Glitzer Schnee und Winterwunder

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Summary

Eine Geschichte aus dem Universum von Burning Hearts und @ZwenjaBehlen Phoenix und Aleix

Genre
Lgbtq
Author
RaKoVader
Status
Complete
Chapters
1
Rating
n/a
Age Rating
18+

🎄🎅🏼❄️🌈❤️

Für ZwenjaBehlen

Auf Phoenix und Aleix und Malec. Das hier ist für dich.

🎄🎅🏼🎁❄️❤️🌈

Ich weiß nicht sicher, was ich erwartet habe, als mein Mann mich bat, noch ein paar Tage länger bei unseren Freunden Keith und Nicolas in Florida zu bleiben. Nicht das ich etwas dagegen hätte - wir haben uns länger nicht gesehen und sind wir ehrlich zueinander, ziehe ich die Wärme Floridas dem frostig kalten New Yorker Winter vor. Seine Bitte kam mir reichlich seltsam vor. Seit wir in dieses Haus, mein Erbe unserer Freundin Miss Lilly gezogen sind, hat Magnus mir von der üppigen Deckenhöhe und dem alten Holzboden vorgeschwärmt. Ab dem ersten Moment schmiedete er Pläne welche Tannengrünranke über dem Geländer hängen soll, wo der Weihnachtsbaum stehen und wir die Sofalandschaft hinstellen werden. Die Renovierung des alten Gemäuers verschlang Unsummen und unser gesamtes Erspartes. Jedoch hat sich jede Träne aus zerplatzten Wohnträumen, jeder 'Wir-müssen-neu-planen-die-Statik-macht-das-nicht-mit' Scheiß, jeder neu verschobene Bezugstermin, jeder Tag, an dem wir uns unzählige Stunden durch Kataloge verschiedener Materialien gewälzt haben, gelohnt. Staub und Dreck, explodierende Renovierungskosten, steinzeitalte Wasserleitungen und nicht ausreichend Steckdosen im Haus. Es hat uns jede Menge Kraft, Zeit und Geld gekostet.

Heute stehe ich nach einem kräftezerrenden World Fire Congress in unserem Haus und glaube zu verstehen, warum mein Mann nach meiner zweiwöchigen Abwesenheit auf zusätzliche Zeit bestand. Unser Wohnbereich ist nicht mehr der, den ich verlassen habe. Dem hölzernen dunklen Boden ist glitzernder Kunstschnee gewichen. Unmengen von der weißen Pracht. Jeder Schritt hinterlässt ein leises knirschen unter meinen Stiefeln. Eisblaue und rosafarbene Partikel funkeln im sanften Licht der von der Decke hängenden Feenlichter. Vor der großen breiten Fensterfront mit Blick auf unser kleines grünes Einöd, stehen Tannenbäume in verschiedenen Größen. Ich zähle fünf und jeder von ihnen ist bedeckt mit einer ebenso wie der Boden funkelnden Schicht Schnee. Schwer hängen die Kugeln an den Ästen, können das Gewicht kaum tragen. Dennoch wirkt es friedlich und die Farben sowie das glitzern des funkelnden Baumschmuck fügen sich harmonisch in das Gesamtbild ein. Ein alter Sessel mit hölzerner Umrandung, Intarsien und einer Polsterung im Chelsea-Look mit passendem Beistelltisch steht vor den Bäumen. Große elektrische Kerzen bedeckt mit Eiszapfen und Schnee, Blumengestecke und Kugeln auf dem Boden. Im Kamin knistert warm ein Feuer, die steinerne Umrandung verdeckt durch Tannengrün, noch mehr Kerzen und weiteren Kugeln. Liebevoll arrangierte Geschenke verpackt in silber, eisblau, zarten Rosetönen und gekrönt von überdimensional großen Schleifen, stapeln sich vor den Bäumen. Bewacht durch zwei mir allzu bekannte Beschützer.

Unser erstes Weihnachtsfest als Familie war turbulent, tränenreich, aufwühlend. Miss Lilly war noch unter uns, Phoenix und Aleix begrüßten nach nervenaufreibenden Stunden die Ankunft ihres Sohnes. Felix stahl das Herz von uns allen und besonders unseres kleinen Kämpfers. Finley Lightwood-Bane. Niemand konnte ahnen, dass Felix beschloss seine Eltern früher als erwartet kennen zu lernen. Acht Wochen zu früh. Ich werde den Moment nie vergessen als ich gemeinsam mit Magnus und Finley auf dem Arm das Zimmer der Frühgeborenen Intensivstation betrat. Er war so winzig und zart wie er da auf Phoenix nackter Brust lag. Die Luft war getränkt von Freude und Sorgen und Liebe. So viel Liebe für den Zuwachs in unserer kleinen Familie. Wir wussten was es heißt seine Tage in Ungewissheit und Kummer zu verbringen. Ein Baby mit einer autosomal-rezessiv vererbten Stoffwechselerkrankung - Mukoviszidose - zu adoptieren bedeutet, sein Leben umzustellen. Statt eines festlich geschmückten Weihnachtsbaumes hatten wir Lichterketten, welche Phoenix durch die Hilfe unserer netten Pflegekraft in Felix Zimmer verteilen durfte.

Statt eines köstlichen Males im Kreise von Aleix großer Familie und Phoenix Eltern sowie seiner Schwester samt Anhang, aßen wir eilig zusammengestellte Speisen seiner Tante zwischen piependen Gerätschaften und blinkenden Monitoren. Es roch nicht nach Zimt, Tannennadeln und knisternden Kaminfeuer. Der beißende Geruch von Desinfektionsmitteln liegt mir noch heute in der Nase und jeder Tag, den unser Sohn in den letzten zwei Jahren im Krankenhaus verbringen musste, war schmerzhaft. Viel zu lange mussten wir mit Finley auf der Kinderintensiv Station verbringen, bevor wir ihn mit nach Hause nehmen durften. Dennoch war es einer der schönsten Weihnachtsfeste die es je gab. Weil wir uns hatten. Unsere unerschütterliche Freundschaft, welche schon so manchen Sturm überstanden hatte. Daher beschlossen wir eine neue, unsere eigene Tradition. Freunachten. Weihnachten im Februar mit unseren Freunden. Im ersten Jahr erhielten Felix und Finley oder Finlix - wie mein Mann die beiden auch gerne nennt, jeder einen Glücksbärchi in Regenbogenfarben. Diese sitzen nun inmitten eines wahrgewordenen Winterwunderlandes. Keine Ahnung wie Magnus es geschafft hat die deckenhohen Bäume in unser Haus zu bekommen. Wahrscheinlich hatte er Hilfe von Aleix und meinem Bruder. Dessen bin ich mir sehr sicher. Magnus liebt Glitzer und das Weihnachtsfest. Er liebt es gemeinsam mit Phoenix in der Küche zu stehen und sich durch die unzähligen Plätzchenrezepte, welche beide in den letzten Jahren angesammelt haben, zu backen. Dabei singen sie laut - und in Magnus Fall schief - Weihnachtsklassiker, versehen jeden Teig mit einer Spur Liebe und die fertig gebackenen Plätzchen mit ebenso viel Glitzer wie auf unserem Fußboden verweilt.

Seufzend ziehe ich mein Telefon aus der Hosentasche und beschließe meinen Bruder zur Rede zur stellen. Im Moment ist er für mich der auferstandene Judas, der Verräter. Das Will mir das Ausmaß von Magnus Weihnachtsschmuckwahn verschwiegen hat... ich weiß nicht ob ich ihm verzeihen kann. Bei dem Gedanke schüttele ich energisch den Kopf. Natürlich werde ich ihm verzeihen. Ich bin nicht wirklich sauer. Nur enttäuscht und erschlagen. Unsere Zwillingsmagie ist normalerweise etwas schönes und wir haben wirklich keine Geheimnisse voreinander. Das liegt immer im Auge des Betrachters und in diesem Moment, wünsche ich meinem Bruder nur das Beste an den Hals... Nicht. Jedoch würde ich dies niemals laut aussprechen. Er hat bereits genug Drama in seinem Leben gehabt, da braucht er kein weiteres.

Alec

Danke für deine Vorwarnung.

Natürlich antwortet er sofort.

Will

Überraschung

Alec

Überraschung am Arsch. Warum hast du nichts gesagt und warum sieht mein Wohnzimmer aus, als würde jeden Moment diese komische Eishexe aus Narnia vorbeikommen und mich fragen, ob sie mir türkischen Nougat reichen darf?

Will

Du weißt, was Narnia ist? Ich bin beeindruckt.

Alec

Lenk nicht ab. Warte, bis ich dich in die Finger kriege. Du steckst doch mit Magnus unter einer Decke, oder?

Will

Schreibt...

Die drei blinkenden Punkte verschwinden und ich bin kurz davor ihn anzurufen, nur geht es mir wie jeden anderen unserer Generation. Anrufen ist gleichzusetzen mit Betreten des dritten Höllenkreises. Es ist Böse und bereitet mir Unbehagen.

Will

Schreibt...

Es dauert eine Ewigkeit, bis mein Zwillingsbruder sich dazu herablässt, mir eine adäquate Antwort zu präsentieren. Währenddessen schaue ich mich ein weiters Mal um und erblicke neue Details. Wie die kleinen Eisvögel mit ihren schimmernden Gefiedern, welche auf den Spitzen der Äste thronen. Oder die Zapfen an den Ästen, welche verdächtig echt aussehen. Sind sie vermutlich sogar echt? Wieder knirscht der Schnee unter meinen Füßen. Das schwarze Leder meiner Stiefel ist bereits bedeckt mit blauen und rosafarbenen Flocken. Als ich vor dem ersten Baum stehe und meine Hand ausstrecke, erwacht mein Telefon zum Leben. Will hat geantwortet und die Zapfen sind unecht, ebenso wie die Nadeln der Tanne. Kiefer. Keine Ahnung.

Will

Reiße dich gefälligst zusammen. Dein Mann war zwei Wochen mit eurem chronisch kranken Kind allein zu Hause. Er hat mehrere Nächte nicht geschlafen, die Krankenhausschichten hinter sich gebracht, mit Finley einen kurzen Moment der ‚Scheiße-ein-neuer-Grippevirus-ist-im-Umlauf' Panik gehabt, Phoenix auf diese scheußliche und stinklangweilige Vernissage eines ehemaligen Kommilitonen begleitet und den wahnwitzigen Gedanken gehabt, euch ein eigenes Winterwunderland zu erschaffen. Er hat tagelang daran gearbeitet, oder die Nächte. Ich weiß nicht genau, wann er das alles bewerkstelligt hat. Aber selbstverständlich habe ich ihm mit den Bäumen geholfen und Phoenix mit dem Baumschmuck, dem Schnee und was weiß ich noch alles. Also tue wenigstens so, als würdest du nicht in deinem persönlichen Winteralbtraum stehen und mache deinen Mann glücklich.

Fuck. Die Ansage hat gesessen.

Will

Warte, bis du die leuchtenden Augen eures Sohnes siehst... Habe dich auch lieb Arschgesicht.

Mein Bruder war nicht immer der vernünftigere von uns beiden. Als Kinder besuchte er mehrmals im Jahr die Notaufnahme und ich saß jedes Mal an seiner Seite und litt fürchterlich mit meinem Zwilling. Heute ist er ruhiger, gesättigt, angekommen im Leben mit Casey, seinem wunderbaren Ehemann und drei Hunden, welche ebenso wie wir unterschiedlicher nicht sein könnten. Er ist wie so oft meine Stimme der Vernunft.

Alec

Jaja schon verstanden. Ich bin mal wieder das Arschloch in dieser Geschichte.

Will

Das habe ich nicht gesagt. Aber es schadet dir nicht, über deinen Schatten zu springen. Lass Magnus die Freude. Ihr habt so wenig Zeit miteinander und ihr solltet jeden Moment auskosten.

Na toll. Jetzt zieht er die ‚Mein-Mann-hat-den-Krebs-besiegt-jeder-Tag-ist-wertvoll' Karte und ich fühle mich erstrecht wie das größte egoistische Arschloch auf Erden. Der Milchstraße. In unserem Sonnensystem. »Fuck«, zische ich und beschließe meinen Bruder bis auf weiteres zu ignorieren. Morgen ist ein neuer Tag und wie jeden Tag werden wir miteinander sprechen. Egal wie, egal wann. Gewiss ist, wir werden voneinander hören.

Im Gegensatz zu meinem Bruder, hat mein bester Freund kein Problem damit, mich anzurufen. Wieder erwacht mein Telefon zum Leben. Darth Vaders Imperial March ertönt und auf dem Display erscheint ein Bild, welches mich jedes Mal zum Schmunzeln bringt. Aleix und ich am Tag unserer bestandenen Feuerwehrausbildung. Stolz stehen wir in unserer Ausgangsuniform vor der Akademie. Die Arme um die Schultern gelegt und das Grinsen in unseren Gesichtern strahlt heller als die New Yorker Sonne über uns am strahlend blauen Himmel. Doch heute habe ich kein Lächeln und begrüße Aleix mit einem neutralen »Hallo«.

»Alles klar bei dir?«, fragt er zurecht skeptisch. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich ihm das letzte Mal ein simples Hallo entgegenbrachte. »Alles klar und bei dir?«, antworte ich. »Bei mir ist alles in Ordnung. Ich wollte fragen, ob du schon gelandet bist und wie der Flug gewesen ist.« Er weiß bereits das ich wieder gelandet bin. Wie immer habe ich mich, sobald ich meinen Hintern aus dem Flugzeug bewegt hatte, im Gruppenchat meine erfolgreiche Wiederankunft auf festen Boden bekannt gegeben. Niemand hat geantwortet. Bis auf Casey, der ein Foto von ihren Hunden mit Rentiergeweihen auf den Köpfen und ein Daumen hoch Emoji schickte. »Ich bin gelandet und habe nur einen halben Tag auf mein Gepäck gewartet. Der Uberfahrer war überpünktlich, ein sehr netter älterer Herr mit einem Faible für klassische Musik. Also ja, ich bin zuhause.«

»Und?« Aufgeregt klingt seine Stimme und ich weiß, dass dieser Anruf nicht ohne Grund geschieht. »Du hast es auch gewusst und hast mir nichts gesagt.«

»Und dir die Überraschung verderben? Nie im Leben.«

»Du weißt, dass ich diese Art Überraschung...« Mit der freien Hand vollführe ich eine Kreisbewegung, auch wenn er sie nicht sehen kann. Ist mir egal. »... auf die hätte ich gerne verzichtet. Warum hast du ihn nicht davon abgehalten?«, frage ich anklagend und Aleix lacht. »Magnus? Davon abhalten euer Haus zu dekorieren? Du bist mit ihm verheiratet und weißt genau was heißt, sich zwischen Magnus Lightwood-Bane und einer Glitzerkugel zu stellen.« Da muss ich ihm leider Recht geben. »Aleix, hier sieht es aus wie in Narnia.«

»Du kennst Narnia?«, erwidert er und kurz habe ich ein Deja-vu. Ich bin nicht so unbelesen wie alle glauben und ja, nicht nur Thor hat mich in seinen Bann gezogen, eventuell auch Prinz Kaspian von Narnia. In der Filmversion. »Das spielt doch jetzt keine Rolle. Ich bin nach Hause gekommen und habe mich darauf gefreut mein letztes freies Wochenende für dieses Jahr mit meiner Familie verbringen zu können. Wir hatten geplant einen Weihnachtsbaum zu kaufen. Das ist doch unsere Tradition. Wir vier und die Jungs gehen zusammen los und kaufen jeder einen Baum. Trinken Glögg und gehen Schlittschuh laufen.« Ich höre mich an wie ein bockiges Kind. Aber ich bin - meiner Meinung nach - zurecht sauer und eingeschnappt. Routinen sind mir wichtig, Regeln sind extrem wichtig und Traditionen einfach aufzulösen, ohne mich vorzuwarnen? »He Alec, macht dich das so fertig?« Aleix spricht sanft und wenn er hier wäre, würde er mir eine Hand auf die Schulter oder den Arm legen. »Irgendwie, ja. Ich mein, es ist schön. Die Farben sind toll. Ich mag eisblau und silber zu Weihnachten.«

»Ich weiß. Magnus hat erzählt, dass du immer begeistert von Winterbildern mit dieser Art Dekoration bist.«

»Ja, auf Fotos von Pinterest, wenn Magnus mir etwas zeigt. Aber in unserem Haus? Ich weiß nicht.«

»He Kumpel, ihr seid Malec und es ist nur ein Baum.« Es ist Aleix subtile Art mir zu sagen, dass er zwar meine Bedenken ernst nimmt, aber ich nicht aus allem ein Drama machen muss. »Ich weiß, es ist dumm.«

»Das ist nicht dumm. Ich kenne dich lange genug, um zu wissen, dass dir unsere Traditionen wichtig sind. Und im nächsten Jahr werden wir auch wieder gemeinsam einen Baum kaufen. Dann kannst du all die bunten kitschigen Kugeln anhängen und die Strohsterne, die du so liebst. Du darfst mich auch mit deinen Schlittschuhkünsten auf dem Eis beeindrucken.« Gemeinsam lachen wir über eine Erinnerung. Magnus und Phoenix schwebten über das Eis, drehten Pirouetten, vollführten kunstvolle Sprünge und ich stand mit Aleix am Rande der Eisfläche und versuchte meinen besten Freund davon zu überzeugen, dass gefrorenes Wasser nicht unser Feind ist. »Und bis dahin, genießt eure freie Zeit. Ich habe am Nachmittag Finley abgeholt. Er hat seinen Kuschelbuddy vermisst«, sagt Aleix. »Wie geht es Felix denn? Magnus meinte es wäre nur ein bisschen Fieber gewesen und keine Grippe wie zuerst vermutet?«

»Ja«, bestätigt Aleix. »Zum Glück. Wahrscheinlich die Impfung. Das kommt häufiger vor meint Magnus. Bisher hatte Felix Glück, aber ich kenne es noch von Hope und ja, es geht ihm wieder gut und nachdem Felix sich geweigert hatte Finley loszulassen, als ich nach seinem Spieldate mit ihm von euch nach Hause fahren wollte, haben Magnus und ich beschlossen seine Sachen einzupacken und kurzerhand eine Übernachtungsparty zu veranstalten. Phoenix überwacht Finley Zuckerwerte. Du brauchst also gar nicht erst anfangen mir all den Mist aufzuzählen...« Aleix kennt mich einfach zu gut. Ich schlucke die Worte, welche mir schon in der Kehle steckten, hinunter. »Er ist bei uns gut aufgehoben und es ist nicht das erste Mal, dass er bei uns übernachtet. Also genießt euren Abend und bevor du noch irgendetwas sagen kannst, lege ich jetzt auf. Wir sehen uns morgen. Bis dann Alec. Tut nichts, was ich nicht auch machen würde.« Das letzte, was ich höre bevor die Leitung verstummt, ist Aleix lachen. Er findet sich mega witzig und ich, auch wenn ich es nicht möchte, lächele ich. Das Winterwunderland in unserem Haus ist nicht mehr gar so schrecklich. Ich bin nur froh, dass mein Mann auf echte Kerzen verzichtet hat. Als Feuerwehrmann bereiten mir solche Dinge Bauchschmerzen. Das Kaminfeuer ist hinter einer feuerfesten Scheibe geschützt.

Wieder schaue ich mich um. Noch immer glitzert der Schnee auf dem Boden und den Ästen. Noch immer knistert das Feuer im Kamin und noch immer funkeln die Kugeln mit den Geschenken um die Wette. Alles in allem hat Aleix Recht. Jedes Pinterest Bild würde vor Neid erblassen.

»Du hasst es, habe ich Recht?«, ertönt Magnus Stimme hinter mir und ich zucke erschrocken zusammen. Das Herz in meiner Brust schlägt heftig. Nicht nur, weil mich seine Worte unvorbereitet erwischt haben. Magnus Stimme hat schon immer die seltsamsten Dinge mit mir angestellt. Ebenso wie seine betörenden Bernsteinfarbenen Augen. Lächelnd drehe ich mich zu ihm herum und stocke sogleich in meiner Bewegung. Wenn ich glaubte der Winterwald in unserem Haus ist mein Albtraum, ist der Anblick meines Mannes mein persönlicher Untergang. »Hallo Santa«, sage ich. Meine Stimme hört sich verdächtig rau an. Ich räuspere mich einmal und strecke meine Hand nach ihm aus. Er weicht einen Schritt zurück. »Ah ah ah, nicht anfassen. Nur anschauen«, erwidert er. Ich kann nicht verhindern, dass seine Worte mein Blut in Wallung bringen und ich plötzlich meine Unbedarftheit verfluche. Noch immer stehe ich mit meinem Wintermantel bekleidet in unserem Haus, welches immer angenehm temperiert ist. »Du bist zuhause.«

»Und du verdammt heiß. Darf ich dich küssen?«

»Darfst du nicht. Aber du darfst mich bewundern und mir sagen, was du dir von Santa wünschst...« Da fallen mir spontan zwanzig verschiedene Dinge ein. »Aber sei vorsichtig mit dem, was du dir wünschst. Nicht alle Wünsche sind gut.« Ich weiß genau, was Magnus hier macht. Er versucht ein kleines Rollenspiel. Es ist nicht meine liebste Spielart und es ist mir unangenehm, dass ich wie angewurzelt vor ihm stehe und nur dabei zusehen kann, wie er an mir vorbeigeht und seine Finger leicht meinen Handrücken streifen. Dabei sieht er mir so intensiv in die Augen, dass ich nicht nur das Feuer in mit spüre welches erwacht, sondern auch in ihm. Ich verfolge seine Bewegungen, er ist anmutig wie eh und je und jeder Schritt, jeder Blick genau geplant. Magnus lässt sich auf den Sessel nieder, schlägt die Beine übereinander und greift nach einem Glas Wein auf dem Beistelltisch. Sein Blick fixiert noch immer den meinen und als seine Lippen den Rand des Glases berühren, entweicht mir ein leises Keuchen. »Also Alexander, sag mir was du siehst, und dann sage ich dir, welches Geschenk Santa für dich hat.« Meine Kehle fühlt sich trocken an als ich schlucke und Magnus Erscheinung auf mich wirken lasse.

»Du trägst eine enge weinrote Lederhose mit einer Kreuzschnürung an den Seiten und verdammt das Teil sollte verboten werden. Sie betont deinen Arsch und ... deinen Schwanz und fuck es gibt keine Knöpfe, dafür ein Lederband und ich stelle mir gerade vor wie ich auf die Knie...«

»Fokus, Alexander«, unterbricht Magnus mich. Ich sollte ihm sagen, was ich sehe und nicht welcher Film in meinem Kopf mit uns als Hauptdarsteller läuft. »Zu der Hose hast du dich für ein Korsett entschieden. Ich kenne es nicht, also gehe ich davon aus, dass es neu ist und es ist ebenso weinrot wie die Hose. Nur das die Schnürung nicht aus Leder besteht, sondern aus Satin. Weinrote Spitze auf Satin. Das Korsett sieht sehr edel aus und die weißen Ziernähte, die Saumdinger an den Ärmeln, ich habe keine Ahnung wie das heißt. Aber es passt und du trägst die schwarzen Stiefel mit dem leichten Absatz, von denen ich weiß, dass sie eigentlich Phoenix gehören. Du bist wunderschön Magnus.« Nicht nur sein Outfit stellt wundersame Dinge mit mir an. Auch wenn ich meinen Mann des Öfteren in extravaganter Kleidung sehe.

Zwei Wochen habe ich ihn vermisst, zwei Wochen habe ich darauf gewartet ihn wieder küssen zu dürfen. Magnus Zeigefinger zieht Kreise über den Rand des Glases und seine Augen mustern mich mit einer Intensität, das mir schwindelig wird. Im sanften Schein der Lichter funkeln die silbernen Partikel seines Make-ups. Zusammen mit den schwarz umrandeten Augen und silbrig glänzenden Lidschatten, fügt er sich harmonisch als mein sexy Santa Claus in unser persönliches Winterwunderland ein. »Sag mir Alexander, hast du ein Geschenk verdient?« Magnus stellt das Glas zurück auf den Tisch und greift unter den Sessel. In seiner Hand eine silbrig glänzende Schachtel. »Scheiß auf das Geschenk. Ich nehme die Rute«, sage ich mit rauer Stimme und lasse mich auf die Knie fallen. Seine Finger finden ihren Platz in meinem Haar und ohne ein weiteres Wort erleben wir unser ganz eigenes Winterwunder. Unsere Beziehung ist nicht immer perfekt, aber sie ist echt. Und das ist alles, was zählt.

- Ende -