Elfenstuss 2

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Summary

Seit vier Jahren herrschen im Elfenreich nun Frieden und Sauberkeit. Doch plötzlich bahnt sich eine neue Bedrohung an: Auf unerklärliche Weise verschwindet immer mehr Klopapier aus der königlichen Toilette. Todesmutig macht sich die tapfere (und ziemlich dämliche) Elfenkönigin Merle auf den Weg ins Land der Stinkstiefel, um ihren Freund Kurt um Hilfe zu bitten.

Status
Ongoing
Chapters
4
Rating
n/a
Age Rating
13+

Kapitel 1

Lächelnd sah ich aus dem Fenster und beobachtete die beiden reinen kleinen Kinder, die im Vorgarten mit Schrubbern und Staubwischern spielten. Sie waren genauso perfekt wie ihr Vater. Schicksal, der König der Elfen. Der sexyste Mann der Welt.

Mein Mann. Mein Schicksal.

Vier Jahre waren vergangen, seit ich Elfenkönigin geworden war. Schon lange lebten wir nun in Frieden und Sauberkeit, vergessen waren die Zeiten des schmutzigen Klos. Schicksal und ich waren noch genauso glücklich wie damals, als er vom Baum gefallen war und mein Leben sich für immer verändert hatte. Wir waren in unserer vierjährigen Ehe nicht einen Tag getrennt gewesen.

Ich löste mich vom Fenster und wandte mich dem Mittagessen zu.

Die Zubereitung war nicht einfach und erforderte all meine

Konzentration. Vorsichtig nahm ich eine sterile Schere aus der Schublade, schnitt die Verpackung auf und zog das Essen heraus, ehe ich es auf einen sauberen Teller gab. Dabei musste ich immer darauf achten, dass nichts danebenfiel, denn schon die kleinste falsche Bewegung könnte einem Fleck verursachen. Dann öffnete ich den

Schrank und nahm den Mülleimer heraus. Nun griff ich mit spitzen Fingern nach der Verpackung, beförderte sie in den Eimer und stellte diesen wieder in den Schrank. Anschließend wusch ich mir die Hände zunächst mit Wasser und Seife und dann noch einmal mit Desinfektionsmittel. Erst dann schob ich den Teller in die Mikrowelle, stellte die Zeit ein und deckte den Tisch. Es war nicht ungefährlich, aber ich hatte diese Prozedur im Laufe der Jahre perfektioniert. Schicksal liebte meine Dosenravioli. Niemand konnte sie so gut aufwärmen wie ich, pflegte er zu sagen. Ich öffnete das Fenster und rief meine Kinder herein:

„Vileda! Ariel! Es gibt Mittagessen!“

„Juhu!“ Jubelnd stürmten die beiden herein. Die Zeit vor dem

Mittagessen liebten sie am meisten, denn nun durften sie das Desinfektionsmittel benutzen. Ich lächelte und gab jedem einen großzügigen Klecks auf die Handfläche. „Nur langsam, wir haben genug für jeden“, beruhigte ich sie, als sie voll kindlicher Begeisterung ihre Hände einrieben.

„Höre ich Mittagessen?“, fragte eine tiefe, sexy Stimme von der Tür. Ich drehte mich um. Schicksal war in all der Zeit keine Sekunde gealtert. Er war ein Elf, genau wie ich, und wir blieben ewig jung und schön.

Zärtlich desinfizierten wir uns gegenseitig die Hände. Auch dies war eines unserer geliebten Rituale.

Das Mittagsessen verlief sehr sauber und harmonisch. Ariel und Vileda erzählten von ihren Abenteuern im Vorgarten.

„Ich war Elmex und sie war Aronal“, erzählte mir Ariel.

„Ja, und ich hab viel gründlicher geputzt“, sagte Vileda stolz.

„Gar nicht! Ich hab zwei Sekunden länger geputzt!“

„Gar nicht wahr.“

Rasch griff ich ein, bevor der Streit eskalieren konnte. „Was haltet ihr davon, wenn wir nachher alle zusammen das Bad schrubben?“, fragte ich. Die Aussicht heiterte sie immer auf.

„Au ja!“

Jubelnd sprangen beide vom Tisch hoch.

Schicksal sah ihnen lächelnd hinterher. „Du kannst so gut mit ihnen umgehen“, sagte er. „Du bist die wunderbarste und vollkommenste

Frau, die ich je hätte finden können.“

Ich drückte leicht seine Hand. „Du bist auch der wunderbarste und vollkommenste Mann, den ich hätte finden können.“ „Bereust du es?“ Schicksal sah mich ernst an.

„Was meinst du?“

„Dass du die dir bekannte Welt verlassen hast, um mit mir zusammen zu sein.“

„Niemals“, antwortete ich voller Überzeugung. „Ich habe keine einzige Sekunde bereut, alles für dich aufgegeben zu haben.“

Schicksal lächelte sanft. „Auch ich habe nie bereut, dich gesucht und hierhergeschickt zu haben.“

Wir lächelten uns an und dann küssten wir uns. Sein Kuss schmeckte wie immer nach seiner Lieblingszahnpasta: Minze und Eukalyptus. Gierig sog ich seinen vertrauten Geruch nach Shampoo, Waschpulver und WC-Reiniger ein.

Schicksal löste sich von mir und lächelte mich an. Doch etwas an seinem Lächeln und seinem Gesicht war anders. Seine Stirn, sie wirkte ... faltig. Erschrecken machte sich in mir breit. Ich wusste noch genau, wann ich zum letzten Mal Falten auf seiner Stirn gesehen hatte.

„Holder“, sprach ich. „Etwas betrübt dich, das spüre ich.“

Er seufzte. „Vor dir kann ich wohl nichts verbergen, Holde. Ich habe gehofft, ich könnte dich davor schützen, doch einmal musst du es erfahren.“

Ich drückte seine Hand leicht – schließlich wollte ich nicht zu viele Bakterien und Viren übertragen. „Was es auch ist, sag es mir. Du weißt, ich habe schon Schlimmeres für dich überstanden.“

„Ich weiß. Du bist die tapferste Frau, die ich kenne. Doch dies … ach.“ Erneut seufzte er. Ich hatte ihn schon lange nicht mehr so oft hintereinander seufzen hören. Das letzte Mal war vor vier Jahren gewesen.

„Was ist es, was dich bedrückt?“

„Liebste, ich weiß, das ist viel verlangt. Doch solltest du in nächster Zeit einen gewissen Drang verspüren, so bitte ich dich, dass du versuchst, ihn zu beherrschen.“

„Aber warum? Ich dachte, wir haben Raumreiniger.“ Verwirrt blickte ich in Schicksals sexy Gesicht.

Er schüttelte traurig den Kopf. „Es ist nicht der Geruch, den ich fürchte.“

„Was ist es dann?“

Schicksal sah mir fest in die Augen und seufzte noch einmal leise. Dann antwortete er mit schwerer Stimme: „Es ist das Klopapier. Ich habe dafür gesorgt, dass du es nicht merkst, aber … unsere Vorräte werden knapp.“

„Was?“ Ich fuhr so erschrocken hoch, dass ich ihm meine Hand entzog. „Aber wie ist das möglich?“

Er hob die Schultern. „Wir wissen es nicht. Niemand kann es sich erklären, doch unser Klopapier ist im Schwinden. Es verschwindet einfach aus der königlichen Toilette, ohne dass jemand beim Diebstahl beobachtet wurde.“

„Aber …“ Ich legte unwillkürlich selbst die Stirn in Falten, als ich nachdachte. „Gibt es vielleicht jemanden im Palast, der unter erhöhter Exkrementproduktion leidet? Du weißt, dass sich der Klopapierverbrauch manchmal ändern kann.“

Schicksal schüttelte den Kopf. „Allen Elfen geht es gut. Niemand kann sich erinnern, in letzter Zeit mehr Klopapier als sonst verbraucht zu haben.“

„Aber …“ Vor Schock fehlten mir die Worte. Eine Welt ohne Klopapier – das war einfach zu schrecklich. „Was tun wir … wenn …“ Ich wagte nicht einmal, es auszusprechen.

Schicksal drückte meine Hand. „Wir werden alles tun, um das zu verhindern.“

Ich nickte, ein wenig beruhigt. Ich vertraute Schicksal voll und ganz. Er war der König der Elfen, und nicht nur der sexyste, sondern auch der weiseste und geheimnisvollste Mann. Wenn jemand das Unheil aufhalten konnte, dann er.

„Und darum habe ich auch schon einen Plan“, fuhr er auch gleich fort, als hätte er meine Gedanken gelesen.

Hoffnungsvoll sah ich zu ihm auf. „Ja?“

„Doch dieser Plan kann nur funktionieren, wenn auch du mitwirkst.Ich weiß, ich verlange viel von dir.“

„Ich würde alles für dich tun, das weißt du.“ Ich sah ihn voller Liebe und Entschlossenheit an.

„Ich weiß. Leider muss ich dich bitten, noch einmal die beschwerliche Reise in das Reich der Stinkstiefel auf dich zu nehmen.“

Ich schluckte. Doch ich hatte diese Reise bereits einmal gemeistert, ich würde es wieder schaffen.

„Dort musst du nach deinem Freund Kurt suchen. Vielleicht hat er eine Idee, wer hinter dem Diebstahl steckt.“

„O Schicksal!“, rief ich überglücklich. Ein Zentner Steine fiel von meinem Herzen. „Der Plan ist wahrhaft genial!“

​Kurt, mein alter Menschenfreund, den ich für Schicksal verlassen hatte und der heute bei den Stinkstiefeln lebte und dort forschte, war wirklich sehr intelligent. Ohne ihn hätte ich es damals nie ins Elfenreich geschafft. Sicher würde ihm etwas einfallen!

Schicksal lächelte mich an. „Ich bin ja auch Gott“, sagte er.

„O ja.“ Und dann küssten wir uns innig.