Kapitel 1: Als alles anfing (oder: Wie ich meinen Slip auf der Autobahn verlor)
Okay, also – wo fang ich an?
Ich mein, die ganze Geschichte ist so absurd, dass ich manchmal selbst nicht glaube, dass das alles wirklich passiert ist. Aber es ist passiert. Und ich muss das irgendwem erzählen, sonst dreh ich noch durch.
Also. Von vorne.
Jule und ich, wir waren – nein, wir sind – beste Freundinnen. So richtig beste Freundinnen, verstehst du? Seit der Grundschule. Die Art von Freundschaft, wo man keine Geheimnisse voreinander hat. Wo man sich gegenseitig die Tampons aus der Tasche klaut, wenn man selbst vergessen hat, welche mitzunehmen. Wo man zusammen weint, wenn die erste große Liebe einen verlässt, und dann zusammen Eiscreme futtert, bis einem schlecht wird.
Wir haben alles zusammen gemacht. Absolut alles.
Und dann – boom – war sie weg.
Nicht böse gemeint oder so. Sie ist nach Köln gegangen. Studieren. BWL. Und ich? Ich bin hier geblieben, in unserer kleinen Kackstadt, wo sich nie was tut und wo die größte Aufregung ist, wenn beim Edeka eine neue Sorte Joghurt reinkommt. Ich hab eine Ausbildung gemacht. Bürokauffrau. Spannend, was?
Aber weißt du, ich war nie so der Typ für die große weite Welt. Ich mochte es hier. Meine Eltern sind hier, meine Wohnung ist hier, mein ganzes Leben ist hier. Und das ist okay. Wirklich. Ich hab mir nichts anderes gewünscht.
Nur – Jule hat mir gefehlt. So krass gefehlt.
Wir haben uns natürlich geschrieben. WhatsApp, Instagram, das Übliche. Aber es war nicht dasselbe. Sie hat mir Fotos geschickt von ihren neuen Freunden, von irgendwelchen fancy Partys, von Wochenendtrips nach Amsterdam und Barcelona. Und ich hab ihr Fotos geschickt von… meiner Katze. Und von meinem Mittagessen. Super glamourös, ich weiß.
Und dann kam sie zurück.
Nicht für immer. Nur so für ein paar Wochen, bevor ihr “neues Leben” richtig losgeht – ihr erster richtiger Job, in irgendeiner großen Firma, wo sie wahrscheinlich mehr verdient als ich in drei Jahren. Aber egal. Sie war zurück. Und sie wollte mit mir wegfahren.
“Lena”, hat sie am Telefon gesagt, und ich hab sofort gemerkt, dass sie was im Schilde führt. “Wir müssen nochmal richtig weg. Nur du und ich. Bevor ich im Hamsterrad lande und nie wieder Zeit hab.”
Und ich so: “Klar. Wohin?”
“Italien”, sagt sie. “Direkt am Meer. Ich hab schon ein Airbnb gebucht. Eine kleine Hütte, direkt am Strand. Stell dir vor: Wir, der Sonnenuntergang, ein bisschen Wein, und sonst nichts.”
Ich hab fast geheult. Ehrlich. Weil – ja, genau das wollte ich. Nochmal so sein wie früher. Nochmal diese Nähe spüren. Nochmal beste Freundinnen sein, ohne dass da 500 Kilometer zwischen uns liegen.
Und dann kam der Haken.
“Ach übrigens”, meint sie so nebenbei, zwei Tage bevor wir losfahren sollten, “Nele kommt auch mit.”
Nele. Jules kleine Schwester.
Okay, “kleine” Schwester ist vielleicht nicht mehr ganz richtig. Sie ist mittlerweile 18. Und sie ist… anders geworden.
Früher war sie so ein süßes kleines Ding. Wir haben sie gebabysittet, als sie noch klein war. Haben mit ihr “Die Eiskönigin” geguckt und Pfannkuchen gemacht und ihr die Haare geflochten. Sie hat uns immer angehimmelt, weißt du? So wie kleine Geschwister das machen, wenn die großen Schwestern ihrer großen Schwester so cool sind.
Aber jetzt? Jetzt ist sie so… Gen Z. Immer am Handy. Immer irgendwie genervt. Immer diese Kopfhörer auf. Und sie trägt Sachen, bei denen ich mich frage, ob ich mit 18 auch so viel Selbstbewusstsein hatte. (Spoiler: Hatte ich nicht.)
Aber gut. Ich hab nichts gesagt. Jule meinte, ihre Eltern hätten ein bisschen Druck gemacht, weil Nele den ganzen Sommer nur zuhause rumhing und nichts tat. Und Jule wollte ihr auch mal was Gutes tun. Verständlich.
Und ehrlich? Ich hatte gedacht, dass es kein Problem sein würde. Wir sind ja trotzdem zusammen, Jule und ich. Nele würde sowieso ihr eigenes Ding machen, mit ihrem Handy und ihren Kopfhörern. Kein Stress.
Der Tag der Abreise war so ein typischer Sommertag. Heiß, stickig, die Luft flirrt über dem Asphalt. Ich hab am Vorabend gepackt – und natürlich viel zu viel eingepackt. Ich bin die Königin des Überpackens. Regenjacke? Klaro. Drei Paare Socken? Selbstverständlich. Als ob wir in die Arktis fahren und nicht nach Italien.
Jule hat mich abgeholt. Im Tesla ihrer Eltern. Natürlich. Ihre Eltern haben Geld, das war schon immer so. Aber Jule ist trotzdem cool geblieben. Meistens.
Sie steigt aus, und ich – ich bleib einfach stehen.
Weil sie sieht aus wie… wie aus einem fucking Magazin oder so.
Sie trägt dieses luftige Sommerkleid. Weiß, mit kleinen Blümchen drauf. Es geht ihr bis zur Mitte der Oberschenkel, und sie trägt Sandalen dazu. Ihre Haare sind offen, ein bisschen gewellt, und sie hat diese großen Sonnenbrillen auf. Sie sieht aus, als würde sie direkt zu einem Fotoshooting fahren.
Und dann ist da Nele.
Die steigt aus dem Auto, und ich schwöre, ich musste zweimal hingucken.
Sie trägt diese knappen Yoga-Pants. Schwarz, eng, so dass man alles sieht. Jeden Muskel. Jeden. Und dazu trägt sie nur einen Sport-BH. Auch schwarz. Ihr Bauch ist komplett frei, flach, gebräunt. Ihr Haar ist zu einem hohen Pferdeschwanz gebunden.
Sie sieht aus wie eine dieser Influencerinnen, die auf Instagram Fitness-Smoothies bewerben.
Und ich? Ich steh da in meiner Jeans und meinem T-Shirt, mit meiner riesigen Reisetasche, die aussieht, als würde ich für drei Monate wegfahren.
“Hey, Lena!“, ruft Jule und umarmt mich. Sie riecht gut. Nach irgendeinem teuren Parfum, das ich mir nie leisten würde.
“Hey”, sag ich und versuche, nicht zu sehr an mir runterzugucken.
Nele hebt kurz die Hand. Nicht mal ein richtiges Hallo. Dann setzt sie sich ihre Kopfhörer auf und starrt auf ihr Handy.
Typisch.
Wir laden mein Gepäck ein – Jule lacht, als sie meine Tasche sieht. “Lena, wir fahren für eine Woche weg, nicht für ein Jahr!”
“Ich will vorbereitet sein”, verteidig ich mich, aber ich muss auch lachen.
Und dann – dann passiert was Komisches.
Ich guck runter an mir. Jeans. T-Shirt. Turnschuhe.
Dann guck ich zu Jule. Sommerkleid. Sandalen. Locker. Leicht. Sexy, aber nicht zu viel.
Dann guck ich zu Nele. Sport-BH. Yoga-Pants. Bauchfrei. Selbstbewusstsein pur.
Und ich denk mir: Fuck.
“Wartet kurz”, sag ich. “Ich… ich muss nochmal hoch. Hab was vergessen.”
“Was denn?“, fragt Jule.
“Nur… nur was. Bin gleich wieder da.”
Ich renne hoch in meine Wohnung, schließe die Tür hinter mir und steh erstmal da.
Was mach ich hier eigentlich?
Ich mein, ich hab mich doch gut angezogen. Praktisch. Bequem. Perfekt für eine Autofahrt.
Aber dann denk ich an Jule in ihrem Sommerkleid. An Nele in ihren Yoga-Pants. An mich in meiner fucking Jeans.
Und ich denk mir: Nein. Nicht dieses Mal.
Ich geh zu meinem Schrank, wühl durch meine Sachen und find ganz hinten dieses eine Kleid. Ich hab es letzten Sommer gekauft, auf irgendeinem Sale, und ich hab es nie getragen. Weil es zu kurz ist. Weil ich mich darin nicht wohl fühle. Weil ich dachte, dass ich zu dick dafür bin oder zu… keine Ahnung. Zu mir.
Aber jetzt? Jetzt zieh ich es an.
Es ist hellblau, luftig, mit dünnen Trägern. Es geht mir bis knapp über die Knie – nein, warte, noch kürzer. Bis zur Mitte der Oberschenkel. Ich zieh es über den Kopf, und es fühlt sich… anders an. Leicht. Luftig.
Ich guck in den Spiegel.
Und ich seh… okay aus. Nicht wie Jule. Nicht wie Nele. Aber okay.
Dann zieh ich meinen BH aus. Keine Ahnung warum. Aber das Kleid hat so dünne Träger, dass die BH-Träger durchscheinen würden. Und außerdem – wenn Jule das kann, kann ich das auch.
Ich zieh Sandalen an. Flache, einfache Sandalen.
Und dann geh ich wieder runter.
Jule pfeift, als sie mich sieht. “Wow, Lena! Siehst du gut aus!”
Ich werd rot. “Danke.”
Nele guckt kurz hoch, nickt, und starrt dann wieder auf ihr Handy.
Wir steigen ein. Jule fährt. Nele hinten, Kopfhörer auf, Handy in der Hand. Ich vorne, auf dem Beifahrersitz.
Und dann fahren wir los.
Die ersten zwei Stunden sind… schön. Wirklich schön.
Jule und ich reden. Über alles. Über früher, über jetzt, über die Zukunft. Sie erzählt mir von Köln, von ihrem Studium, von den Leuten, die sie kennengelernt hat. Und ich erzähl ihr von meiner Ausbildung, von meinem Job, von meiner Wohnung.
Es fühlt sich an wie früher. Als wären keine sieben Jahre vergangen. Als wären wir immer noch die zwei Mädchen, die sich nachts heimlich aus dem Haus geschlichen haben, um auf dem Spielplatz Wodka aus der Flasche zu trinken.
Und dann – dann wird das Gespräch… anders.
“Ich muss dir was erzählen”, sagt Jule und grinst.
“Was denn?”
“Ich hab in Köln… einiges erlebt.”
“Einiges?”
“Sexuell”, sagt sie, und ich merk, wie meine Wangen heiß werden.
“Oh.”
“Ja. Oh.” Sie lacht. “Ich war vorher ja immer so… schüchtern, oder? So zurückhaltend. Aber in Köln – ich weiß nicht, irgendwas ist passiert. Ich bin mutiger geworden.”
“Mutiger?”
“Ja. Zum Beispiel – da war dieser eine Typ. Total heiß. Wir sind zusammen nach Hause, und er meint, er will mich dominieren. Fesseln und so.”
Ich schluck. “Und?”
“Und ich hab die Rollen umgedreht.” Sie grinst. “Ich hab ihn gefesselt. Ans Bett. Und dann hab ich mit ihm gemacht, was ich wollte.”
Mein Herz klopft schneller. “Echt?”
“Ja. Und weißt du was? Es hat mir so einen Spaß gemacht. Ich mein, ich hatte die Kontrolle. Komplett. Und er hat es geliebt. Und ich auch.”
Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Mein Mund ist trocken.
“Und du?“, fragt Jule und guckt mich an. “Was hast du so erlebt?”
“Ich? Nichts. Also, nichts Besonderes.”
“Ach komm. Erzähl. Wir sind beste Freundinnen, oder?”
Ich zögere. Mein Herz pocht.
Und dann – dann erzähl ich es ihr.
“Es gab da… einen Freund. Vor ein paar Monaten. Nichts Ernstes. Aber wir haben mal… experimentiert.”
“Experimentiert?”
“Ja. Er hat mir gesagt, ich soll einen ganzen Tag zuhause nackt bleiben. Einfach so. Nichts anziehen. Den ganzen Tag.”
“Und?”
“Und ich hab es gemacht.” Meine Stimme wird leiser. “Und es hat mir… gefallen.”
“Gefallen?”
“Ja. Dieses Gefühl von… von Entblößung. Von Scham. Von… keine Ahnung. Es war komisch, aber auch irgendwie… aufregend.”
Jule grinst. “Oh mein Gott, Lena. Das ist ja geil.”
“Ist es nicht.”
“Doch, ist es. Du stehst auf Erniedrigung.”
“Nein!”
“Doch.” Sie lacht. “Und weißt du was? Das ist total okay. Jeder hat seinen Kink.”
Ich schweige. Mein Gesicht brennt.
“Wir sollten das ausprobieren”, sagt Jule plötzlich.
“Was?”
“Das. Deine Sache. Im Urlaub. Ein bisschen… spielen.”
Mein Herz bleibt fast stehen. “Nein. Auf keinen Fall.”
“Warum nicht?”
“Weil – weil Nele dabei ist!”
Jule guckt in den Rückspiegel. Nele sitzt hinten, Kopfhörer auf, Augen auf dem Handy. Sie bekommt nichts mit.
“Die kriegt das nicht mit”, sagt Jule. “Die ist eh in ihrer eigenen Welt.”
“Trotzdem.”
“Komm schon, Lena. Es ist nur ein bisschen Spaß. Niemand wird es merken.”
Ich schlucke. Mein Herz pocht. Und ein Teil von mir – ein kleiner, gefährlicher Teil – will es auch.
“Was… was willst du denn machen?“, frage ich leise.
Jule grinst. “Zieh deinen Slip aus.”
“Was?!”
“Du hast mich gehört. Zieh deinen Slip aus.”
“Jule, das ist –”
“Das ist nichts. Niemand sieht es. Wir sind im Auto. Und du hast doch gesagt, dass du es magst, dich zu entblößen.”
Mein Atem geht schneller. Meine Hände zittern.
“Nur bis zu den Oberschenkeln”, sag ich. “Nicht ganz aus.”
“Okay.” Jule nickt. “Bis zu den Oberschenkeln.”
Ich guck nach hinten. Nele starrt auf ihr Handy. Kopfhörer auf. Sie bekommt nichts mit.
Ich atme tief ein.
Und dann – dann schieb ich meine Hände unter mein Kleid.
Meine Finger finden den Bund meines Slips. Ich zögere.
Mein Herz hämmert in meiner Brust.
Und dann zieh ich ihn runter. Langsam. Bis zu meinen Oberschenkeln.
Jule guckt rüber. Sie grinst. “Gut gemacht.”
Ich kann nicht atmen. Mein Gesicht brennt. Aber – und das ist das Verrückte – es fühlt sich auch… gut an. Aufregend. Verboten.
“Und jetzt ganz aus”, sagt Jule.
“Was? Nein!”
“Doch. Ganz aus. Gib ihn mir.”
“Jule –”
“Lena. Tu es.”
Ich schlucke. Meine Hände zittern.
Und dann – dann zieh ich ihn ganz aus.
Ich zieh ihn über meine Knie, über meine Füße, und dann halt ich ihn in meiner Hand.
Jule hält ihre Hand hin. “Gib her.”
Ich zögere. Und dann leg ich ihn in ihre Hand.
Sie nimmt ihn, stopft ihn in die Mittelkonsole, und sagt: “Den brauchst du nicht mehr.”
Mein Herz bleibt stehen. “Was soll das heißen?”
Sie grinst. “Das heißt, dass du den Rest der Fahrt ohne Slip verbringst. Und vielleicht auch noch ein bisschen länger.”
“Jule –”
“Du wolltest das doch, oder?”
Ich schweige. Mein Herz hämmert. Meine Beine zittern.
Und das Schlimmste ist: Sie hat recht.
Ich wollte es.
Und jetzt hab ich es.
Und ich weiß nicht, ob ich Angst haben soll – oder mich drauf freuen.