Halbblutmagie

All Rights Reserved ©

Summary

Ivy ist anders. Halb Vampir, halb Hexe. Ihre Kräfte muss sie geheimhalten, um zu überleben. Nach einer traumatischen Vergangenheit wird sie auf ein Eliteinternat geschickt, wo nichts so ist, wie es scheint. Zwischen mysteriösen Lehrern, neugierigen Mitschülern und dunklen Geheimnissen muss Ivy lernen, wem sie vertrauen kann und welche Macht wirklich in ihr schlummert. Das ist meine erste Geschichte die ich veröffentliche. ^^ Ich würde mich also riesig über feedback freuen :)

Status
Ongoing
Chapters
20
Rating
4.5 2 reviews
Age Rating
13+

Kapitel 1- Rennen

Ivy

Ich renne. Immer weiter. Meine Beine trugen mich durch das Unterholz, über Wurzeln und durch matschige Pfützen, und doch spürte ich kaum die Kälte. Die Nacht ist schwer, schwarz, und ich war alleine oder zumindest fühlte ich mich so. Ich hörte nur meinen eigenen Herzschlag in den Ohren, wie ein Trommeln, das mich antreibt. Ich muss weg. Weg von ihnen. Ich frage mich, warum ich nicht schon früher gegangen bin. Warum ich gehofft hatte, dass sie anders sein könnten. Meine Pflegeeltern… Sie waren kein Zuhause. Niemals. Nur Türen, die knarrten, Worte, die wie Messer schnitten, Blicke, die mich klein machten, als könnte ich jeden Moment verschwinden, und niemand würde es merken. Ich erinnere mich an ihre Stimmen, leise, höhnisch, voller Vorwürfe. „Du bist nutzlos.“ Ich spürte die Worte noch, wie eine unsichtbare Fesseln, die meine Brust zusammendrückte. Ich hatte versucht, sie zu ignorieren, hatte mich in meinem Zimmer eingeschlossen, die Ohren zugehalten, die Augen geschlossen, aber es half nichts. Sie hatten mich gefunden. Immer. Aber Nun rannte ich. Und diesmal finden sie mich nicht. Ich spüre es. Mein Körper ist erschöpft, die Beine schwer, die Lungen brannte, doch es gab kein Zurück. Nicht jetzt. Nicht hier. Nicht nach allem. Ich musste weiter, egal wohin, egal wie weit.

Die Dunkelheit des Waldes verschluckt mich. Die Bäume standen wie stumme Wächter, ihre Äste griffen nach mir, doch ich sah nur den Weg vor mir, die Lichtung, die sich im Mondlicht wie ein Silberstreifen abzeichnete. Ich stolperte über eine Wurzel, fiel fast und fing mich gerade noch. Ein Schrei kamm mir in den Hals, aber ich verschluckte ihn. Niemand durfte wissen, wie zerbrechlich ich mich fühlte. Nicht in dieser Nacht. Ich denke an sie. Nicht, dass sie mir hinterher kamen, nein, sie werden es nicht. Ich glaube nicht, dass sie überhaupt bemerkt haben, dass ich weg war. Vielleicht ist das das Schlimmste. Dass sie mich nicht einmal suchten. Dass es ihnen egal war. Und gleichzeitig macht es, es leichter, denn ich rannte nicht nur vor ihnen weg. Ich rannte vor allem davon, was sie mir angetan hatten. Vor der Angst, vor der Einsamkeit, die sie mir beigebracht hatten. Ich spürte Tränen, die sich in meinen Augen sammelten. Ich wische sie hastig weg. Wer würde schon verstehen, was ich fühlte? Wer würde sehen, dass ich zitterte, obwohl ich es versuchte zu verbergen? Ich sprach die Worte nicht aus. Sie gingen mir wie in Dauerschleife durch den Kopf. Es muss irgendwo anders sein. Irgendwo, wo ich sicher bin.

Meine Lungen schrien nach Luft, während meine Beine mir beinahe unter den Füßen wegzubrechen drohten. Jeder Ast, jeder Strauch, jeder Stein fühlt sich an, als wolle er mich aufhalten, mich stolpern lassen - und dann passiert es. Ein unerwartetes Knacken, ein Geräusch so nah, dass es sich anfühlte, als würde es durch Mark und Knochen gehen. Mein Herz raste noch schneller. Ich erschrack und ein stechendes Ziehen fuhr durch meinen Bauch, und ehe ich reagieren kann, stolpere ich. Meine Füße verhakten sich in Wurzeln, ich fiel nach vorn, und die kalte, feuchte Erde schlug mir entgegen. Schlamm und Blätter kleben an meinen Händen, meine Kleidung war zerrissen und ein dumpfes Pochen hallte in meinem Kopf wider. Mein Atem schoß wie ein Feuer durch meinen Körper und für einen Moment lag ich einfach da, die Stirn am Boden, die Hände schmutzig, die Gedanken wirr wie ein Sturm. Mein Kopf raste. Verdammt, verdammt, verdammt! Das darf nicht passieren! Nicht jetzt! Nicht hier! Mein Herz hämmerte in meiner Brust wie ein Trommelfeuer. Adrenalin pumptd unaufhörlich, jede Faser meines Körpers brannte. Ich spürte die Panik, aber sie war gleichzeitig wie ein scharfer Kristall, klar, fokussiert, unmöglich zu ignorieren.

Dann hörte ich Schritte. Langsam, vorsichtig. Ich hob den Kopf einen winzigen Spalt, gerade genug, um das Lichtkegel zu erkennen, der durch die Dunkelheit schnitt. Mein Herz schlug so laut, dass ich von außen fast nichts mitbekommen. Mein Kopf überlegte fieberhaft. Laufen? Verstecken? Oder einfach stillhalten? Die Schritte kamen näher, ein dumpfes Knirschen auf dem Waldboden. Ich spürte, wie die Muskeln in meinen Beinen sich anspannten, bereit, erneut zu rennen, aber mein Körper ist noch immer von dem Sturz gelähmt. Ich wollte nicht, dass es mich sieht – nicht so. Nicht schwach. Nicht wie ein Kind, das keinen Ausweg kannte. Obwohl ich das in wirklichkeit eigentlich war. „Hey… alles okay?“ Eine Stimme. Ruhig, aber durchdringend. Ich biss die Zähne zusammen. Worte kamen nicht über meine Lippen. Ich konnte nicht sprechen. Stattdessen hallte es in meinem Kopf immer wieder dieselben Warnungen, wie ein Mantra. Keine Wort. Nicht reden. Zeig keine Angst. Bleib ruhig. Überleben.

Der Lichtkegel tanzte über mein Gesicht. Ich sah ihn jetzt genau. Einen Mann in Uniform, eine Taschenlampe in seiner Hand. Seine Augen weiteten sich ein wenig, als hätte er mich gerade erst bemerkt, und mein Magen drehte sich um. Ich war ihm ausgeliefert, und doch konnte ich mich nicht bewegen. Mein Verstand arbeitete auf Hochtouren. Gedanken schoßen wie Blitze.Was, wenn er mich zurückschickt? Sie dürfen nicht wissen, was ich kann. Sie dürfen nicht wissen, wie ich wirklich bin. Ich spürte den Schweiß auf meiner Stirn, den Schlamm unter meinen Fingernägeln, die Kälte in meinen zitternden Beinen. Er machte einen Schritt auf mich zu, langsam, vorsichtig, als wollte er mich nicht noch mehr erschrecken. „Alles in Ordnung?“ Wiederholte er seine Frage, seine Stimme war sanft, fast schon beruhigend. Ich wusste nicht, ob ich ihm trauen konnte. Ich wollte nicht antworten. Also sagte ich nichts. Ich sah ihn nur an, und in meinem Kopf tobte ein Chaos aus Angst, Wut und dem unbändigen Wunsch, zu rennen. Meine Hände krallten sich in den Boden, Blätter und Schlamm unter den Fingern. Ich spürte, wie das Adrenalin langsam nachließ und mein Herz etwas langsamer wurde. Die Muskeln zitterten, doch mein Kopf ordnete sich allmählich. Ich konnte denken, klarer, schärfer als zuvor. Okay. Ein Schritt. Dann noch einer. Erst beobachten. Dann handeln.

Langsam, richtete ich mich auf. Jeder Muskel protestierte, jeder Atemzug brannte, aber ich ging einen Schritt auf ihn zu. Dann noch einen. Mein innerer Monolog sprach unaufhörlich. Du darfst dich nicht ergeben. Zeig keine Schwäche. Sag nichts, was sie verraten könnte. Niemand darf wissen, wie verloren du bist. Dann, fast ohne es zu merken, kamm ich dem Lichtkegel näher. Ich spürte seinen Blick auf mir, die Unsicherheit in seinen Bewegungen. „Komm mit mir zur Wache“, sagte er, „dort bist du sicher.“ Worte, die wie eine Brücke wirken, auf die ich treten könnte, obwohl ich niemandem vertraute. Ich sagte nichts und nickte nur, da mein Mund viel zu trocken war um zu antworten.

Er nickte ebenfalls und streckte mir seine Hand entgegen. Ich nahm sie nicht. Ich wollte nicht, dass er mich berührte. Ich richtete mich noch ganz auf, noch immer unsicher, und folge ihm dann. Nicht laufend, aber auch nicht ruhig. Schritte, vorsichtig, fast lautlos im Schlamm des Waldes. Meine Gedanken rasten weiter, während ich hinter ihm herging. Warum passiert mir das? Warum habe ich niemanden? Wer könnte mir jemals helfen? Der Wald um uns war still, nur das Knirschen der Blätter unter unseren Füßen und das Rascheln der Äste im Wind. Ich fühlte mich gleichzeitig verletzlich und unaufhaltsam, wild und zerbrechlich.

Mit jedem Schritt kam die Realität näher. Ein Ort, an dem ich nicht rennen musste, einen Ort, an dem ich zumindest für eine Nacht sicher sein konnte. Doch tief in mir wusste ich, dass sicher nur ein Wort war, eine Hoffnung, die sich jederzeit in Rauch auflösen kann.