenz war wie kalter Nebel auf nackter Haut.

Seine Finger glitten über ihren Rücken. Eisig. Dennoch hinterließen sie eine Spur aus brennendem Frost.

„Du wirst lernen, unsere Wünsche zu lieben.“

Osiris sprach leise, doch seine Stimme fühlte sich an wie ein Grab, das sich langsam öffnet.

Aset spürte, wie ihre Knie nachgaben.

Nicht nur aus Angst.

Und genau das erschreckte sie am meisten.

Da stand plötzlich Anubis hinter ihr.

Lautlos.

Seine Hände legten sich schwer auf ihre Schultern. Etwas Hartes strich über ihre Haut, Nägel oder Krallen, sie konnte es nicht unterscheiden.

Einen Moment später zwang er sie nach vorne.

Der Steinboden war kalt unter ihren Handflächen. Er roch nach Sand, Metall und alten Opfern.

Dann durchschnitt ein scharfer Schlag die Luft.

Feuer schoss durch ihren Körper.

Und irgendwo darunter etwas anderes.

Etwas, das sie nicht benennen wollte.

Die Nacht verlor langsam ihre Form.

Berührungen verschwammen. Stimmen wurden zu Gesängen. Schatten bewegten sich über Gold und Stein wie lebendige Wesen.

Der Palast selbst schien zu atmen.

Schmerz kam in Wellen.

Verlangen ebenso.

Aset wusste irgendwann nicht mehr, wo das eine endete und das andere begann.

Doch tief unter allem blieb dieser kleine Funke bestehen.

Hartnäckig. Wach.

Vielleicht war sie nur ein Spielzeug der Götter.

Vielleicht ein Opfer.

Oder etwas viel Gefährlicheres.

Der Morgen kam lautlos.

Blasses Licht kroch durch die hohen Fenster und legte sich wie Staub auf den Boden.

Aset lag reglos auf dem kalten Stein. Ihr Körper fühlte sich schwer an, als hätte sie gegen das Meer gekämpft.

Schweiß glänzte auf ihrer Haut. Der Duft von Weihrauch, Lust und Blut hing noch immer in der Luft.

Sie atmete langsam.

Gleichmäßig.

Die Götter hatten sie genommen.

Aber sie war noch hier.

Ra stand über ihr. Das erste Licht des Morgens spiegelte sich in seinen Augen.

„Dies ist erst der Anfang, Aset.“

Seine Stimme klang weich. Fast zärtlich.

Doch unter ihr lauerte immer noch Stahl.

„Wir werden dich formen, bis du dich selbst nicht mehr erkennst.“

Aset hob langsam den Blick.

Ihre Augen waren klarer als zuvor.

Denn irgendwo zwischen Schmerz, Ekstase und Angst hatte sie etwas begriffen.

Ein Teil von ihr war in dieser Nacht gestorben.

Aber etwas anderes hatte begonnen aufzuwachen.

Denn sie war Aset.

Nicht nur ein Körper.Nicht nur eine Sklavin.

Sondern eine Seele, die selbst in den Hallen der Götter nicht unterging.