Prolog
Es kommt anders als man denkt
Als Ammarilys Scott-Denver gesagt bekommt das ihr Adoptivbruder und seine Frau einen Unfalltod starben muss sie mit alten Dämonen kämpfen und neue fernhalten die ihren 21 jährigen Neffen Collin mitzureißen drohen. Sie sieht wie sehr es ihn mitnimmt und wie sehr er der Wut darüber verfällt. Sie leidet mit ihm und weiß genau, wie es ihm geht. Stand sie doch einst selbst an genau derselbe Schwelle...
Aber es kommt immer anders, als man denkt.
Collin zieht bei ihr ein, auch wenn er alleine leben könnte. Er lebt zwar bei Amy, aber er weicht ihr auch aus mehreren Gründen aus...
Triggerwarnung:
Es geht um Trauerbewältigung und Gewissenskonflikte.
Es kommt zu sexuellen Handlungen zwischen Personen, die als Tante und Neffe vorgestellt werden – vorweg: sie sind nicht Blutsverwandt!
Prolog
„Bitte, bitte, bitte! Der Jahrmarkt!“ bettelte ich meine Eltern an und sah sie mit meinem besten Hundeblick an. „Alle meine Freunde gehen mit ihren Eltern hin!“
Mama sah zu Papa und sie führten eines ihrer stummen Gespräche.
Aber am Ende fuhren wir.
Nein sie gaben nicht immer nach, aber ich glaube sie wollten auch auf den Jahrmarkt.
Die Fahrt hin war schon lustig, wir machten quatsch im Auto und sangen mit dem Radio mit.
Auf dem Jahrmarkt genoss ich das bunte Treiben und als ich meine Freundin mit ihren Eltern sah schlossen wir uns ihnen an.
Will heißen, das Vera und ich eine Zeit bekamen wann wir uns wieder treffen sollten mit unseren Eltern und wir ohne unsere Eltern loszogen.
So cool!
Karussells.
Zuckerwatte.
Maisfeld Labyrint.
Spuckhaus – wir kommen!
Wir hatten einen Mega Spaß und viel zu erzählen, als wir zurück bei unseren Eltern waren.
Was so ein schöner Tag gewesen war, sollte der schlimmste meines Lebens werden.
Ich erzählte meinen Eltern ohne Punkt und Komma, was ich alles mit Vera erlebt hatte - während wir nach Hause fuhren.
In dem einen Moment war die Welt noch in Ordnung und im nächsten Moment nicht mehr. Ich hatte mich abgeschnallt, weil mir was in den Fußraum gefallen war und das wollte ich wieder haben.
Mum tadelte mich noch dafür und im nächsten Moment geriet unser Auto ins schlingern und ich wurde, während es sich überschlug raus geschleudert.
Heute weiß ich das ich eine Zeitlang Bewusstlos gewesen sein muss, denn als ich mich aufrappelte stand unser Auto schon lichterloh in Flammen.
„Mum? Dad?“ ich hatte es immer wieder gerufen und versucht näher an das Auto heran zu kommen, aber das Feuer war einfach zu heiß.
Ich fand sie nicht und ich hatte angst.
Ich stand so unter Schock, das ich mich nicht mal erschreckte, als mich ein Mann schnappte und hochhob und von dem Autowrack wegbrachte zu seinem Wagen.
Eine Frau übernahm mich und hielt mich fest.
Ich klammerte mich an sie und schrie immer weiter nach meinen Eltern.
Irgendwann war die Nacht erleuchtet von Blaulichtern und in meinem kindlichen Kopf riss ich mich los und bat die Polizisten nach meinen Eltern zu suchen sah, wie unser Auto gelöscht wurde.
Eine Dame kam und sprach mit der Polizei und dem Mann der mich gefunden hatte. Der Mann und die Frau blieben so lange bei mir.
Ich schrie nicht mehr, ich verstummte.
Die beiden nahmen mich mit nach Hause zu sich und ich sprach fast drei Wochen nicht ein Wort.
Man sagte mir, das meine Eltern in dem Auto gestorben waren und ich Glück gehabt hatte, das ich überlebt hatte.
Ich hatte nur eine Platzwunde an der Schläfe und einen Schock, aber meine Eltern waren beide gestorben – weil ich zum Jahrmarkt wollte.
Heute weiß ich, das mir paradoxerweise das Abschnallen das Leben gerettet hatte.
Der Mann und die Frau, die mich gefunden hatten an jenem Abend, waren Thomas und Eve Denver.
Die Dame am Unfallort war vom Jugendamt gewesen und heute war ich ihr Dankbar, das sie mich bei Thomas und Eve gelassen hatte und später dabei geholfen hatte, das die beiden mich adoptieren konnten. Sie hatte raus gefunden, das ich keine Familie mehr hatte, die in der Lage waren sich um mich zu kümmern. Mama’s Eltern lebten zwar noch, aber mein Opa war so gebrechlich und meine Oma hatte Demenz. Die Eltern von meinem Vater lebten nicht mehr. Damals war mir das völlig egal.
Ich fühlte mich leer.
Alleine und zurückgelassen.
Schuldig, weil hätte ich sie nicht überredet, dann wäre der Unfall nicht passiert.
Ich verkroch mich in ein Schneckenhaus aus Selbstmitleid und Wut.
Rebellierte.
War wütend auf alles und jeden.
Schwänzte die Schule, begann zu Sprayen.
Wurde erwischt und da war der Punkt, an dem Gibson mich schreiend und zeternd daraus zog.
Gibson ist der erwachsene Sohn von Thomas und Eve gewesen.
Er hat mich so lange genervt, bis ich angefangen habe ihm zuzuhören.
Thomas und Eve waren sogar extra wegen mir umgezogen, weil sahen, wie sehr ich Gibson brauchte und zogen in die Stadt, in der er auf der Uni war.
Seid dem Tag an dem ich mich wieder gefangen hatte tat ich abbitte dafür, das sie Bedingungslos für mich da gewesen waren und ich mich so rebellisch verhalten hatte.
Ich hatte Glück – das weiß ich heute, aber es hat lange gebraucht, bis ich es begriffen hatte.
Bis ich die Wut los lassen konnte.
Bis ich mir das Trauern erlaubt habe.
Bis ich wieder am Leben teilnahm.
Als junge erwachsene stolperte ich mehr zufällig über ein Zitat:
„Es sandte mir das Schicksal tiefen Schlaf. Ich bin nicht Tod, ich tauschte nur die Räume. Ich leb in euch, ich geh durch eure Träume, da uns, die wir vereint, Verwandlung traf.“
Und im Zuge meiner Therapie stellte ich fest:
„Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt.“