Der Anfang
- Mira -
Als ich auf die Uhr sehe ist es bereits 3 Uhr morgens, ungefähr noch 1 Stunde dann ist meine Schicht zu Ende. Heute war ein anstrengender Tag wir haben Samstag somit war die Bar "Sable" was schwarz bedeutet in der ich arbeite brechend voll. Um diese Zeit allerdings sitzen nur noch vereinzelt Gäste an den Tischen und trinken ihre letzten Getränke aus bevor Sie die Heimreise antreten.
Da ich bereits mit meinen Aufgaben fertig bin gehe ich zu meiner Arbeitskollegin Sarah. Sie arbeitet hinter der Bar und mixt die besten Drinks. Mit Ihrer schlanken Figur, den stechend blauen Augen und dem frechen blonden Pixie Cut ist Sie kaum zu übersehen.
Sarah lehnt wie immer lässig an der Theke und bringt die letzten Gläser auf Hochglanz. "Hey Sarah ich bin soweit fertig. Kann ich dir noch bei etwas helfen?" Sie sieht mich lächelnd an "Nein Süße! Ich bin auch schon in den letzten Zügen aber danke. Setz dich doch zu mir an die Bar. Möchtest du was zu trinken?"
Ihr Lächeln ist ansteckend, ich grinse zurück "Ja gerne! Ich bin am verdursten, überrascht du mich wieder mit einer deiner Kreationen aber bitte ohne Alkohol ich muss noch ein gutes Stück nach Hause laufen wie du weißt" Sie Grinst" Kein Problem da weiß ich genau das richtige" und schon beginnt Sie zu zaubern. Wenig später habe ich ein Glas mit einem Cocktail vor mir stehen mit einem Farbverlauf der aussieht als würde die Sonne gerade untergehen. Ich nippte daran und konnte mir ein Stöhnen nicht verkneifen "So lecker! Danke!" lächelte ich meine Freundin an.
Kurze Zeit später kommt unser Türsteher Jamie hereingeschlendert und setzt sich neben mich an die Bar. Er ist groß ich schätze ca. 1,85, breit gebaut, hat grüne Augen und Dunkelblondes Haar das ihm leicht in sein markantes Gesicht fällt. Sein Blick wandert von mir zu meinem halb leeren Glas und dann zu Sarah. Er setzt sein süßestes Lächeln auf "Sarah bist du ein Schatz und machst deinem Lieblingskollegen auch einen Drink" Sarah setzt ihr fiesestes Grinsen auf "Die Bar ist leider schon geschlossen Jamielein" Er versucht einen schmoll Mund zu ziehen und sich den besten Welpen blick aufs Gesicht zu setzen. Sarah schüttelt den Kopf und alle fangen an zu lachen während Sie wieder mit den Flaschen hantiert.
Wir verbleiben in angenehmer Stille und nippen an unseren Gläsern während meine Gedanken abschweifen. Dieser Frieden in meinem neuen Leben fühlt sich wie ein warmer Sonnenstrahl für meine zerbrochene Seele an. Ich habe Angst das alles nur ein Traum ist und ich jeden Moment wieder in der Hölle aufwache. Bei meiner Familie, meinem alten Rudel und meinem Albtraum von einem Leben.
Meine Mutter und mein Vater sowie meine beiden Geschwister sehen mich als Schande der Familie. Da ich schon immer schwach, klein und zu dick für einen Werwolf war. Dazu ist mein Vater ein Angesehener Krieger und Beta des Rudels.
Ab dem Zeitpunkt als ich 15 Jahre wurde und keinen Wolf bekam verachtete mich meine Familie. Meine Eltern sahen mich nur noch mit Verachtung an und meine Schwester und mein Bruder schikanierten und misshandelten mich mit ihren Freunden so oft wie Sie nur konnten.
Als ich endlich 21 Jahre alt wurde nahm ich mein ganzes Hab und Gut was ehrlich gesagt in einen Stoffbeutel passte und floh soweit ich konnte. Was mich schließlich nach Wisconsin führte. Dort fand ich sofort diesen Job als Kellnerin. Ein paar Tage später mietete ich mir eine kleine Wohnung an die für mich bezahlbar schien mit meinem Gehalt. Es war ehrlich gesagt eine Bruchbude in keinem guten Viertel aber es war meins und das war mehr wert als alles andere.
Meine Flucht liegt nun schon 2 Jahre zurück. Seit dem habe ich von meiner Familie oder Rudel nichts gehört oder gesehen. Ich freundete mich mit meinen Kollegen Sarah und Jamie an die soweit es der Zufall so wollte nur etwas älter waren wie ich. Sarah war 25 Jahre und Jamie 27 Jahre alt. Ich war zufrieden mit meinem Leben.
Plötzlich sah ich eine Hand vor meinem Gesicht. Ich zuckte zusammen und sah das diese zu Sahra gehörte. "Na Mira träumst du wieder vor dich hin? "Ich lächelte entschuldigend es passierte öfter das ich mit den Gedanken abschweifte. Die letzten Gäste gingen und wir beschlossen das Lokal zu schließen.
Ich ging in den Umkleideraum und zog meine Uniform aus. Es war ein schwarzes Kleid mit kurzen Ärmeln und ausstehendem Rock der mir bis zu den Knien ging, einem dezenten Ausschnitt und einer silbernen Schürze. Ich schlüpfte in meine schwarze Leggings und einem grauen Sweatshirt. Zog mir noch meine durchgelaufenen Vans an und traf die beiden an der Hintertür wo Sie bereits auf mich warteten. Es wurde langsam Herbst. Die Bäume färbten ihr Blätterkleid langsam bunt, der Wind wehte durch die Bäume und die Tage wurden kürzer und kälter.
"Soll ich dich nach Hause fahren? Du wohnst ein gutes Stück weg und es ist nicht sicher so spät in der Nacht!" Fragte mich meine Freundin. "Danke das ist nett von dir aber mach dir keine Umstände so schlimm ist es nicht und so bekomme ich meinen Kopf frei! "Sie verzog verärgert das Gesicht "Du machst mir keine Umstände du bist meine beste Freundin! Aber wie du möchtest das Angebot steht immer falls du dich doch anders entscheiden solltest" Ich lächelte Sie süß an und umarmte Sie und Jamie zum Abschied.
Sarah schnaubte "Schreib mir wenigstens eine Nachricht wenn du angekommen bist so das ich mir keine Sorgen machen muss!" Ich lächelte "Ja das mache ich aber mach dir keine Gedanken mir passiert nichts. Komm gut nach Hause wir sehen uns am Montag ja." Ich winkte beiden noch einmal zu bevor ich mich umdrehte und mich auf den Heimweg machte.
Es war für mich immer noch ungewohnt das sich jemand um mich sorgte. Bei dem Gedanken an meine beiden Freunde wurde mir ganz warm ums Herz. Als ich mich wieder auf die Straße konzentrierte viel mir wieder ein das ich noch ungefähr 40 Minuten bis nach Hause brauche. Der Gedanke brachte mich zum seufzen und ich beschleunigte meine Schritte. Es war kalt und dunkel die Bäume zogen Schatten im Laternenlicht die Fratzen auf den Bürgersteig malten. Es war Ruhig nur hin und wieder ein knacksen zu hören.
Als ich in mein Viertel abbog hörte ich auf einmal Schritte hinter mir. Als ich mich umdrehte sah ich aber niemanden hinter mir. Hatte ich mir das eingebildet? So musste es sein es war ein langer Tag ich hatte eine anstrengende Schicht es war nur in meinem Kopf. Ich lief weiter um die nächste Straßenecke als ich wieder Schritte hörte. In meinem Nacken stellten sich die Härchen auf das Adrenalin fing an zu pumpen.
Ich ging schneller meine Füße trommelten auf den Asphalt. Die Schritte wurden schneller und kahmen näher. Ich beschleunigte erneut und fing schnell an zu rennen. Mein Herz hämmerte gegen meine Brust und ich versuchte Luft in meine Lungen zu bekommen. Mein Wohnhaus kahm in Sichtweite wie das Licht am Ende eines Tunnels.
Ich legte meine ganze Kraft hinein. Mein Herz pumpte als würde es gleich aus meiner Brust rausspringen. In meinen Ohren rauschte das Blut und ich japste und bekam kaum noch Luft. Ich rannte die Treppenstufen zu meinen Haus hoch und kramte in meiner Tasche nach dem Schlüssel aber ich fand Ihn nicht. Die Person war fast hinter mir ich sank auf den Boden und versuchte mich so klein wie möglich zu machen. Drückte mich an die Hauswand so fest ich konnte während Tränen mir über die Wangen liefen.
Ich wartete und hielt die Luft an aber nichts passierte. Wie lange ich schon hier saß wusste ich nicht mehr. Irgendwann fand ich den Mut und hob meinen Blick. Die Stirn runzelnd scannte ich die Umgebung aber da war niemand.
Oh Gott ich sitze hier wie ein verängstigtes Häschen das auf den Fuchs wartet obwohl hier niemand ist. Ich stand zitternd auf und fischte nochmal in meiner Handtasche nach dem Schlüssel den ich auf wundersame Weise auch gleich fand. Der Aufzug war defekt also musste ich 5 Stockwerke zu Fuß die Treppen hochlaufen. Oben angekommen schwer atmend und schwitzend schloss ich meine Wohnungstür auf und ließ sie hinter mir wieder ins Schloss fallen.
Meine Wohnung hatte nur ein Zimmer aber diese hatte ich soweit dies möglich war mit dem wenigen Geld das mir zur Verfügung stand gemütlich eingerichtet. Ein bequemes graues Schlafsofa mit flauschigen Kissen und decken, eine Kommode mit einem kleinen Fernseher, ein kleiner runder Tisch mit zwei Stühlen, eine kleine Küche und dazu ein winziges Bad mit Dusche, Toilette und einem Waschbecken.
Für mich war es mein eigenes kleines Reich, mein Zuhause, meine Freiheit. Ich dachte mir oft es ist mein Schloss mit hohen Mauern bei dem die Zugbrücke hochgezogen wurde sobald ich die Tür hinter mir schloss. Hier war ich sicher hier konnte ich sein wer ich war einfach nur Mira.