CORA - Kopfgeld und Verlangen (Dark Western Romance)

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Summary

Cora, Tochter des reichen Hazienderos Don Paolo, flieht in die rauen Berge Mexikos – nicht vor Armut, sondern vor ihrem Verlobten: Don Fernando, ein brutaler Sadist, dessen dunkles Geheimnis ihr zum Verhängnis werden könnte. Lieber lebt sie unter Gesetzlosen als an der Seite eines Mannes, der ihr nichts als Angst und Grauen bedeutet. Doch ihr Vater gibt nicht auf. Er schickt ihr Juan Ramirez Alvarez hinterher – Revolverheld, Kopfgeldjäger, berüchtigt und gnadenlos. Juan soll Cora zurückbringen, koste es, was es wolle. Für ihn ist sie nur ein verwöhntes Gör, das mit ihrem Liebhaber durchgebrannt ist. Was folgt, ist ein erbarmungsloser Tanz aus Hass, Stolz und Verlangen. Doch je tiefer Cora in Juans dunkle Welt gerät, desto mehr verliert sie die Kontrolle. Er behandelt sie hart, verachtet sie – und doch zieht sie ihn an wie ein Fluch. Was als Jagd beginnt, wird zu einem Spiel aus Schmerz und Verlangen. Und während Cora vor Don Fernando flieht, beginnt sie vor etwas viel Gefährlicherem wegzulaufen: ihrer Sehnsucht nach Juan.

Status
Ongoing
Chapters
69
Rating
n/a
Age Rating
18+

Prolog

Sollte man Mexiko beschreiben, so konnte man dafür eigentlich nur Superlative verwenden. Das Land war voller Gegensätze, wild, ungezähmt und doch unglaublich schön. So vielseitig wie die Landschaft war – es wechselten sich Gebirge wie die Sierra Madre mit der wüstenähnlichen Ebene im Westen ab, ebenso Richtung Süden die subtropischen Gegenden an der Grenze zu Guatemala – war es auch das Klima. Alpin in den Bergen, subtropisch im Süden und in manchen Gebieten tatsächlich wüstentrocken. Im Abstand von nur wenigen Tagesritten boten sich völlig neue Zonen.

Doch Mexiko war nicht nur landschaftlich ein Land der Extreme. Auch seine Menschen und ihre Lebenswelten spiegelten diese Gegensätze wider. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts galt Neuspanien als eine der reichsten Kolonien des spanischen Weltreichs – dank der gewaltigen Gold- und Silbervorkommen, die das Land wie ein Schatz durchzogen. Aber dieser Reichtum war ungleich verteilt. Er lag in den Händen weniger Großgrundbesitzer, die nicht nur das Land beherrschten, sondern auch die Wirtschaft und die Menschen, die darauf lebten.

Viele dieser Familien stammten von spanischen Adligen ab, die vor Generationen das Mutterland verlassen hatten. Sie betrachteten sich als etwas Besseres – als Träger eines Erbes, das sie mit Stolz und Strenge verteidigten. Ihre Welt war geprägt von Traditionen, Regeln und einem Ehrenkodex, der kaum Raum für Veränderung ließ. Wer sich diesen Bräuchen widersetzte, stellte nicht nur die Ordnung infrage, sondern auch die Ehre der Familie.

Regeln, die es für alles Mögliche gab. Das wurde einfach hingenommen, sie gehörten zum Leben.

Auch Cora Esperanza Martina Conchita y Martinez war im Wissen um diese Traditionen und Regeln aufgewachsen. Schon als sie noch nicht einmal hatte laufen können, wurden ihr all die Vorschriften eingetrichtert, die eine junge Dame von Stand zu beherzigen hatte. Und so waren ihre ersten Worte dann – was niemanden verwunderte – „Das darfst du nicht“, gewesen.

Dabei war Cora – was manche als Schande betrachteten – gar keine reinblütige Mexikanerin. Ihr Vater, Kapitän zur See, war noch vor ihrer Geburt in einem tropischen Sturm verschollen. Er hatte nicht nur sein Schiff und sein Leben verloren, sondern gleich die gesamte Flotte seiner Reederei.

Rachel, Coras Mutter, hatte ihr später oft versichert, dass sie vermutlich in jener letzten gemeinsamen Nacht gezeugt worden war – der Nacht, in der Kapitän Cavanaugh sie verließ. Für immer, wenn auch nicht freiwillig.

Der Schock war verheerend gewesen: der Tod des Kapitäns, der Untergang der Schiffe, die drohende Zerschlagung des Familienimperiums. Doch als Rachel erfuhr, dass sie Cavanaughs letztes Vermächtnis in sich trug, war sie überglücklich. Diese Erkenntnis gab ihr die Kraft, weiterzumachen.

Ihr verstorbener Mann hatte sie dennoch finanziell bestens versorgt zurückgelassen, auch wenn die Reederei kurz vor dem Ruin stand. Sein Vermögen war zum Glück nicht nur auf die Schiffsflotte beschränkt, sondern auch anderweitig gut angelegt, sodass Rachel, die zu einer der ältesten und angesehensten Familien Bostons gehörte, sehr gut davon leben konnte. Ausgezeichnete Ratgeber standen ihr zudem zur Seite, und so war das Erbe ihres Sohnes Adams niemals gefährdet.

Sie hätte es nie nötig gehabt, ein zweites Mal zu heiraten. Und doch – als sie dem großen, schlanken Mexikaner begegnete, war es Liebe auf den ersten Blick. Niemand aus der Bostoner High Society konnte es verstehen, keiner ihre Gefühle nachvollziehen. Trotzdem ging sie mit ihm, als er zwei Monate später Boston verließ, um in seine Heimat zurückzukehren.

Don Paolo y Martinez vergötterte seine Frau – und ebenso deren Tochter, die nur vier Monate nach der Hochzeit geboren wurde. Das Gerede über ihre zweifelhafte Herkunft verstummte erst, als Paolo sich öffentlich zu ihr bekannte und sie rechtlich adoptierte. Damit wurde Cora zu seiner einzigen Erbin.

Das Schicksal wollte es so: Die Ehe zwischen Rachel und Paolo blieb kinderlos – wie schon Paolos erste. Schweren Herzens akzeptierte der stolze Haziendero, dass er zeugungsunfähig war. Und so konzentrierte sich all seine Energie auf die kleine Cora, die eines Tages ein bedeutendes Erbe antreten würde. Vielleicht sogar das größte, ertragreichste in ganz Mexiko.

„Los Desartos“ – so wurde die Hazienda der Familie y Martinez genannt. Der Name bedeutete „die Wüsten“ und traf das Erscheinungsbild erstaunlich gut. Am Fuße der Berge von Sonora gelegen, nahe der kleinen Stadt Santa Ana, erstreckte sich das Anwesen über grüne Gebirgsweiden und fruchtbare Täler, aber auch über trockene Ebenen, die sich endlos in die Ferne zogen.

Die Hazienda war eines der größten und mächtigsten Anwesen des Landes. In ganz Mexiko gab es kein zweites Erbe wie dieses – weder an Größe, noch an Reichtum, noch an Einfluss.

Doch dass Cora ihr privilegierter Status nie zu Kopf stieg, dafür sorgte ihr Vater mit Nachdruck. Er hielt sich streng an jene Regeln und Vorschriften, denen sich alle Töchter aus gutem Haus zu fügen hatten. Cora wurde erzogen, als wäre sie eine reinblütige Mexikanerin – mit allem, was dazugehörte. Schon früh wurde ihr eingebläut, sich niemals ohne Duenna, ohne Anstandsdame, in der Öffentlichkeit zu zeigen.

Doch dem Mädchen fiel es schwer, sich all den Zwängen zu unterwerfen. Schon als Kind begehrte sie auf, versuchte immer wieder, den strengen Augen und Pflichten zu entkommen. Don Paolo und Rachel verzweifelten oft an ihrer Unbändigkeit.

Schließlich ließ sich der Vater auf einen Kompromiss ein: Auf „Los Desartos“ durfte Cora sich frei bewegen. Sie ritt mit den Vaqueros über die Weiden, streifte durch die Täler, lebte nach ihrem eigenen Rhythmus – solange sie den Rahmen der Schicklichkeit nicht überschritt.

Anders war es im Stadthaus der Familie, in der Hauptstadt. Dort galt das Protokoll. Dort hatte sie sich zu benehmen wie eine Tochter aus reichem Hause – zurückhaltend, würdevoll, kontrolliert.

Zum Glück liebte Don Paolo das Landleben. Er hielt sich nur wenige Monate im Jahr in der Stadt auf – und nur dann, wenn der Vizekönig von Neuspanien ihn in seine Residenz rief.

Dieses Arrangement funktionierte ausgezeichnet und niemals gab es Ärger. Cora war klug genug, um die wenige Freiheit die man ihr gab, nicht durch falsches Verhalten aufs Spiel zu setzen.

Leider währte nichts ewig. Als Cora alt genug war, wurde sie in die Hauptstadt geschickt – in ein Internat, das streng von Ursulinen geführt wurde. Dort erhielt sie den letzten Schliff: Sie lernte alles, was man für eine feine Lady als notwendig erachtete – Etikette, Benehmen, Haltung. Doch die Nonnen vermittelten ihr nicht nur gesellschaftliche Regeln, sondern auch eine erstaunlich umfassende Bildung. Neben den klassischen Schulfächern wurde Cora in Geschichte, Sprachen und Naturwissenschaften unterrichtet – mit Strenge, aber auch mit Anspruch.

Zunächst fühlte sich die temperamentvolle Cora unter all den vornehm zurückhaltenden, reinblütigen Spanierinnen wie eine Fremde. Sie fand keinen Anschluss, wurde geschnitten, verspottet – höflich, aber deutlich.

Doch mit den Wochen, die ins Land zogen, begann man, sie zu akzeptieren. Cora blieb freundlich, hilfsbereit, ließ sich nicht beirren. Und schließlich war ihr Vater einer der mächtigsten Männer Neuspaniens – wie die Reichen das Land beharrlich nannten.

Auch wenn sie nicht seine leibliche Tochter war: Mit den y Martinez wollte sich niemand anlegen. Nicht einmal die Töchter.

Die Zeit verging, Jahre zogen ins Land. Cora feierte ihren siebzehnten Geburtstag – und der brachte mit den üblichen Glückwünschen eine unerwartete Neuigkeit für sie: sie durfte endlich das Internat verlassen und auf die geliebte Hazienda zurückkehren!

Zitternd und überglücklich drückte sie den von ihrer Mutter geschriebenen Brief an die Brust, den die Mutter Oberin ihr kurz zuvor überreicht hatte, und lächelte still vor sich hin. Endlich hatte sich ihr allergrößter Wunsch erfüllt, um den sie Tag für Tag gebetet hatte! Sie durfte wieder heim! Durfte zurück auf die „Los Desartos“, und diesmal nicht nur zu einem kurzen Besuch in den Ferien, sondern diesmal für immer!

Während sie ihre Sachen zusammenpackte und in ihrem Zimmer darauf wartete, dass man sie abholte, sah sie sich noch einmal um und lächelte dann. Sie würde dem Internat keine Träne nachweinen, obwohl es in den letzten drei Jahren ihre Heimat gewesen war. „Los Desartos“, die elterliche Hazienda – ihr Erbe! – lag ihr einfach im Blut. Sie war ihr ein und alles, und nichts hier hatte ihr das ersetzen können.

Es war Amos, der sie schließlich abholte. Ihr väterlicher Freund aus Kindertagen, und weil sie ihn zur Begrüßung gar so stürmisch drückte und umarmte, trug ihr das gleich ein missbilligendes Kopfschütteln der Mutter Oberin ein. Aber jetzt war das alles egal. Sie musste sich nicht mehr den Zwängen und Regeln des Klosters unterwerfen, sie war wieder frei!