Mirika
Wir rannten und rannten. Einfach Weg vor allem. Dass die Polizisten noch hinter uns her waren, merkten wir schon lange nicht mehr.
„Komm! Schneller Stephanie!", rief ich meiner besten Freundin hinterher. „Mirika! Nicht so schnell!", rief sie zurück. Wir hörten wie die Lungen der Polizisten langsam zum Ende kamen. Doch wir konnten noch.
Ich sah von weitem einen Bach. Der kam mir sehr bekannt vor. Es war ein tiefer Bach mit einer schnellen Strömung. Jetzt wusste ich es! „Stephanie! Folge mir!" Der Gesichtsausdruck von Stephanie brachte mich fast zum Lachen. „Was hast du vor Mirika?!" Ich fing an zu lächeln. „Wenn ich sage spring...!" Vor dem Bach setzte ich zum Sprung ab. „... dann Spring!!!" Der freie Fall führte mich in die Tiefe des Bachs. Stephanie sprang mir hinterher, kniff sich aber die Augen fest zu. Ich hörte noch das Plätschern des Wassers, bis ich in die Tiefe verschwand.
Von der Strömung ließ ich mich treiben. Ich hatte Vertrauen zum Wasser gefasst, sodass ich kaum Luft verlor.
Ich spürte wie Stephanie hinter mir trieb. Sie hatte bestimmt große Angst aber eigentlich weiß sie, dass sie mir vertrauen kann. Der Zog führte mich immer tiefer doch langsam wurde der Boden steiler. Mit einem Ruck fielen wir einen Wasserfall herunter. Der Aufprall tat etwas weh, weil es ein flaches Gewässer war. Mein Po schmerzte aber sonst ging es mir gut. Stephanie schnappte nach Luft, ihr Oberkörper war über der Wasseroberfläche. Ich schnappte auch nach Luft doch mit mehr Adrenalin.
Durch den Schwung nach vorne, fielen meine Haare ins Gesicht. Meine dicken stufigen schwarzen Haare versperrten nun meine Sicht. Ich lachte laut während Stephanie ihre Haare zurecht ordnete. „Du bist doch verrückt Mirika! Dass hätte so schieflaufen können!" Genervt wriggte sie ihre Haare aus. „Ist es aber nicht!", antwortete ich ihr und machte dabei ein Auge frei. Ich spritzte sie mit Wasser ab. Sie versuchte zu lachen doch man konnte spüren, dass sie wirklich Angst hatte. Ich versuchte die Situation aufzulockern, sie solle sich nicht so anstellen! „Hast du gesehen, wie die gerannt sind?! Das war Mega lustig." Ich lachte mir einen ab. Stephanies genervtes Lächeln verwandelte sich in ein wahres Lächeln, sie fing an zu lachen. „Recht hast du ja, das war ziemlich witzig."
Wir stiegen im Wasser auf und schüttelten uns ein wenig. Stephanie wringet ihr weißes Oversized T-Shirt aus, ihre lange hellblaue Jeans hängte schon fast runter. Aber eines strahlte noch mehr. Ihre hellblonden, brustlangen Haare. Der Wind hatte keine Kraft sie zu bewegen, so nass wie sie waren. Die Haare waren trotz des Wassers so glatt und glänzend.
Ich liebte ihre schmalen hellblauen Augen, sie zeigten ihre Unschuld so sehr. Aber ich ziehe sie meistens immer in Probleme mit rein, doch bereuen tu ich davon kein Stück. Ich braute die Power, ich brauche einfach das Adrenalin um ich zu sein. Stephanie hat ja insgeheim auch Spaß daran, auch wenn wir oft mit der Polizei verwickelt waren.
Meine dicke Militärs Jacke war schon total schwer geworden durchs Wasser. Zum Glück hatte ich darunter nur meinen schwarzen BH an, somit zog mich nur die Jacke zu Boden. Meine dunkelblaue weite lange Jeans zog mich auch fast zu Boden. Wir stiefelten aus dem Wasser raus und machten uns über ein Feld auf den Weg zu unserem Wald. Die Sonne schien so angenehm warm, sodass unsre Kleidung leicht trocknete. Der Wald war ungefähr eine halbe Stunde entfernt. Ich genoss die Sonne, wie sie auf meine Haut schien. Dabei streckte ich meine Arme aus und tat so als ob ich fliegen würde. „Mirika der Hippie", scherzte Stephanie. „Schnauze!", scherzte ich zurück und lachten laut. Ich liebe die Natur einfach, es ist als wäre sie ein Teil von mir. So wild, Frei und vor allem ungezähmt. Das Gefühl, was ich jetzt hatte, dass hatte ich früher nie gehabt. Durch mein Träumen bemerkte ich gar nicht, dass wir schon fast da waren. „Kommst du jetzt endlich?!", rief Stephanie lächelt mir zu. Sie kannte das Verhalten schon von mir. Ich schüttelte mich einmal um wieder in die Realität zurück zu kehren.
Stephanie hielt die Türe auf. Unsere Holzhütte. Sie war verfallen und nicht Perfekt wie bei anderen Zuhause aber es ist unser persönlicher Rückzugsort. Ich ging durch die Tür. Das Haus begrüßte und schon mit einem knarren. Vin uns Simon (Seimon) bastelten an dem Stromkasten herum. Mit dem Ziel, endlich wieder Strom in die Bude zu bringen. Wir hörten die beiden im Hinterraum als wir uns aufs Sofa setzten. „ob sie wohl das mit dem Strom hinbekommen?", fragte Stephanie mich. Bevor ich überhaupt antworten konnte, hörten wir einen lauten Knall, der uns erschreckte. Aus dem Hinterraum kam Rauch heraus und die Jungs fingen an zu husten. Sie verließen den Raum, beide die Hand vor dem Mund. „Ich habe doch gesagt, das Kabel nicht!", schrie Simon zu Vin. „Und ich habe gesagt, ich kenne mich damit nicht aus!", schrie Vin zu Simon zurück. „Ja hat man gesehen!" Simon schüttelte seine kurzen Locken umher. Mit seinem Hemd und drüber ein Schulpullover sah er fast zu brav aus. Seine hellbraune Schlabber Hose war seltsamerweise gar nicht dreckig geworden. Vins Frisur saß trotz des Knalls noch perfekt, seine dunkelbraunen Haare hingen über seinem Gesicht aber die Haare verdeckten nicht seine Augen. Obwohl er auch siebzehn ist, ist er sehr muskulös, sein graues Tanktop umrandete seine Arme. Ich spürte wie warm mir wurde, als ich Vin in diesem Zustand sah. Ich hielt meine Hand vor meine Wange um mein errötetes Gesicht zu verstecken. Stephanie grinste mich an. „Sieht so aus, dass ihr es nicht hinbekommen habt" Vin und Simon schauten zu ihr. „Ich hatte es ja fast aber ER!", schrie Vin zu Simon. Simon und Stephanie fingen an zu lachen. Ich kicherte auch leicht nur bekam ich meine Augen von Vin nicht los.
„Brennt es jetzt?", fragte Stephanie Vin. Vin sah zurück. „Nein alles gut" Er fand es ein wenig lustig, nur war er sehr genervt, dass es nicht funktioniert hatte. Er nahm ein Werkzeug, welches auf dem Boden lag. „Ich gehe wieder rein", sagte er und geht wieder in den Hinterraum. „Ich komme mit!", antwortetet Simon Vin. „Damit du es wieder verbocken kannst?!", fragte Vin Simon. Beide lachten.
Stephanie kicherte und sah zu mir, ich hatte mich ins Sofa gekauert. „Oh Gott, du bist immer noch so sehr in Vin verliebt.", sprach sie mit einer Unschuldsstimme, wie sie im Buche steht. „Ein bisschen!" Das war gelogen. „Ein bisschen viel, oder?" Sie lächelte mich an. „Wo ist bloß deine Schüchternheit hin, wenn ich sie mal brauche?!" Ich schmiss sie mit einem Kissen ab. Ein paarmal knallte es noch, bis endlich der Strom lief. Die Jungs verließen den Raum. Vin schaltete das Licht an fast stolz posierte er aber Simon schüttelte nur den Kopf.
Die Tür ging auf. Ein Mädchen mit einem kinnlangen schwarzen Bob kam herein. Sie trug eine herunterhängende schwarze Mütze, die fast so lang war, wie ihre Haare. Ich verstand nie ihren Kleidungsstil. Ihre Weste verdeckte halb ihr viel zu großes Top, wo die Träger schon von der Schulter hingen. Ihr alter BH, konnte man auch durch seine ebenfalls herunterhängenden träger erblicken. Ihre Schlabber Hose war ebenfalls zu groß. Meiner Meinung nach viel zu große Sachen für ein 1,60Meter großes Mädchen.
Sie knallte die Türe zu worauf sie anschauten. „Hey Saphy!", sagte Vin zu ihr. Sie antwortete nur ein kurzes: „Hey!" Ihr Skateboard stellte sie neben das Sofa und setzte sich schräg auf den Sessel, wo sie ein Buch vom Boden nahm und es las. Ich mag Saphy nicht. Sie ist immer so emotionslos uns still und wenn sie mal was sagt, dann meint sie es meist Sarkastisch und desinteressiert.
Nun saßen wir alle in unserem Haus. Vin, Saphy, Simon, Stephanie und ich. Wir waren von zuhause weggelaufen, jeder mit seiner eigenen Geschichte. Weg von dem Gesellschaftssystem, was uns alle in ein Hamsterrad stecken wollte. Zumindest war es bei mir so, wie es bei den anderen war, weiß ich gar nicht. Wir waren zwar wie eine Familie aber keiner wusste welche Vergangenheit er hatte. Keiner fragte und vielleicht war es auch besser so. Keiner hatte noch Kontakt zu seinen Eltern, soweit ich weiß. Ich will auch niemals wieder Kontakt zu meiner Mutter haben wollen. Ihr war nur wichtig, dass ich eine Ausbildung machte und gut in die Gesellschaft passe – Arbeiten gehen bis man stirbt. Dieses Leben wollte ich nicht für mich. Ich wollte frei sein aber wie es mir damit ging war ihr Egal. Ich habe sehr gelitten, habe auch angefangen mich selbst zu verletzen. Selbst das war ihr egal oder hat es ignoriert. Sie meinte immer, wenn du es für nötig hälst. Seitdem ich jetzt ein Jahr hier bin mit den anderen geht es mir tausendmal besser. Ich fühle, dass ich endlich ICH bin. Meine Narben sind noch zu sehen aber das ist okay. Keine Ahnung ob sie mich sucht, ist mir aber auch egal. Mit meinem Vater hatte ich auch nie Kontakt, er verließ meine Mutter sehr früh und wollte ein neues Leben anfangen. Kann ich ihm nicht verübeln.
„Heute gibt es leider nur Kuchen!", sprach Vin zu allen und packte einen Schokokuchen auf den Tisch. „Schokokuchen zum Abendbrot, was will man mehr?", antwortete Simon darauf.
Saphy verzog das Gesicht, als sie den Kuchen auf dem Tisch liegen sah: „Gesunde Ernährung sieht anders aus." Ich bekam eine genervte Stimmung: „Wir gehen morgen Nachschub holen!" Ich biss ein Stück vom Kuchen ab und genoss ihn. Daraufhin nahmen die anderen auch ein Stück. Es wurde langsam dunkel und die Sterne wachten aus ihrem Tiefschlaf auf. Sie leuchteten abends so schön über unserer Hütte. Wie in einer Lichtshow! Abends saß ich meistens noch draußen vor der Hütte und beobachtete den der Teich der sich vor der Hütte befindet. Die Kröte quaken und die Grillen zirpen. So muss der Tag ausklingen. Ich hatte etwas Magenschmerzen von dem Kuchen aber ignorierte es, weil ich ja sonst zugeben müsste das Saphy Recht hatte.
Stephanie kam heraus und setzte sich neben mich. „Wunderschön ... ...nicht wahr?", sagte sie zu mir während sie nach oben in die Sterne sah. Ich lächelte: „Das Schönste, was es gibt." Stephanie sah mich an. „Mirika? Sag mal denkst du manchmal an deine Mutter?" Ich erschrak: „Niemals! Du?" Stephanie sah wieder auf den Teich: „Nun ja. Ich denke schon manchmal an meine Familie." Ich wurde daraufhin skeptisch, da ich angst hatte sie zu verlieren. „Möchtest du etwa zurück?" Stephanie erschrak kurz. „Nein nein Maus aber ich denke schon daran was wäre, wenn ich zurück gehen würde?" Ich lehnte mich etwas zurück schon wissend, dass es eh unrealistisch sein wird. „Denk einfach daran, wie sie dich behandelt haben." Stephanie sah traurig nach unten: „Ja, du hast Recht..." Wir beide saßen noch etwas draußen bis wir reingingen und uns Schlafen legten.
Am nächsten morgen machten wir uns auf den Weg in die Stadt. Es war etwas viel los aber wir hielten als Gruppe zusammen. Wir suchten ein paar Kiosks ab, die keine Alarmanlage hatten, um uns Proviant zu besorgen. Jeder von uns ging einzeln rein um kein Aufsehen zu erregen. Ich wäre fast erwischt worden, konnte mich aber schnell rausreden. Ich muss wirklich vorsichtiger werden. Je öfter du es machst, desto unvorsichtiger wirst du.
Unsere Tüten waren schon zur hälfte gefüllt. Wir liefen fast stolz den Weg entlang bis Stephanie mich plötzlich festhielt- „Mirika. Schau mal..." Sie zeigte auf Fernsehmonitore, die zum Verkauf in einem Schaufester waren, da liefen die Nachrichten. „Und nun zu den aktuellen Nachrichten, die berühmte Fotografin Megan Geisel ist gestern Nacht verstorben. Es wurde berichtet, dass es ein Herzinfarkt war! Nun liegt das reiche Erbe von Frau Geisel frei, da sich niemand meldet! Wer würde das erbe bekommen? Das alles sehen Sie morgen in den 18Uhr Nachrichten. Und jetzt zum Wetter...!" Stille kehrte ein. „Mirika! Ist das nicht deine Mama?", fragte Stephanie mich. Ich sah immer noch zum TV obwohl ich ihn gefühlt nicht mehr hören konnte. „Ja... und?", antwortete ich trocken. „Geht dir das nicht nah?", erkundigte Stephanie sich. „Nö... Warum sollte es?" Ich sah sie an, spüren tue ich nichts. „Tu mir bitte nur den Gefallen und sag den anderen nichts. Ich will nicht, dass sie mich anders behandeln, nur weil ich aus einer reichen Familie komme." Stephanie sah mich besorgt an. „Und das Erbe? Du könntest..." Ich unterbrach sie: „Ich will das scheiß Erbe nicht. Ich will mit der Familie nie wieder was zu tun haben!" Stephanie wurde still und mir tat es sofort leid, dass ich sie angeschrien hatte.
„Hey, ihr zwei. Alles gut bei euch?" Simon kam zu uns. „Jaja, alles gut!" Ich tat meine Hände in die Jackentaschen und lief an den anderen vorbei. Stephanie hielt ihren Arm fest, ich glaube sie fühlte sich schlecht.
Wir liefen noch ein paar Kiosks ab und kamen zum Schluss zu dem letzten. „Lasst mich den letzten machen!", sprach Vin stolz. Alle schüttelten den Kopf außer ich. „Gut versuch dein Glück!", antwortete Saphy. Vin stiefelte in den Laden während ich ihm dabei hinterher sah. Ich bemerkte wie jemand mir auf die Schulter tippte. Es war Stephanie. Ich zuckte zusammen und sah sie an. „Hey, wegen vorhin, tut mir leid. Ich finde nur das du das Erbe verdient hättest, nach all dem was deine Mama dir angetan hat." Ich zuckte mit den Schultern. „Mir tut es auch leid, ich hätte nicht so reagieren dürfen, natürlich wäre es schön soviel Geld zu haben aber ich brauche es nicht! Ich habe doch euch!" Ich lächelte als ich dies sagte. Stephanie lächelte zurück: „Du weißt, dass du alles für mich bist." Ich nahm sie in den Arm: „Du bist auch alles für mich." Plötzlich wurden wir unterbrochen: „Fuck! Lauf! Lauf! Lauf!" Vin kam aus dem Kiosk herausgerannt, er war erwischt worden. „Bleib hier du Bengel!", der Verkäufer kam auf uns zu. Wir fingen an zu lachen und liefen mit Vin weg. So schnell waren wir schon lange nicht mehr. Ich fühlte mich dabei so frei, als wir liefen. Wir rannten durch die halbe Stadt bis der Verkäufer endlich nachließ. Fast völlig aus der Puste blieben wir stehen. „Ich dachte du hättest alles im Griff!", sprach Simon zu Vin. Vin hechelte und sah zu Simon: „Ja! Aber wenn der auf einmal guckt?!"Bis auf die beiden lachten wir alle (außer natürlich Saphy, sie war wie immer genervt).
Wir trugen die Taschen voll mit Essen zu unserer Hütte, endlich dort angekommen ließen wir uns aufs Sofa fallen. Saphy auf den Sessel. „Junge, was für ein Tag!", sprach Simon. „Mir tun die Füße weh.", sagte ich. „Aber es hat sich gelohnt.", sprach Vin stolz und schüttelte die Taschen auf den Tisch aus. Simon sah zu Vin. „Super Vin! Also räumst du die Sachen in den Schrank!" Vin sah verdutzt auf die Sachen. Stephanie und ich kicherten. Saphy aß einen Apfel und lass wieder ihr Buch. Bis zum späten Nachmittag war Vin beschäftigt die Sachen einzuräumen. Ich glaube ich habe ihn die ganze Zeit beobachtet. Im Augenwinkel sah ich wie Stephanie etwas in ein Buch schrieb. „Was machst du da?", fragte ich sie. Sie zuckte kurz zusammen. „Nichts, nichts." Ich wurde stutzig: „Schreibst du eine Geschichte?" Stephanie lächelte. „So ähnlich." Ich drehte mich zu ihr. „Zeig her! Zeig her!" Stephanie hob das Buch so hoch, sodass ich nicht dran kam. „Nein!", ihre Stimme wurde ernster. Es nervte mich, wenn sie ernst wurde. Denn dann konnte man nie Spaß mit ihr machen. Ich versteckte mich ins Sofa so weit ich konnte. Hoffentlich hatte es Vin nicht mitbekommen. Als Vin neu zu uns kam, hielt er sich Anfangs sehr verdeckt. Sein gutes Aussehen ist mir davor schon aufgefallen. Damals bekam ich schon ein warmes Gefühl in der Brust. Nach der Zeit vertraute er uns endlich und ich verliebte mich in ihn. Man sagt es geht irgendwann vorbei, diese Verliebtheitsphase aber das geht schon ein Jahr so. Ich liebe ihn wirklich Doll aber er weiß es nicht. Aber irgendwann sage ich es ihm.
Vin setzte sich erschöpft zu uns. Er hatte wieder sein T-Shirt mit der Weste drüber an. Obwohl ich ihn mit Tanktop noch mehr mochte. „Puh, den Scheiß mach ich nicht nochmal!" Vin machte sich auf dem Sofa breit. Unsere Beine berührten sich. Simon sah genervt zu Vin. „Ja! Dann schüttel den Scheiß nicht aus!" Die beiden neckten sich immer aber böse meinen sie es nicht. „Simon lass das!", ich versuchte Vin zu verteidigen. Alle schauten mich an, schon wurde ich rot. Was habe ich mir nur dabei gedacht. Stephanie grinste mich an, schön das die ernste Stephanie wieder fort war. Ich tat meine Hand vor meine Wangen. Saphy mischte sich ein: „Einfach beide die Fresse halten! Klar?" Schon lachten alle wieder. „So! Was gibt es heute schönes?", fragte Simon uns. „Dosen Ravioli!", antwortete Vin nicht sehr begeistert. Ich stand auf. „Gehen wir spazieren?!" Vin und die anderen waren dabei. Saphy kam auch mit. Wie Rehe, liefen wir durch den Wald. Wenn wir ein Jagdhaus sahen, zerstörten wir es und lachten laut dabei. Jaja wir waren schon richtige Rebellen. In unseren Wald kam niemand rein! Es ist unser Zuhause!
Wir blieben bis in die Nacht, die Sterne wachten auf. Wir entschieden uns, uns auf die Wiese zu legen. Zwischendurch kam eine Sternschnuppe hervor. Stephanie tippte mich an. „Mirika, wünsch dir was!" Ich sah zufrieden in den Himmel. „Warum sollte ich mir was wünschen? Ich habe doch alles..." Ich sah fragend zu ihr: „Und du?" Sie grinste. „Sag ich nicht!" Ich kitzelte sie. „Sag es!" Sie lachte: „Nein! Sonst geht es nicht in Erfüllung!" Simon sah zu Vin. „Vin, was ist mit dir?" Vin schloss die Augen. „Ich schließe mich Stephanie an." Simon sah zu Saphy. „nd was hast du dir gewünscht Saphy?" Saphy sah emotionslos nach oben: „Nichts..." Immer eine Freude sich mit Saphy zu unterhalten. Wir lagen noch eine Weile dort, bis wir aufstanden und nach Hause gingen. Es war wirklich ein schöner Tag.
Am nächsten Morgen schob sich die Sonne durchs Fenster und kitzelte mich wach. Ich streckte mich sodass meine Arme kurz knackten. Es war schön so geweckt zu werden. Ich drehte mich zur Seite. „Morgen Stepha..." Stephanie lag nicht in ihrem Bett. 'Komisch', dachte ich mir und stand auf. Ich steckte mich noch einmal, stand auf und zog mich an. Im Untergeschoss waren Vin und Simon schon wach. „Morgen", sagte ich. „Morgen", kam es von den beiden zurück. „Sagt mal... habt Stephanie gesehen?" Sie schüttelten den Kopf. „Okay... vielleicht ist sie unterwegs.", antwortete ich. „Und Saphy?" „Schon weg zum Skater Park", antwortete Simon. Na wenigstens eine gute Nachricht schon mal. Dies beruhigte mich ei wenig und ließ den Druck in meiner Brust etwas weniger werden. Aber wo könnte Stephanie sein? Normalerweise ging sie immer mit mir raus. Mein Herzklopfen wurde etwas stärker aber ich versuchte mich zu beruhigen. Jetzt aß ich erstmal was, ich soll mir nicht immer so viele Gedanken machen. Das sagte sie auch immer zu mir. Ich holte ein Weißbrot aus dem Schrank und aß es pur. Die Ernährung von uns lässt echt zu wünschen übrig. Aber ich brauchte etwas im Magen. Nach dem Essen ging ich raus und genoss den Wind zwischen den Fingern.
Ich breitet wieder die Arme aus, als würde ich fliegen. Meine Augen waren dabei zu. Auf einmal schlug mein Herz schneller und ich sah in der dunklen Sicht meine Mutter. Ich riss die Augen auf und mein Atem wurde schneller. Meine Beine führten mich zu Boden und ich versuchte mich zu beruhigen. Scheiß Panikattacken. Ich hatte früher schon Panikattacken aber seitdem ich von Zuhause weg war, waren sie kaum noch von Existenz. Wieso sah ich gerade meine Mutter? Ich haste sie, von ganzem Herzen. Alles was sie mir angetan hatte war schmerzhaft. Ich schüttelte mich etwas, um den Druck loszuwerden und ich richtetet mich wieder auf. In der Hoffnung mich vor der in mir aufkeimenden Dunkelheit zu schützen, schlag ich meine Arme um den Körper. Diese Angst vor dem 'Alleinsein' macht mich fertig! Woher sie kommt, weiß ich nicht. Ein kleines Gefühl von dem Druck war immer noch da aber schon etwas weniger.
Ich sah in die Wälder, sie beruhigten mich eigentlich immer. Der Wind streichelte sanft über die Kronen der Bäume. Die Blätter raschelten im Takt. Wie der Wind atmete ich aus und traute mich wieder die Augen zu schließen.
Diesmal sah ich nur Dunkelheit, endlich. Ich entschied mich in den Wald zu gehen, vielleicht traf ich Stephanie dort. Ich lief über die Brücke des Teiches, die in die Wälder führte. Die Sonne schien durch die Kronen der Bäume, während die Vögel zwitscherten. Der Wald glitzerte in seiner ganzen Pracht. Es war schön entspannend. Eine Weile lief ich durch den Wald, ich lief ungefähr eine Stunde. Bis ich bei dem Bach ankam, wo Stephanie und ich gelandet waren. „Das war lustig!", erinnerte ich mich. Ich setzte mich auf den Boden, um mich auszuruhen und hörte dem Plätschern zu. Stephanie liebte die Natur so sehr, genauso wie ich. Normalerweise machen wir morgens gemeinsame Spaziergänge. Währenddessen redeten wir über Gott und die Welt. Wir redeten auch gerne darüber, wie wir uns kennengelernt hatten. Ich sah ein weinendes Mädchen am Gehweg sitzen und wir brauchten keine Worte, um zu verstehen was los war. Ich nahm sie mit und wir wurden unzertrennlich, wie getrennte Schwestern die sich gefunden hatten.
Ein Vogelgezwitscher brachte mich zurück in die Realität. Die Sonne schien mir ins Gesicht, ich blinzelte und wischte mir im Gesicht herum. Meine Beine waren leicht eingeschlafen. Ein Fisch schwamm schnell weg als ich aufstand. „Mensch! Ich bin doch erst siebzehn! Warum tun meine Beine so weh?" 'Ernährung...?', schoss mir der Gedanke durch den Kopf. 'Fresse...', dachte ich mir. Aber vielleicht sollte ich wirklich etwas richtiges essen, dann kommen auch meine Kräfte wieder.
Ich lief in die Stadt, dabei hielt ich die Augen offen, in der Hoffnung Stephanie zu sehen. Ich sah beim Dönerladen vorbei, um die Tische zu begutachten ob jemand nicht aufgegessen hat. Heute war ein Glückstag ein halber Döner und ein halber Gyrosteller! Der Geschmack war unbeschreiblich, naja bis ich erwischt wurde. Wenigstens konnte ich noch aufessen. Ich rannte weg und lachte laut, doch die Freude hielt nicht lange an. Mit Stephanie hätte es Spaß gemacht. Ich beschloss sie zu suchen und lief durch die Stadt. Es war eine Kleinstadt also nicht besonders groß. Doch ich fand sie nicht. Der Tag war schon fast um, vielleicht wollte sie einfach mal was alleine unternehmen. Ich lief nach Hause, dass dunkle im Wald machte mir keine Angst. Ist ja nichts anders als am Tag unterwegs zu sein.
Die Holztür knarrte etwas als ich reinkam. Ich richtete meinen Blick auf und sah Simon. Ein kleines lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus. „Na, wart ihr den ganzen Tag etwa hier?" Simon sah zu mir. „Nee! Wir waren unterwegs um ein paar Sachen zu besorgen." Er sah hinter mich. „Heute ohne Stephanie unterwegs?" Ich erschrak leicht. „Ist sie nicht hier?!" Simon schüttelte den Kopf. Ich kriegte Angst. „Wir müssen Sie suchen!" Vin kam hinzu. „War sie den ganzen Tag schon weg?" Ich wurde etwas lauter: „Ja!" Vin kam auf mich zu und streichelte mir über die Schulter. „Keine Sorge, wir finden sie." Seine warme Hand beruhigte mich etwas. Simon kam auch auf mich zu. „Sie ist bestimmt nur unterwegs." Wir packten ein paar Sachen zusammen und verließen das Haus.
Als wir in der Stadt ankamen, war bereits Nacht. In der Dunkelheit riefen wir ihren Namen. „Stephanie?!" Die Laternen waren angegangen und immer noch keine Spur von ihr. Eine Träne kullerte von meiner Wange. „Mirika ... wir müssen jetzt gehen...", sprach Simon zu mir, dich ich stieß ihn weg. „Nein! Wir haben sie noch nicht gefunden!!!" Vin kam auf mich zu. „Vielleicht ist sie schon Zuhause." Stimmt, dass könnte sein. Wir entschieden nachhause zu gehen und tatsächlich es saß jemand im Wohnzimmer. „Stephanie?", rief ich erleichtert und erfreut. „Hä?" Ein Mädchen mit kurzen Haaren sah zu mir. „Ach so... Saphy..." Niedergeschlagen hatte ich mich aufs Sofa gesetzt. „Ich freue mich auch dich zu sehen!", sprach Saphy sarkastisch. Vin ging auf Saphy zu. „Saphy, hast du Stephanie gesehen?" Saphy sah gereizt zu Vin, offensichtlich wollte sie ihr Buch in Ruhe lesen. „Nö", antwortete sie und lass ihr Buch weiter. Vin sah zu mir und zuckte mit den Schultern. 'Blöde Saphy, ihr ist es eh egal', dachte ich mir. Ich ließ mich ins Sofa gleiten und zitterte leicht. Simon und Vin wussten nicht mehr weiter. Sie wollten mich aufmuntern, nur wie? „Wir suchen morgen weiter. Okay?" Vin hatte sich zu mir gesetzt, doch die Wärme die er ausstrahlte und mich eigentlich immer glücklich macht, bekam ich nicht mit. Mein Kopf fing schon an zu drücken vor Sorge. Simon kam zu uns. „Vielleicht ist sie morgen wieder da!" Ich nickte nur. „Versuch etwas zu schlafen!", sagte Vin zu mir. Als wäre es ein Befehl von ihm, drehte ich mein Körper wie von Geisterhand ins Sofa und ich schloss die Augen.
Im Traum suchte ich Stephanie. Ich lief durch einen dunklen Wald und rief ihren Namen. Das Echo von mir bohrte ich in die Ferne. „Mirikaaa?" Eine blonde Strähne berührte mein Gesicht. „Stephanie?" Ich blickte nach links, wo die Strähne herkam, doch sie verschwand im Gestrüpp. „Mirikaaa", flüsterte es wieder leise und ich fing an hinterher zu laufen. „Stephanie, so warte doch!" Ich versuchte zu rennen doch, wie es in Träumen so ist, kam ich kam kaum voran. Ich versuchte es mit Schwimmbewegungen, das half etwas, ich streckte meine Hand nach ihr aus. Als ich endlich zupacken konnte, rief ich ihren Namen. „Stephanie, endlich hab ich dich!" Ich erwachte.
„Stephanie?" ... ... Ich sah mich um, um zu realisieren was echt war. Als ich realisierte, dass ich im Wohnzimmer war, sprang ich vom Sofa auf und rannte nach oben ins Schlafzimmer. „Stephanie?!" Ich hatte die Tür zum Schlafzimmer aufgerissen, alle anderen wachten erschrocken auf. „Sag mal spinnst du?!", fragte Saphy genervt. Ich ließ die Türklinke los. „Ist Stephanie nicht hier?" Vin rieb sich vor Müdigkeit die Augen „Nein, Stephanie ist nicht hier..." Meine Stimme fing an zu stottern. „Wo könnte sie nur sein?" Vin klang genervt, wahrscheinlich, weil er noch sehr müde war. „Wir machen uns fertig und gehen in die Stadt und suchen sie." „Wir alle?", fragte Saphy genervt. „Ja alle", antwortete Vin. Ich war sehr enttäuscht auf die Reaktion der anderen. Am liebst hätte ich gerufen 'Ihr könnt mich alle!' und wäre gegangen aber ich brauchte sie, wenn wir Stephanie wiederfinden wollen. Sie brauchten etwas Zeit um sich fertig zu machen, dass brachte meine Füße zum tippeln. Ich könnte echt kotzen, ich war die Einzige die sich wirklich sorgen machte. Als sie endlich fertig waren, rannte ich als erste raus, die anderen waren nicht so schnell. „Mann Leute kommt schon." Die anderen liefen mir hinterher. Wir waren endlich in der Stadt und wieder riefen wir ihren Namen. Dabei war uns egal, dass uns alle angesehen hatten. 'Wo bist du nur meine kleine?', dachte ich mir. Eine halbe Stunde suchten wir sie ohne Erfolg. Wir kamen an dem Landen mit den Fernseher an. „Also langsam gehen mir die Ideen aus, wo Stephanie sein könnte", sagte Vin verzweifelt. Ich hörte schon nicht mehr zu als sie sich berieten, wo sie als nächstes schauen sollen. Mein Blick wanderte zum Fernseher und ich schaute die Nachrichten. Mein Körper wurde steif, meine Schweißdrüsen verstopften sich und ich bekam keine Luft mehr in meine Lungen.
„Und nun zu den Nachrichten, gestern um 18Uhr wurde eine weibliche Leiche gefunden, erstochen mit siebzehn Messerstichen. Laut den ersten Untersuchungen hat sie noch eine Zeit gelebt. Ein schrecklicher Vorfall. Laut Angaben handelt es sich um die 17jährige Stephanie Siel, die seit einem Jahr verschwunden ist."