Stadt der Schatten - Nightfall

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Summary

Kate Whitmore lebt zwischen den Welten. Geboren als Halbvampirin, doch offiziell als Mensch registriert, muss sie ihr Geheimnis um jeden Preis bewahren. Zwischen Blutdurst und dem Schein der Normalität beginnt sie ihre Ausbildung beim Amt für Integrität und öffentliche Ordnung - einer Institution, die Ordnung nur vortäuscht. Dann trifft sie Alec Winter. Fasziniert und zugleich beängstigend - ein Vampir, der alles an ihr herausfordert, was sie über Macht, Gefahr und Vertrauen zu wissen glaubt. Schon bald wird Kate klar: Alec ist kein gewöhnlicher Agent... und Valera birgt mehr Geheimnisse, als sie je für möglich gehalten hätte. Willkommen in einer Stadt voller Licht und Schatten. Willkommen in Valera.

Status
Complete
Chapters
36
Rating
5.0 12 reviews
Age Rating
18+

Verdammt und zu spät

Ich war zu spät. Verdammt und wie zu spät ich war!

Ungeduldig trommelte ich mit den Fingern auf das Lenkrad und kaute nervös auf meiner Unterlippe herum.

Hinter mir hupte es und vor mir – das absolute Chaos.

Ein blöder Auffahrunfall an einer der wohl belebtesten Kreuzungen in Valera City und jetzt gab es kein Durchkommen mehr.

Hinter mir staute es sich bereits kilometerweit und vor mir hatte sich ein Rudel Autos gebildet. Kein Vorwärts. Kein Rückwärts. Kein Abbiegen.

»Gott… wieso bin ich nicht mit den Öffentlichen gefahren?«, murmelte ich und sah auf die Uhr in meinem Armaturenbrett.

Viertel nach Acht. Und wie zu spät ich war.

In fünfzehn Minuten sollten sich alle neuen Rekruten in der AGS – der Abteilung für gesellschaftliche Sicherheit – einfinden und der Begrüßungsrede lauschen.

Tja und unter normalen Umständen (also ohne einen beschissenen Unfall) wäre mein Weg jetzt nur noch knapp zehn Minuten mit dem Auto.

Aber da vor mir nur inkompetente Vollidioten in den Autos hockten, saß ich fest.

»Oder ich steige einfach aus und laufe…«

Ich hielt inne. Eigentlich keine so schlechte Idee. Wobei mein Auto dann mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit abgeschleppt werden würde. Oder geklaut.

Frustriert drückte auch ich jetzt auf die Hupe und schloss mich dem Hupkonzert an.

Von irgendwoher ertönten Sirenen, die immer lauter wurden und dann sah ich auch schon das Blaulicht nahen.

Hoffentlich wurde diese Angelegenheit hier schnell erledigt. Vielleicht würde ich es dann doch noch pünktlich schaffen.

Das Hupkonzert verstummte. Ich sah zur Uhr. Zwanzig nach Acht. Ich müsste jetzt hier losfahren, um punkt Halb Neun vor Ort zu sein.

Und dann schaffte ich es auch nur, wenn ich jede grüne Ampelphase bekam und keine Schleicher vor mir hatte. Beides ein Ding der Unmöglichkeit.

Ich hätte die Schattenbahn nehmen sollen. Dann wäre ich jetzt längst am AIO (dem Amt für Integrität und öffentliche Ordnung) gewesen.

Aber ich hatte mich gegen den VMT (dem zentralen und stadtweiten Nahverkehrsnetz von Valera) und für mein Auto entschieden.

Eine dämliche, dämliche Entscheidung.

Der Blaulichttrupp war endlich angerückt. Hatte es irgendwie geschafft sich durch den Verkehr zu kämpfen und machte sich ein Bild von der Lage.

»Eduard, es ist stau… Oh, ich seh‘s Casper«, murmelte im übertriebenen Versuch die Stimmen der beiden Beamten nachzuäffen, die sich ratlos ansahen.

Wahrscheinlich hatten die keine Ahnung, wie sie das beheben sollen, oder was zu tun war.

Ich griff, ohne hinzusehen, zu meinem Trinkbecher und frustriert schrie ich auf, als der Inhalt sich auf meinem Beifahrersitz entleerte.

»Ja natürlich! Das kann doch nicht wahr sein verdammt!«, fluchte ich und sah den roten Fleck an, der sich langsam ausbreitete.

Das war meine letzte Blutkonserve. Meine letzte, verdammte Blutkonserve fraß sich gerade in den Stoff meines Beifahrersitzes!

Ich biss mir frustriert auf die Zunge und atmete tief durch.

Ruhig bleiben Kate. Alles halb so wild. Alles kein-

»Verdammt bekommt ihr diesen beschissenen Stau heute noch gelöst?! Es kann doch nicht wahr sein!«, schrie ich, als die zwei Polizeideppen mit den beiden Verkehrsbremsen redeten und sich Notizen machten.

Ein Blick zur Uhr. In fünf Minuten musste ich im AIO sein.

»Fuck it«, knurrte ich. Stellte den Motor ab. Griff nach meinem Rucksack und stopfte alles rein, was irgendwie wichtig und wertvoll war.

Meine Papiere, meine Sonnenbrille, mein Portemonnaie…

Meinen Autoschlüssel ließ ich stecken. Ich machte nur meinen Wohnungsschlüssel ab und ließ ihn in meiner Tasche verschwinden.

Und dann – stieg ich aus.

»Miss, steigen Sie zurück- Hey!«

Ich ignorierte den Polizisten völlig, als ich losrannte. Über die Kreuzung, zwischen den stehenden Autos hindurch.

Ich wäre zwar immer noch zu spät, aber wahrscheinlich pünktlicher, als wenn ich im Auto warten würde.

Ein Auto hupte, als ich ohne zu gucken über die Straße rannte. Ich ignorierte es. Rannte einfach. Schnell.

Hinter mir ertönte ein Knall. Blech auf Blech. Hupen. Ups.

Aber ich blieb nicht stehen. Ich hatte keine Zeit. Sorry, für die Autofahrer (und für die Polizisten, die sich um den zweiten Unfall kümmern mussten) aber an meinem ersten Tag, wollte ich nicht zu spät sein!

Jedenfalls nicht so spät, wie ich es ohnehin schon sein würde.

Halb Neun. Shit.

Ich bog in Sektor 7 ein. Dem Sektor in Valera City, in dem die ganzen Ämter lagen. Das Amt für Finanzen und Ausgaben, das Gesundheitsamt, Amt für Bildung und Erziehung…

Und meine neue Arbeitsstelle. Das Amt für Integrität und öffentliche Ordnung – kurz AIO.

Die oberste Behörde, die in Valera für die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Stabilität zuständig ist. Das Bindeglied zwischen Regierung, Polizei und Sicherheitsdiensten.

Sektor 7 – Middle Street 7c.

Ein unscheinbares, hohes Gebäude mit getönten Scheiben tauchte vor mir auf. Graue Steinfassade, der Name des Amtes über dem Eingang.

Schweratmend blieb ich stehen. Atmete durch. Meine Herz klopfte schnell. Meine Lungen versuchten wertvollen Sauerstoff aufzunehmen.

Zehn nach Halb. Zehn Minuten zu spät. An meinem ersten Tag. Riesenmist!

Ich strich meine Kleidung glatt. Holte noch einmal tief Luft.

»Los geht’s Kate!«