Prolog
,,Oma, erzählst du uns eine Geschichte?", fragte Aurora.
Auroras ein sieben Jahren altes Mädchen mit strahlenden grünen Augen und langen, welligen braunen Haaren hatte es sich in der Kuschelecke ihres Zimmers gemütlich gemacht. Neben ihr saß ihre beste Freundin Isabell, ein ebenfalls sieben jähriges Mädchen mit kurzen blonden Haaren und haselnussbraunen Augen. Die beiden Mädchen kuschelten sich in die vielen Decken und Kissen in der Kuschelecke und schauten erwartungsvoll zu Auroras Großmutter hoch. Diese saß mit einer Tasse Tee in einem roten Sessel, gegenüber von den Mädchen und strich sich eine graue Haarsträhne aus dem Gesicht. Die einst braunen Haare hatten sich grau gefärbt und der einstige Glanz war aus den nun trüben grünen Augen der Rentnerin verschwunden.
,,Ja, bitte Cleo! Erzähl uns eine deiner Geschichten!", flehte Isabell und starrte Auroras Großmutter mit ihren braunen Augen an.
,,Natürlich Kinder, gerne erzähle ich euch eine Geschichte. Was wollt ihr beiden denn hören?", antwortete Cleo.
Die strahlenden Gesichter ihrer Enkelin und der besten Freundin ihrer Enkelin zauberten der Rentnerin ein Lächeln ins Gesicht.
,,Eine Spannende mit ganz viel Action und Kämpfen!", entgegnete die kleine Aurora voller Elan.
,,Ja, die coole mit den Königen und dem dunklen Herrscher", stimmte Isabell zu.
,,Na dann Kinder, hört gut zu: Die Welt ist im Wandel. Ich spüre es im Wasser. Ich spüre es in der Erde. Ich rieche es in der Luft", begann Cleo zu erzählen.
,,Vieles, was einst war, ist verloren, da niemand mehr lebt, der sich erinnert.
Alles begann mit dem Schmieden der großen Ringe. Drei wurden den Elben gegeben, unsterblich und die weisesten und reinsten aller Lebewesen.
Sieben den Zwergenherrschern, großen Bergleuten und geschickten Handwerkern in ihren Hallen aus Stein. Und neun, neun Ringe wurden den Menschen geschenkt, die vor allem anderen nach Macht streben.
Denn diese Ringe bargen die Stärke und den Willen jedes Volk zu leiten. Doch sie wurden alle betrogen.
Denn es wurde noch ein Ring gefertigt. Im Lande Mordor, im Feuer des Schicksalsberges, schmiedete der dunkle Herrscher Sauron heimlich einen Meisterring, um alle anderen zu beherrschen. In diesen Ring floss seine Grausamkeit, seine Bosheit und sein Wille alles Leben zu unterdrücken.
Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkle zu treiben und ewig zu binden!
Der Reihe nach gerieten die freien Völker Mittelerdes unter die Herrschaft des Ringes. Doch einige leisteten Widerstand. Ein letztes Bündnis von Elben und Menschen zog in die Schlacht gegen Mordor und kämpfte an den Hängen des Schicksalsberges für die Freiheit Mittelerdes"
Die beiden jungen Mädchen hingen gebannt an den Lippen der Großmutter.
,,Die Elben sind doch diese arroganten, spitzohrigen Wesen, die immer alles besser können. Die, die sich nur um sich selbst kümmern und die keine Emotionen haben, oder? Und die Ealdelben sind doch die Gefährlichsten, richtig?", fragte Isabell.
,,Später Isa, ich will jetzt die Geschichte hören", flüsterte Aurora ihrer besten Freundin zu, die eilig nickte.
,,Seite an Seite kämpften Elben, Zwerge und Menschen vereint gegen die Übermacht. Die gefährlichen und gefürchteten Orks metzelten alles und jeden nieder, Elben schossen hunderte von Pfeilen ab und Menschen und Zwerge kämpften verbittert gegen die abscheulichen Kreaturen.
Der Sieg war nah. Doch die Macht des Ringes konnte nicht gebrochen werden!
Der mächtige dunkle Herrscher Sauron setzte den Ring ohne einen Funken Gnade gegen die freien Völker ein und beendete das Leben von viel zu vielen tapferen Kriegern. Elendil, der König der Menschen fiel ebenfalls dem dunklen Herrscher zum Opfer. Die Schlacht schien verloren und die Hoffnung erlöschen.
Doch es geschah in jenem Moment, als es keine Hoffnung mehr gab, dass Isildur, des Königs Sohn seines Vaters Schwert ergriff.
Todesmutig stellte er sich dem dunklen Herrscher entgegen und schlug ihm den Finger mit dem Ring ab!
Sauron, der Feind der freien Völker Mittelerdes war besiegt.
Der Ring ging an Isildur, der nun die Gelegenheit hatte, das Böse für immer zu vernichten. Doch die Herzen der Menschen sind leicht zu verführen und der Ring der Macht besitzt einen eigenen Willen.
Er verriet Isildur und brachte ihm den Tod.
Und was nicht in Vergessenheit hätte geraten dürfen, ging verloren. Geschichte wurde Legende, Legende wurde Mythos und zweieinhalbtausend Jahre lang wusste niemand mehr um den Ring. Bis er sich eines Tages einen neuen Träger suchte.
Der Ring geriet dem Geschöpf Gollum in die Hände, der ihn tief hinein in das Nebelgebirge trug. Und dort verfiel er dem Ring.
Der Ring verlieh Gollum ein unnatürlich langes Leben. 500 Jahre vergiftete er dessen Verstand. Und in der Finsternis von Gollums Höhle wartete er. Dunkelheit legte sich über den Wald der Welt. Gerüchte wurden laut über einen Schatten im Osten. Ein namenloses Grauen ginge um und der Ring der Macht spürte, dass seine Zeit gekommen war.
Er verließ Gollum. Doch dann geschah etwas, was der Ring nicht beabsichtigt hatte: Er wurde von dem unwahrscheinlichsten Geschöpf gefunden, das man sich vorstellen kann.
Von einem Hobbit! Bilbo Beutlin aus dem Auenland.
Und bald wird eine Zeit kommen, da die Hobbits das Schicksal aller bestimmen", beendete Auroras Großmutter die Geschichte.
Die beiden Mädchen hatten sich aneinander gekuschelt und starrten Cleo gespannt an. Isabell hatte es die Sprache verschlagen, doch Aurora konnte so schnell nichts aus der Fassung bringen.
,,Und was ist danach passiert?"
,,Das, meine kleine Prinzessin, ist eine Geschichte für einen anderen Tag"